22.12.2014, 12:01 Uhr

Tückische Lücken im Lebenslauf

Es ist schon ein Kreuz mit den Lücken im Lebenslauf. Ein Kreuz, das nach dem Willen deutscher Personaler durchs ganze Leben geschleppt werden muss und immer wieder zu bohrenden Nachfragen führt. Wenn die Maschine schon einmal ins Stottern geraten ist, vermutet man dahinter Schlimmeres und möchte das eigene Unternehmen vor größerem Schaden bewahren.

Plausibel erklärte Lücken stellen kein Problem dar.

Plausibel erklärte Lücken stellen kein Problem dar.

Foto: panthermedia.net/vladvitek

Geht man davon aus, dass Lücken im Lebenslauf nur einen verschwindend geringen Zeitanteil des gesamten Lebenslaufes ausmachen, kann über den Sinn und Unsinn der deutschen Personalpraxis gestritten werden. In anderen Ländern wird mit solchen Phänomen lockerer umgegangen, was den Arbeitnehmern Luft verschafft, auch einmal links oder rechts aus dem Hamsterrad auszusteigen, um einfach einmal Dinge zu machen, die jenseits der Stromlinie liegen.

Sicherlich muss in der Qualität der Lücken im Lebenslauf unterschieden werden. Dennoch, wer Lücken im Lebenslauf hat, muss sich immer auf unbequeme Fragen bei einem telefonischen oder mündlichen Interview einstellen. Beginnen wir einmal mit den unschädlichen Lücken. Dies sind solche von bis zu drei Monaten, die im Grunde keine Fragen aufwerfen, weil sie als „normal“ gelten. Sie entstehen zwischen Schul- oder Hochschulwechseln, als Wartezeit auf einen Studien-/Ausbildungsplatz usw.

Kurze Lücken im Lebenslauf sind kein Problem

Auch kürzere Lücken im Lebenslauf zwischen einzelnen Berufsstationen führen allenfalls zu „rhetorischen“ Nachfragen. Kurze Zeiten der Beschäftigungslosigkeit brauchen daher nicht ausdrücklich im Lebenslauf als „Arbeitslosigkeit“ aufgeführt werden. Es reicht völlig, wenn der Leser die zeitliche Lücke, z.B. von einem Monat, zwischen zwei Jobs sieht. Bei einem Stellenwechsel entstehen meist gewollt derartige kurze Auszeiten, die im eigentlichen Sinne eher Pausenzeiten als Zeiten der Arbeitslosigkeit sind.

Im Regelfall wird kaum ein Personalentscheider Probleme mit solchen vermeintlichen Lücken im Lebenslauf haben. Größere Lücken sollten allerdings nachvollziehbar (möglichst schon im Anschreiben oder im Lebenslauf) begründet werden, um den Personalern nicht Tür und Tor für Spekulationen zu öffnen.

Lücken im Lebenslauf vor und nach dem Studium

Wer etwa lange auf einen Studienplatz warten muss, kann sich überlegen, ob er zwischen dem letzten Schulbesuch und dem Studium einfach eine Lücken im Lebenslauf von mehreren Monaten lässt oder (vorteilhafter) die Lücke mit sinnvollen Aktivitäten schließt. Dies können Jobs, sprachliche Qualifizierungen, soziale/ehrenamtliche Engagements usw. sein, die einfach im Lebenslauf aufgeführt werden. Nach dem Studium kommt es überraschender Weise bei vielen Ingenieuren gleichfalls zu Lücken. Hier gelingt es nicht nahtlos von der Hochschule in ein Beschäftigungsverhältnis einzusteigen. Dieses Manko trat früher seltener auf.

Die angehenden Absolventen setzten sich wesentlich früher mit der Suche nach einem Einstiegsarbeitsplatz auseinander. Im Rahmen der neuen, kompakteren Studiengänge bleibt für viele Kandidaten offensichtlich kaum Zeit, sich neben Praktika, Auslandsaufenthalten, Prüfungen auf das Bewerbungsgeschäft zu stürzen. Ab sechs Monaten Arbeitslosigkeit stellt sich da schon die Frage, ob der Kandidat die Arbeitsmarktsituation richtig eingeschätzt hat und warum ihn bisher kein Arbeitgeber einstellen wollte. Wer dermaßen lange auf die Ersteinstellung wartet, sollte auf jeden Fall neben der Stellensuche weitere sinnvolle Aktivitäten in den Lebenslauf aufnehmen um Lücken im Lebenslauf zu überspielen. Im Idealfall sind dies Dinge, die ihn für die angepeilten Stellen aufwerten, z.B. entsprechende Seminare, Lehrgänge, das Zusatzsemester usw.

