Ingenieurwissenschaften studieren

Auslandssemester als Karriereboost?

Auslandssemester gelten im Lebenslauf noch immer als fetter Pluspunkt. Für angehende Ingenieure sind zudem sehr gute Englischkenntnisse wichtig. Bei der Organisation der Auslandserfahrung müssen Sie jedoch einiges bedenken.

junge Menschen sitzen mit Laptop und Büchern im Park / Campus

Foto: panthermedia.net/SimpleFoto

Die Zahl der Studierenden, die 1 oder 2 Semester im Ausland verbringen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass sich immer mehr Unternehmen auf internationalem Parkett bewegen und sich von Bewerbern gute Fremdsprachenkenntnisse sowie Erfahrung mit anderen Kulturen wünschen. Gleichzeitig erleichtern es Austauschprogramme – allen voran Erasmus – den Studierenden erheblich, Auslandssemester in ihr Studium einzubauen.

Für wen ist ein Auslandssemester im Lebenslauf wichtig?

Vor 30 Jahren waren Auslandssemester im Lebenslauf noch eine absolute Seltenheit. Inzwischen sind sie zwar häufiger geworden, doch noch immer entscheidet sich nur ein Bruchteil der Ingenieurstudierenden dafür, den eigenen Lebenslauf durch Auslandssemester aufzupeppen. Dabei gibt es gerade für angehende Ingenieure viele gute Gründe für Auslandserfahrung:

  • Englisch ist unter Ingenieuren auf internationaler Ebene die anerkannte gemeinsame Sprachbasis. Das bezieht sich nicht nur auf persönliche Kontakte etwa bei Kongressen, sondern auch auf Fachartikel. Bei Auslandssemestern lernen Studierende direkt viele relevante Fachbegriffe und können eine Sprachgewandtheit gewinnen, die sich in der Schule nicht erwerben lässt.
  • Viele internationale Konzerne sind sehr attraktive Arbeitgeber – die Auslandssemester teilweise voraussetzen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Zentrale in einem anderen Land ansässig ist. Denn das bringt oftmals eine abweichende Unternehmenskultur mit sich. Wenn die Erfahrung mit anderen Kulturen im Lebenslauf dokumentiert ist, erleichtert es den Jobeinstieg in solchen Fällen erheblich.
  • Arbeitgeber schätzen Auslandssemester im Lebenslauf zudem wegen der Soft Skills, die dabei erworben oder trainiert werden. Dazu gehören unter anderem: Flexibilität, Organisationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit sowie interkulturelle Zusammenarbeit.
  • Oftmals sprechen fachliche Gründe für einen Auslandsaufenthalt. Wer sich als angehender Ingenieur bereits für eine Spezialisierung entschieden hat, kann im Ausland zusätzliche Kenntnisse sammeln. Dafür ist es natürlich wichtig, die Auslandssemester an einer Hochschule zu absolvieren, die für diesen Schwerpunkt einen sehr guten Ruf hat oder sogar Seminare zu Spezialthemen anbietet, die es in der Heimat nicht gibt.
  • Ein nicht zu unterschätzendes Argument für Ingenieure ist das Netzwerken während der Auslandssemester. Studierende sammeln dort internationale Kontakte – meist über das Gastland hinaus, weil beispielsweise im Rahmen des Erasmusprogramms Treffen für Studierende aus verschiedenen Ländern organisiert werden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Auslandssemester ein wichtiger Baustein im Lebenslauf sind, wenn Sie als Ingenieur Karriere machen wollen. Nicht zu vergessen die Erfahrungen, die Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung weiterbringen werden.

Wie lange sollten künftige Ingenieure im Ausland studieren?

