Tipps fürs Bewerbungsgespräch 31.07.2018, 06:16 Uhr

Fragen im Vorstellungsgespräch parieren

Bewerbungsgespräche sollten gut vorbereitet sein. Doch welche Fragen können auf einen Ingenieur zukommen und was ist die ideale Antwort? Wir stellen verschiedene Fragetypen und Lösungsansätze vor.

Drei Personen im Business-Kontext sitzen einer Frau gegenüber

 Wenn Sie gut vorbereitet sind, bringen Sie auch unerwartete Fragen nicht aus der Ruhe. 

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Inhalt dieses Artikels

Sämtliche Abschnitte stellen Beispielfragen und mögliche Lösungsansätze vor.

„The greatest prison that people live in is the fear of what other people think.“
Buchautor David Icke

Wie viele Dinge, die wir an sich gerne getan hätten, haben wir nicht getan, weil wir uns Gedanken darüber gemacht haben, was wohl die Leute? Die Formulierung „die Leute“ sagt schon aus, dass es sich nicht einmal um Menschen handelt, die uns nahe stehen, sondern „die Leute“ sind irgendwelche Menschen, die wir mehr oder weniger flüchtig kennen – wie die Personalchefs, die Fragen beim Vorstellungsgespräch für Ingenieure stellen.

Wir werden es nie vermeiden können, und wir werden es nie erreichen können, dass alle Leute nur Gutes über uns denken. Machen Sie sich deshalb frei davon, neben Ihren eigenen Gedanken auch noch die Gedanken anderer mitdenken zu wollen. Der Maßstab für unser Handeln sind einzig unsere eigene Zufriedenheit, unser eigenes Glück. Daran sollte Sie denken, wenn Sie das nächste Mal Fragen beim Vorstellungsgespräch für Ingenieure beantworten müssen.

Die üblichen Bewerbungsfragen

Die Fragen im Vorstellungsgespräch ähneln sich, es gibt Standards. Trotz aller Ratgeberliteratur gilt dies leider auch für die Fehler, die Jobanwärter immer wieder mit halb garen Antworten machen. Deshalb sollte man sich auch auf die Klassiker unter den Bewerbungsfragen Antworten zurechtlegen. Immerhin formulieren Chefs und Personaler ihre Fragen im Vorstellungsgespräch mit Hintergedanken. Denn alles, was der Bewerber sagt, wird anschließend mehr oder weniger gekonnt interpretiert. Nur so können sich Personalentscheider in kurzer Zeit ein möglichst umfassendes Bild von einem Kandidaten zu machen. So können selbst abgedroschen wirkende Fragen eine ungeahnte Dimension entfalten – wenn man nämlich halbherzig, unüberlegt oder mit ebenso abgedroschenen Antworten darauf reagiert. Deshalb gilt: Vorbereitung ist alles.
Eine gute Vorbereitung auf Bewerbungsfragen beginnt damit zu begreifen, was die Frage hinter der Frage ist. Gut ist, sich mit Stichpunkten zu einzelnen Fragen für das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Ideal ist, mit einem Freund oder Familienmitglied als Interviewer die Antworten zu üben. Beginnen können Sie mit diesen Klassikern aus dem Standardrepertoire von Personalchefs:

Erzählen Sie doch mal ein wenig über sich

Klingt nach Anstoß zu einer kleinen Plauderei, doch alles Unüberlegte sollte man hier meiden. Nicht so clever ist auch der Hinweis, dass das alles im Lebenslauf stehe. Denn darum geht es gar nicht primär. „Diese klassische Einstiegsfrage ist in Wahrheit die erste Aufgabe, die es zu lösen gilt“, sagt die Hamburger Karrieretrainerin Maren Lehky. Was den Personaler interessiert: Ist der Bewerber in der Lage, strukturiert, stringent und mit den richtigen Schwerpunkten einen Sachverhalt darzustellen? Nicht gut wäre, von der Geburt über den Verlust des Goldhamsters bis zur Scheidung der Eltern ein Leben nachzuerzählen. „Sich wortkarg zu geben und den Punkt in zwei Sätzen abzuhandeln, ist aber genauso schlecht“, sagt Lehky.
Der Mittelweg ist der richtige, es kommt auf wesentliche Eckpunkte und nicht auf Details an. Ähnlich sieht das auch Bewerberberater Gerhard Winkler von Jova-Nova: „Immer dann, wenn man Sie auffordert, Ihren Werdegang zusammenzufassen, kontern Sie mit Ihrer Story. Der Lebenslauf ist eine Leistungsbilanz.“ Das Anschreiben sei nur die Kurzeinweisung in diese Bilanz. „Die Story zeigt den Menschen hinter den Daten. Sie verfehlen das Thema, wenn Sie nur Stationen des Lebenslaufes unverbunden aneinanderreihen.“ Das Thema lautet nämlich: „Das habe ich aus mir gemacht. Zu Ihnen führt mich mein Weg!“

Warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten?

