Sharing Economy 07.05.2019, 07:00 Uhr

Volkswagen steigt bei E-Scootern ein

In Deutschland werden elektrische Tretroller bald zugelassen. Jetzt nutzt VW die Gunst der Stunde und steigt in den Markt ein – mit der Vermietung von E-Scootern. Konkurrenten haben ähnliche Pläne.

Elektromobilität

Streetmate und Cityskater, zwei Lösungen zur Elektromobilität.

Foto: VW

Dem Konzern geht es nicht um ein neues Verkaufsmodell. Vielmehr sollen Scooter über Sharing-Plattformen vermietet werden – als Alternative zu Autos, Taxis oder Bussen in Großstädten. Auch gegen die Parkplatznot bieten die kleinen Fahrzeuge eine Alternative. Etliche europäische Metropolen setzen auf das Konzept, um ihr Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Deutschlands Metropolen sind bald mit dabei. Der Gesetzgeber hat im Prinzip seine Zustimmung signalisiert.

Modellprojekte zur Mikromobilität

Wie das Handelsblatt jetzt berichtet, arbeitet VW mit Hochdruck an dem Projekt. Als Dienstleister für die Plattform ist „We Share“ aus Dortmund mit im Boot. Es soll auch schon Fahrzeuge mit dem Firmenlogo geben. Für den Einstieg in das Geschäft mit E-Scootern kooperiert Volkswagen zudem mit dem chinesischen Start-up Niu.

Schon im Frühjahr 2018 präsentierte der Konzern einen Prototyp seines „Cityskaters“ als möglichen Einstieg in die Elektromobilität. Auch der „Streetmate“ war bei Fachmedien im Gespräch. Doch die Unternehmensstrategie hat sich geändert. Jetzt liefert der bekannte US-Hersteller Segway alle Roller. Er befindet sich mittlerweile im Besitz der chinesischen Firma Ninebot. Andere Firmen haben ebenfalls Projekte zur Mikromobilität in der Pipeline. Uber und Lyft sind in den USA aktiv – mit einem Sprung über den „großen Teich“ ist zu rechnen. Seat will in Spanien eXS-Elektrotretroller vermieten. Und BMW bietet mit dem X2City ebenfalls ein System an. Audi hat zum „e-tron Scooter“ bislang nur Prototypen entwickelt.

Dass alle Akteure am Thema arbeiten, erstaunt angesichts des gewaltigen Marktes nicht. Handelsblatt-Schätzungen zufolge sollen es 100 bis 150 Milliarden Dollar in Europa und 200 bis 300 Milliarden in den USA sein. Für China werden 30 bis 50 Milliarden Dollar genannt – abseits von Großstädten sind die Distanzen einfach zu groß.

Technische Voraussetzungen

Jetzt geht es in schnellen Schritten voran. Das Bundeskabinett hat die „Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung“ beschlossen, nach der elektronisch angetriebenen City-Rollern, sogenannte Elektro-Tretroller oder E-Scooter, die Benutzung des öffentlichen Straßenverkehrs ermöglicht werden soll. Bislang waren nur elektrische Mobilitätshilfen zugelassen. Die neue Verordnung gilt für „elektrisch betriebenene Fahrzeuge ohne Sitz“ sowie für „selbstbalancierende Fahrzeuge“, wie es im Entwurf heißt. Der Bundesrat will am 17. Mai über die „Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge“ abstimmen, um E-Scooter auf deutschen Straßen zu bringen. Im Vorfeld sprach sich der Verkehrsausschuss dafür aus, dass Gehwege für die Tretroller tabu bleiben.

Außerdem müssen die Hersteller technische Rahmenbedingungen beachten, damit sie eine Zulassung erhalten. Die Scooter brauchen eine Lenk- oder Haltestage. Ihre bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit liegt maximal bei 20 Stundenkilometern. Als Leistungsbegrenzung sind 500 Watt beziehungsweise 1.400 Watt bei selbstbalancierenden Fahrzeugen vorgesehen. Fahrdynamische Mindestanforderungen, etwa zur Balance, müssen erfüllt werden. Bremsen und Beleuchtungseinrichtungen sind ebenfalls wichtige Bestandteile der Verkehrssicherheit.

Modell für die Sharing Economy?

Bleibt zu vermuten, dass es Autoherstellern nicht nur um die Elektroscooter an sich geht. Hat ihr Modell Erfolg, können sie es in Grundzügen auf das autonome Fahren übertragen. Elektromobilität bietet nämlich – vom ökologischen Aspekt durch den Einsatz regenerativer Energien abgesehen – nur wenige Vorteile. Gesetzliche Einschränkungen bei Verbrennungsmotoren führen zum starken Interesse an neuen Technologien dieses Bereichs. Die größte Herausforderung, immer mehr Personen ohne Verzögerung zu transportieren, lösen Elektroautos nicht. Zusammen mit dem autonomen Fahren und mit Shared Economy ergeben sich aber innovative Ansätze.

Das könnte so aussehen: Ein Mobilitätsprovider bietet Personentransporte an. Er koordiniert über Cloudtechnologien und über künstliche Intelligenz seine Ressourcen. Zur richtigen Zeit steht das autonom gesteuerte Fahrzeug vor der Haustüre und zwar als deutlich verschleißfreieres Elektromobil, verglichen mit Verbrennungsmotoren. Wartezeiten oder die nervenaufreibende Suche nach Parkplätzen wären plötzlich Geschichte. Und wie schon beim Scooter erwerben Verbraucher eine Dienstleistung, aber kein Fahrzeug.

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