Mobilität der Zukunft 06.01.2021, 09:48 Uhr

Hyperloop: Warum die fliegenden Holländer allen davon rasen

Das niederländische Start-up Hardt hat das erste funktionstüchtige Hyperloop-System in Europa entwickelt. 2025 sollen Güter durch die Röhre sausen – danach Passagiere. Warum die niederländischen Entwickler einfach schneller sind als Elon Musk.

Abbildung des Hyperloop-Tunnels mit Kapsel

So wird der Hardt Hyperloop aussehen, wenn er komplett fertiggestellt ist.

Foto: Hardt

In einer geschlossenen Kapsel mit Schallgeschwindigkeit durch ein gigantisches Netz von Röhren rasen: Genau dafür wollen die Gründer von Hardt Hyperloop Menschen gewinnen. Das klingt doch nach einer fantastischen Geschichte von Jules Verne. Die Vision von Tim Houter, Mars Geuze und ihren Kollegen kann aber Wirklichkeit werden. Für Europa würde die Entwicklung drastische Veränderungen hervorrufen.

Hyperloop: Kapsel flitzt durch Europa

Der Hyperloop von Amsterdam soll in Höchstgeschwindigkeit zu den europäischen Nachbarstädten fahren. Die Provinz Noord-Holland hat eine Studie über den Bau des Pipeline-Netzes in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse geben einen Ausblick, wie die Kapsel bis 2025 durch Europa flitzen soll. Nun investieren die niederländischen Ministerien Millionen in das Hyperloop-Entwicklungsprogramm.

Das untersuchte Netz besteht aus fünf Strecken, die bis 2040 voll ausgelastet sein sollen. Die erste Strecke führt von Amsterdam nach Leiden und Den Haag. Bis nach Paris und Brüssel fährt eine zweite Strecke. Die dritte und vierte Route soll sogar bis nach Duisburg und Düsseldorf jetten. In nur 30 Minuten Fahrtzeit sollen Gäste von Amsterdam bis Düsseldorf reisen. Die fünfte Strecke fährt in Rekordzeit von Amsterdam nach Almere, Lelystad, Zwolle und Groningen.

Die geplante Höchstgeschwindigkeit beträgt 700 Kilometer pro Stunde. Durch diese Geschwindigkeit wird die Reisezeit im Vergleich zu einer regulären Bahnfahrt deutlich kürzer. Laut Studie, ist der Hyperloop mindestens dreimal schneller.

Hyperloop: Personen bis 2028 befördern

Mit dem Hyperloop können pro Fahrt viele Tausende von Menschen transportiert werden. Wie bei einem Zug können Einheiten einfach angehängt werden.

Das Unternehmen Hardt Hyperloop zieht nach Groningen um und errichtet dort einen Teststandort. Eine drei Kilometer lange Röhre entsteht, mit der die Technologie ab 2022 getestet wird. Ab 2025 sollen Güter mit dem Hyperloop von A nach B transportiert werden. Drei Jahre später sollen auch Personen durch Europa jetten. Ob das möglich wird, hängt stark von der Bereitschaft der nationalen und europäischen Behörden ab, in ein solches Netzwerk zu investieren. Zwei niederländische Ministerien sowie mehrere Unternehmen und Forschungsorganisationen haben Anfang Januar 2021 den Aufbau und die Finanzierung einer öffentlich-privaten Partnerschaft zur Entwicklung von Hyperloop bekannt gegeben. Das Investment soll auch auf die Klimaziele einzahlen. Das Konsortium wird nämlich das Potenzial von Hyperloop als emissionsfreie Hochgeschwindigkeits-Transportlösung untersuchen, die eine wichtige Rolle beim Klimawandel spielen und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum erzielen könnte.

