Gute Bewerbungsunterlagen

Lücken im Lebenslauf: Wie sollten Ingenieure damit umgehen?

Ziel einer Bewerbung ist es, den eigenen Werdegang in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Doch wie können Ingenieure mit längeren Lücken im Lebenslauf umgehen? Müssen sie erklärt oder gefüllt werden? Ist Lügen erlaubt?

Lücken im Lebenslauf lassen sich entweder erklären oder sie sind, was sie sind. Stehen Sie dazu! Foto: panthermedia.net/stockasso

Lücken im Lebenslauf lassen sich entweder erklären oder sie sind, was sie sind. Stehen Sie dazu!

Foto: panthermedia.net/stockasso

Der Lebenslauf ist in den Bewerbungsunterlagen unverzichtbar. Einem Personalentscheider legt er nicht nur die einzelnen beruflichen Stationen dar, im Idealfall wird eine Richtung deutlich, also ein Ziel, das der Ingenieur anstrebt. Das kann ein langsamer Aufstieg zu einer Führungsposition sein oder eine fachliche Expertise, die immer weiter ausgebaut wird. Ein Lebenslauf voller Lücken ist daher problematisch. Werden die Lücken ungeschickt dargestellt oder sogar halbherzig verschleiert, kann das dazu führen, dass der Personalchef die Bewerbungsunterlagen aussortiert. Dabei gibt es viele Situationen, in denen Lücken im Lebenslauf entstehen und die jeder Personaler anerkennt. Wichtig ist also ein korrekter und offener Umgang mit dem Thema.

Was ist überhaupt eine Lücke im Lebenslauf?

Eine Lücke im Lebenslauf hat zunächst einmal eine zeitliche Dimension. Nach Abschluss des Studiums oder beim Wechsel zwischen zwei Jobs kann es durchaus passieren, dass der Übergang nicht nahtlos erfolgt. Eine Lücke von maximal 2 Monaten gilt in solchen Fällen als tolerierbar und muss nicht gefüllt werden. Unter Umständen kann sie sogar von Vorteil sein, etwa, wenn Sie sich bewusst für diesen Zeitraum des Verdienstausfalls entschieden haben, um später eine besonders attraktive Position antreten zu können. Solch eine Erklärung gehört aber nicht in die Unterlagen, sondern gegebenenfalls ins Vorstellungsgespräch – falls der Personalchef auf die Lücke im Lebenslauf zu sprechen kommen sollte. Grundsätzlich gilt, dass Sie eine Differenz von maximal 2 Monaten nicht kommentieren müssen.

Darüber hinaus werden Sie in vielen Fällen feststellen, dass eine Zäsur in Ihrem beruflichen Werdegang nicht automatisch damit gleichzusetzen ist, dass Sie nichts Sinnvolles getan haben. Besondere Lebenssituationen wie eine Erkrankung oder eine Phase der Neuorientierung sind daher nicht unbedingt als Lücke im Lebenslauf zu verstehen – vorausgesetzt, Sie können darlegen, wie Sie diese Zeit verbracht haben. Schwierig wird es, wenn beispielsweise eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit wie ein großes Ausrufezeichen im Lebenslauf steht.

Wie können Ingenieure Lücken im Lebenslauf vermeiden?

Lücken im Lebenslauf bahnen sich häufig an, weil Sie beispielsweise Zeit brauchen, um in einer anderen Branche Fuß zu fassen, oder die Stellensuche schlechter läuft als geplant. Statt auf Ihr Glück zu hoffen und einfach so weiterzumachen wie bisher, sollten Sie sich einen Plan zurechtlegen, um spätere Lücken im Lebenslauf gar nicht erst entstehen lassen. Eine Bewerbungsphase können Sie beispielsweise nutzen, um parallel eine Weiterbildung zu absolvieren. Die sollten Sie natürlich nicht wahllos aussuchen. Bauen Sie entscheidende Fähigkeiten wie Fremdsprachen– oder Programmierkenntnisse aus!

Das gilt besonders, wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Kündigung entstanden ist, weil Sie etwa die Probezeit nicht überstanden haben. Durch gezielte Fortbildungen können Sie demonstrieren, dass Sie sich unter Umständen nicht perfekt verhalten haben, aber aus Ihren Fehlern lernen und sich weiterentwickeln. Gegebenenfalls bieten sich auch Weiterbildungen im Bereich der Soft Skills an. So können Sie eine Lücke im Lebenslauf verhindern und gleichzeitig Einsatzbereitschaft für Ihre Karriere demonstrieren. Wer eine Lücke zwischen dem Hochschulabschluss und dem ersten Job überbrücken möchte, kann sich ein passendes Praktikum suchen. Spannende Angebote gibt es auf der Praktikabörse von ingenieur.de.

