Tipps für die Karriere

Befristetes Arbeitsverhältnis: Fluch oder Segen?

Ein befristetes Arbeitsverhältnis sollte ein Ingenieur mit Vorsicht genießen. Eine spätere Festanstellung ist auch bei besten Leistungen nicht garantiert. Daher sollte auch in der Not der Arbeitslosigkeit überlegt werden, ob ein befristetes Arbeitsverhältnis sinnvoll ist.

Ein befristetes Arbeitsverhältnis garantiert keine Übernahme.

Ein befristetes Arbeitsverhältnis garantiert keine Übernahme.

Foto: panthermedia.net/TarasMalyarevich

Wie entsteht ein befristetes Arbeitsverhältnis? Etwas zu viel Work-Life-Balance, etwas zu viel über die Generation Y gelesen, etwas zu hohe Gehaltsansprüche und nie zugehört, wenn sich erfahrene Ingenieure zum Berufsleben austauschten! Als Ergebnis stand der Automatisierungsingenieur vor einem Scherbenhaufen. Und der Karrierestart verlief doch so verheißungsvoll. Sollte ihn nach vier Jahren Berufspraxis das Glück verlassen?

Seine Gehaltsvorstellungen Richtung 100.000 Euro Jahresgehalt, seine aufgrund privater Umstände verpatzte, entscheidende Präsentation zum Rollout eines internationalen Projektes, die Überschätzung seiner Bedeutung für das Unternehmen und seines Könnens, all das waren Punkte, die seinen ersten Arbeitgeber schockten. Der Mann wurde doch durch zahlreiche, teure Firmentrainings geschickt, stieg schnell auf, vom Projektingenieur, zum Projektleiter bis zum Teamleiter mit einer Gehaltsausstattung von 75.000 Euro. Dankbarkeit, Loyalität etc. Fehlanzeige. Letztlich entschied sich der Arbeitgeber den Highflyer kurzer Hand freizusetzen.

Nur in der Not ein befristetes Arbeitsverhältnis annehmen?

Mit allem hatte der Bachelor der Elektrotechnik gerechnet, ein Karriereknick stand aber nicht auf seinem Programm. Letztlich war er froh, dass ihm ein kleiner Zulieferer aus dem Automatisierungsbereich postwendend ein Angebot machte. Aus Angst, arbeitslos zu werden und längere Zeit ohne angemessenem Einkommen da zustehen, griff der junge Familienvater sofort zu, obwohl es sich zunächst um ein auf ein Jahr befristetes Arbeitsverhältnis als Projektmanager handelte.

„Ein befristetes Arbeitsverhältnis hatten hier alle am Anfang“, meinte der Geschäftsführer der „Automatisierungsbude“ zu ihm, als er ihm das Angebot unterbreitete. Das um 15.000 Euro niedrigere Gehalt gegenüber der vorherigen Anstellung bügelte der Geschäftsführer gleichfalls glatt: „Mit 60.000 Euro sind Sie hier der am besten bezahlte Mitarbeiter. Nur die Geschäftsführer und die beiden Teamleiter verdienen mehr. Der Rest der Mannschaft, erfahrene Programmierer, verdient um die 10.000 Euro weniger. Wenn Sie gut sind, können Sie nach einem Jahr Teamleiter werden und dann sind 75.000 Euro kein Problem.“

Ein befristetes Arbeitsverhältnis bietet keine Sicherheit

Mit viel Elan startete der junge Ingenieur sein befristetes Arbeitsverhältnis beim neuen Arbeitgeber. Er war schon baff erstaunt, als er mitbekam, wie in diesem kleinen Unternehmen zur Sache gegangen wurde. Selbst samstags war das gesamte Programmiererteam präsent. Der Work-Life-Balance wurde mit einem abschließenden Bier aus dem Mannschaftskühlschrank Rechnung getragen. Ausschließen konnte sich hier keiner und das Gemeinschaftserlebnis vor dem sehr kurzen Wochenende hatte zugegebenermaßen auch sehr viel Positives für sich. So nahm die Geschichte seinen Lauf. Unser Projektleiter machte sich an die Arbeit und versuchte, sein neues Geschäftsfeld aufzubauen.

