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Auslandsstudium – die richtige Wahl für angehende Ingenieure?

Auslandserfahrung wird von den meisten Arbeitgebern sehr geschätzt, aber gilt das auch für ein komplettes Studium? Werden ausländische Abschlüsse in Deutschland überhaupt anerkannt? Wir haben die wichtigsten Infos zusammengestellt.

gezeichnete Weltkarte auf kariertem Papier

Foto: panthermedia.net / Faithie

Die Frage, ob ein Auslandsstudium die richtige Wahl wäre, ist für viele angehende Ingenieure schwer zu beantworten. Denn die Entscheidung hängt vor allem von den Plänen für die eigene Karriere ab – und die sind vor Studienbeginn oftmals noch recht vage. Welche Argumente können überhaupt für ein Auslandsstudium im Ingenieurwesen sprechen?

Welche fachlichen Argumente gibt es für ein Auslandsstudium?

Mehrere Faktoren können für ein Auslandsstudium sprechen:

  • Der anvisierte Studiengang oder Schwerpunkt wird in dieser Form in Deutschland nicht angeboten.
  • Sie planen ein Auslandsstudium, um bei einem Professor zu lernen, der als Koryphäe auf seinem Gebiet gilt, weswegen ein Abschluss Ihre Karriere beflügeln könnte.
  • Sie streben ein Auslandsstudium an einer besonders renommierten Hochschule an, die für ihre anspruchsvollen Studiengänge bekannt ist, zum Beispiel Stanford oder MIT. Ein dortiger Abschluss gilt als Türöffner für viele Jobs.

Weitere Argumente für ein Auslandsstudium beflügeln die Karriere nur indirekt:

  • Sie haben bereits einen Wunsch-Arbeitgeber im Kopf und für dieses Ziel könnte ein Auslandsstudium hilfreich sein. Beispielsweise handelt es sich um einen internationalen Konzern, der seine Zentrale im Ausland hat.
  • Sie möchten schon im Auslandsstudium mit dem Networking beginnen und wichtige internationale Kontakte knüpfen. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn Sie als Ingenieur eine Karriere in der Wissenschaft anstreben.
  • Grundsätzlich setzt sich die Globalisierung im Arbeitsmarkt für Ingenieure immer weiter fort, sodass die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, ein großer Vorteil bei Bewerbungen sein kann. Gegebenenfalls ist es sogar möglich, während des Auslandsstudiums ein Praktikum bei einem internationalen Konzern zu ergattern.

Welche Soft Skills erwirbt ein Ingenieur für seine Karriere?

Zudem führt ein längerer Auslandsaufenthalt grundsätzlich dazu, dass Sie als künftiger Ingenieur wichtige Soft Skills erwerben:

  • Sprachkenntnisse: Wer in einer fremden Sprache studiert, beherrscht sie in der Regel im Anschluss sehr sicher, inklusive der relevanten Fachbegriffe. Heutzutage gilt Englisch als die wichtigste Business- und Wissenschaftssprache. Wer als Ingenieur Karriere machen möchte, womöglich in einem internationalen Konzern, sollte sicherstellen, dass er seine Anliegen auf Englisch vertreten kann. Übrigens: Englischsprachige Studiengänge werden nicht nur in englischsprachigen Ländern angeboten. Welche Fremdsprachen sonst noch wichtig sein könnten, erfahren Sie hier.
  • Umgang mit anderen Kulturen: Schon innerhalb Europas gibt es große Unterschiede, was die Umgangsformen im privaten und beruflichen Umfeld betrifft. Durch ein Auslandsstudium erwerben Sie die Fähigkeit, sich auf andere Kulturen besser einzustellen. Ideal wäre es dafür, das Auslandsstudium um ein Praktikum zu ergänzen.
  • Persönlichkeitsentwicklung: Sie sammeln an einer ausländischen Hochschule wertvolle Erfahrungen, lernen andere Sicht- und Arbeitsweisen kennen. Bei einem späteren Vorstellungsgespräch müssen Sie Ihre Flexibilität daher nicht mehr unter Beweis stellen. Zudem haben Sie gezeigt, dass Sie sich unter schwierigen Bedingungen zurechtfinden. Denn die Organisation eines Auslandsstudiums ist mit einigen Hürden verbunden, etwa einem besonderen Bewerbungsverfahren, Wohnungssuche, Krankenversicherung und so weiter. Anders gesagt: Wer ein Auslandsstudium absolviert, wählt nicht unbedingt den einfachsten Weg, sondern verfolgt in der Regel ein klares Ziel. All das sind Eigenschaften, die Arbeitgeber bei Ingenieuren suchen.

Habe ich die geeignete Persönlichkeit für ein Auslandsstudium?