Schon innerhalb eines Auslandssemesters können Sie ohne Frage wichtige Erfahrungen sammeln und Ihre Sprachkenntnisse verbessern. Ein einzelnes Auslandssemester im Lebenslauf lohnt sich also durchaus, falls Ihnen ein längerer Aufenthalt, beispielsweise aus finanziellen Gründen, nicht möglich sein sollte. Inhaltlich nehmen Sie aus dem Auslandssemester jedoch mehr mit, wenn sie zumindest ein Jahr bleiben. Gegebenenfalls kann es sogar sinnvoll sein, bis zu 4 Semester zu absolvieren – falls Ihnen an der ausländischen Hochschule Inhalte vermittelt werden, die an Ihrer Heimathochschule in dieser Form nicht angeboten werden. In diesem Fall sollten Sie sich aber unbedingt im Vorfeld danach erkundigen, welche Leistungen Sie auf Ihr Studium anrechnen lassen können.

Wie kommt man an einen Studienplatz im Ausland?

Im Wesentlichen gibt es 3 Wege, um einen Platz für Auslandssemester zu ergattern:

  • Das Erasmusprogramm der Europäischen Union
  • Programme der eigenen Hochschule für einen Austausch mit Partnerhochschulen
  • Direktbewerbung an ausländischen Hochschulen, gegebenenfalls unterstützt von einer Vermittlungsorganisation

Die jeweiligen Bewerbungsverfahren ähneln sich prinzipiell. Neben dem Ausfüllen diverser Formulare ist in der Regel ein Motivationsschreiben gefragt, in dem Sie als angehender Ingenieur begründen müssen, warum Sie ein Auslandssemester absolvieren möchten und Ihrer Ansicht nach dafür gut geeignet wären. Zum Teil müssen Sie Ihre Unterlagen um Empfehlungsschreiben von Professoren ergänzen lassen. Dazu ein Tipp: Bei einer Direktbewerbung sollten Sie sich nicht scheuen, Ihren Professor darauf anzusprechen, ob er seine internationalen Kontakte nutzen kann, um Ihre Bewerbung kurz telefonisch oder per Mail bei einem Kollegen anzukündigen.

Erasmus und Austauschprogramme

Grundsätzlich haben Erasmus und die Austauschprogramme der Hochschulen einen großen Vorteil gegenüber der Direktbewerbung: Den Studierenden wird ein großer Teil des organisatorischen Aufwands abgenommen. Das reicht von der Einschreibung fürs Auslandssemester bis zur Bewerbung für ein Zimmer im Studentenwohnheim. Ein weiteres Plus der Programme: Es werden in der Regel keine Studiengebühren fällig. Bei Erasmus wird sogar eine finanzielle Unterstützung für die Auslandssemester gezahlt. Das ist auch bei einigen Hochschulaustauschprogrammen der Fall.

Wann eine Direktbewerbung lohnt

Eine Direktbewerbung ist für Sie also normalerweise unterm Strich teurer und Sie müssen mit einem höheren organisatorischen Aufwand rechnen. In 2 Situationen ist sie trotzdem empfehlenswert.

  1. Sie haben sich aus fachlichen Gründen eine ganz bestimmte Hochschule ausgesucht – die jedoch an keinem Austauschprogramm teilnimmt.
  2. Ihre Bewerbung für ein Auslandssemester über Erasmus oder ein Hochschulprogramm war nicht erfolgreich. Falls der Zeitplan für Ihr Studium keine erneute Bewerbung zulässt, ist eine Direktbewerbung ein guter Weg, um dennoch ein Auslandssemester absolvieren zu können.

Welche Hochschule ist für das Auslandssemester die beste Wahl?

Für die Wahl der Hochschule sollten Studierende der Ingenieurwissenschaften verschiedene Kriterien heranziehen:

  • Welche Sprachkenntnisse sind vorhanden? Denn auch wenn das Studium auf Englisch erfolgt, können Kenntnisse in der Landessprache weiterhelfen. Sie können vor der Reise aufgebaut werden oder etwa im Rahmen des Erasmusprogramms vor Ort in einem Sprachkurs erlernt werden.
  • Welche Hochschulen wären aus fachlicher Sicht für ein Auslandsstudium besonders interessant? In diesem Fall sollte vor allem der Ruf für Mint-Fächer ausgezeichnet sein, gegebenenfalls mit Angeboten zu einem relevanten Schwerpunktbereich.
  • Bei Austauschprogrammen ist die Wahl der Partnerhochschulen natürlich begrenzt. Und auch der Ansturm durch die lieben Kommilitonen verringern die eigenen Chancen.
  • Zudem sollten Sie die Finanzen in Ihre Überlegungen einbeziehen, also eventuelle Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und so weiter. In dieser Hinsicht gibt es große Abweichungen zwischen den einzelnen Ländern und Hochschulsystemen.

