Studieren in Pandemiezeiten

Studium und Corona: „Wie soll man vernünftig lernen?“

Kein Hörsaal, kein WG-Leben, wenig Orientierung: Studieren in Corona-Zeiten. Student Leon Hansen erzählt aus seinem Alltag – und gibt einen besonders wichtigen Tipp: „Ohne das hätte ich keine Chance.“

Leon Hansen (20) studiert Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung an der RWTH Aachen. Sein Studium hatte er sich eigentlich anders vorgestellt. Foto: Tobias Appelt

Leon Hansen (20) studiert Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung an der RWTH Aachen. Sein Studium hatte er sich eigentlich anders vorgestellt.

Foto: Tobias Appelt

Vorlesungen im Hörsaal gibt es nicht, Klausuren werden verschoben – und Kneipenabende mit Kommilitoninnen und Kommilitonen sind unvorstellbar. Die Corona-Pandemie macht das Studium deutlich beschwerlicher, viele Studierende klagen über finanzielle Sorgen und darüber, dass der Lernstoff sie überfordere.

Leon Hansen studiert Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung an der RWTH Aachen. Der 20-Jährige hatte sich sein Studium anders vorgestellt. Wie ein Uni-Alltag in der Pandemie aussieht, welche Sorgen ihn plagen und wie er damit umgeht, hat er unserem Reporter erzählt.

Ein Protokoll:

Meine Eltern haben immer zu mir gesagt: „Freu Dich aufs Studium – das ist die beste Zeit im Leben.“ Dass mein Studium komplett anders aussehen würde, als damals bei ihnen, konnten sie ja nicht ahnen. Niemand hat das geahnt. Und, ehrlich gesagt, habe ich mir meine Studienzeit tatsächlich ganz anders vorgestellt.

Studium vor Corona: „Der Praxisteil war extrem hoch“

Mein erstes Semester hatte ich noch vor der Corona-Pandemie erlebt. Ich hatte mich damals an der Hochschule Ruhr West für Energie- und Umwelttechnik eingeschrieben. Das Studium war super. Die Vorlesungen waren interessant, der Praxisanteil war extrem hoch. Mit meinen Kommilitonen hatte ich viel Zeit mit Experimenten in den Uni-Laboren verbracht. Heute ginge das ja gar nicht mehr.

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Als ich dann Anfang 2020 im Fernsehen gesehen hatte, wie in China ganze Städte abgeriegelt werden, dachte ich noch: Sowas wird bei uns nicht passieren. Dass wir später auch einen Lockdown erleben würden, war für mich damals noch unvorstellbar. Ich hatte mich deshalb zunächst aufs Studium konzentriert.

„Ich wollte in eine Stadt, in der es studentisches Leben gibt“

Das tägliche Pendeln zwischen meinem Wohnort Essen und dem Campus Bottrop der Hochschule Ruhr West ging mir dann aber mit der Zeit auf die Nerven. Nach Bottrop ziehen wollte ich aber auch nicht. Ich wollte lieber in eine Stadt, in der es studentisches Leben gibt. Deshalb hatte ich angefangen, nach vergleichbaren Studiengängen zu schauen. So wurde ich auf die RWTH Aachen aufmerksam. Jedes Jahr zum Wintersemester startet dort der Bachelor-Studiengang Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung. Und dafür habe ich mich dann eingeschrieben.

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Nachdem in Deutschland das öffentliche Leben runtergefahren worden war, wurde mir klar: Das Sommersemester ist gelaufen. Ich hab dann zwar noch ein paar Online-Vorlesungen besucht, aber Klausuren habe ich keine mehr geschrieben. Zeitgleich sank die Zahl der Neuinfektionen. Deshalb hatte ich die Hoffnung, dass ich zum Wintersemester in Aachen durchstarten könnte.

Schwierig, online Menschen kennenzulernen

Ich hatte mich echt darauf gefreut. Neue Stadt, neue Leute, WG-Leben, Kneipentouren, Partys – was man halt so im Kopf hat, wenn man ans Studentenleben denkt. Aber dann: Nichts. Die Zahlen gingen wieder hoch.

