04.11.2014, 13:22 Uhr | 0 |

Initiative der FIA Virtuelles Safety Car soll die Formel 1 sicherer machen

Sie schießen nach einem Crash in Sekundenschnelle auf die Rennstrecke, die Safety Cars der Formel 1. Doch auch die Safety Cars sind nicht ungefährlich, und nicht jeder sieht gleich ihre Flaggensignale. Deshalb testet die Formel 1 nun ein virtuelles Safety Car, das die Formel-1-Piloten im Display ihres Autos informiert und zur Tempodrosselung auffordert.

Satety Car auf der Rennstrecke in Suzuka
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Satety Car auf der Rennstrecke in Suzuka: Ein Safety Car reiht sich vor dem Führenden ein und fährt in sicherem Tempo voraus. Bis dahin vergeht allerdings einige Zeit. Jetzt testet die Formel 1 ein virtuelles Safety Car. Seine Anweisungen erscheinen im Display der Piloten.

Foto: dpa/Diego Azubel

Premiere hatte das virtuelle Safety Car am Wochenende beim Großen Preis der USA auf der Rennstrecke in Austin. Bei beiden Trainingsläufen war das System installiert. Die Idee: Sobald sich auf einer Rennstrecke der Formel 1 ein Unfall ereignet, leuchten rund um den Kurs Digitalanzeigen mit der Aufschrift VSC auf ­– die Abkürzung für Virtual Safety Car.

Gleichzeitig sieht der Fahrer auf seinem Cockpit-Display das VSC-Logo und weiß damit, dass er das Tempo wegen einer Gefahrenzone sofort um 35 Prozent drosseln muss. Tricksen kann er dabei nicht. Das System erkennt, ob er langsam genug fährt. Falls nicht, droht eine Strafe.

 

epa04473880 The pack of cars in action during the United States Formula 1 Grand Prix at the Circuit of the Americas, in Austin, Texas, USA, 02 November 2014. EPA/SRDJAN SUKI +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Start des Großen Preises der USA auf der Rennstrecke in Austin: Zum ersten Mal wurde in den Trainingsläufen zum Großen Preis ein virtuelles Safety Car getestet.

Foto: dpa/Srdjan Suki

Der Vorteil des Systems liegt auf der Hand: Jeder Fahrer ist zeitgleich informiert, dass es Probleme auf der Strecke gibt und muss sein Tempo drosseln. Bislang sorgt für die entsprechenden Signale das Safety Car, allerdings nicht zeitgleich für alle Fahrer. Bei einem Crash fährt es auf die Strecke, die gelbe Flagge signalisiert den Piloten, dass das Rennen neutralisiert ist und Überholmanöver verboten sind.

Safety Car erreicht nicht alle Fahrer gleichzeitig

Einzige Ausnahme ist das Safety Car selbst. Es signalisiert mit grünem Licht, dass es überholt werden möchte – so lange, bis es sich vor dem Führenden befindet. Dann schaltet es blinkendes Orangelicht an, signalisiert damit absolutes Überholverbot und fährt in sicherem Tempo voraus. Sobald die Strecke wieder sicher ist, schaltet das Safety Car die Warnleuchten aus. Eine Runde später biegt es in die Boxengasse ein und gibt das Rennen wieder frei.

 

epa04432417 The pack of cars wait behind the safety car for the re-start from the pit lane during the Japanese Formula One Grand Prix at the Suzuka Circuit in Suzuka, Mie Prefecture, central Japan, 05 October 2014. EPA/SRDJAN SUKI +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Safety Car beim Formel-1-Rennen in Suzuka: Nach dem schweren Unfall von Pilot Jules Bianchi warten die Fahrer auf den Neustart des Rennens.

Foto: dpa/Srdjan Suki

Nicht alle Piloten zeigen sich vom virtuellen Safety Cars begeistert. Ex-Weltmeister Jenson Button sagt, man könne die Kontrolle verlieren, wenn das System plötzlich anspringt und man viel auf das Display achten muss. „Ich mag die Idee, du verwendest aber eine Menge Zeit darauf, auf dein Lenkrad zu schauen“, sagt Button der Nachrichtenagentur dpa.

Der deutsche Force-India-Pilot Nico Hülkenberg berichtet, es sei schwierig, in den Kurven die vorgegebene Zielzeit einzuhalten. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel relativiert: „Es ist noch die Experimentierphase. In Zukunft wird es auf jeden Fall etwas in der Richtung geben, was auch Sinn macht.“

Horrorcrash von Jules Bianchi gab Anstoß

Initialzündung für die Testphase des VSC gab der Unfall von Jules Bianchi vor rund vier Wochen in Japan. Der Marussia-Pilot missachtete in Suzuka die gelbe Flagge, die zur Tempodrosselung auffordert. Er kam von der Strecke ab und raste in einen Kran, der ein anderes Fahrzeug bergen wollte. Bianchi zog sich schwere Kopfverletzungen zu und liegt noch in einem Krankenhaus in Japan. Der Zustand des 25-Jährigen gilt weiterhin als kritisch. 

ARCHIV - Course marshalls and doctors at French Formula One driver Jules Bianchi of Marussia F1 Team crash site during the Japanese Formula One Grand Prix at the Suzuka Circuit in Suzuka, Mie Prefecture, central Japan, 05 October 2014. EPA/HIROSHI YAMAMURA JAPAN OUT MANDATORY CREDIT: HIROSHI YAMAMURA EDITORIAL USE ONLY/NO SALES (zu dpa-Meldung: «Bianchis Vater: Situation verzweifelt - Durchleben Alptraum» vom 14.10.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der Formel-1-Pilot Jules Bianchi raste beim Rennen in Suzuka in einen Bergungskran. Trotz gelber Flagge des Safety Cars hatte Bianchi sein Tempo nicht gedrosselt. Der 25-jährige Marussia-Pilot liegt immer noch in einem Krankenhaus in Japan.

Foto: dpa/Hiroshi Yamamura
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Von Patrick Schroeder
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