Anders gefragt: Was wissen Sie über unsere Firma? Warum passen Sie zu uns? Die Frage schreit förmlich nach einer Antwort, in der der Bewerber seinen guten Informationsstand über das Unternehmen loswerden kann. Eine vergebene Chance wäre daher: „Seit Kindesbeinen an interessiere ich mich für Autos. Das ist es für mich eine besondere Ehre, bei einem der erfolgreichsten Automobilhersteller zu arbeiten.“ Glänzen Sie stattdessen mit Zahlen, die in Geschäftsberichten stehen, Aussagen, die der Vorstand zur Neuausrichtung des Unternehmens gemacht hat, positiven Mitarbeiterberichten, wie sie auf der Karrierewebseite des Unternehmens zu finden sind, usw. Die genannten Gründe sollten ohnehin Anlass für einen Stellenantritt sein, wie die interessanten Aufgaben, die die Stelle mit sich bringt.
Aber in die Antwort kann man mehr packen als auswendig gelerntes Wissen über die Firma. „Hier geht es darum, eine Verbindung zwischen dem Unternehmen und den eigenen Qualifikationen zu schaffen“, sagt Lehky. Es gehe um konkrete, bildhafte und emotionale Anknüpfungspunkte. Dabei rät Lehky besonders Berufseinsteigern von gestanzter Managersprache à la „Die bei Ihnen implementierten Fertigungsmethoden sind State-of-the-Art“ ab. Das ist nichtssagend und unauthentisch. Winklers Rat: „Je allgemeiner Sie auf diese Frage antworten, desto weniger kriegen Sie die Stelle. Was sind Ihre eigenen, konkreten Gründe oder gar Vorteile einer Mitarbeit? Wie genau profitiert der Jobanbieter von Ihrer Leistung?“

Würden Sie sich selbst einstellen?

Diese Frage leitet zu den Stärken und Schwächen. Ein einfaches „Ja“ genügt als Antwort nicht. Hier geht es darum, glaubwürdig eigene Fähigkeiten darzustellen, die exakt zum Jobprofil passen. Winkler würde sogar etwas forscher parieren: „Ich kann mich nicht selbst einstellen, aber ich kann Ihnen gute Gründe nennen, die für Sie – hoffentlich – maßgeblich sind: 1., 2., 3.“ Es müssen konkrete Beispiele folgen, die für den Job qualifizieren.

Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Die Klassikerfrage. Die Klassikerantwort: Ich bin etwas ungeduldig und zu perfektionistisch. Finger weg von dieser Langweiler-Aussage, die oft genug auch gar nicht stimmt. Hier kommt es auf Glaubwürdigkeit an. Übertreiben sollte man damit aber nicht: „Es sollte keine Generalbeichte abgelegt werden“, merkt Lehky an. Besser für Berufseinsteiger ist beispielsweise: „Das ist eine gute Frage. Ich kann bislang keinerlei internationale Berufserfahrung nachweisen.“ Die Antwort ist sehr elegant. Denn der Bewerber sagt dem Interviewer eigentlich nur, was bereits im Lebenslauf steht, nämlich dass er bislang noch nicht im Ausland arbeitete. Auf eine schwierige Frage erfährt der Personaler nicht mehr, als er ohnehin schon weiß.
Wichtig: Die genannten Schwächen müssen auszubügeln sein, durch Training on the Job oder Weiterbildung. Ohnehin sollte man sich bei diesem Punkt nicht zu lange aufhalten, sondern galant zu den Stärken übergehen. Winkler: „Ihr Job als Leistungsanbieter ist es nicht, auszusprechen, was alles gegen Sie spricht.“ Stärken konkret benennen, aber nicht übertreiben, indem man sich als den weltbesten Mitarbeiter präsentiert. Lehky: „Keine Schwächen zu offenbaren, klingt wenig menschlich. Befremdlich ist übrigens auch zu sagen, noch nie über diese Frage nachgedacht zu haben.“

Was spricht gegen Sie als Kandidat?

