Physikerin und Chemikerin 01.04.2020, 13:52 Uhr

Marie Curie: Die erste Frau mit Nobelpreis im Porträt

Sie gehört ohne Frage zu den bekanntesten Frauen in der Wissenschaft: Marie Curie widmete den größten Teil ihres Lebens der Physik und der Chemie. Zusammen mit ihrem Mann entdeckte sie unter anderem das Element Radium.

Marie Curie mit ihrem Mann im Labor

Marie Curie bei ihrem Tagwerk.

Foto: panthermedia.net/Morphart

Marie Curie wurde 1867 in Warschau geboren, also zu einer Zeit, als Bildung noch vielen Frauen verwehrt blieb. Ihre wesentliche Aufgabe war es, sich um die Familie zu kümmern. Schon einen eigenen Beruf durften viele nicht ergreifen, eine wissenschaftliche Karriere war nahezu undenkbar. Trotzdem schaffte es Marie Curie, sich durchzusetzen: wohl dank ihrer Intelligenz, sehr viel Fleiß und Disziplin und auch ein wenig Glück. Mit ihrer Karriere hat sie daher nicht nur die Forschung vorangebracht, sondern auch die Türen geöffnet für Frauen in der Wissenschaft.

Wie entstand Marie Curies Interesse an Chemie und Physik?

Dass Marie Curie so starkes Interesse für die Wissenschaft entwickelte, war kein Zufall. Sie stammte aus einer gebildeten Familie. Schon der Großvater hatte an der Warschauer Universität studiert, der Vater machte an der Naturwissenschaftlichen Hochschule von St. Petersburg einen Abschluss in Mathematik und Physik. Trotzdem hatte er keine Möglichkeit, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. Denn Polen war damals unter russischer Besatzung, und eine unabhängige Forschung war den Polen verwehrt. Also unterrichtete er als Lehrer – und setzte seine Hoffnung auf eine spätere Karriere seiner Töchter. Auch Marie Curies Mutter bewies Ehrgeiz und arbeitete sich von einer einfachen Lehrerin bis zur Schulleiterin hoch.

Marie Curie wurde als 5. Kind geboren. Im Nachhinein hat es fast schon Symbolcharakter, dass sie 1867 zur Welt kam – das Jahr, in dem Alfred Nobel das Dynamit erfand. Damit machte er das Vermögen, mit dem er später die Nobelstiftung gründete, die bis heute den Nobelpreis verleiht und finanziert. Marie Curie gehörte nicht nur zu den frühesten Nominierten, sie war auch die erste Frau, die den Preis erhielt und bis heute die einzige, die zweimal diese hohe Auszeichnung bekam und dazu noch in zwei verschiedenen Fachbereichen: Chemie und Physik.

Ihr Talent zeichnete sich früh ab. Marie Curie, die damals noch Marie Sklodowska hieß, wurde durch ihren Vater an die Naturwissenschaften herangeführt. Unter seiner Aufsicht führte sie die ersten Experimente durch und sagte später, sie habe damals gelernt, dass es sich dabei um harte Arbeit handle. Schon das Gymnasium schloss sie als Klassenbeste ab, aber Frauen waren damals an den polnischen Hochschulen nicht zugelassen, und für den Besuch einer ausländischen Universität fehlte ihr das Geld.

Wie gelangte Marie Curie als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit an die Sorbonne?

Ehrgeiz und Intelligenz hatte Marie Curie mit ihren Schwestern gemeinsam. Mit ihrer Schwester Bronia, die Medizin studieren wollte, schloss sie schließlich einen Pakt: Die beiden würden sich gegenseitig das Studium finanzieren, und das taten sie auch. Acht Jahre lang arbeitete Marie Curie als Hauslehrerin und spezialisierte sich dabei auf Physik und Mathematik. Auch privat las sie viele Fachbücher und lernte dabei das selbstständige Arbeiten. Das half ihr, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich nicht auf die herrschende Auffassung zu verlassen. Die Hälfte ihres Geldes schickte sie all die Jahre an ihre Schwester, die an die Sorbonne in Paris ging, wo Frauen zugelassen waren. Bronia machte ihren Abschluss in Medizin und holte Marie nach.

