Was wurde eigentlich aus…? 07.05.2020, 12:02 Uhr

Wird Europas Hyperloop im Jahr 2025 superschnell dahingleiten?

Das niederländische Start-up Hardt hat das erste funktionstüchtige Hyperloop-System in Europa entwickelt. Nach einer zweijährigen Testphase ist ein 30 Meter langes Teilstück des Systems fertiggestellt. Wird Europas erster Hyperloop bis 2025 superschnell dahingleiten?

Abbildung des Hyperloop-Tunnels mit Kapsel

So wird der Hardt Hyperloop aussehen, wenn er komplett fertiggestellt ist.

Foto: Hardt

Der Hyperloop von Amsterdam soll in Höchstgeschwindigkeit zu den europäischen Nachbarstädten fahren. Die Provinz Noord-Holland hat eine Studie über den Bau des Pipeline-Netzes in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse geben einen Ausblick, wie die Kapsel bis 2025 durch Europa flitzen soll.

Das untersuchte Netz besteht aus fünf Strecken, die bis 2040 voll ausgelastet sein sollen. Die erste Strecke führt von Amsterdam nach Leiden und Den Haag. Bis nach Paris und Brüssel fährt eine zweite Strecke. Die dritte und vierte Route soll sogar bis nach Duisburg und Düsseldorf jetten. In nur 30 Minuten Fahrtzeit sollen Gäste von Amsterdam bis Düsseldorf reisen. Die fünfte Strecke fährt in Rekordzeit von Amsterdam nach Almere, Lelystad, Zwolle und Groningen.

Die geplante Höchstgeschwindigkeit beträgt 700 Kilometer pro Stunde. Durch diese Geschwindigkeit wird die Reisezeit im Vergleich zu einer regulären Bahnfahrt deutlich kürzer. Laut Studie, ist der Hyperloop mindestens dreimal schneller.

Hyperloop: Personen bis 2028 befördern

Mit dem Hyperloop können pro Fahrt viele Tausende von Menschen transportiert werden. Wie bei einem Zug können Einheiten einfach angehängt werden.

Das Unternehmen Hardt Hyperloop wird in den kommenden Jahren nach Groningen umziehen und einen Teststandort aufbauen. Dort soll eine drei Kilometer lange Röhre entstehen, mit der die Technologie ab 2022 getestet wird. Ab 2025 sollen Güter mit dem Hyperloop von A nach B transportiert werden. Drei Jahre später sollen auch Personen durch Europa jetten. Ob das möglich wird, hängt stark von der Bereitschaft der nationalen und europäischen Behörden ab, in ein solches Netzwerk zu investieren.

Rückblick: Spurwechseltechnologie von Hardt Hyperloop

Bei einer groß aufgezogenen Enthüllungsveranstaltung in Delft präsentierte Hardt Hyperloop die Fortschritte der Technologie. Das niederländische Start-up wird von EIT Inno-Energy gefördert. Unter der sogenannten HLS-Technologie (Hyperloop Lane Switch) versteht man eine Spurwechseltechnologie. Mit dieser können Hyperloop-Kapseln ohne eine bewegliche Komponente die Spur wechseln. Die Beförderungskapseln können das Netz befahren oder es verlassen. Die Geschwindigkeit bleibt dabei immer gleich. Der erfolgreiche Abschluss des ersten Teilstücks ist ein großer Schritt in Richtung Hyperloop-Tunnelsystem in Europa.

Die erste Testphase bestand aus der Auswertung der grundlegenden Hyperloop-Technologie. Dazu zählten:

  • magnetisches Schweben
  • Niederdruckumgebungen
  • Antriebssystem
  • Simulation von Fracht- und Passagierbeförderung
  • Spurwechsel

Jacob Ruiter erklärte auf der Eröffnungsfeier: „Der Abschluss der Tests ist ein Meilenstein für die gesamte Hyperloop-Technologie. Ist diese Technologie erst einmal marktreif, wird sich unsere Art der Fortbewegung grundlegend verändern.“ Der CEO von Inno-Energy Benelux führte weiter aus, dass so eine nachhaltige Alternative zu Kurzstreckenflügen oder Zugfahrten geschaffen werden würde.

Die erste Demo des europäischen Hyperloop-Tunnels zeigt dieses Video:

So funktioniert die Hyperloop-Technologie

Das System der Niederländer setzt sowohl Magnete wie auch Elektromagnete ein. Mit dieser Kombination kann mehr Gewicht als das eines Autos gehoben werden. Das Start-up achtet darauf, so wenig Energie wir möglich für diesen Prozess aufzuwenden. Nach eigenen Angaben wird eine Energiemenge zum Einschalten einer Glühbirne verwendet. Die Teststrecke in Toulouse besteht aus Stahl. Angetrieben wird das Fahrzeug lediglich mit eleketrischer Energie. Vorstellen kann man sich das Fahren wie auf einer Magnetwelle. Hat der Elektromotor das Fahrzeug erst einmal auf die gewünschte Reisegeschwindigkeit gebracht, benötigt er nur noch einen Bruchteil der Energie, um im gleichen Tempo weiter zu reisen. Die hohen Geschwindigkeiten werden durch die Kombination von Levitation und einer Umgebung ohne Luftwiderstand erreicht. Die Umgebung wird mit einer Vakuumpumpe geschaffen.

Sehen kann man die Kapseln im Inneren nicht, denn sie werden durch verdeckte Rohre geleitet. Das innovative Fahrzeug ist mit einem Oberlicht ausgestattet, welches die Wahrnehmung des Tunnels erweitert. Das Dach der Kapseln ist ein weiteres technisches Highlight: Es zeigt die aktuelle Tageszeit und das Wetter des Standorts. Fahrgästen soll so eine besonders komfortable Reise ermöglicht werden.

Die nächsten Hyperloop-Phasen

In Phase zwei soll eine drei Kilometer lange Strecke gebaut werden, auf der verschiedene Hyperloop-Unternehmen ihre Kapseln testen können. Das gigantische Röhrenprojekt, das ursprünglich der Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk erdacht hat, nimmt also Gestalt an. Letztes Jahr hatte das Start up noch ambitioniertere Ziele als ein Teilstück des Tunnelsystems fertigzustellen. Eine Hyperloop-Verbindung zwischen Amsterdam und Paris sollte bis 2021 befahrbar sein. Von diesem Plan hat sich das Start-up verabschiedet. Ursprünglich sollten die Kapseln mit Waren oder Personen innerhalb von 30 Minuten am Ziel sein. Eine kommerzielle Strecke sollte zudem in den Emiraten entstehen.

Stattdessen wird in den nächsten zwei Jahren ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einem drei Kilometer langen Testtunnel aufgebaut. Das Zentrum soll „European Hyperloop Centre“ heißen.  Am Start-up Hardt sind Großkonzerne wie die Deutsche Bahn, Continental und Tata Steel interessiert. Des Weiteren ist die Technologie für Flughäfen spannend. Flughäfen von Amsterdam und Frankfurt haben bereits ihr Interesse bekundet, eine Schnellverbindung via Hyperloop innerhalb von 30 Minuten zwischen den beiden Flughäfen zu schaffen.

Die Kapseln in den Tunneln sollen zukünftig eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 1.200 Kilometern pro Stunde erreichen. Bisher liegt der Rekord bei 457 Kilometern pro Stunde.

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