Hyperloop-Forschungsprogramm soll nachhaltige Transportlösung beweisen

Das sogenannte Hyperloop Development Program (HDP) ist ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsprogramm für die Entwicklung des Hyperloops. Unternehmen und Institutionen arbeiten gleichermaßen zusammen, um die Entwicklung des Hyperloops als effiziente Möglichkeit für Menschen und Güter zu beschleunigen. Das Programm soll drei Jahre gefördert werden und zeigen, dass der Hyperloop eine sichere, nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Transportprobleme in Europa und auf der ganzen Welt ist.

In der ersten Phase wird auch das Potenzial des Röhrenzugs als industrielles Entwicklungsprojekt bewertet, das neue Unternehmen, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schaffen kann. Die niederländische Provinz Groningen hat zudem zugestimmt, drei Millionen Euro für eine Testeinrichtung bereitzustellen.

„Ein globales Infrastrukturprojekt wie Hyperloop kann nur erreicht werden, wenn öffentliche und private Parteien auf komplementäre Weise zusammenarbeiten“, sagt Jeroen in ‚t Veld, Vorsitzender des Hyperloop-Entwicklungsprogramms.

Die niederländische Regierung bietet eine erhebliche finanzielle Unterstützung und eine aktive Beteiligung am Programm zur Entwicklung von Hyperloops. Die Niederlande nimmt somit weltweit eine führende Rolle bei der Entwicklung von Hyperloops ein.

Rückblick: Spurwechseltechnologie von Hardt Hyperloop

Bei einer groß aufgezogenen Enthüllungsveranstaltung in Delft präsentierte Hardt Hyperloop die Fortschritte der Technologie. Das niederländische Start-up wird von EIT Inno-Energy gefördert. Unter der sogenannten HLS-Technologie (Hyperloop Lane Switch) versteht man eine Spurwechseltechnologie. Mit dieser können Hyperloop-Kapseln ohne eine bewegliche Komponente die Spur wechseln. Die Beförderungskapseln können das Netz befahren oder es verlassen. Die Geschwindigkeit bleibt dabei immer gleich. Der erfolgreiche Abschluss des ersten Teilstücks ist ein großer Schritt in Richtung Hyperloop-Tunnelsystem in Europa.

Die erste Testphase bestand aus der Auswertung der grundlegenden Hyperloop-Technologie. Dazu zählten:

  • magnetisches Schweben
  • Niederdruckumgebungen
  • Antriebssystem
  • Simulation von Fracht- und Passagierbeförderung
  • Spurwechsel

Jacob Ruiter erklärte auf der Eröffnungsfeier: „Der Abschluss der Tests ist ein Meilenstein für die gesamte Hyperloop-Technologie. Ist diese Technologie erst einmal marktreif, wird sich unsere Art der Fortbewegung grundlegend verändern.“ Der CEO von Inno-Energy Benelux führte weiter aus, dass so eine nachhaltige Alternative zu Kurzstreckenflügen oder Zugfahrten geschaffen werden würde.

Die erste Demo des europäischen Hyperloop-Tunnels zeigt dieses Video:

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So funktioniert die Hyperloop-Technologie

Das System der Niederländer setzt sowohl Magnete wie auch Elektromagnete ein. Mit dieser Kombination kann mehr Gewicht als das eines Autos gehoben werden. Das Start-up achtet darauf, so wenig Energie wir möglich für diesen Prozess aufzuwenden. Nach eigenen Angaben wird eine Energiemenge zum Einschalten einer Glühbirne verwendet. Die Teststrecke in Toulouse besteht aus Stahl. Angetrieben wird das Fahrzeug lediglich mit eleketrischer Energie. Vorstellen kann man sich das Fahren wie auf einer Magnetwelle. Hat der Elektromotor das Fahrzeug erst einmal auf die gewünschte Reisegeschwindigkeit gebracht, benötigt er nur noch einen Bruchteil der Energie, um im gleichen Tempo weiter zu reisen. Die hohen Geschwindigkeiten werden durch die Kombination von Levitation und einer Umgebung ohne Luftwiderstand erreicht. Die Umgebung wird mit einer Vakuumpumpe geschaffen.

