Karrierestrategie 13.10.2016, 00:00 Uhr

Sabbatical: Tipps zur Auszeit vom Beruf

Viele Fachkräfte wie Ingenieure träumen davon mal für eine gewisse Zeit aus dem beruflichen Alltagstrott herauszukommen, um all das tun zu können, was schon lang erträumt, geplant und dann doch aufgeschoben werden musste. Eine Weltreise vielleicht, die Vorbereitung auf sportliche Höchstleistungen wie die Teilnahme am Ironman oder eine Konzerttournee mit der eigenen Band durch die USA.

Sabbatical: Endlich Zeit für persönliche Projekte.

Sabbatical: Endlich Zeit für persönliche Projekte.

Foto: iStock / Thinkstock

Sabbatical: Einfach mal was anderes machen

Eigentlich spricht viel mehr für ein Sabbatical – also eine Auszeit vom Beruf für einige Monate – als dagegen. Es dient dem Frustabbau oder der Vorbeugung, kann den eigenen Horizont erweitern, neue Kräfte wecken sowie die Lust auf den Beruf erneuern oder in andere Bahnen lenken. Dagegen steht ein begründetes Sicherheitsdenken. Sich zu fragen, ob der Arbeitgeber und die Kollegen sauer sein werden, die Karriere einen Knick bekommen könnte, ist naheliegend. Es gilt also abzuwägen.

Alles Verhandlungssache

Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es nicht. Es ist also Verhandlungssache, ob der Arbeitgeber dem Wunsch nach einer längeren Auszeit entgegenkommt. Tendenziell im Vorteil sind Ingenieure, die in großen Konzernen beschäftigt sind, denn evtl. ergibt sich für sie bereits aus dem Tarif- oder dem Arbeitsvertrag der Anspruch auf ein Sabbatical. Die Daimler AG schreibt beispielsweise auf ihrer Homepage „Auch ein befristeter Ausstieg aus dem Unternehmen ist bei Daimler kein Problem. Was Sie daraus machen, liegt ganz bei Ihnen: […] – wir freuen uns auf jeden Fall auf Ihre Wiederkehr.“ (Homepage Daimler AG – 15.02.15) Große Mittelständler weisen meist ebenfalls Strukturen auf, die längere – begründete – Auszeiten zumindest grundsätzlich ermöglichen. In kleineren spezialisierten Unternehmen kann es natürlich vorkommen, dass die Arbeitskraft einer Ingenieurin oder eines Ingenieurs nicht so einfach zu ersetzen ist – die Stelle also nicht ohne Weiteres frei gehalten werden kann.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte die Prognos AG mit einer Studie zur Work-Life-Balance beauftragt, die 2005 veröffentlicht wurde. Dort heißt es unter anderem: „Bei der Vielfalt der [Work-Life-Balance-] Maßnahmen und der individuellen Problemstellungen zeigt sich, dass ebenso individuelle Problemlösungen gefragt sind, die eine offene Kultur des Verhandelns zwischen unterschiedlichen Positionen und ggf. divergierenden Interessen voraussetzen.“ An anderer Stelle erinnern die Autoren der Studie daran, dass die Verhandlungspositionen der beteiligten Akteure auch abhängig sind von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage.

Das Sabbatical organisieren: Urlaub, Teilzeit, Zeitwertkonten

Eine bis zu dreimonatige Pause vom Job müsste wohl auch von etablierten Fachkräften so zu begründen und zu bewerkstelligen sein, dass die organisatorischen Fragen schnell geklärt werden können – aufgesparter und vorweggenommer Urlaub in Kombination mit gesammelten Überstunden sind in solchen Fällen vielleicht schon die Lösung sein. Lange Unterbrechungen des Arbeitsvertrages sind hingegen sehr wohl eine Hürde. Wenn unbezahlter Urlaub genommen wird, müssen Arbeitnehmer beispielsweise ihre Krankenversicherung komplett selbst bezahlen. Die Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung können zwar befristet ausgesetzt werden, es ist aber natürlich fraglich, ob das sinnvoll ist.

