Karrierestrategie 21.09.2016, 00:00 Uhr

Heiß begehrt: Erster Arbeitsvertrag nach dem Studium!

Die Zeiten, in denen Arbeitsverträge für Hochschulabsolventen vom Himmel fielen, gehören erst einmal der Vergangenheit an. Der Arbeitsmarkt für Ingenieure hat sich in vielen Segmenten normalisiert und abgekühlt. Hochschulabsolventen müssen sich, teilweise sogar sehr mühselig, ihren ersten Arbeitsvertrag erkämpfen. Flattert er dann endlich ins Haus, steht dem erfolgreichen Berufseinstieg nichts mehr entgegen – oder?

Der erste Arbeitsvertrag sollte besonders gründlich geprüft werden.

Der erste Arbeitsvertrag sollte besonders gründlich geprüft werden.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Vertrags(un)sicherheit

Hinterfragen wir doch einmal kritisch: Was „flattert“ denn da wirklich ins Haus? Mit Sicherheit kein Arbeitsvertrag! Bei dem Papier handelt es sich um einen Vertragsentwurf. Der Kandidat prüft die verschiedenen Bestandteile und Inhalte. Hat er nichts zu beanstanden, setzt er seine Unterschrift unter das Papier. Dieses Vertragsangebot wird jetzt dem potenziellen Arbeitgeber zugesendet. Erst wenn dieser unterschreibt, ist der Arbeitsvertrag zustande gekommen und die Sektkorken können knallen – oder immer noch nicht? Da kommt mir die Erinnerung an die bekannte 5 Sterne-Unternehmensberatung, die vor Jahren eine Reihe frischgebackener Absolventen engagierte oder sagen wir besser, engagieren wollte. Die Verträge waren unterzeichnet, die Eintrittstermine lagen Wochen später. In dieser Zeit verlief die Geschäftsentwicklung der Beratung unglücklich und die Absolventen wurden nicht mehr benötigt. Den Kandidaten wurde erläutert, dass ein Pochen auf Vertragseinhaltung nichts bringt. Man würde sie gleich am ersten Arbeitstag kündigen denn: In der Probezeit kann jede Seite ohne Begründung kündigen! Mit anderen Worten: Erst wenn die Probezeit überstanden ist, sollten die Sektflaschen geöffnet werden! Der kühle Drink kann dann richtig genossen werden!

Befristet und unbefristete Verträge

Und wenn es doch noch Fragen zu den Vertragsinhalten gibt? Zu prüfen ist der Vertrag, ob alle notwendigen Elemente wirklich vorhanden sind. So muss der Beginn des Arbeitsverhältnisses im Vertrag stehen, ist der Vertrag befristet auch die Laufzeit bzw. der Endzeitpunkt. Befristete Arbeitsverträge kommen bedauerlicherweise immer mehr in Mode. Man möchte sich nicht direkt an einen neuen Mitarbeiter binden. Damit der dann aber die gesamte Zeit maximale Leistungen erbringt, wird häufig so oder ähnlich argumentiert: „Bei uns startet jeder mit dem befristeten Vertrag. Nach Ablauf bekommt man automatisch den unbefristeten!“ Ob es dann wirklich dazu kommt, steht in den Sternen. Allerdings muss auch eines klar gesagt werden: Besser in ein befristetes Arbeitsverhältnis einsteigen, um sich beruflich zu beweisen, statt bis zum St. Nimmerleinstag auf den Superjob zu warten und Monat für Monat in Warteposition zu verharren.

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Lange Probezeit kein Nachteil

Im Arbeitsvertrag wird zudem die Probezeit festgelegt, drei oder sechs Monate. Zu Beginn des Berufslebens scheint die kürzere Probezeit erstrebenswert, um schneller im sicheren Hafen zu ankern, praktiziert wird heute häufiger die sechsmonatige Probezeit, um Kandidaten länger zu beobachten oder sich auch, was aktuellere Geschäftsentwicklungen betrifft, flexibler verhalten zu können. Tatsächlich kann aber auch gerade für Absolventen die längere Probezeit von Vorteil sein. Meist sind noch mehrere Bewerbungen in Umlauf, Ergebnisse und Vorstellungsrunden noch offen. Der Bewerber kann sich in der Probezeit dann noch ohne große Umstände für eine bessere berufliche Alternative entscheiden.