Dies war der ursächliche Grund, weshalb man überhaupt Interesse an seiner Mitarbeit hatte. Nach einigen Monaten wurde klar, dass die Geschäftsführung die Investitionen in dieses Geschäftsfeld klar unterschätzt hatte. Die Idee wurde nicht weiter verfolgt. Im Grunde gab es jetzt keine klaren Aufgabenstellungen mehr für sein befristetes Arbeitsverhältnis. Der Projektleiter konnte sich Aufgabengebiete selbst aussuchen, optimierte die Vorgehensweise in Projekten mit den beiden Teamleiter der anderen Geschäftsfelder, half hier und da bei der Programmierung mit – mehr war es aber nicht.

Befristetes Arbeitsverhältnis: Nicht zuviel Hoffnung

Wenn es nur eben ging, hielt der Projektleiter Kontakt zu den beiden Geschäftsführern, um seinen Stellenwert zu erfahren und die Chance auf eine Übernahme nach einem Jahr (und mehr Gehalt!) auszuloten. Immer wieder wurde ihm bestätigt, dass man ihm und seinen Leistungen vertraut und überhaupt keinen Zweifel hat, ihn über ein befristetes Arbeitsverhältnis hinaus zu beschäftigen. Das hörte der Ingenieur gerne und arbeitete fleißig an seinen Aufgaben weiter. Kurz vor Ablauf des Beschäftigungsverhältnisses wurde ein Gespräch mit einem der Geschäftsführer und einem Teamleiter angesetzt.

Wenige Minuten vor dem Termin gab es eine Verschiebung um Stunden. Das kam unserem Kandidaten schon etwas „verdächtig“ vor. Der Teamleiter war nachmittags bereits beim Kunden und so ging es in das Gespräch. Der Geschäftsführer hob an: „ … und möchten uns für Ihre wertvolle Mitarbeit bedanken. Ach, lassen wir dass, Herr Sowieso, tut uns schrecklich leid, dass wir Ihr befristetes Arbeitsverhältnis nicht verlängern können. Uns ist klar, dass wir Ihnen immer wieder das Gegenteil signalisiert haben. Wir haben aber erst heute Morgen entschieden, unser Personal aus Kostengründen nicht zu erweitern. Wenn Sie unsere Hilfe brauchen, werden wir natürlich alles Erdenkliche tun, um Ihnen zu einer neuen Arbeit zu verhelfen.“

Ein befristetes Arbeitsverhältnis garantiert keine Übernahme

In dem fünfminütigen Gespräch ging die Welt des Ingenieurs unter. Das war ein Punch, mit dem er überhaupt nicht gerechnet hatte. Völlig unvorbereitet und mit offener Deckung traf sein Gesprächspartner ins Schwarze. Das muss erst einmal verkraftet werden. Die Suche nach einem Anschlussjob nach dem erneuten Niederschlag wird sicherlich nicht leicht! Stellt sich die Frage, was hier falsch gelaufen ist. Zunächst nicht viel. Der Bachelor akzeptiert ein befristetes Arbeitsverhältnis mit einer attraktiven Aufgabe, um einer Arbeitslosigkeit zu entgehen. Er passt sich schnell der neuen Gehalts- und Arbeitssituation in dem kleinen Automatisierungsunternehmen an. Er bekommt die Chance, ein neues Geschäftsfeld aufzubauen, das er anschließend leiten soll. Dieses Vorhaben scheiterte, aus welchen Gründen auch immer. Und jetzt begeht der Jungingenieur den entscheidenden Fehler.

Er sucht sich immer wieder neue Aufgaben im Unternehmen, um beschäftigt zu sein. Er hat ein befristetes Arbeitsverhältnis und glaubt in seiner ganzen Naivität trotzdem noch an eine Übernahme nach Jahresablauf. Klar, die Geschäftsführung betont immer wieder, dass man ihn übernehmen wolle. Vielleicht stimmt das sogar, vielleicht wird die Entscheidung gegen eine Weiterbeschäftigung tatsächlich erst auf den letzten Drücker getroffen. Vielleicht möchte man aber auch nur ein Jahr volle, motivierte Arbeitsleistung, die ja auch entsprechend honoriert wird. Aber: Bei einer Befristung muss immer damit gerechnet werden, dass es keine Weiterbeschäftigung gibt. Konkret heißt das, ein halbes Jahr, bevor der Vertrag ausläuft, sind Bewerbungsaktionen angesagt – für den Fall der Fälle! Spätestens, wenn eine befristete Anstellung nicht optimal läuft, was hier der Fall war, müssen postwendend Bewerbungsaktionen eingeleitet werden. Zeit für die Hängematte bleibt vom ersten Tag der Befristung, zumindest bei kurzen Vertragslaufzeiten, kaum.

 

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