Karrierestrategie

Wenn beim Arbeitgeber die Lichter ausgehen

Läuft beim Arbeitgeber alles rund, kann man sich glücklich schätzen. Der ambitionierte Ingenieur hat alle Zeit der Welt, sich über seine weiteren Karrierepläne klar zu werden und gegebenenfalls den Arbeitsmarkt auf Alternativen zu prüfen. Anders sieht es aus, wenn wie aus heiterem Himmel der Arbeitgeber ins Schlingern gerät und der eigene Arbeitsplatz gefährdet ist. Was ist jetzt zu tun? Wie gehe ich mit meinen Ängsten und Sorgen um? Eine schnelle Reaktion ist wichtig, denn größere Lücken im Lebenslauf können zu erheblichen Hürden für den weiteren beruflichen Werdegang werden.

Auf Frühwarnsignale achten, um rechtzeitig zu kündigen!

Auf Frühwarnsignale achten, um rechtzeitig zu kündigen!

Foto: panthermedia.net/ra2studio

Aber auch gute Ingenieure benötigen für die Suche nach einer neuen Stelle eventuell sechs bis neun Monate. Umso mehr stellt sich die Frage nach Frühwarnindikatoren. Der Außendienst hat die besten Karten, was die Einschätzung der Auftragssituation betrifft. Gute Kontakte zu den Kollegen können also nicht schaden. Was an offizieller Information nicht fließt, geht auf informellem Weg den kommunikativen „Vertrieblern“ erfahrungsgemäß recht flüssig über die Lippen. Bezüglich der Auftragslage gibt es weitere Indikatoren. Verdächtig ist es, wenn Entwicklungsprojekte zu früh und kaum vertretbar dem Kunden als fertige Lösungen präsentiert, wenn vermeintlich wichtige Projekte gestoppt oder in ungekannter Härte durchgepeitscht werden, wenn kosmetische Projekte an Priorität gewinnen, für die nie Zeit war. Da werden Löcher im Auftragsbuch gestopft. Nicht selten sieht der kränkste Patient dann am besten aus!

Auch Bewegungen in der Geschäftsführung sind kritisch zu verfolgen. Verabschiedet sich plötzlich ein Vertriebsvorstand oder Vorstandsvorsitzender nach erfolgreicher Arbeit, verlässt er möglicherweise vorausschauend das sinkende Schiff. Die Presse zum eigenen Unternehmen sollte ständig verfolgt werden. Selbst Führungskräfte erfahren hier oft mehr als aus offiziellen Unternehmenskanälen. Randerscheinungen können gleichfalls wichtige Hinweise zum Stand des Unternehmens liefern. Zeigen sich bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben oder der Politik seltener als früher mit Topmanagern, gehen sie zu dem vermeintlichen Loser auf Distanz. Spätestens wenn verstärkt Investoren oder Controller, Revisoren oder externe Unternehmensberater auftauchen, weiß jeder, dass es kriselt. Gleiches gilt, wenn erste Umstrukturierungsmaßnahmen entwickelt und Verantwortlichkeiten verschoben werden.

Weitere Frühwarnindikatoren ergeben sich aus der Personalpolitik von unter Druck geratenen Managern: Neueinstellungen werden verkompliziert, Kollegen ohne erkennbaren Grund nach der Probezeit nicht übernommen, Vorgesetzte sind plötzlich mit den erbrachten Arbeitsleistungen der Mitarbeiter nicht mehr zufrieden, vereinbarte Förder- und Gehaltsgespräche werden verschoben. Erscheinen Führungskräfte dann noch häufiger und früher am Schreibtisch als sonst, bleiben sie länger als gewohnt im Büro, so kann das den schlechten Eindruck nur abrunden. Treten Frühindikatoren gehäuft auf, sollten intensive Bewerbungsaktionen für den Arbeitsmarkt vorbereitet werden und in der Schublade liegen. Rasches Agieren mindert nicht nur die Gefahr der zeitlichen Lücke. Möglicherweise kommt man Kollegen zuvor, die sich gleichfalls in der Region um ähnliche Arbeitsplätze bewerben. Zudem werden die Nerven nicht über Gebühr strapaziert, denn der Betreffende arbeitet aktiv an der Problembeseitigung. Ein vorzeitiger Ausstieg bedeutet jedoch möglicherweise, auf nennenswerte Abfindungen zu verzichten. Das heißt natürlich nicht, dass man sich geruhsam zurücklehnt. Intensive Bewerbungsaktionen sind dennoch vorzubereiten und am Arbeitsmarkt zu fahren. Im Idealfall hat man dann beides: Den neuen Job und die Abfindung! Spätestens, wenn es zeitlich eng wird, kann es nicht verkehrt sein, mit einem Coach zusammenzuarbeiten. Voreilige und falsche Entscheidungen, lange Lernprozesse am Arbeitsmarkt können auf diese Weise verhindert, Bewerbungsaktionen also erfolgreicher durchgezogen werden.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach Düsseldorf

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