Beratung 15.06.2016, 00:00 Uhr

Befristete Arbeitsverträge bei Ingenieuren

Verständlicherweise versuchen Ingenieure, befristete Arbeitsverträge möglichst zu vermeiden. Tatsächlich enden sie selten in einer Übernahme. In manchen Situationen sind sie aber dennoch die richtige Wahl. Rechtzeitiges Bewerben ist für Ingenieure in jedem Fall extrem wichtig.

Befristete Arbeitsverträge können auch Vorteile haben.

Befristete Arbeitsverträge können auch Vorteile haben.

Foto: iStock / Thinkstock

Bevor Ingenieure befristete Arbeitsverträge antreten, sollten die rechtlichen Grundlagen und die „Andersartigkeit“ klar sein. Nachgelesen kann etwa im Teilzeit- und Befristungsgesetz oder im Wissenschaftszeit- Vertragsgesetz. Ganz wichtig sind folgende Punkte: Befristungen enden zum vertraglich festgelegten Zeitpunkt oder wenn der Zweck der Befristung erreicht ist. Bei letzterem Tatbestand muss der Arbeitgeber einen schriftlichen Hinweis mindestens zwei Wochen vorher geben. Sprich, es gibt keine ordentliche Kündigung, die üblichen Kündigungsschutzvorschriften kommen nicht zur Geltung. Auch der Betriebsrat bleibt außen vor. Allerdings kann im Arbeitsvertrag zum Thema Kündigung auch etwas anderes vereinbart werden. Außerordentlich kann aber, unabhängig von welchen Vertragsinhalten, immer gekündigt werden. Ingenieure sollten sich befristete Arbeitsverträge also gut durchlesen.

Befristete Arbeitsverträge nehmen bei Ingenieuren zu

Die Internet-Jobbörsen beweisen klar: Befristete Arbeitsverträge sind für Ingenieure im Kommen – zumindest bei den Arbeitgebern. Sie müssen sich nicht langfristig an Mitarbeiter binden, können bei Inaussichtstellung einer Übernahme mit Höchstleistungen rechnen und der Kandidat überlegt sich genau, ob und wie lange er sich krank meldet.

Befristete Arbeitsverträge können auch dazu dienen, Ingenieure auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Dazu dient zwar eigentlich die Probezeit, aber manche Arbeitgeber brauchen etwas länger, um auf Nummer sicher zu gehen. Eine Befristung z.B. bei Trainees ist nicht unüblich. Andere Arbeitgeber nutzen die Befristung, um Kandidaten an realistische Gehaltsniveaus heranzufahren.

Befristete Arbeitsverträge haben für Ingenieure auch Vorteile

Die gewonnene Flexibilität erlaubt den Unternehmen ein „hire and fire“ nach dem großen amerikanischen Vorbild. So einseitig könnten befristete Arbeitsverträge von Ingenieuren gesehen werden. Faktisch profitieren beide Seiten. Viele Arbeitsverhältnisse würde es ohne Befristung nicht geben! Erst die Befristung erlaubt es Unternehmen, zu experimentieren, Dinge zu versuchen – etwa ein neues Geschäftsfeld aufzubauen, eine neue Dienstleistung auszuprobieren und so weiter.

Ingenieure möchten ihrerseits vielleicht befristete Arbeitsverträge, um zeitweise bei einem Unternehmen einsteigen, etwa weil eine räumliche Veränderung aus privaten Gründen ansteht. Die Frage ist, ob der spezielle Arbeitgeber eine Befristung mitmacht. Möglicherweise ist es für das Unternehmen besser, eine Befristung einzugehen und damit Zeit für die Suche eines passenden Ingenieurs zu gewinnen, statt eine Stelle monatelang unbesetzt zu lassen. Ein weiterer Vorteil der angestrebten Befristung von gefragten Kandidaten: Man kann den Arbeitgeber erst einmal richtig kennen lernen und dann einem Übernahmeangebot folgen oder nicht.

Es gibt verschiedene Gründe für befristete Arbeitsverträge

Die Gründe für befristete Arbeitsverträge von Ingenieuren können unterschiedlicher Natur sein. Ein Unternehmen sucht den Feuerwehrmann für globale Projekte: „Die Anstellung erfolgt mit einem angemessenen flexibel gestalteten Auslandspaket befristet für maximal zwei Jahre. Vorgesehene Einsatzorte liegen in China, ….“ Wie es weitergeht, kann man sich vorstellen. Sind die Kastanien aus dem Feuer geholt, kann der „Retter“ gehen, möglichst schon vor Ablauf der zwei Jahre!

