Bewerbung 27.06.2018, 08:55 Uhr

Der verdeckte Stellenmarkt – Tipps zur Jobsuche

Wer beim Berufseinstieg auf Vitamin B setzt, ist klar im Vorteil. Denn die meisten Jobs vergeben Unternehmen auf dem sogenannten verdeckten Stellenmarkt „unter der Hand“, ohne zuvor eine Stellenanzeige zu schalten. Dabei setzen sie auf persönliche Kontakte und Empfehlungen. Die gute Nachricht: Selbst wer meint, er hätte als Berufseinsteiger noch kein großes Netzwerk, wird mit der richtigen Strategie plötzlich reich an Kontakten.

Bewerber

Foto: panthermedia.net / baranq

Was tun Absolventen, wenn sie sich auf Stellensuche begeben? Sie surfen stundenlang im Internet auf der Suche nach einer passenden Stelle, schreiben eine optimale Bewerbung nach allen Regeln der Kunst, versenden sie – und warten.

Offene Stellenausschreibungen führen selten zum Erfolg

Was geschieht aber auf der anderen Seite bei dem Unternehmen, das die Position ausgeschrieben hat? Dort landet die Bewerbung in einem mehr oder weniger dicken virtuellen Stapel von Mitbewerbern, die auch nicht schlecht sind. Anschließend siebt die Firma aus. Laut Untersuchungen werden überhaupt nur vierundzwanzig Bewerbungen näher inspiziert, sieben Bewerber werden eingeladen, einer bekommt die Stelle. Konkret heißt das: Selbst wenn Sie die formalen Voraussetzungen erfüllen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, aufgrund der zahlreichen Mitbewerber aussortiert zu werden und eine Absage zu erhalten. Die Chance ist somit denkbar gering, dass Sie auf diese Art eine Stelle finden.

Setzen Sie nicht nur auf klassische Bewerbungen

Fakt ist: Bewerbungen auf offene Ausschreibungen sind die schlechteste Methode, einen Job zu bekommen, weil Stellensuchende hier die meisten Mitbewerber haben und daher die schlechtesten Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Nehmen Sie es deswegen nicht persönlich, wenn Sie trotz einer noch so schön gestalteten Bewerbung und scheinbar guten fachlichen Voraussetzungen dennoch eine Absage erhalten. Nehmen Sie es erst recht nicht persönlich, wenn Sie fachlich keine guten Voraussetzungen haben. Bewerbungen sind nur einer der Wege nach Rom. Die meisten Berufsanfänger setzen jedoch immer noch viel zu stark auf das klassische Bewerbungssystem. Dabei werden nachweislich die meisten Stellen durch den „verdeckten Stellenmarkt“ besetzt.

Diese Tatsache wirft zwei entscheidende Fragen auf: Wie entstehen Stellen eigentlich? Und wie werden sie tatsächlich besetzt? Eine Stelle entsteht mehr oder weniger plötzlich, zum Beispiel durch die Kündigung eines Mitarbeiters, durch Zusatzaufträge, den drohenden Absprung von Kunden bei Liefer- oder Qualitätsproblemen oder auch durch eine neue Gesetzeslage. Allerdings ist die Stelle zunächst nur im Kopf eines Chefs. Die Position existiert zwar, ist aber nicht offen ausgeschrieben. Erfahrungsgemäß erkundigt sich ein Arbeitgeber zunächst in seiner Umgebung, um die Mühen und Risiken eines langen Auswahlprozesses zu vermeiden: Kennt jemand jemanden, der diese Stelle besetzen könnte? Wie war der letzte Praktikant? Hat nicht jemand neulich erzählt, der frühere Werkstudent hätte inzwischen sein Studium beendet und sei auf Jobsuche? Diese direkte Vorgehensweise hat für Arbeitgeber viele Vorteile: Sie funktioniert schneller, ist preiswert und führt auch zu verlässlichen Kandidaten, denn niemand wird einen Versager empfehlen.

Der verdeckte Stellenmarkt birgt unzählige Chancen

Diese Situation ist entscheidend für das Verständnis des „verdeckten Stellenmarkts“: Wenn Sie es schaffen, dass irgendjemand an Sie denkt und Ihr Name fällt, haben Sie die besten Karten. Sie haben hier kaum Konkurrenz und damit die größten Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. So können Sie Stellen ergattern, die Sie normalerweise nie bekommen hätten. Wenn ein Arbeitgeber keinen passenden Kandidaten findet, schreibt er die Stelle schließlich offen aus. So gelangt sie auf den „offenen Stellenmarkt“. Aber dann ist es in der Regel zu spät: In einem Stapel sind die Überlebenschancen gering, erst recht als Nicht-Idealkandidat.

Kontakt aufnehmen: Machen Sie sich sichtbar

Was können Sie also selbst dazu beitragen, um in der entscheidenden Zeitspanne ins Spiel zu kommen? Das Schlüsselwort: Ihre Sichtbarkeit – arbeiten Sie an dieser im privaten wie im beruflichen Umfeld. Erzählen Sie Freunden, Bekannten und Verwandten, was Sie können und welchen Job Sie suchen und informieren Sie ebenso Ex-Studienkollegen und Kollegen aus früheren Praktika.

Auch online können Sie einiges tun: Nutzen Sie Karriereportale wie Xing und LinkedIn, fachliche Blogs und Facebook. Tragen Sie Ihr Profil in Bewerberdatenbanken ein sowie bei Ingenieurdienstleistern und auch bei der Arbeitsagentur. Seien Sie kontaktierbar und halten Sie das Profil aktuell.

Lesetipp: So werden Sie von Ihrem Wunschunternehmen gefunden

Nutzen Sie Ihr berufliches Umfeld

Weitere Chancen bietet das berufliche Umfeld: Gehen Sie auf Recruiting- und Fachmessen, Kongresse sowie Tagungen. Dort können Sie potenzielle Arbeitgeber direkt ansprechen und sich noch weiter vernetzen. Denn es gilt: Je mehr Sie auf dem verdeckten Stellenmarkt tun, je aktiver Sie sind, je mehr Sie Ihre Sichtbarkeit steigern, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine Stelle finden. Gerade für Absolventen, die noch nicht mit langjähriger Berufserfahrung glänzen können und womöglich auch keinen ganz linearen Lebenslauf haben, sind die Aktivitäten auf dem verdeckten Stellenmarkt die besten Möglichkeiten, frühzeitig von Stellen zu erfahren und einen Job zu finden.

Dieser Artikel erschien im VDI-Karriereführer, einer Sonderpublikation der VDI nachrichten. Laden Sie sich den kompletten VDI-Karriereführer 2018 kostenfrei herunter.

Tipp:
Muster Lebenslauf für die klassische Bewerbung

Von Madeleine Leitner
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