Heiliger Berg 04.12.2015, 12:58 Uhr

Hawaiis Ureinwohner erreichen Baustopp für Riesen-Teleskop

Schon seit einem Jahr ist es im Bau, das Thirty Meter Telecope auf Hawaiis höchstem Berg. Es wird eines der größten Teleskope der Welt. Wenn es weitergebaut werden sollte. Denn die Ureinwohner Hawaiis haben vor dem obersten Gerichtshof der Insel einen Baustopp durchgesetzt. 

Illustration des Thirty Meter Telecope auf Hawaii: Es soll eines der größten Telekskope der Welt werden. Allerdings haben die Ureinwohner Hawaiis jetzt einen Baustopp durchgesetzt.

Illustration des Thirty Meter Telecope auf Hawaii: Es soll eines der größten Telekskope der Welt werden. Allerdings haben die Ureinwohner Hawaiis jetzt einen Baustopp durchgesetzt.

Foto: TMT

Es ist der Klassiker David gegen Goliath: Die polynesischen Ureinwohner Hawaiis haben vor dem obersten Gerichtshof der Inselgruppe erreicht, dass die Richter dem Thirty Meter Telescope (TMT) völlig überraschend die 2011 erteilte Baugenehmigung entzogen haben. Errichtet werden soll dieses Riesenteleskop auf dem höchsten Berg der Insel, dem 4205 Meter hohen Vulkan Mauna Kea, übersetzt der „Weiße Berg“.

Ihre Entscheidung haben die Richter damit begründet, dass die zuständige Behörde die Baugenehmigung erteilt habe, ohne den Ureinwohnern und Umweltschützer zu ermöglichen, ihre Bedenken vorzutragen. Das verstoße gegen die Verfassung Hawaiis. Die Folge: Der ganze Genehmigungsprozess beginnt von vorne.

Der Mauna Kea ist ein idealer Platz für Teleskope

Der höchste Berg Hawaiis ist ein idealer Platz für Teleskope: Auf dem Gipfel ist die Luft sehr dünn und sehr trocken. Das ist optimal für ein Observatorium im infraroten Wellenlängenbereich. So richtig viele Standorte für solche Observatorien gibt es auf der Erde nicht, entsprechend begehrt ist der Gipfel des Weißen Berges.

Wegen seiner dünnen und trockenen Luft ist der Mauna Kea, der höchste Berg Hawaiis, ein beliebter Standort für Teleskope. Seit 1968 sind in der Gipfelregion schon 13 kleinere Teleskope gebaut worden. 

Wegen seiner dünnen und trockenen Luft ist der Mauna Kea, der höchste Berg Hawaiis, ein beliebter Standort für Teleskope. Seit 1968 sind in der Gipfelregion schon 13 kleinere Teleskope gebaut worden. 

Foto: TMT

Doch für Hawaiis Ureinwohner ist der Gipfel des Mauna Keas eine heilige Stätte und die Heimstatt mehrerer Götter. Zudem gilt er der hawaiianischen Urbevölkerung als Nabelschnur zwischen Himmel und Erde. Es ist somit ein Streit der Mythologie gegen die Astronomie.

TMT wird ein Riesenteleskop

Das TMT ist nicht das erste Teleskop auf diesem Berg. Seit 1968 sind dort schon 13 Teleskope gebaut worden. Allerdings sind diesw allesamt sehr viel kleiner und erregten nicht den Unmut der Ureinwohner. Das ist beim geschätzten 1,4 Milliarden $ teuren TMT völlig anders. Mit einem Spiegeldurchmesser von 30 m soll das TMT eines der größten Observatorien der Welt werden. Die den Spiegel umgebene Kuppel erreicht sogar einen Durchmesser von 66 m.

Das European Extremely Large Telescope, kurz E-ELT, das mehrere europäische Länder derzeit in Chile auf dem Cerro Armazones bauen, wird riesig sein. Hier ein Vergleich mit der Allianz-Arena in München, die rund 75.000 Zuschauern Platz bietet.

Das European Extremely Large Telescope, kurz E-ELT, das mehrere europäische Länder derzeit in Chile auf dem Cerro Armazones bauen, wird riesig sein. Hier ein Vergleich mit der Allianz-Arena in München, die rund 75.000 Zuschauern Platz bietet.

Foto: ESO

Das Thirty Meter Telescope wird in seinen Dimensionen nur noch übertroffen von dem in der chilenischen Atacama-Wüste im Bau befindlichen European Extremely Large Telescope (E-ELT), welches Ingenieur.de vor einigen Wochen in einer großen Übersicht der größten Teleskope der Welt vorgestellt hat. 

Zehnmal bessere Auflösung als Hubble

Der Hauptspiegel des TMT auf Hawaii soll aus 492 einzelnen Segmenten mit einem Durchmesser von jeweils 1,4 m bestehen und in seiner Leistungsfähigkeit nicht nur alle bereits auf dem Weißen Berg installierten Teleskope mehrfach übertreffen, sondern auch das Weltraumteleskop Hubble.

Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble, das gerade 25. Geburtstag hatte,  brachten die Forscher auf die Spur der Methusalem-Galaxis.

Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble, das gerade 25. Geburtstag hatte,  brachten die Forscher auf die Spur der Methusalem-Galaxis.

Foto: EPA FILE

Es wird mit einer adaptiven Optik ausgestattet, um atmosphärische Störungen zu kompensieren. Das ist auch notwendig. Denn das TMT soll Licht ins Feld der dunklen Energie und Materie bringen, soll die ersten Sterne und Galaxien im Universum charakterisieren und soll Exoplaneten entdecken und untersuchen.

Wissenschaftlicher Betrieb verzögert sich erheblich

Nach Fahrplan sollte der wissenschaftliche Betrieb des TMT im Jahre 2022 beginnen. Dieser Fahrplan ist nun Makulatur. Beteiligt am TMT sind unter anderem das California Institute of Technology (Caltech), die University of California und diverse wissenschaftliche Einrichtungen aus Japan, China und Kanada. Nun werden die künftigen Betreiber des TMT sich wohl mit den Hütern des Mauna Kea auf Augenhöhe auseinandersetzen müssen. Mythologie gegen Astronomie.

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