In einer anderen Stellenofferte steht verheißungsvoll: „Die Stelle ist zunächst auf 24 Monate befristet.“ Trotz aller Hoffnungen, die Arbeitgeber vor und während Befristungen in den Raum stellen, man darf sich von Beginn an nichts vormachen: Befristet ist und bleibt befristet! Mit anderen Worten, während der Befristung muss schon nach links und rechts geschaut werden, wie es danach weitergeht. Klar, befristete Arbeitsverträge können Ingenieuren als Sprungbrett dienen, dies ist jedoch eher die Ausnahme.

Befristete Arbeitsverträge enden für Ingenieure selten mit einer Übernahme

Befristete Arbeitsverträge? Enttäuschung macht sich unter Ingenieuren breit. Anfängliche Bedenken zu dieser Vertragsform wischt der Personalchef vom Tisch: „Bei uns beginnen alle zeitlich befristet. Das ist nur eine Formsache. Jeder wird übernommen.“ Derartige Aussagen hören Kandidaten gerne und krempeln die Ärmel hoch. Insbesondere während der Befristung beteuern Arbeitgeber gerne unter vier Augen den unbedingten Übernahmewillen.

Klar, das Unternehmen bezahlt den Kandidaten für den gesamten Zeitraum x und möchte eben auch über den gesamten Zeitraum hundertprozentige Leistung. Und nachdem befristete Arbeitsverträge abgelaufen sind, wird in höchsten Tönen bedauert: „Es wird jetzt doch nichts mit Ihrer Übernahme. Wir haben uns bis zur letzten Minute mir der Entscheidung sehr schwer getan und es tut uns aufrichtig leid …“.

Ingenieure sollten sich bewerben, bevor befristete Arbeitsverträge auslaufen

Motivationsphrasen haben während der Befristung im Regelfall wenig Bedeutung. Wer kann die Übernahme schon garantieren und warum werden Ingenieuren dann überhaupt befristete Arbeitsverträge angeboten? Bei einer Befristung muss immer damit gerechnet werden, dass es keine Weiterbeschäftigung gibt. Dies ist eben der Normalfall und ursprünglich genauso beabsichtigt. Wer trotzdem „aus allen Wolken fällt“ wenn eine Verlängerung oder Übernahme ausbleibt, muss Realitätsferne vorgeworfen werden.

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Ein halbes Jahr, bevor befristete Arbeitsverträge auslaufen, sind intensive Bewerbungsaktionen angesagt – für den Fall der Fälle! Spätestens, wenn eine befristete Anstellung nicht optimal läuft, müssen postwendend Suchaktivitäten gestartet werden. Maximale Arbeitsleistung hin und her, um den aktuellen Arbeitgeber doch noch zur Übernahme zu bewegen, es muss genug Zeit für eigene Bewerbungen bleiben.

In einigen Bereichen sind befristete Arbeitsverträge für Ingenieure Normalität

Es gab immer Bereiche, in denen befristete Arbeitsverträge für Ingenieure eine große Rolle spielten, so etwa im Hochschul- und Forschungsbereich. Längere, mehrjährige Befristungen sind hier keine Seltenheit. So kann sich etwa die Befristung von Arbeitsverträgen für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen in der Summe vor und nach der Promotion durchaus zum Beispiel auf zwölf Jahre summieren.

Auch bei Positionen, die im behördlichen Bereich angeboten werden, begegnet man Befristungen relativ häufig: „Die Einstellung erfolgt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zunächst im Rah¬men eines auf 24 Monate befristeten Beschäftigungsverhältnisses mit der Möglichkeit einer Festanstellung und Verbeamtung.“ Einen zeitlich befristeten Charakter haben häufig auch Arbeitseinsätze bei den Zeitarbeitsunternehmen beziehungsweise Engineering-Dienstleistern. Befristete Arbeitsverträge für Ingenieure sind hier also völlig normal, nicht ungewöhnlich oder gar verdächtig!