Diese Frage ist im Endeffekt eine Schwester zur Frage nach den Schwächen des Kandidaten. Es ist also ratsam, bei derartigen Fragen Eigenschaften zu nennen, die grundsätzlich keine positive Assoziation hervorrufen, die aber gerade für den Job wichtig sind. Beispiel: „Um ehrlich zu sein, ich bin ein sehr pedantischer Mensch.“ Wenn ein Produktionscontroller, ein Konstrukteur oder Berechnungsingenieur pedantisch ist, dann zeichnet ihn eher eine Stärke als eine Schwäche aus. Für einen Vertriebs- oder Produktionsprofi wäre diese Antwort dagegen eher schlecht. Die Regel: Schwächen als Stärken verkaufen!

Beschreiben Sie, wie Sie ein schwieriges Problem gelöst haben

Bei dieser Aufforderung zum Erzählen fragt der Personaler ab, welche Vorgehensweise der Bewerber bei der Erarbeitung von Problemlösungen verfolgt. Eine Antwort wäre: „Ich sollte ein neues Controllinginstrument für die Produktion entwickeln. Ich machte mich zuerst schlau, welche Instrumente bereits heute im Betrieb eingesetzt sind und informierte mich zusätzlich in der Literatur. Ich entwickelte Vorschläge, präsentierte diese bei der Produktionsleitung, modifizierte die Vorschläge …“ In dieser Antwort gibt der Bewerber eher theoretische Weisheiten von sich als die wirklichen Fakten der Praxis auf den Tisch zu legen. Geht es ins fachlich Eingemachte, sind die meisten Mitarbeiter der Personalabteilungen ohnehin restlos überfordert. Überfordern Sie Ihren Gegenüber nicht mit zu vielen praktischen Details. Wenn Sie ihn interessieren, wird er nachfragen.

Welche Ziele möchten Sie in fünf Jahren erreicht haben?

„Wer weiß schon, wo man in X Jahren steht? Nur Doofis wissen das“, meint Bewerbungshelfer Winkler. Er schlägt stattdessen vor, hervorzuheben, welchen wichtigen Stellenwert die persönliche Entwicklung genießt, was zunächst mit zwei bis drei Stationen des bisherigen Werdegangs untermauert wird, um dann zwei bis drei mögliche künftige Entwicklungsziele zu nennen, die natürlich im Einklang damit stehen, was die Firma bieten kann. Auch Lehky hält nichts davon, einen detailliert ausgearbeiteten Fünfjahresplan auszubreiten. „Bei Führungskräften kann das sinnvoll sein, nicht aber bei Einsteigern oder Young Professionals, die eine Spezialistenlaufbahn anstreben.“

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, welche Hobbys haben Sie?

Im Grunde geht es hier weniger um die Hobbys an sich, als darum, abzuschätzen, wie aktiv, körperlich belastbar und geistig rege der Bewerber ist. Ein bis zwei Auskünfte genügen. „Am besten nichts Polarisierendes und keinen Risikosport nennen“, rät Lehky. Ebenso wenig Aktivitäten, die einen einseitig erscheinen lassen, etwa wenn der ITler in seiner Freizeit gern programmiert. Gern gesehen ist ehrenamtliches Engagement – es muss nur stimmen!

Was würden Sie gerne verdienen?

Das Kitzligste kommt zum Schluss. Falsche Bescheidenheit, zu der gern Frauen neigen, so Lehky, ist hier fehl am Platz. „Wenn mir die Aufgabe Spaß macht, ist Geld nicht so wichtig“, ist also die genau falsche Antwort. So verkauft man sich unter Wert oder bekommt tatsächlich ein inadäquates Salär. Besser ist es, sich vorher zu informieren, was üblich ist, und eine schmale Bandbreite zu nennen.
Bei der Frage nach dem aktuellen Gehalt gibt es ebenfalls kein richtig oder falsch – es gibt allerdings Spielraum. Jeder versteht unter dem Jahresgehalt etwas anderes. Ist der Dienstwagen oder eine anderweitige Zusatzleistung des Arbeitgebers einzurechnen? Gehören in Aussicht gestellte Prämien mit zum genannten Jahresgehalt? Wie sieht es mit Reisespesen aus oder dem bereits erworbenen Anspruch auf die betriebliche Zusatzrente? Der Ingenieur kann also sein Ist-Gehalt im kleinen Rahmen erhöhen oder vermindern, je nachdem, was ihm in Bezug auf die angebotene Stelle vorteilhaft erscheint.