Jetzt begann Marie Curie selbst ein Studium an der Sorbonne, unterstützt von ihrer Schwester. Damals waren unter den mehr als 1.800 Studierenden gerade mal 23 Frauen. In der Abschlussprüfung für Physik belegte Marie Curie den ersten Platz, in Mathematik wurde sie Zweitbeste und bekam anschließend die Chance, Doktorandin bei dem französischen Physikprofessor Antoine Henri Becquerel zu werden.

Wie kam es zur Forschung im Bereich der Radioaktivität?

Schon während des Studiums lernte Marie ihren späteren Mann Pierre Curie kennen. Über einen Professor bekam sie die Gelegenheit, magnetische Eigenschaften unterschiedlicher Stahlsorten zu analysieren. Doch mit der unhandlichen Ausrüstung, die ihr zur Verfügung stand, kam sie nur langsam voran. Also traf sie sich mit einem französischen Experten für Magnetismus: Pierre Curie.

Genauso schicksalsträchtig war eine parallele Entwicklung: Im Jahr 1896 fand ihr Doktorvater Henri Becquerel heraus, dass von einem Uransalz eine starke Strahlung ausging. Das war ein Neuland für die Wissenschaft, das für viele Forscher regelrecht unerwartet kam. Denn zu dieser Zeit herrschte die Meinung vor, dass die entscheidenden Entdeckungen in der Chemie und Physik schon erfolgt seien. Entsprechend schwer hatte Marie Curie sich damit getan, ein geeignetes Thema für ihre Promotion zu finden. Nun war ihre Neugierde geweckt: Sie wollte wissen, woher die Strahlung kam? Und gab es noch andere Elemente mit derselben Eigenschaft? Marie Curie ließ sich uranhaltiges Material liefern und begann, gemeinsam mit Pierre, den sie inzwischen geheiratet hatte, das Uran aufzuarbeiten. Seine eigenen Forschungen zum Magnetismus beendete er dafür kurzerhand. Die beiden ahnten übrigens nicht, wie gefährlich die Radioaktivität war, um die es faktisch ging. Marie und Pierre Curie glaubten, mit dieser Strahlung Krankheiten wie Krebs heilen zu können.

In dieser Zeit (1897) wurde auch Irène geboren, die ältere Tochter von Marie und Pierre Curie. Sie studierte spätere ebenfalls Physik und Chemie und trat noch in anderer Hinsicht in die Fußstapfen ihrer Mutter: Gemeinsam mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot gewann sie 1935 den Nobelpreis für Chemie.

Wie entdeckten Marie und Pierre Curie Radium und Polonium?

In der folgenden Zeit machten sich der Fleiß und die Disziplin bezahlt, die sich Marie Curie im Laufe ihres Lebens angeeignet hatte. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie unzählige Experimente durch. Die beiden entdeckten nicht nur, dass es neben Uran weitere Materialien gab, die Strahlung abgaben, sie fanden auch heraus, dass diese zum Teil noch energiereicher war. Sie gaben dieser Eigenschaft den Namen Radioaktivität und entwickelten aus ihren Erkenntnissen eine Methode zur Bestimmung von Elementen – indem sie die Radioaktivität bestimmten. So hatten sie ein Werkzeug in der Hand, mit dem sie neue Elemente finden konnten.

Sie hatte also nicht nur ein Mittel gefunden, um neue Elemente einzugrenzen, sondern gleichzeitig Radioaktivität als atomare Eigenschaft eingeführt. Diese Eigenschaft war unveränderlich, ließ sich also nicht durch Hitze, Kälte oder das Auflösen in Säure oder Wasser beeinflussen. Allerdings glaubten die Wissenschaftler zu Marie Curies Zeit, dass ein Atom nicht in kleinere Bestandteile zerlegt werden könne. Deswegen hielt die Forscherin die Radioaktivität für eine Eigenschaft des Atoms. Heute ist bekannt, dass sie den Atomkern betrifft.

