Schwierigstes Brettspiel der Welt 10.03.2016, 12:26 Uhr

„Göttliche“ Partien: Google-Software besiegt Go-Weltmeister Sedol

Experten hielten es nicht für möglich, dass bereits heute ein Computer im komplexen Go-Spiel dominiert. AlphaGo, eine Entwicklung der Google-Tochter DeepMind, die auf künstlicher Intelligenz basiert, hat es gleich zweimal geschafft. Drei Spiele stehen noch aus. Für Go-Weltmeister Lee Sedol geht es um eine Million US-Dollar.

Ein historisches Match: Go-Weltmeister Lee Sedol tritt bei dem hoch komplexen strategischen Brettspiel gegen die Software AlphaGo an. Und verliert überraschend die ersten beiden Runden. 

Ein historisches Match: Go-Weltmeister Lee Sedol tritt bei dem hoch komplexen strategischen Brettspiel gegen die Software AlphaGo an. Und verliert überraschend die ersten beiden Runden. 

Foto: Jeon Heon-Kyun/dpa

Im Schach dominieren Computerprogramme. Dass es auch beim aus China stammenden Spiel Go so kommen könnte, hat kaum jemand geahnt, denn es ist weitaus komplexer. Statt 64 Felder wie bei einem Schachbrett verfügt das Brettspiel Go über 361 Felder. Da hat ein noch so schneller Computer mit einer Software, die auf künstlicher Intelligenz basiert, keine Chance, glaubten bis vor wenigen Stunden die weltbesten Spieler. Vor allem nicht, wenn der Gegner Lee Sedol heißt, seines Zeichens Weltmeister.

„Sie spielt wie eine Göttin“

Der 33-Jährige hatte vor dem ersten Spiel noch verkündet, er werde haushoch gewinnen. Doch schon nach 184 Zügen musste er sich geschlagen geben. Der Gegner hieß AlphaGo, eine Entwicklung der Google-Tochter DeepMind. Kommentatoren haben dem Computer und dem zugehörigen Programm das weibliche Geschlecht verpasst.

Kim Myungwan, ein starker Profispieler, urteilte während des Matches im Hotel „Four Seasons“ in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul: „Sie spielt wie eine Göttin! Ich glaube, sie wird gewinnen.“

Da wähnte sich der weltbeste Go-Spieler Lee Sedol (re.) noch unbesiegbar. Das Foto zeigt den ersten Zug auf dem Brett bei seinem Duell gegen die von Google entwickelte Software AlphaGo. 

Da wähnte sich der weltbeste Go-Spieler Lee Sedol (re.) noch unbesiegbar. Das Foto zeigt den ersten Zug auf dem Brett bei seinem Duell gegen die von Google entwickelte Software AlphaGo.

Quelle: Yonhap/Google/dpa

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Am Donnerstag schlug die Göttin erneut zu. Sie gewann auch das zweite Spiel gegen den Champion. DeepMind-Gründer Demis Hassabis jubelte darüber via Twitter.

Europameister war das erste Opfer

Im Oktober 2015 hatte AlphaGo bereits den europäischen Go-Meister in fünf von fünf Spielen geschlagen. Die hatte Lee Sedol natürlich aufmerksam studiert. Sie hatten ihm Selbstbewusstsein verschafft. Doch jetzt überraschte ihn das Programm mit ungewohnter Aggressivität und Spielzügen, die selbst Profis nicht gewagt hätten.

Das liegt wohl an dem Prinzip künstliche Intelligenz. Derartige Programme sind nicht statisch. Sie lernen stets dazu, offensichtlich effektiver als selbst das komplexe Gehirn eines Menschen.

Die ersten beiden Go-Runden gehen an die

Die ersten beiden Go-Runden gehen an die „Göttin“ AlphaGo. Drei Runden stehen noch aus. Bis zum 15. März wird sich dann zeigen, ob Go-Weltmeister Lee Sedol doch noch die Oberhand gewinnt.

Quelle: Deepmind

Beim Go setzen die Spieler abwechselnd schwarze und weiße Steine auf die Schnittpunkte der Linien. Ziel ist es, gegnerische Steine einzukesseln und zu eliminieren. Wer die meisten Felder erobert hat gewinnt.

Eine Million Dollar als Preisgeld

Sedol hat noch – zumindest theoretische – Chancen, sich zu revanchieren. Bis zum 15. März werden drei weitere Partien ausgetragen. Sollte Sedol noch die Wende gelingen, kann er sich über ein Preisgeld von einer Million Dollar freuen. Sollte er verlieren, wird die Summe an das Kinderhilfswerk Unicef, an Vereine für MINT-Förderung und an Go-Verbände gespendet – MINT sind Unterrichts- und Studienfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Schachprogramm Giraffe wird jeden Tag klüger

Schachspielern graust übrigens vor dem Schachprogramm Giraffe. Die Künstliche Intelligenz hat sich in nur drei Tagen das Schachspielen auf Weltniveau beigebracht. Und wie AlphaGo lernt auch sie immer wenn sie im Einsatz ist dazu.

 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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