Stressfragen

Stressfragen sind kein fester Bestandteil von Bewerbungsgesprächen, aber einige Personalentscheider haben durchaus ihren Spaß mit ihnen. Unangenehm sind die Fragen deshalb, weil der Kandidat eigentlich nicht weiß, warum die Gegenseite diese „dummen“ Fragen stellt. Bei vielen von Ihnen können sich die Antwortenden allerdings ordentlich verzetteln, zu viel preisgeben oder sich vom beruflichen in den privaten Kontext verirren. Einige Kandidaten reagieren auch aggressiv oder ablehnend auf die Fragen des Einstellers und verspielen somit die Chance, Pluspunkte zu sammeln. Unvorbereitet sind derartige Fragen nur schwer zu parieren. Deshalb haben wir einige Beispiele zur Vorbereitung aufgeführt:

Was gefällt Ihnen an Ihrer jetzigen Stelle nicht?

Bei dieser Frage ist Vorsicht geboten. Denn negative Seiten des aktuellen Arbeitgebers gehören nicht ins Vorstellungsgespräch und mit eigenen Misserfolgen lässt sich genauso wenig glänzen. Ungeeignet wäre etwa „Ich muss zu viele Aufgaben erledigen, die nicht meinen Qualifikationen entsprechen. Ich fühle mich schlichtweg unterfordert und falsch eingesetzt.“ Die Antwort zeigt auf, dass der Bewerber sich in der absoluten Empfängerrolle versteht und keinerlei Eigeninitiative ergreigt. Wenn sich jemand unterfordert fühlt, ist es seine Pflicht, sich um anspruchsvollere Aufgabe zu kümmern, wird der Personaler messerscharf schließen. Die Antwort auf solche Stressfragen fördert so bestimmt keine positiven Persönlichkeitsmerkmale des Bewerbers an den Tag.

Was war Ihre größte Niederlage im Leben?

Jeder erzählt lieber von seinen Glanztaten, und genau deshalb ist die Antwort auf diese Frage so wichtig. Der Personaler möchte hier hören, dass Sie einerseits Fehler zugeben können. Andererseits ist es hochinteressant, wie Sie den Fehler begründen. Schieben Sie alles auf die Kollegen oder können Sie eingestehen, dass Sie gewisse Dinge falsch eingeschätzt haben? Seien Sie hier ehrlich, fügen Sie aber unbedingt an, was Sie aus diesem Fehler gelernt haben und wie Sie ähnliche Patzer künftig vermeiden werden.
Eine gute Antwort auf diese Art von Stressfrage wäre: „Als Mitarbeiter in einem wichtigen Projekt wies ich den Projektleiter und Abteilungsleiter intensiv auf den miserablen Ruf des Ingenieurbüros hin, das sich um die Übernahme von konstruktiven Teilleistungen bewarb. Ich konnte mich leider nicht durchsetzen. Der Dienstleister wurde beauftragt. Wegen schwerer Fehler in den statischen Berechnungen musste die ganze Arbeit später komplett neu gemacht werden.“ Der Bewerber gesteht zwar, dass er sich nicht durchsetzen konnte. Aber wer kann das schon gegen den Projekt- und Abteilungsleiter? Letztlich sagt er daher nichts anderes, als dass er die Sachlage sehr viel realistischer beurteilte als seine Vorgesetzten und das spricht für seine Fachkompetenz.

Wovor fürchten Sie sich?

„Meine größten Befürchtungen sind eigentlich immer, Aufgaben nicht termingerecht beenden zu können. Ich habe daher mein eigenes Zeitplanungssystem entwickelt. Seitdem gelingt es mir gut, meine Aufgaben zeitlich zu steuern.“ Der Bewerber antwortet geschickt auf diese Stressfrage. Wer hat im Berufsleben keine Angst, Termine nicht einhalten zu können? Der Kandidat fand mit seinem Zeitplanungssystem offensichtlich ein adäquates Rezept. Er wirft also ein Allerweltsproblem auf und sagt, mit welchen Mitteln er gegensteuert. Wirkliche persönliche Ängste gehören nicht ins taktische Geplänkel des Vorstellungsgespräches und gehen den Interviewer ohnehin nichts an. Er ist ja auch kein Therapeut.

