Interview zum Studienfach

Studium Anlagenbau: Das müssen Sie wissen

Der Maschinen- und Anlagenbau gilt als Treiber der Digitalisierung. Aber sind Absolventen darauf ausreichend vorbereitet?

Der Anlagenbau gilt als digitaler Treiber des Ingenieurwesens. Aber werden Absolventen im Studium genügend vorbereitet? Foto: Panthermedia.net/Goodluz

Der Anlagenbau gilt als digitaler Treiber des Ingenieurwesens. Aber werden Absolventen im Studium genügend vorbereitet?

Foto: Panthermedia.net/Goodluz

Was kommt, passiert hier: Der Maschinen- und Anlagenbau gilt als Treiber der Digitalisierung des Ingenieurwesens. Doch sind Absolventen darauf überhaupt ausreichend vorbereitet? Ein Interview mit Bernd Königsberger, Delivery Director und People Unit Manager im Bereich DCX, bei Capgemini in Deutschland. Königsberger ist selbst Diplom-Ingenieur im Maschinenbau und sagt, auf was es jetzt ankommt.

Sind im Vergleich zu anderen Bereichen des Ingenieurwesens Maschinen- und Anlagenbauer Vorreiter bei der Nutzung digitaler Technologien und Prozesse?

Bernd Königsberger: Das kann man so sagen. Denn der Anlagenbau ist auf einen hohen Automatisierungsgrad angewiesen. Für die Simulation von Abläufen, dem hierbei erzielten Benutzererlebnis und der Umsetzung der Prozessleittechnik werden die heutigen Möglichkeiten der Digitaltechnik, wie die Künstliche Intelligenz und Analytics, ausgeschöpft. Dies zeigt sich zum Beispiel bei intelligenten Fabriken, in denen die Schlüsselbereiche der Produktion digitalisiert werden. In diesem Bereich sind Spezialisten gefragt, die über umfassendes Prozess-Know-how in der Fertigungstechnologie verfügen sowie über Kenntnisse in der IT und bei der Datenanalyse.

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Wird dem die Ausbildung gerecht? Wie gut sind die Studienangebote der Hochschulen in Deutschland?

Ziel der Universitäten muss es sein, den Studierenden eine Orientierungshilfe bei der Vielzahl an Lernmöglichkeiten und deren Relevanz zu vermitteln. Vorhanden ist heutzutage ein umfangreiches, breitgefächertes Angebot, das für viele Richtungen das Passende bereithält. Wir sprechen gerne davon, dass wir unsere Mitarbeiter befähigen möchten. Dies sollte auch Ziel der Universitäten sein, wenn es um die Begleitung ihrer Studentinnen und Studenten geht.

Wie lässt sich dieses Ziel erreichen?

Ich möchte ein Beispiel geben und dafür etwas ausholen: Wesentlich für den Erfolg von Systemen – im Software Engineering wie im Maschinenbau – ist die Ende-zu-Ende-Betrachtung in der Entwicklung. Dabei geht es darum, die Möglichkeiten digitaler Technologien auszuschöpfen. Nehmen wir beispielsweise die Mensch-Maschine-Schnittstelle von Systemen oder Systemverbünden: Das Verständnis für die Ziele und Vorgehensweisen sowie die Handhabe diese zu erreichen, entwickeln unsere Designer und Software-Ingenieure bei Capgemini mit Human-Centered-Design-Methoden.

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Studium: Bedeutung interdisziplinärer Möglichkeiten vermitteln

Im Mittelpunkt steht hier die Idee, Prozesse aus Sicht der Nutzer neu zu denken, bestehende Vorgehensweisen zu integrieren und neue zu ergänzen. Dadurch können Effektivitätssteigerungen und eine wesentlich verbesserte User-Experience erzielt werden. Grundsätzlich bieten Universitäten die Möglichkeiten an, über Wahlfächer diese Ausbildungsangebote zu integrieren, wesentlich ist es aber den Studierenden die Bedeutung dieser interdisziplinären Möglichkeiten zu vermitteln.

Welche neuen Themen und „digitalen Fachinhalte“ sollten Ihrer Meinung nach in den Lehrplänen stehen?

Diesen Punkt müsste man eigentlich noch um die Fragestellung erweitern, welche Fachinhalte man weglassen könnte, um das Lernvolumen für die Studierenden nicht weiter zu erhöhen. Denn wichtig ist es, ein zielgerichtetes, flexibles und angepasstes Studium in begrenzter Zeit zu ermöglichen.

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Um die Attraktivität der Ingenieursstudiengänge im Zeitalter des digitalen Wandels zu erhalten, sollten Inhalte wie Machine Learning, Künstliche Intelligenz, Neuronale Netze aber auch Bildverarbeitung Teil des Studiums sein. Bei der Auswahl des Studienganges haben diese Schlagwörter einen hohen Stellenwert. Im Studium selbst können mit Methoden, die auch in der IT verwendet werden, erstaunliche Ergebnisse erzielt werden.

Hackathon an der RWTH Aachen

An der RWTH Aachen haben zum Beispiel eher fachfremde Studenten in einem Hackathon durch den Einsatz von Machine Learning für die Systemsimulation Resultate erzielt, die dann wiederum in einer eigenen Arbeitsgruppe zum Thema Internet of Production weiterentwickelt wurden.

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Gibt es Fähigkeiten, die künftig gefragt sein werden, vor Jahren aber noch keine Rolle spielten?

In der heutigen globalen, interdisziplinären, agilen und vernetzten Arbeitswelt ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit sowie Teamfähigkeit von ausschlaggebender Relevanz. Charakterstärke, logisches Denken und Softskills wie Kommunikationsstärke im Umgang mit Menschen, auch mit unterschiedlichen kulturellen Backgrounds, haben sich zu einer Selbstverständlich entwickelt. Universitäten sollten den heutigen Entwicklungsstand von Methoden zur Teamarbeit und Agilität in die Lehrmethodik integrieren.

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Wie können Ingenieure etwaige Defizite selbst ausbügeln, bereits während des Studiums, aber auch im Job?

Während des Studiums sollten Studierende die Möglichkeiten nutzen, die die Wahlfächer ihnen bieten. Nach dem Studium müssen dann die Unternehmen die Rahmenbedingungen schaffen, ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Neben entsprechenden Lernplattformen beinhaltet dies auch die Möglichkeit, Lernzeiten zumindest anteilig kontieren zu können. Besonderes Potenzial bieten hier die Weiterbildungsmöglichkeiten über universitätsnahe Einrichtungen. Denn hierüber wird es auch ermöglicht, dass die Anforderungen an die Weiterbildung aus der Arbeitswelt an die Institute zurückgespielt werden.

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Von Chris Löwer

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