Neben Studienplatz und Finanzierung müssen einige weitere Formalitäten für ein Auslandsstudium geklärt werden, vor allem Sprachtest, Krankenversicherung und Unterkunft. Viele angehende Studierende vergessen über das Organisatorische jedoch die wichtigste Frage: Sind Sie für ein Auslandsstudium überhaupt geeignet? Denn das bedeutet, einige Zeit in einem anderen Land zu leben, in der Regel fern ab von Familie und Freunden und vielleicht sogar dem Partner/der Partnerin. Zudem halten Sie sich in einer unbekannten Umgebung auf, konfrontiert mit einer mehr oder weniger fremden Kultur. Diese Aspekte sind nicht zu unterschätzen, da es sich, abhängig vom anvisierten Abschluss, um einen Zeitraum von mehreren Jahren handelt.

Im Zweifel kann es daher durchaus sinnvoll sein, vor Aufnahme eines Auslandsstudiums einige Monate im Ausland zu jobben oder idealerweise ein erstes Praktikum zu absolvieren – um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das Leben in einem anderen Land bedeutet.

Stipendien, Bildungskredite & Co. – wie kann ich ein Auslandsstudium finanzieren?

Beginnen wir dem offensichtlichsten Punkt auf der Negativseite: Ein Auslandsstudium kostet in der Regel mehr Geld als ein Inlandsstudim. Denn für die meisten internationalen Hochschulen werden Studiengebühren fällig. Auch die Lebenshaltungskosten sind in vielen Ländern höher als in Deutschland. Gerade die Eliteunis rufen stolze Preise auf. Wer beispielsweise an der amerikanischen Harvard University einen der begehrten Plätze ergattert, muss mit Studiengebühren von derzeit fast 31.500 US-Dollar rechnen (über 28.000 Euro) – pro Jahr. Die Finanzierung muss natürlich gesichert sein, damit ein unbelastetes Studium möglich ist

Stipendien fürs Auslandsstudium

Es besteht die Möglichkeit, sich für Stipendien zu bewerben. Falls Sie sich tatsächlich an einer Eliteuni wie Harvard bewerben wollen, stehen die Chancen auf ein Teil- oder Vollstipendium mit Sicherheit gut. Denn das wichtigste Kriterium sind hervorragende Leistungen. Und wenn Sie die nicht nachweisen können, erhalten Sie auch keinen Studienplatz. Neben Stipendien der Hochschulen gibt es eine ganze Reihe weiterer Fördermöglichkeiten, um das Studium zu finanzieren. Das sind unter anderem spezielle Stipendien für die Mint-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Eine gute Orientierung bietet die Seite stipendienlotse.de, bei der es sich um eine Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung handelt.

BaföG-Antrag fürs Auslandsstudium

Falls die finanziellen Möglichkeiten der Eltern begrenzt sind, sollten Sie zusätzlich unbedingt einen BAföG-Antrag stellen. Ein Vollstudium im Ausland kann nämlich unter bestimmten Umständen über den gesamten Zeitraum hinweg gefördert werden, falls ein grundsätzlicher Anspruch besteht. Das gilt zumindest für ein Auslandsstudium innerhalb der EU und der Schweiz. Über eine eventuelle Förderung für ein Studium in anderen Ländern informiert das zuständige BAföG-Amt individuell.

Jobben im Auslandsstudium

Natürlich können Studierende auch im Ausland jobben, um sich Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Sie bei einem Auslandsstudium in der Regel mehr Zeit zum Lernen und für das Verfassen von Hausarbeiten einplanen müssen, da Sie in einer fremden Sprache studieren.

Bildungskredite fürs Auslandsstudium

Wenn weiterhin eine Finanzierungslücke fürs Auslandsstudium besteht, können Bildungskredite eventuell eine Alternative sein. Da Sie diese aber im späteren Berufsleben abtragen müssen, sollten Sie die finanzielle Belastung nicht unterschätzen und Bildungskredite nur aufnehmen, wenn sehr gute Argumente für ein Auslandsstudium sprechen.

Grundsätzlich sollten Sie die Kosten an Ihrer Wunsch-Hochschule für ein Auslandsstudium unbedingt realistisch durchrechnen, bevor Sie sich entscheiden. Gegebenenfalls ist es ratsam, sich parallel an deutschen Hochschulen zu bewerben – bis klar ist, ob Stipendien oder andere Finanzierungsmöglichkeiten bewilligt werden.

Welche Kriterien gelten für die Suche der passenden Hochschule?

Zwei Portale sind wichtige Anlaufstellen, auf denen Sie wertvolle Tipps und zum Teil auch Serviceleistungen für die Organisation eines Auslandsstudiums und die Wahl der Hochschule erhalten. Das ist zum einen der Deutsche Akademische Austauschdienst und zum anderen die College Contact GmbH, die derzeit nach eigenen Angaben über 200 Hochschulen weltweit repräsentiert und kostenfreie Hilfestellung bei der Wahl der richtigen Hochschule bietet.