Warum stehen Sie morgens auf?

Der Personaler möchte durch diese Frage etwas über Ihre Einstellung zum Leben und Ihre Art, sich zu motivieren, erfahren. Wenn Sie schlicht sagen, dass Sie aufstehen, weil Sie es jobbedingt müssen, wirft das kein gutes Licht auf Sie. Nennen Sie Dinge, auf die Sie sich täglich freuen. Dies können spannende Projekte im Beruf ebenso sein wie private Belange, etwa das Tennistraining mit dem besten Freund oder die Gassirunde mit dem Hund.

Glauben Sie nicht, dass Sie für die Stelle zu jung sind?

„Ich denke, das Alter spielt nicht die große Rolle. Ich bringe für die Stelle die entscheidenden Erfahrungen und Qualifikationen mit und traue es mir daher zu, die Stelle gut auszufüllen.“ Es ist nicht verkehrt, auf Stressfragen in den spontanen Widerspruch zu gehen. Wenn aber sehr pauschal die Behauptung des Bewerbers folgt, dass er die passenden Qualifikationen und Erfahrungen besitzt, ist das doch etwas schwach. Hier sollten Ross und Reiter genannt werden, sonst lässt sich der Bewerber die Chance entgehen, seine passenden Erfahrungen und Qualifikationen detailliert ins Gespräch zu bringen. Also: Warum glaubt er, die passenden Erfahrungen und Qualifikationen mitzubringen?

Was machen Sie, wenn wir Sie nicht nehmen?

„Ich bin mit meiner jetzigen Position sehr zufrieden. Für mich wäre es zwar eine große Herausforderung, zum Weltmarktführer zu wechseln. Sollte das nicht realisierbar sein, würde ich jedoch bei meinem jetzigen Arbeitgeber verbleiben.“ Der Stellenwechsler muss bei Stressfragen nicht unbedingt zugeben, dass er noch weitere Eisen im Feuer hat. Seine Antwort schmeichelt zum einen dem potenziellen Arbeitgeber, zum anderen schiebt sie dem Interviewer indirekt sehr viel Positives unter: Der Kandidat steht nicht unter Druck, eine Stelle zu suchen, und er kommt offensichtlich bei seinem Arbeitgeber gut zurecht.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr arbeiten müssten?

„Zunächst würde ich einfach nur ausspannen wollen. Danach würde ich endlich wieder regelmäßig meinen Hobbys nachgehen und gute Literatur lesen. Ich würde mich zudem mehr meiner Familie widmen.“ Die ehrliche Antwort des Bewerbers auf solche Stressfragen lässt jede Menge aktuelle persönliche Defizite erkennen. So gibt er zu, dass er z.B. keine ausreichende Zeit für die körperliche Ertüchtigung hat. Wie wird es da mit seiner Fitness und Ausgeglichenheit bestellt sein? Besser ist es, solche Fragen in nachvollziehbarer Logik zu beantworten und nicht zu konkret zu werden: „Nach einer kurzen Pause würde ich eine kleine Bestandsaufnahme machen, was ich in meinem Privatleben noch erreichen möchte. Danach würde ich einen Zeitplan entwerfen…“

Niemand sollte vergessen, dass er im Vorstellungsgespräch Profis und keinen Anfängern gegenüber sitzt. Stressfragen dienen den Profis weniger dazu, Inhalte von den Bewerbern zu erfragen. Wichtiger ist den Gesprächspartnern die Reaktion und der Umgang des Bewerbers mit der Frage an sich. Gerade im Gespräch mit Mitarbeitern der Personalabteilung sollten alle roten Lämpchen aufleuchten, wenn die typischen Fangfragen gestellt werden. Zu taktischen Fragen passen nur taktische Antworten und keine wirklichen Offenbarungen, die Privatsache sind. Merkt der Personaler, dass der Bewerber weiß, wo der Hase lang läuft, wird er in aller Regel von weiteren Fragen dieser Art absehen.

Brainteaser im Bewerbungsgespräch

Längst stellen Personaler im Bewerbergespräch nicht mehr nur Fragen, die man ohnehin erwartet oder die den Kandidaten unter Druck stellen sollen. Oft wird es mittlerweile ungewöhnlich. Wir haben einige dieser Brainteaser ausgewählt und erläutern, was der Fragende damit eigentlich aus Ihnen herauskitzeln möchte und wie Sie am besten darauf reagieren.