Sehen kann man die Kapseln im Inneren nicht, denn sie werden durch verdeckte Rohre geleitet. Das innovative Fahrzeug ist mit einem Oberlicht ausgestattet, welches die Wahrnehmung des Tunnels erweitert. Das Dach der Kapseln ist ein weiteres technisches Highlight: Es zeigt die aktuelle Tageszeit und das Wetter des Standorts. Fahrgästen soll so eine besonders komfortable Reise ermöglicht werden.

Idee stammt schon aus dem 19. Jahrhundert

Ein Hyperloop aus dem 19. Jahrhundert: Das kann nicht sein. Doch, denn die Idee, so zu reisen, ist gar nicht mal neu. Die „London and Edinburgh Vacuum Tunnel Company” schlug bereits im Jahr 1825 vor, Schienenfahrzeuge durch luftleer gesaugte Tunnel fahren zu lassen. Diese Vision blieb unausgereift, bis – wie kann es anders sein – Tesla-Gründer Elon Musk das Konzept „Hyperloop“ taufte. Er propagierte die Idee des Hochgeschwindigkeitszugs im luftleeren Tunnel auf der ganzen Welt und fand Zuspruch. Bis heute findet ein Wettbewerb in Los Angeles statt, bei dem sich junge Entwickler aus der ganzen Welt beweisen können. Darunter auch Jungingenieure aus München. Sie haben schon mehrfach den Hyperloop-Wettbewerb gewonnen und forschen an der Universität weiter an der Entwicklung. Doch auch das Team Delft Hyperloop der Technischen Universität besiegte in der „Hyperloop Pod Competition“ 32 andere Hochschulen. Bei Tests in einer 1,6 Kilometer langen Röhre belegten die Delfter Platz 1 der Gesamtwertung. Das deutsche Team „Warr Hyperloop“ der TU München machte ebenfalls von sich Reden: Seine Kapsel schaffte im Juli 2018 den Geschwindigkeitsrekord von 466 Stundenkilometern.

Die nächsten Hyperloop-Phasen

In Phase zwei soll eine drei Kilometer lange Strecke gebaut werden, auf der verschiedene Hyperloop-Unternehmen ihre Kapseln testen können. Das gigantische Röhrenprojekt, das ursprünglich der Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk erdacht hat, nimmt also Gestalt an. Letztes Jahr hatte das Start up noch ambitioniertere Ziele als ein Teilstück des Tunnelsystems fertigzustellen. Eine Hyperloop-Verbindung zwischen Amsterdam und Paris sollte bis 2021 befahrbar sein. Von diesem Plan hat sich das Start-up verabschiedet. Ursprünglich sollten die Kapseln mit Waren oder Personen innerhalb von 30 Minuten am Ziel sein. Eine kommerzielle Strecke sollte zudem in den Emiraten entstehen.

Stattdessen wird in den nächsten zwei Jahren ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einem drei Kilometer langen Testtunnel aufgebaut. Das Zentrum soll „European Hyperloop Centre“ heißen. Am Start-up Hardt sind Großkonzerne wie die Deutsche Bahn, Continental und Tata Steel interessiert. Des Weiteren ist die Technologie für Flughäfen spannend. Flughäfen von Amsterdam und Frankfurt haben bereits ihr Interesse bekundet, eine Schnellverbindung via Hyperloop innerhalb von 30 Minuten zwischen den beiden Flughäfen zu schaffen.

Die Kapseln in den Tunneln sollen zukünftig eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 1.200 Kilometern pro Stunde erreichen. Bisher liegt der Rekord bei 457 Kilometern pro Stunde.

Die Delfter entwerfen in den kommenden Jahren ihr fahrerloses Konzept für ein Ökosystem überwiegend autonomer oder automatisierter Verkehrsmittel der Zukunft. Der Hyperloop soll sich in erster Linie vernetzen – beispielsweise, indem er selbstfahrende Taxis zum Ankunftsterminal bestellt. Den größten Teil des Stroms  könnten laut Hardt Solaranlagen auf den stelzengeführten Trassen liefern.

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Von Sarah Janczura

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