Befristete Arbeitsverträge müssen für Ingenieure mit einem guten Zeugnis abschließen

Vorsicht bei Arbeitszeugnissen zu Befristungen! Arbeitgeber schludern häufig, das Abschlusspapier wird mit heißer Nadel gestrickt. Auf folgende Punkte ist besonders zu achten: Sind die Aufgaben ingenieurtechnisch richtig und interessant dargestellt? Ist die getragene Verantwortung dokumentiert? Finden sich die üblichen Bewertungen von Arbeits- und Sozialleistungen angemessen wieder? Wirkt der Text insgesamt überzeugend? Bei Zweifeln muss reagiert werden! Das Zeugnis für befristete Arbeitsverträge ist für einen Ingenieur als aktuellster Leistungsnachweis natürlich dann besonders wichtig, wenn noch keine Anschlussbeschäftigung gefunden wurde.

Wer als Personaler nach dem Haar in der Suppe suchte, kann schnell befristete Arbeitsverträge nutzen, um den Ingenieur beim Vorstellungsgespräch in die Enge zu treiben: „Sicherlich haben Sie seinerzeit keinen besseren Job als den befristeten gefunden.“ Es ist jetzt am Bewerber, Vorteile der Befristung(en) aufzuzeigen: „Ich habe in relativ kurzer Zeit viel Erfahrungen und Qualifikationen gesammelt (verschiedene Arbeitgeber, Branchen, Aufgaben – bei mehreren Befristungen).“ „Ich bringe eine hohe Lernbereitschaft und Mobilität mit.“ „Ich bin unproblematisch im Umgang und kann mich schnell in neue Teams integrieren.“

Wie sollten Ingenieure befristete Arbeitsverträge bei Bewerbungen kommunizieren?

Einen Sonderfall stellen im Lebenslauf befristete Arbeitsverträge von Ingenieuren dar. Hier gilt im Grunde das gleich wie für andere Berufsstationen: Alles, was sich unter zwei Jahren abspielt, zählt im Grunde nicht oder nur bedingt, bezüglich der gewonnenen Erfahrungen. Endet die Befristung, so ist die Frage wie.

Befristete Arbeitsverträge von Ingenieuren, egal wie lange, werden auf jeden Fall positiv interpretiert, wenn daraus die Übernahme in eine Festanstellung folgt. Sie werden negativ interpretiert, wenn die Befristung in der Arbeitslosigkeit endet. Wahrscheinlich hat der Arbeitnehmer mit einer Übernahme gerechnet, die dann jedoch nicht eingetreten ist. Er hat sich viel zu spät beworben oder seine Qualifikationen sind am Arbeitsmarkt schlichtweg nicht gefragt

Für manche Ingenieure sind befristete Arbeitsverträge eine gute Lösung

Arbeitslose Kandidaten werden von Arbeitgebern gedrückt, wo es geht. So werden einem länger arbeitslosen Entwicklungsingenieur befristete Arbeitsverträge über zwei Jahre angeboten. Das Gehalt liegt rund 40 Prozent unter dem Verdienst seines letzten Beschäftigungsverhältnisses. Empörung kommt auf. Mit Abstand und genauerer Überlegung akzeptiert der Ingenieur die Offerte.

Es scheint ihm erfolgsversprechender, sich aus einer laufenden Anstellung um bessere Alternativen zu bewerben, statt aus der drohenden Langzeitarbeitslosigkeit. Auch bei einem Jungingenieur drohte die Arbeitslosigkeit. Er wurde als Entwickler gefordert und gefördert. Aus privaten Gründen kehrte er in seine süddeutsche Heimatstadt zurück und wechselte den Arbeitgeber. Eine schnelle Lösung war gefragt, weshalb er befristete Arbeitsverträge von zwei Jahren akzeptierte.

Befristete Arbeitsverträge sollten Ingenieure mit Abstand sehen

Ingenieure, die bereits in der betrieblichen Praxis stehen und Angebote von Hochschulen oder wirtschaftsnahen Forschungsinstituten haben, sollten nachdenken. So sichern beispielsweise befristete Arbeitsverträge über fünf Jahre nicht nur den Arbeitsplatz über einen recht langen Zeitraum. Es bringt auch weitere Vorteile, wenn man nach der Befristung mit aktuellstem Know-how in die dann hoffentlich brummende Wirtschaft zurückkehrt.

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