Wie viele Golfbälle passen in einen Geländewagen?

Diese Frage wird so oder mit leichten Abwandlungen immer häufiger gestellt, denn mit ihr kann der Fragende gleich mehrere Dinge testen: Wie gehen Sie mit Unerwartetem um? Wie systematisch erarbeiten Sie Ihre Lösung bzw. Schätzung? Und: Nehmen Sie sich überhaupt die Zeit für eine Berechnung?
Bleiben Sie daher ruhig und gehen Sie die Fragestellung sinnvoll an: Wie groß ist ein Golfball, wie hoch und lang der Innenraum des Autos? Fragen Sie außerdem nach: Zählt der Kofferraum mit oder nicht? Statt möglichst schnell eine Zahl zu nennen – das könnte die Vermutung aufkommen lassen, dass Sie auch im Job lieber schnell ein halbgares Ergebnis liefern, anstatt sich intensiv damit zu befassen –, sollten Sie sich die Zeit nehmen, sich der Lösung rechnerisch zu nähern und schließlich eine möglichst realistische Zahl zu nennen.

Welches Küchengerät wären Sie am liebsten?

Die Frage ist reichlich absurd. Geben Sie dennoch zu verstehen, dass Sie sie ernst nehmen und gründlich durchdenken. Hier ist kein Gerät richtig oder falsch – entscheidend ist allein die Begründung. Und die hängt nicht zuletzt von der Stelle ab, um die Sie sich bewerben. Werden Sie gesucht, um neue Strukturen zu schaffen, könnten Sie sagen, dass Sie gern ein Mixer wären, weil dieser aus Vorhandenem etwas Neues schafft. Wollen Sie Ihre überdurchschnittliche Arbeitsgeschwindigkeit herausstellen, könnten Sie den Wunsch äußern, ein Wasserkocher zu sein, der durch seine Spezialisierung auf das Erhitzen von Wasser in der Lage ist, Aufgaben deutlich schneller zu erledigen als konkurrierende Küchengeräte.

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie nun plötzlich Schluckauf hätten?

Mit dieser Frage versucht der Interviewer herauszufinden, wie Sie sich verhalten, wenn etwas Unerwartetes und für Sie unter Umständen Peinliches passiert. Eine gute Antwort von Ihnen gibt ihm zu verstehen, dass Sie sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen. So könnten Sie z. B. sagen, dass Sie um ein Glas Wasser oder eine kurze Unterbrechung des Gespräches bitten würden, da es Ihnen wichtig ist, in dieser Unterhaltung den besten Eindruck zu hinterlassen.

Nennen Sie drei Oscargewinner dieses Jahres

Diese Aufforderung hat natürlich überhaupt nichts mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun. Dennoch ist die Aufgabe wichtig. Denn so möchte der Fragende herausfinden, ob Sie auch an Dingen, die über Ihr Fachgebiet hinausgehen, interessiert sind oder nur in einer Spezialistenwelt leben. Wesentliche Fakten der jüngeren Nachrichten sollten Sie daher ebenso parat haben wie ein gewisses Allgemeinwissen.

Welche fünf Dinge kann man mit einem Kugelschreiber außer schreiben noch tun?

Auch hier gibt es wieder kein Richtig und kein Falsch. Der Hintergrund der Frage ist, dass der Personaler Ihre Kreativität testen möchte. Überlegen Sie daher (am besten laut), was Ihnen dazu einfällt. Wichtig: Denken Sie auch daran, dass der Kugelschreiber aus verschiedenen Einzelteilen besteht. Wenn Ihnen also mit dem gesamten Stift nur wenig einfällt, überlegen Sie z. B., ob Sie eine Idee für die Feder haben.

Welches Tier entspricht Ihnen am ehesten?

Diese Frage zielt nicht nur auf Ihren Charakter ab, sondern auch auf Ihre Einstellung zur Arbeit. Wählen Sie deshalb kein Tier wie das Eichhörnchen, das immer hektisch wirkt und endlos viel Zeit investiert, nur um eine einzige Nuss zu vergraben. Besser wäre z. B. ein Kamel, das Ruhe ausstrahlt und gleichzeitig schier endlose Strecken auch bei widrigsten Bedingungen ausdauernd zurücklegt. Es kommt bei der Antwort letztlich weniger auf das Tier selbst als auf Ihre Begründung an.