Dient die längere Abwesenheit der beruflichen Weiterbildung, gibt es auf jeden Fall eine Basis für konstruktive Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Wenn der Wissenserwerb sogar direkt dem Unternehmen Nutzen bringt, ist die anteilige oder vollständige Kostenübernahme auch in seinem Interesse. Im Idealfall würde der Arbeitnehmer dann sogar, bei vielleicht nur reduzierten Bezügen, beispielsweise eine akademische Zusatzqualifikation erwerben.

Lebensarbeitszeitkonten bzw. Zeitwertkonten bieten zumindest in der Theorie wohl die beste Chance, ein Sabbatical einzulegen ohne gleich als Bittsteller an den Arbeitgeber herantreten zu müssen. Überstunden oder Entgeltzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden über einen längeren Zeitraum angespart, um sie dann an einem Stück bei voller Bezahlung durch Freizeit nutzen zu können. Aber auch Zeitwertkonten setzen einen entsprechenden Arbeitsvertrag, evtl. auf der Grundlage eines Tarifvertrages, voraus – einen Rechtsanspruch gibt es nicht.

Teilzeitmodelle können ebenfalls einen temporären Rückzug vom Beruf ermöglichen. Wenn jemand zum Beispiel ein Jahr lang die volle Wochenarbeitszeit bei halbem Gehalt leistet, dann ein weiteres Jahr das halbierte Gehalt weitergezahlt bekommt, um zu Hause ganz privat ein Buch schreiben zu können.

Übrigens: Der Mindesturlaubsanspruch steht Ihnen auch während einer längeren Austzeit zu, der ist für ein bestehendes Arbeitsverhältnis gesetzlich festgelegt.

Voll auf Risiko

Die wohl radikalste Form des Sabbiticals ist der echte Ausstieg aus der Karriere, wenn alle Zelte abgebrochen werden, ohne zu wissen, was nach der Unterbrechung im Job passieren wird. Wer (noch) jung ist, aber dennoch bereits starkes berufliches Know-how aufgebaut hat und beispielsweise Entwicklungsarbeit für eine NGO leisten möchte, katapultiert sich dadurch sicherlich nicht automatisch ins berufliche Aus, sondern kann durchaus Skills erwerben, die später zusätzliche Argumente für einen „normalen“ Job in Deutschland liefern. Der Neueinstieg verläuft dann vielleicht nicht völlig reibungslos, ist aber dennoch realistisch. Wer jedoch eine Auszeit nimmt als Ergebnis einer Sinn- und Lebenskrise, muss darauf hoffen, rechtzeitig neues Engagement aufzubringen und natürlich kann ein Sabbitical in diesem Sinne zu einem Handicap werden.

Neid und Misstrauen

Nicht zu unterschätzen sind mögliche Neidreaktionen ehemaliger und neuer Kollegen, die auch gern mal etwas anderes gemacht hätten, aber zu unentschlossen sind oder durch familiäre Rahmenbedingungen selbst nicht in die Lage sind, für eine gewisse Zeit aus dem gewohnten Trott auszusteigen. Selbst beeinflussen kann man das nicht, aber sich vielleicht darauf einstellen. Besonders schwierig kann es nach dem Sabbitical werden, wenn Vorgesetzte und Firmenleitungen kein Verständnis für Aussteiger aufbringen. Mit Geduld kann das Bild, das sich die anderen von einem gemacht haben vielleicht korrigiert werden. Wenn das nicht gelingt und die Probleme bleiben, ist ein Jobwechsel wohl die beste Lösung.

Frisch ans Werk

Im Idealfall kann ein Sabbitical insgesamt nur positiv wirken. Mal Abstand gewinnen, sich weiterqualifizieren, neue Ideen und einen Lebens- und Karriereplan entwickeln: Das kann nur gut tun. Vielleicht wären Sabbiticals mit überschaubaren Risiken ein wichtiger Schlüssel für ein langes, erfolgreiches und für alle Seiten gewinnbringendes Berufsleben.

Tipp:
In fünf Schritten gegen Stress

Von Dr. Manfred Bergheim Tags:

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