Marie und Pierre Curie arbeiteten mit dem Mineral Pechblende, das sie in großen Mengen verarbeiten. Schließlich gelang es ihnen, zwei bisher unbekannte Elemente zu isolieren: Radium und Polonium. Letzteres benannte Marie Curie übrigens nach ihrer Heimat Polen.

Wie mühselig und frustrierend diese Arbeit gewesen sein muss, zeigt die Menge an Radium, die das Ehepaar isolierte: Marie Curie, die später verstärkt allein arbeiten musste, weil ihr Mann aus finanziellen Gründen eine Lehrtätigkeit annahm, brauchte Jahre, bis sie reines Radium vor sich hatte. Die Menge entsprach nur wenigen Sandkörnern – doch es war so aktiv, dass es genug Wärmeenergie abgab, um sein Gewicht in Wasser innerhalb einer Stunde vom Gefrierpunkt zum Kochen zu bringen.

Wie kam es zum Nobelpreis für Physik für Marie Curie?

Schon 1896 war der schwedische Industrielle Alfred Nobel gestorben. In seinem Vermächtnis legte er fest, dass mit seinem Geld eine Stiftung gegründet werden sollte, die die Wissenschaft fördert. Den ersten Nobelpreis erhielt 1901 Wilhelm Conrad Röntgen. Marie und Pierre Curie sowie Henri Becquerel waren 1902 bereits nominiert gewesen, da alle drei einen Anteil an der Entdeckung der Radioaktivität gehabt hatten. 1903 schlugen vier einflussreiche Wissenschaftler nochmals Pierre Curie und Henri Becquerel vor, Marie Curie erwähnten sie jedoch nicht.

Dem Mathematiker Magnus Gösta Mittag-Leffler, Mitglied des Nobelpreis-Komitees, ist es zu verdanken, dass Marie Curies intensive Arbeit dennoch gewürdigt wurde. Er setzte sich für Frauen in der Wissenschaft ein und schaffte es, dass ihr Name noch auf die Nominiertenliste kam – 1903 erhielten die drei Forscher anteilig den Nobelpreis für Physik für ihre jeweiligen Verdienste bei der Entdeckung der Radioaktivität.

Wer die aktuellen Nobelpreisträger sind, erfahren Sie hier.

Was bedeutete der Nobelpreis für Physik für Marie Curies Karriere?

Marie und Pierre Curie erhielten durch den Nobelpreis für Physik vor allem eines: Geld für ihre Forschung. Ein Jahr später (1904) kam Tochter Eve zur Welt. Doch das Glück hielt nicht lange an: Pierre Curie starb im Jahr 1906 bei einem Unfall, und Marie Curie erfuhr – zum wiederholten Male in ihrem Leben – eine Phase der schweren Depression. Schließlich flüchtete sie sich in die Arbeit und übernahm sogar die Physik-Professur ihres Mannes an der Universität – damit wurde sie zur ersten Frau, die an der Sorbonne aktiv lehrte.

1911 wurde sie zum ersten Menschen überhaupt, der ein zweites Mal den Nobelpreis erhielt und das sogar in einem anderen Fach: Das Komitee verlieh ihr den Nobelpreis in Chemie, weil es ihr gelungen war, das Element Radium zu isolieren. Drei Jahre später wurde sie Leiterin des Radium-Instituts an der Sorbonne.

Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie schließlich eng mit ihrer Tochter Irène zusammen. Die Frauen entwickeln eine mobile Röntgenstation, mit der Marie Curie persönlich Soldaten an der Front untersuchte. Nach dem Krieg forschte sie trotz einer fortschreitenden Erkrankung weiter und verbreitete ihr Wissen über Vorlesungen an internationalen Universitäten.

Marie Curie starb im Jahr 1934. Heute weiß man, dass die radioaktiven Strahlungen, mit denen sie ungeschützt gearbeitet hatte, ihren Körper zerstörten.

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