Wie alt waren Sie als Sie Ihre erste bezahlte Arbeit hatten?

Im Idealfall können Sie hier erzählen, dass Sie schon zu Schulzeiten nebenbei gearbeitet haben. Denn so lassen Sie durchblicken, dass Sie in der Lage sind, mehrere Aufgaben bzw. Verpflichtungen parallel zu organisieren. Können Sie dies nicht, weil Sie z. B. erst in der Ausbildung das erste Geld verdient haben, sollten Sie versuchen, auf andere Art darzulegen, dass Sie gut organisiert sind und auch bei mehreren Aufgaben den Überblick behalten.

Angenommen, ich bitte drei Personen, Sie mit insgesamt drei Adjektiven zu beschreiben: Welche Adjektive wären es?

Vorsicht, denn dieses Frage ist eine Falle! Denn natürlich können Sie sie so verstehen wie den Bewerbungsgesprächsklassiker „Nennen Sie drei Stärken“. Doch in der Frage ist pauschal von drei Personen die Rede. Niemand sagt, dass dies ausschließlich Ihnen wohlgesonnenen Menschen sind. Durchschauen Sie dies, indem Sie zwei positive Eigenschaften nennen, aber auch eine negative. Wichtig: Die negative Eigenschaft sollte keine sein, die Sie sofort disqualifiziert. Wählen Sie stattdessen etwas, mit dem man im Zweifel umgehen kann.

Unzulässige Fragen

Bisher haben wir von Fragen gesprochen, die mehr oder weniger angenehm zu beantworten sind, die aber alle gestellt werden dürfen und dem Personaler Hinweise auf die Arbeitsweise, die Lebenseinstellung oder das Urteilsvermögen eines Kandidaten geben. Doch es gibt auch Fragen, die bei einem Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden dürfen – und die dennoch regelmäßig gestellt und beantwortet werden. Nicht, weil die Bewerber nicht wissen, welche Fragen zulässig sind und welche verboten. Sondern weil die Befragten in einem Dilemma stecken: Macht es einen schlechten Eindruck, die Antwort abzulehnen? Sind stattdessen Notlügen erlaubt? Tatsächlich gibt es dafür klare Regeln.
Nur wenige Fragen beim Vorstellungsgespräch eines Ingenieurs sind unzulässig. Dies sind Fragen nach

  • Gewerkschafts-, Partei- und Religionszugehörigkeit
  • Volk oder Rasse
  • Wehr- und Ersatzdienst
  • Beziehungs-, Heirats-, Familienplanung
  • Schwangerschaft

Einen Sonderfall stellen Fragen nach Krankheiten dar. Sie können je nach Situation unzulässig sein oder auch nicht. Fragen zu früheren Krankheiten, die auskuriert wurden und somit keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit darstellen, sind beispielsweise unzulässig.
Alles, was nicht unter diese Gesichtspunkte fällt, mag vom Bewerber als „unanständig“ empfunden werden, ist aber nicht unzulässig. Insbesondere müssen Ingenieure Fragen nach

  • Krankheit,
  • Schwerbehinderung,
  • Vermögensverhältnissen und
  • Vorstrafen

wahrheitsgemäß beantworten, sofern eine erhebliche Beeinträchtigung bei Erfüllung der Aufgaben am neuen Arbeitsplatz zu befürchten ist. Wer lügt, muss mit Anfechtung des Arbeitsvertrages, Kündigung und Schadensersatz rechnen. Wer zulässige Fragen aus welchen Gründen auch immer nicht beantworten will, dem bleibt es überlassen, jederzeit das Vorstellungsgespräch abzubrechen. Da es im Vorstellungsgespräch keinen Schiedsrichter gibt, muss der Ingenieur selbst merken, wann der Einsteller mit seinen Fragen beim Vorstellungsgespräch gegen den guten Ton oder legale Spielregeln verstößt. Auf unzulässige Fragen muss der Bewerber angemessen reagieren. Dabei hat er im Sinne des Fairnessprinzips die gleichen Freiheiten wie der Einsteller. Wenn der Einsteller Grenzen überschreitet oder unfair wird, hat der Bewerber immer noch viele Möglichkeiten passend zu reagieren.