Ist das Lügen im Lebenslauf erlaubt?

Um es vorwegzunehmen: Lügen im Lebenslauf sind ein absolutes Tabu! Dabei handelt es sich keineswegs um ein Kavaliersdelikt. Denn wer seinen künftigen Arbeitgeber anlügt, täuscht ihn bewusst. Das kann – abhängig von der individuellen Situation – sogar ein Grund für eine fristlose Kündigung sein. Im schlimmsten Fall sind Schadenersatzforderungen durch den Arbeitgeber denkbar. Die möglichen Folgen einer Lüge hängen natürlich davon ab, wie gravierend die Schwindelei einzuschätzen ist, auf der sicheren Seite sind Bewerber aber nur, wenn sie im Lebenslauf bei der Wahrheit bleiben und für Lücken keine Tätigkeiten erfinden.

Während einer Bewerbungsphase müssen Sie als Ingenieur damit rechnen, dass der Personalchef Sie etwa im Vorstellungsgespräch auf Angaben in Ihrem Lebenslauf anspricht. Handelt es sich beispielsweise bei einer angeblich absolvierten Weiterbildung um eine Lüge, kommen Sie schnell in Erklärungsnot: Warum etwa fehlt ein Zertifikat? Wieso können Sie inhaltliche Fragen zu der vermeintlichen Fortbildung nicht beantworten? In beiden Fällen wäre es sehr unwahrscheinlich, dass Sie nach dem Gespräch in die engere Wahl für die Stelle kommen.

Ist es legitim, Lücken im Lebenslauf zu verschleiern?

In einem klassischen tabellarischen Lebenslauf führen Sie Ihren Werdegang in Jahren und Monaten auf, also beispielsweise 01/2016 – 10/2019. Auf eventuelle Lücken müssen Sie den potenziellen Arbeitgeber nicht explizit hinweisen. Gleichzeitig ist davon abzuraten, Lücken zu verschleiern, indem Sie auf die Angaben von Monaten verzichten und nur Jahreszahlen auflisten. Das ist ein beliebter Trick, den Personaler natürlich ebenfalls kennen. Er funktioniert daher wie ein Warnschild: Achtung, Lücke im Lebenslauf! Mit anderen Worten: Sie erwecken den Eindruck, dass Sie etwas zu verbergen haben und betonen auf diese Weise eine Lücke im Lebenslauf sogar noch. Die Gelegenheit, den Ausfall im Vorstellungsgespräch (gut) zu begründen, werden Sie wahrscheinlich nicht erhalten.

Noch auffälliger ist es, auf Zeitangaben ganz zu verzichten und stattdessen Qualifikationen aufzuführen oder bei beruflichen Stationen den jeweiligen Zeitraum einfach gar nicht zu nennen.

Ist es legitim, Lücken im Lebenslauf sprachlich zu stopfen?

Formulierungen in Bewerbungsunterlagen sind bis zu einem gewissen Grad ohne Frage Geschmackssache. Wenn es darum geht, Lücken im Lebenslauf zu beschönigen, ist der Grat zu unglaubwürdigen Aussagen jedoch sehr schmal. Natürlich ist es völlig legitim, Fähigkeiten zu benennen, die Sie während einer Auszeit erworben haben, auch wenn Sie kein Zertifikat vorzuweisen haben. Ein Beispiel ist eine dreimonatige Amerikareise. Die Formulierung: „Amerikareise / Verbesserung der Englischkenntnisse“ ist ein guter Kompromiss. Sie lügen nicht, tarnen Ihren Urlaub nicht als Weiterbildung, haben aber trotzdem einen wichtigen Soft Skill erweitert und können das ruhig ausführen. Im Vorstellungsgespräch können Sie dann durchaus sagen, dass Sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden haben.

Von regelrechten Verschleierungstaktiken sollten Sie jedoch absehen. Das Gleiche gilt für das Aufteilen einer größeren Lücke in kleinere Häppchen, um die Bedeutung herunterzuspielen. Falls Sie seit 6 Monaten arbeitssuchend sind, sollten Sie das schreiben und diesen Zeitraum nicht etwa aufteilen in „Potenzialanalyse“, „berufliche Neuorientierung“ und „Beginn der Stellensuche“. Das wirkt unseriös und zusätzlich unentschieden. Vergessen Sie nicht: Personaler haben viel Erfahrung mit Bewerbungsunterlagen und erkennen in der Regel auf den ersten Blick, dass Sie durch diese Wortungetüme eine Lücke im Lebenslauf kleinreden möchten.

Welche Gründe für Lücken können im Lebenslauf genannt werden?