Als angehender Ingenieur müssen Sie 2 Seiten gegeneinander abwägen, während Sie nach einer Hochschule für Ihr Auslandsstudium schauen: Welche Möglichkeiten haben Sie? Und was bringen Ihnen diese Möglichkeiten?

An erster Stelle bei der Hochschulsuche steht die Sprachbarriere. Am sinnvollsten ist in der Regel ein Studium auf Englisch, da es sich unter Ingenieuren als gemeinsame Sprache auf dem internationalen Parkett etabliert hat. Dazu noch einmal der Hinweis: In vielen Ländern werden internationale Studiengänge auf Englisch angeboten, unabhängig von der Muttersprache des Gastgeberlandes. Weitere Kriterien für die Wahl der Hochschule können sein:

  • Befindet sich die Hochschule in einem Land mit einem hohen technischen Niveau? Das ist wichtig, damit das Auslandsstudium im Lebenslauf direkt einen guten Eindruck vermittelt. Außerdem haben Sie dann bessere Chancen auf qualifizierte Praktika während der Studienzeit.
  • Hat die Hochschule für Ingenieurwissenschaften einen guten Ruf? Vielleicht sogar einen besonders renommierten Professor?
  • Auswahlverfahren: Wo hätten Sie überhaupt eine Chance, angenommen zu werden?
  • Wird der geplante Abschluss in Deutschland voraussichtlich voll anerkannt?
  • Wäre ein Studium an der Wunsch-Hochschule finanzierbar?

Wie verändert ein Auslandsstudium die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Das heißt also auch: Ein Auslandsstudium ist nicht automatisch ein Turbo für die Karriere. Natürlich sind Abschlüsse an Eliteuniversitäten fast ein Garant für eine erfolgreiche Karriere. Wer allerdings seinen Master beispielsweise in Holland gemacht hat, gewinnt dadurch nicht automatisch einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern mit deutschen Abschlüssen. Neben dem Ruf der Hochschule und der genauen Fachrichtung, die Sie studiert haben, kann die Art des Abschlusses eine Rolle für die Karriere spielen. Die Promotion in den USA funktioniert zum Beispiel in der Regel schneller als in Deutschland, wird von vielen Arbeitgebern aber auch nicht ganz so hoch angesehen. Wurde sie hingegen an einer renommierten Uni absolviert und der Wunscharbeitgeber ist ein internationaler Konzern, fällt die Einschätzung schon wieder anders aus.

Ein wenig einfacher ist der Vergleich der Abschlüsse durch die Einführung von Bachelor und Master in Deutschland geworden – früher haben viele Unternehmen klar deutsche Diplom-Ingenieure (Dipl.-Ing.) bevorzugt. Trotz der Einführung von Bachelor und Master gilt das Studium der Ingenieurwissenschaften in Deutschland nach wie vor als qualitativ hoch angesiedelt, was nicht für jedes Auslandsstudium gilt. Andererseits legen global agierende Unternehmen viel Wert auf Auslandserfahrung. Unterm Strich ist ein Auslandsstudium also nur ein Türöffner für die Karriere, wenn es auf einem hohen Niveau stattgefunden hat und zu den individuellen Berufsplänen passt.

Sie haben bereits einen Traumjob im Visier? Dann scheuen Sie sich nicht, bei der Personalabteilung des jeweiligen Unternehmens anzurufen und um eine Einschätzung für das geplante Auslandsstudium zu bitten.

Werden Abschlüsse aus dem Ausland problemlos anerkannt?

Der Abschluss eines Auslandsstudiums lässt sich nicht eins zu eins auf die Anforderungen in Deutschland übertragen. Eine erste Anlaufstelle ist das Portal anerkennung-in-deutschland.de, das von der Bundesregierung betrieben wird. Bei Ingenieuren kommt eine Besonderheit hinzu: Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist geschützt und unterliegt festen Kriterien, die zum Teil in den verschiedenen Bundesländern voneinander abweichen und über die Ingenieurgesetze definiert sind.

Für eine Karriere als Ingenieur ist es daher unverzichtbar, sich vor Aufnahme eines Auslandsstudiums zu erkundigen, ob der geplante Studiengang die nötigen Voraussetzungen erfüllt, damit sich der Absolvent in Deutschland auch Ingenieur nennen darf. Informationen über die Kriterien für die Berufsbezeichnung Ingenieur erteilen die Ingenieurkammern der Länder. Sie nehmen auch die spätere Anerkennung des Abschlusses vor.

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