Tätigkeitsbeschreibung bringt Klarheit

Selbstverständlich enthält der Arbeitsvertrag auch Angaben zum Arbeitsort und den Tätigkeiten. Beim Arbeitsort ist zu prüfen, ob dieser konkret genannt wird, um hier dem Arbeitgeber nicht alle möglichen Spielräume zu lassen. Gleiches gilt für die Stellenbeschreibung. Der Arbeitnehmer wird sehr allgemein formulieren, um sich nachträgliche „Anpassungen“ zu erleichtern. Eine kurze Beschreibung der Tätigkeiten reicht rechtlich völlig aus. Der Arbeitgeber möchte es dagegen meist sehr präzise haben, um den Spielraum der anderen Seite einzuschränken. Die Frage stellt sich allerdings wie viel Einfluss ein Absolvent wirklich auf die Tätigkeitsbeschreibung hat und ob ihm wirklich geholfen ist, wenn er auf präzisen Formulierungen besteht. Von praktischer Bedeutung sehe ich hier eigentlich in erster Linie, dass der Kandidat prüfen sollte, ob die im Vorstellungsgespräch besprochenen Inhalte sich auch wirklich im Arbeitsvertrag wiederfinden – egal ob eher detailliert oder grob beschrieben. Wenn es hier schon zu größeren Abweichungen kommt, kann man sich leicht vorstellen, wie es weitergeht.

Beim Gehalt kann man sich verhören

Beim Arbeitsentgelt ist zu prüfen, ob die Zahlen stimmen und hier nicht geschummelt wird. Gibt es nicht? Ein gestandener Ingenieur war ganz erstaunt als sich die ausgehandelten 150.000 Euro Jahresgehalt im Vertragsentwurf als 115.000 Euro wiederfanden. Man kann es ja mal versuchen, aber sicherlich war es keine böse Absicht… Das Bruttoarbeitsentgelt kann sich dabei aus verschiedenen Komponenten wie Grundgehalt, Zulagen, vermögenswirksame Leistungen, Sonderzahlungen (z.B. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld etc.), Provisionen usw. zusammensetzen. Die Gehaltsberechnung ist für Berufseinsteiger häufiger Grund, vor Vertragsunterzeichnung nachzufragen, wie sich etwa die 45.000 Euro Jahresgehalt ergeben, die im Vorstellungsgespräch vereinbart wurden. Sollte sich auch ein Dienstwagen mit im Gehaltspaket befinden, wäre auch dieser in der Gehaltsberechnung zu berücksichtigen. In welcher Form dieses geschieht sollte man sich vom Arbeitgeber erläutern lassen. Für Reisekosten und Spesen kann es möglicherweise Zusatzvereinbarungen geben.

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Arbeitszeiten, Urlaubszeiten und Überstunden

Der Arbeitsvertrag regelt auch die Arbeits- und Urlaubszeit. Für Hochschulabsolventen kommen meist die Reglungen des Tarifvertrages zur Anwendung. Überstunden müssen abgegolten werden. Der Mindesturlaubsanspruch beträgt 24 Werktage. Ein weiterer Vertragsbestandteil kann ein Wettbewerbsverbot sein. Wenn vorhanden, wird es sich insbesondere auf die Zeit nach Ausscheiden aus dem Unternehmen beziehen. Wettbewerbsverbote müssen vom Arbeitgeber entsprechend entschädigt werden (Karenzentschädigung). Letztlich können Vertragsstrafen Inhalt des Arbeitsvertrages sein, etwa für den Fall, dass ein Arbeitsverhältnis vor Ablauf einer bestimmten Frist gekündigt wird.

Die Kündigungsfrist nicht vergessen

Und noch ein wichtiger Vertragsbestandteil: Die Kündigungsfrist. Sie kann gesetzlich, tariflich, betrieblich oder einzelvertraglich festgelegt werden. Im Regelfall dürfte für Hochschulabsolventen die gesetzliche Kündigungsfrist vereinbart werden. Sie beträgt vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats. Längere Kündigungsfristen dürften erst nach einigen Jahren Berufspraxis eine Rolle spielen. Hier stellt sich dann immer wieder die Frage, ob eine lange Kündigungsfrist, die zunächst aus Sicherheitsgründen angestrebt wird, in späteren Karriereabschnitten nicht zum Stein am Bein wird. Im Übrigen machen Fragen zum Vertrag klug. Daher sollte sich niemand scheuen, Rücksprache mit der Personalabteilung zu nehmen. Möglicherweise muss der ursprüngliche Entwurf nochmals abgeändert werden.

Verhandlungsspielräume gering

Wirkliche Verhandlungs- und Gestaltungsspielräume dürften Absolventen, die in Großunternehmen einsteigen, allerdings wohl kaum haben. Hier gibt es Standardarbeitsverträge, die nur in seltenen Fällen (für die Topkandidaten) modifiziert werden dürften. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen regeln dann den Rest. Natürlich kann man sich über deren Inhalte im Vorfeld informieren. Anders sieht es bei Unternehmen aus, die geringere Erfahrung mit der Einstellung von Absolventen haben oder von denen man ohnehin eine Übervorteilung erwartet. Tauchen in den Verträgen Passagen auf, die man nicht deuten kann, sollte Rat eingeholt werden, bevor man unterschreibt. Und voreilig unterschreiben, möglichst noch beim letzten Vorstellungsgespräch, verbietet sich ohnehin. Eine Nacht über einen Vertragsentwurf schlafen, dafür muss auch der „schlimmste“ Arbeitgeber Verständnis haben.

Tipp:
Alle Infos zum Einstiegsgehalt für Ingenieure

 

Von Karriere-Coach Bernd Andersch

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