Option 1: Die Antwort verweigern

Der Bewerber kann entsprechend reagieren und die Antwort verweigern: „Sie stellen mir da eine Frage, die meines Wissens im Vorstellungsgespräch nicht zulässig ist. Daher möchte ich diese Frage nicht beantworten. Lassen Sie uns doch bitte wieder zu Fragen kommen, die direkt mit der Position zu tun haben.“ Der Personaler wird zwar an dieser Stelle das Vorstellungsgespräch nicht abbrechen, dennoch kann eine solche Zurückweisung die Gesprächsatmosphäre empfindlich stören.

Option 2: Unzulässige Fragen ehrlich beantworten

Der Ingenieur kann eine unzulässige Frage trotz besseren Wissens offen und ehrlich beantworten. Er kann zu sich und seinem Leben stehen. Ein solches Verhalten ist an sich bewundernswert. Es muss allerdings klar sein, dass nicht jede ehrliche Antwort beim Einsteller Bewunderung auslöst. Das gilt, insbesondere, wenn sich in den Antworten des Bewerbers ein Grund für eine Nichteinstellung findet. Das könnte etwa der Fall sein, wenn die politische Neigung des Kandidaten nicht den von der Firma vertretenen Normen entspricht oder die Kandidatin kurz vor der Familiengründung steht. Dann ist die Wahrheit zwar gesagt, sie dient dem Kandidaten aber nicht.

Option 3: Notlügen auf verbotene Fragen

Eine weitere Reaktion auf unzulässige Fragen beim Vorstellungsgespräch sind Notlügen des Ingenieurs. Sie haben gegenüber der Zurückweisung der Frage den Vorteil, dass das Gespräch ungetrübt weiter läuft. Wird zum Beispiel ein Bewerber um einen Job mit hoher Reisetätigkeit gefragt, wie es mit seiner Familienplanung aussieht, kann er die Antwort geben, die für ihn vermutlich die vorteilhafteste ist: „Große Ambitionen habe ich da nicht. Ich möchte meine ganze Kraft ausschließlich der neuen Position widmen.“ Wird die Antwort noch mit einer pfiffigen Untermalung gebracht, ist der Personaler zufrieden. Der Bewerber verschweigt damit, dass er demnächst heiraten wird und eine Familie mit drei Kindern plant.
Ob ein Kandidat, diese Option nutzt, hängt von der eigenen Einstellung und dem eigenen Wissen über zulässige und unzulässige Fragen ab. Es kann schließlich vorkommen, dass der Ingenieur zulässige Fragen beim Vorstellungsgespräch als unzulässig einordnet und bewusst falsch beantwortet. In diesem Moment wird aus einer vermeintlichen Notlüge eine handfeste Lüge. Zwar lässt der Wahrheitsgehalt der Antwort genauso wenig prüfen wie Ausführungen des Einstellers zum Unternehmen, dem Arbeitsplatz, den Entwicklungsmöglichkeiten und so weiter. Dennoch sollte einem die Tragweite der Entscheidung für eine Notlüge bewusst sein.

Unzulässigen Fragen vorbeugen

Bevor die Bewerbung abgeschickt wird, sollte geprüft werden, ob sie Fakten enthält, zu denen der Einsteller keine Fragen stellen darf. Es besteht sonst die Gefahr, dass der Ingenieur selbst die unzulässigen Fragen beim Vorstellungsgespräch provoziert. Der Hinweis auf ein politisches Engagement in grauer Vorzeit, auf eine vorübergehende mentale Krankheit während des Studiums und Ähnliches sollte unterbleiben. Fragen zu früheren Krankheiten, die auf die aktuelle Leistungsfähigkeit keinen Einfluss haben, gehören schließlich zu den unzulässigen Fragen.

Ganz und gar nicht unzulässig, denn aber schwieriges Terrain, ist die Frage nach der augenblicklichen Arbeitsstation des Ingenieurs. Denn jeder Bewerber hat eine Verschwiegenheitspflicht gegenüber seinem Arbeitgeber. Man sollte also nicht zu frei und frank über aktuelle Aufgaben und Projekte berichten und dabei aus Versehen Betriebsinterna ausplaudern. Zumal Einsteller die zu große Offenheit eines Bewerbers wenig beeindruckt. Leicht entsteht der fade Beigeschmack, dass es der Bewerber mit der Verschwiegenheit nicht so genau nimmt. Andererseits kann der Bewerber auch nicht ganz zumachen, die Beantwortung dieser Frage erfordert größtes Fingerspitzengefühl.

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