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Arbeiten im Ausland

Während Deutschland gezielt Fachkräfte aus Südeuropa anwirbt, wandern immer mehr Hochqualifizierte aus. Sie lockt der Ruf der Ferne.

Unternehmen schicken Jungingenieure oft um Erfahrungserwerb zu ausländischen Standorten.

Unternehmen schicken Jungingenieure oft um Erfahrungserwerb zu ausländischen Standorten.

Foto: panthermedia.net/Faithie

Deutschland verliert seine Talente ans Ausland. Die Zahl deutscher Auswanderer mit Hochschulabschluss hat allein in den Jahren 2000 bis 2010 um 40 % zugenommen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Auswanderer mit mittlerem Bildungsabschluss um gerade einmal 7 %. Das zeigt eine aktuelle OECD-Studie zu deutschen Auswanderern.

Nun wandert natürlich nicht jeder, der im Ausland arbeitet, direkt aus. Es gibt Grenzpendler, die sich täglich oder immer zum Wochenanfang ins Ausland absetzen, ihren Lebensmittelpunkt aber in Deutschland haben. Diese Gruppe wird in diesem Artikel aber nicht behandelt. Wir nehmen Menschen in den Blick, die für die Arbeit nicht nur Deutschland, sondern auch die EU hinter sich lassen. Somit blieben noch Expats, Mitarbeiter, die von ihrem Arbeitgeber ins Ausland entsendet werden. (mehr)

Motive der mobilen Erwerbstätigen

Es gibt sicher tausend Gründe, warum Menschen sich entschließen, ihr Glück im Ausland zu suchen. Eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat herausgefunden, dass deutsche Auswanderer vor allem neue Erfahrungen machen wollen. Dicht gefolgt wird dieses Argument von den Aussichten auf bessere Berufschancen und ein höheres Einkommen. Diese Argumente treffen häufig auch auf Expats zu. Durch ihren Einsatz an internationalen Standorten kehren sie mit einem erweiterten Netzwerk und neuen Fähigkeiten zurück.

Als besonders mobil erweisen sich übrigens Deutsche mit Migrationshintergrund. Die Statistiken der Auswanderungen aus Deutschland legen nahe, dass insbesondere junge, gut ausgebildete Menschen mit türkischen Wurzeln Deutschland in den letzten Jahren den Rücken kehren. Viele von ihnen sprechen mindestens drei Sprachen und finden sich in zwei Kulturkreisen zurecht. Für international tätige Unternehmen sind sie damit gern gesehene Arbeitskräfte.

Motiv: Arbeiten im Ausland

Ingenieure gehen häufig als Expats ins Ausland. Das heißt, ihr in Deutschland ansässiger Arbeitgeber schickt sie für eine gewisse Zeit ins Ausland. Häufig werden Spezialisten für ein bestimmtes Fachgebiet oder junge Berufseinsteiger als Expats zu anderen Unternehmensstandorten oder Tochtergesellschaften geschickt. Im Rahmen der Arbeitnehmerattraktivität bieten mittlerweile auch viele mittelständische Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Der Einsatz von Expats im Ausland ist zeitlich begrenzt, die meisten Ingenieure kehren nach Abschluss des Projekts oder der erfolgreichen Einarbeitung lokaler Kollegen nach Deutschland zurück.

Anders verhält es sich bei Wissenschaftlern und Führungskräften. Wie die OECD zeigt, zieht es vor allem einflussreichere Wissenschaftler dauerhaft ins Ausland. Auswanderer mit Führungsaufgaben in der neuen Heimat zieht es zudem weit über die Grenzen der EU hinaus. Die Hauptzielländer dieser Gruppe von im Ausland arbeitenden Deutschen sind die Vereinigten Staaten, die Schweiz und Kanada. Bei jungen Wissenschaftlern rückt zudem Israel zunehmend in den Fokus.

Zielland Nr. 1: Die USA

Das Land der Träume vieler Arbeitsmigranten sind die USA. Die Einwanderung ist durch ein strenges Quotensystem geregelt, an dem kein arbeitswilliger Einreisender vorbeikommt. Aber, kein Grund zu verzagen: Ingenieure und Wissenschaftler haben schließlich den Vorteil eines Hochschulabschlusses in der Tasche. Der ist bei amerikanischen Einwanderungsbehörden gerne gesehen.

Wer von seiner Firma geschickt wird, hat am wenigsten zu tun: Das eigene Unternehmen dürfte den Arbeitsplatzwechsel weitgehend organisieren. Ingenieure, die es selbstständig auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt versuchen wollen, brauchen ein konkretes Arbeitsangebot, bevor sie ein Visum beantragen können. Das häufigste Arbeitsvisum H1-B gilt für drei Jahre und kann auf maximal sechs Jahre verlängert werden. Danach müssen deutsche Arbeitnehmer die USA für mindestens ein Jahr verlassen oder auf eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, die Green Card, hoffen.

Bewerbungsunterlagen für eine Arbeit in den USA sollten übersichtlich und prägnant sein. Angaben, welcher Religion oder welcher Ethnie man angehört, haben in den Unterlagen für die USA nichts verloren. Ebenso wenig Fotos. Der eigene Werdegang wird so verfasst, dass die letzte Beschäftigung als Erstes und die Schulbildung ganz am Ende auftaucht. Nützliche Helferlein für eine Bewerbung in die USA sind Referenzen. Dabei sollte man aber einige Regeln beachten. Sinnvoll ist es auch, sich über die zu erwartenden Gehälter vorab zu informieren. Für Ingenieure liegen sie in der Regel etwas niedriger als in Deutschland, zudem gibt es in den USA keinen vergleichbaren Kündigungsschutz. Der Urlaubsanspruch liegt meist bei zehn Tagen, wer gut verhandelt kann zusätzliche „personal days“ rausschlagen. Für große Reisen über den Atlantik reicht das aber nicht. Insofern ist Arbeiten im Ausland eben doch ein Stück Auswandern.

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