 

Finanzierung des Auslandssemesters

Auslandssemester verursachen meistens höhere Kosten als das Studieren im Inland. Denn auf der einen Seite entstehen zusätzliche Ausgaben. Sie müssen etwa mehr Geld für Miete, Essen und so weiter einplanen, eventuell fallen Studiengebühren an. Zudem wollen Sie das Land ja kennenlernen und mehr unternehmen als zu Hause. Gleichzeitig laufen einige Kosten in der Heimat vielleicht weiter, etwa Kfz-Versicherung oder im schlimmsten Fall die Miete. Auf der anderen Seite fehlen vielen Studierenden im Ausland Einnahmen, weil sie sich schlechter etwas hinzuverdienen können. Manche Hochschule untersagen es ausländischen Studenten sogar zu jobben, damit sie sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren. Außerdem stehen sie bei einer eventuellen Jobsuche in Konkurrenz zu den Einheimischen.

Kosten und Ausgaben reduzieren

Für die Finanzierung der Auslandssemester müssen Sie also zunächst dafür sorgen, dass Sie die Kosten so weit wie möglich reduzieren:

  • Prüfen Sie, welche laufenden Kosten in Deutschland Sie aussetzen lassen können, so lange Sie ihr Auslandssemester absolvieren. Das sollten Sie mindestens 1 Jahr vor Start des Auslandsaufenthalts planen, weil teilweise lange Kündigungsfristen zu beachten sind. Beispiele für Kostenreduktionen: Wohnung oder Zimmer für den begrenzten Zeitraum untervermieten, Auto privat unterstellen und abmelden, Abos für Zeitschriften vorübergehend kündigen. Welche Versicherungen greifen ohnehin nicht im Ausland und können ausgesetzt werden?
  • Studiengebühren können SIe vermeiden, indem Sie über ein Austauschprogramm ins Ausland gehen. Bei einer Direktbewerbung besteht alternativ die Möglichkeit, dass Sie sich für ein Stipendium der Gasthochschule bewerben, in dessen Rahmen Ihnen während des Auslandssemesters die Studiengebühren erlassen werden.
  • Nehmen Sie im Vorfeld Kontakt zu anderen Studierenden auf, die bereits Auslandssemester im Wunschland absolviert haben. Erkundigen Sie sich nach günstigem Wohnraum, guten Einkaufsmöglichkeiten und Ähnlichem. Ein Hinweis: Zimmer in Studentenwohnheimen sind nicht immer automatisch die günstigste Variante. Private WG-Zimmer haben außerdem den Vorteil, dass Sie leichter Kontakt zu Einheimischen finden. Denn in vielen Studentenwohnheimen bleiben die Ausländer größtenteils unter sich.

Einnahmen generieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, an Zuschüsse für Auslandssemester zu gelangen. Außerdem lassen sich die verschiedenen Quellen zum Teil kombinieren.

Auslands-BAföG: Vielen Studierenden ist nicht bewusst, dass die Bemessungsgrundlage für Auslands-BAföG eine andere ist als für das BAföG im Inland. Mit anderen Worten: Ein Antrag kann sich lohnen, weil Auslands-BAföG auch bei höheren Einkommen ausgezahlt wird. Falls Sie weitere Einnahmequellen finden, wie ein Stipendium, müssen Sie jedoch damit rechnen, dass Ihr BAföG gekürzt wird. Stellen Sie den BAföG-Antrag möglichst 1 Jahr im Voraus. Das zuständige BAföG-Amt finden Sie im Bereich Auslandsförderung auf der BAföG-Homepage.