Lücken im Lebenslauf zwischen den Berufsstationen

Besonderes Augenmerk wird den Berufsstationen gewidmet. Die Berufspraxis muss prinzipiell lückenlos dokumentiert werden. Wo größere zeitliche Lücken im Lebenslauf auftreten, empfiehlt es sich, Aktivitäten im Lebenslauf aufzuführen. Dieses können Nebentätigkeiten, selbstständige Tätigkeiten, Weiterqualifizierungen usw. sein. Nichts aufführen heißt eben: Nichts getan! Wer sich aus der Arbeitslosigkeit bewirbt, sollte nicht einfach den Lebenslauf mit dem letzten Arbeitstag abbrechen lassen. Es sollte überlegt und berufsnahe Aktivitäten in den Lebenslauf eingestellt werden! Für jede längere Auszeit gibt es aber immer einen Grund. Häufig kommt es besser an, die Fakten auf den Tisch zu legen, statt viele Ausflüchte zu suchen und „Scheinaktivitäten zu erfinden“.

Wenn etwa eine Führungskraft ein halbes Jahr oder länger im Beruf pausiert, um seine kranken Eltern zu pflegen, ist dies eine Gewissensentscheidung. Zu dieser sollte kompromisslos gestanden werden. Menschlich ist es ein guter Zug, der jedoch nicht unbedingt bei jedem Personaler gut ankommt. Im Vorfeld solcher beruflich weittragenden Entscheidungen muss der einzelne daher durchdenken, ob er das Gesamtpaket tragen kann oder es für ihn letztlich zu schwer wird. Andere widmen sich in einer Auszeit ihren Hobbys. Wer ein Jahr um die Welt segelt, kann eben nicht nur mit Vorteilen in jeglicher Richtung rechnen. Das gleiche gilt für den Kandidaten, die ein Sabbatjahr bestreiten. Auch Schicksalsschläge können zu Auszeiten zwingen, die allerdings ungewollt sind. Dem Personaler bleiben bei all diesen Lücken im Lebenslauf Interpretationsspielräume. Ob und wie er diese nutzt, liegt in seinem Ermessen und den Zwängen, denen er selbst ausgesetzt ist.

Zeitliche Lücken im Lebenslauf kaschieren

Manche Bewerber versuchen, zeitliche Lücken im Lebenslauf optisch zu kaschieren. Sie verzichten bei den Zeitangaben der Lebenslaufstationen auf die Tages- und Monatsangabe und machen nur jahresgenaue Angaben. Schon die Abbildung in Jahreszahlen fällt ins Auge und meist decken die beigefügten Unterlagen den Schwindel auf. Der Personaler fühlt sich dann zu recht gelinkt. Moderne E-Bewerbungstools verhindern von vornherein eine solche Manipulation von Zeitangaben. Sie fordern tages- oder monatsgenaue Angaben.

Prinzipiell sollte der Lebenslauf unterbrechungsfrei abgebildet werden. Größere Lücken im Lebenslauf (Peilregel: ab drei Monaten) sind generell erklärungsbedürftig. Am besten ist es, wenn Bewerber hier Aktivitäten mit beruflichem Bezug dokumentieren können. Selbstgewählte berufliche Unterbrechungen (Sabbatjahr, soziales Engagement etc.) sind im Vorfeld in jeglicher Konsequenz zu durchdenken. Aufgrund bestehender Personalpraxis müssen berufliche Schwierigkeiten einkalkuliert werden.

Kleinere Lücken im Lebenslauf (bis drei Monate) erklären sich in der Regel von selbst. Insbesondere beim Übergang von Schul-, Studien- und Praxisstationen sind kürzere Wartezeiten völlig normal. Einsteller, die diesen Lücken im Lebenslauf eine erhebliche Bedeutung beimessen, sind weltfremd. Dennoch kann es hier im Vorstellungsgespräch zu Nachfragen kommen, auf die der Bewerber vorbereitet sein sollte. Elektronische Bewerbungstools decken heute gnadenlos Lücken in Lebensläufen auf. Kandidaten mit häufigen oder längeren Lücken bewerben sich meist chancenlos. Ihnen bleibt häufig nur, sich umfangreich initiativ zu bewerben und auf die Toleranz des einen oder anderen Personalers zu hoffen – ein undankbarer aber nicht aussichtloser Weg!

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