Arbeit ist nicht alles im Leben. Persönliche Gründe können dazu führen, dass Sie beruflich eine Pause einlegen. Diese können und sollten Sie in den meisten Fällen klar benennen. So entsteht kein Spielraum für Spekulationen und Sie demonstrieren, dass Sie zu Ihren Entscheidungen stehen. Gute Beispiele für solche Auszeiten sind Elternzeit (auch bei Männern!), Pflege eines Angehörigen oder eigene gesundheitliche Probleme. Bei einer Erkrankung sollten Sie hinzufügen, dass Sie vollständig genesen und einsatzbereit sind – vorausgesetzt, das ist tatsächlich der Fall und es handelt sich nicht um eine chronische Erkrankung. Die Diagnose müssen Sie nicht benennen. Je nach Art der Erkrankung sollten Sie jedoch darüber nachdenken, ob Sie das Thema aktiv bei einem Vorstellungsgespräch ansprechen möchten. Erkrankungen die wiederholt auftreten und den neuen Arbeitgeber ebenso betreffen könnten wie den alten, müssen Sie nicht aktiv ansprechen.

Auch das Scheitern eines Plans ist keine Schande und kann im Lebenslauf aufgeführt werden. Das gilt sowohl für den Wechsel eines Studienplatzes, als auch für eine längere Zeit der Arbeitssuche, weil Sie in Ihrem bisherigen Schwerpunktbereich nicht mehr tätig werden möchten. Die meisten Personalchefs schätzen einen offensiven Umgang mit schwierigen Lebensphasen. Schließlich werden Sie auch in Ihrem neuen Job immer wieder vor Herausforderungen stehen, die Sie bewältigen müssen. Da kann es auch mal besser sein, einen Schritt zur Seite zu machen und sich neu zu orientieren – mit dieser Argumentation werden Sie Fragen im Vorstellungsgespräch problemlos überstehen.

Noch ein Tipp für selbstständige Ingenieure, die sich auf eine Festanstellung bewerben möchten: Die Selbstständigkeit ist natürlich keine Lücke im Lebenslauf. Der Schwenk von der Freiberuflichkeit zur Bewerbung auf eine feste Stelle sollte im Anschreiben jedoch unbedingt begründet werden. Hier bieten sich positive Formulierungen an, wie der Wunsch nach Teamarbeit oder der Verantwortung für größere Projekte.

In welchem Umfang sollten Lücken im Lebenslauf erklärt werden?

Ein tabellarischer Lebenslauf ist in Stichworten verfasst. Lange Erklärungen sind hier nicht vorgesehen und sollten vermieden werden. Zudem ist es gerade bei selbst verschuldeten Lücken im Lebenslauf schwer, angemessene Argumente zu finden. Der Versuch einer Erklärung wird hier meistens eher wie eine halbherzige Entschuldigung oder – noch schlimmer – eine Rechtfertigung aussehen. Einen guten Eindruck hinterlässt das nicht. Es ist eher empfehlenswert, durch die übrigen Angaben und ein sehr engagiertes Anschreiben zu punkten. Haben Sie auf diese Weise die erste Hürde genommen und werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen, können Sie Lücken im Lebenslauf im persönlichen Gespräch sicherlich besser darlegen. Auch im Gespräch gilt aber: Geben Sie nicht dem Schicksal oder Ihrem früheren Arbeitgeber die Schuld. Es wirkt professioneller, zu einem Fehler zu stehen – sollte es sich bei der Lücke im Lebenslauf denn um einen handeln.

Zeitpunkt der Lücke entscheidend

Ob Sie im Anschreiben auf eine Lücke im Lebenslauf Bezug nehmen, hängt vor allem davon ab, an welcher Stelle sie auftaucht. Können Sie anschließende längere Arbeitsverhältnisse vorweisen, tritt die Lücke ohnehin in den Hintergrund, Erklärungen sind nicht nötig. Anders sieht es aus, wenn Sie gerade dabei sind, sich im Anschluss an eine solche Lücke zu bewerben. Dann macht ein Verweis aufs Vorstellungsgespräch Sinn, zum Beispiel: „Gern erkläre ich Ihnen im persönlichen Gespräch, wie es zu dieser längeren Phase der Arbeitssuche gekommen ist.“

Falls Sie den Wiedereinstieg nach einer Erkrankung suchen, ist es ebenfalls ratsam, dem Personalentscheider anzubieten, entsprechende Fragen zu beantworten. Offiziell müssen Sie nach Ihrer Genesung zwar nicht angeben, welche Krankheit zu der Lücke im Lebenslauf geführt hat. Aber Personaler wollen in der Regel sicher gehen, den passenden Bewerber zu finden, weswegen solche Unwägbarkeiten schnell dazu führen können, dass Ihre Bewerbungsunterlagen auf dem Stapel für Absagen landen. Der Fachkräftemangel führt zwar häufig zu größerer Kulanz, doch mit einer offensiven Vorgehensweise lassen sich Vorbehalte leichter entkräften.

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