Erasmus: Es gibt auf der einen Seite die Länder der Europäischen Union, die am Erasmus-Programm teilnehmen. Auf der anderen Seite stehen Länder außerhalb der EU, die als Erasmus-Partner registriert sind. Das sind zum Beispiel Staaten wie Marokko, Libanon, Ägypten und Russland. Für die Studierenden fallen in beiden Fällen eventuelle Studiengebühren weg. Außerdem erhalten Sie eine monatliche Unterstützung, deren Höhe vom Zielland abhängt. Für EU-Staaten liegen die Zuschüsse derzeit zwischen 330 und 450 Euro im Monat. Die Erasmus-Förderung wird unabhängig von der persönlichen finanziellen Situation ausgezahlt, kann also mit anderen Fördermöglichkeiten kombiniert werden.

Stipendien: Sehr gute Studienleistungen erhöhen die Chancen auf die diversen Stipendien, für die Sie sich bewerben können. Vor allem renommierte Gastgeber-Hochschulen haben eigene Stipendien, um gute Studierende nicht aus finanziellen Gründen an einem Auslandssemester zu hindern. Hinzu kommen Begabtenstipendien, spezielle Stipendien für Mint-Fächer und sogar Stipendien von politischen Stiftungen. Ein großer Teil ist zusammengefasst auf der Datenbank stipendienlotse.de, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betrieben wird.

Bildungskredite: Klafft immer noch eine Lücke in der Finanzierung des Auslandssemesters, kann sie durch Bildungskredite geschlossen werden. Aber Achtung: Schöpfen Sie erst alle anderen Möglichkeiten aus, um ihre Kosten zu decken. Denn Bildungskredite bedeuten natürlich, dass Sie Schulden anhäufen. Übrigens: Bildungskredite gelten nicht als Einkommen, da sie zurückgezahlt werden müssen. Sie lassen sich daher mit Auslands-BAföG kombinieren.

Nebenjob: Falls Sie planen, während des Auslandssemesters zu jobben, sollten Sie sich im Vorfeld erkundigen, ob das die Gastgeber-Hochschule gestattet. Außerdem können Sie über Foren und Studierende, die bereits in Ihrem Wunschland waren, herausfinden, wie gut die Chancen stehen, auch tatsächlich einen Job zu finden. Übrigens: Je nach Entfernung des Ziellandes und Ihren Wohnmöglichkeiten in Deutschland kann es sich lohnen, während der Semesterferien nach Hause zu fliegen, um hier zu arbeiten.

Was gilt es, vor dem Start des Auslandssemesters zu beachten?

Angehende Ingenieure sollten sich vor einem Auslandssemester in 2 Bereichen unbedingt absichern: privat und in Bezug aufs Studium. Privat heißt: Sie benötigen einen zusätzlichen Auslandskrankenschutz Ihrer Krankenversicherung. Denn normalerweise sind Auslandsaufenthalte nur bis zu einem Zeitraum von 6 Wochen abgedeckt. Auch nach Auslandsoptionen der gesetzlichen Unfallversicherung und der privaten Haftpflicht sollten Sie sich rechtzeitig erkundigen. Mit Ihrer Bank müssen Sie zudem den Verfügungsrahmen fürs Ausland definieren und klären, was für Gebühren bei Bargeldabhebungen anfallen. Außerdem sollten Sie bei Medikamenteneinnahmen prüfen, ob die gleichen Präparate im Ausland verfügbar sind oder beispielsweise unter einem anderen Namen vertrieben werden (Antibabypille).

In Bezug auf Ihr Studium ist es sinnvoll, schon vor dem Start des Auslandssemesters zu klären, unter welchen Umständen Leistungen aus dem Ausland auf das Studium an Ihrer Heimatuniversität angerechnet werden. Machen Sie einen Termin bei dem Professor, der in Ihrem Fall über die Anerkennung entscheidet. So können Sie sicherstellen, dass Sie nicht nur Erfahrungen sammeln, sondern auch Credit Points.

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