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Unsere Einführungswoche fand komplett online statt: Die Leute vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) haben über ihre Arbeit informiert, die Fachbereiche haben sich vorgestellt, sogar Ersti-Partys fanden im Netz statt – alles via Webcam. Klar, kann man machen.

Leon Hansen wurde in Hamburg geboren. Seit seinem zweiten Lebensjahr wohnt er in Essen. Nach dem Abitur 2018 ging er für ein „Work & Travel“-Jahr nach Neuseeland. Anschließend begann er ein Energie- und Umwelttechnik-Studium (B.Sc.) am Standort Bottrop der Hochschule Ruhr West. Zum Wintersemester 2019/2020 wechselte Leon Hansen dann nach Aachen, um an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) den Bachelor-Studiengang „Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung“ zu studieren. Derzeit ist der 20-Jährige im zweiten Semester.

Aber es ist nicht das Gleiche wie das echte Leben. Es ist halt schwierig, Menschen online kennenzulernen. Wenn Du mit zehn Leuten in einem Zoom-Raum bist, kannst Du nicht mal eben zu einer Person sagen: ,Hey, Du bist mir sympathisch. Komm, wir unterhalten uns jetzt mal unter vier Augen‘.

Vorlesung in Jogginghose am Schreibtisch

Das Studium an sich läuft ganz gut. Die Professoren streamen ihre Vorlesungen ins Internet. Entweder sieht man sich das live an oder lädt später die Aufzeichnung runter. Das funktioniert einwandfrei. Und es ist irgendwie schon cool, wenn man sich gemütlich in Jogginghose an den Schreibtisch setzt und eine Vorlesung anschaut. Ich würde mir wünschen, dass diese Form der Online-Lehre auch in Zukunft beibehalten und ausgebaut wird.

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Um am Ball zu bleiben, ist aber auch viel Disziplin erforderlich. Ich sitze pro Tag ungefähr sieben Stunden vorm Bildschirm. Ich sehe mir dann die Vorlesungen an, bearbeite die zugehörigen Übungen, schreibe Zusammenfassungen – und checke immer wieder meine Mails. Ich will nämlich unbedingt wissen, ob meine Klausuren stattfinden. Manche sind schon auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Wann finden Klausuren statt? „Inzwischen bin ich total demotiviert“

Ich bin eigentlich echt motiviert in die jüngste Klausurenphase gestartet. Aber inzwischen bin ich total demotiviert. Es gibt von der Uni keine Infos dazu, ob Klausuren stattfinden, und, wenn ja, in welcher Form. Wie soll man da vernünftig lernen? Eigentlich sollte ich in sechs Tagen eine Klausur schreiben.

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Aber es gibt noch immer keine Ansage, ob das möglich ist. Wenn die Prüfung in den Sommer verschoben wird, lerne ich jetzt umsonst und muss dann wieder von vorne anfangen.

Studium: „Gebt von Anfang an Vollgas“

Dennoch: Allen, die in diesen Zeiten ein Studium beginnen, kann ich nur raten: Gebt von Anfang an Vollgas, geratet nicht in Rückstand. Ich habe die Vorlesungen immer sofort runtergeladen und bearbeitet, sobald sie veröffentlicht wurden. Hätte ich das nicht getan, hätte ich jetzt keine Chance mehr, den ganzen Stoff noch aufzuholen.

Master nach dem Bachelor-Studium – unabhängig von Corona

Wenn ich mit dem Bachelor-Studium durch bin, möchte ich gerne noch einen Master dranhängen. Mit Corona hat diese Entscheidung aber nichts zu tun. Möglicherweise führt die Pandemie bei manchen ja tatsächlich dazu, dass sie länger an der Uni bleiben und den Bewerbungsprozess noch etwas aufschieben. Ich schaue aber optimistisch in die Zukunft. Ich hoffe einfach, dass das Thema Corona durch ist, wenn ich mit dem Studium fertig bin.

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Ein Beitrag von:

  • Tobias Appelt

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