Nicht ohne mein ... 09.02.2016, 13:13 Uhr

Darauf verzichten die Deutschen in der Fastenzeit – und darauf nicht

Fasten Sie? Wenn Sie in Köln wohnen, ist die Wahrscheinlichkeit ausgesprochen hoch. Wenig Erfolg werden wir mit dieser Frage in Dresden oder Stralsund haben. Eine Umfrage der DAK zeigt: In den Karnevalshochburgen wird nicht nur tüchtig gefeiert, sondern auch tüchtig gefastet. Doch auf was verzichten die Deutschen?

In der Fastenzeiten wollen die Deutschen weniger Süßes essen, weniger Alkohol trinken und rauchen.

In der Fastenzeiten wollen die Deutschen weniger Süßes essen, weniger Alkohol trinken und rauchen.

Foto: dpa

40 Tage dauert die Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und am Ostersonntag zu Ende geht. Doch auf was verzichten denn die Deutschen in der Fastenzeit? Essen sie weniger? Bleibt der TV-Bildschirm dunkel oder das Auto in der Garage? Das wollte die DAK wissen.

Westdeutsche fasten eher als die Ostdeutschen

1002 Menschen hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 18. bis 21. Januar 2016 befragt. Ergebnis: Jeder zweite Deutsche (53 %) hat bereits mindestens einmal für mehrere Wochen gefastet. Die Fastenhochburg ist das mehrheitlich katholische Nordrhein-Westfalen. Dort bekannten sich 64 % der Befragten dazu, schon mindestens einmal gefastet zu haben.

Schlusslicht im Bundesvergleich ist der eher protestantische Osten mit 46 %. Ein Drittel der Deutschen sind absolute Fastenmuffel: 33 % der Befragten haben noch nie gefastet und wollen so etwas auch niemals machen.

Der Verzicht auf das Auto fällt besonders schwer

Der Verzicht auf Alkohol (67 %) oder Süßigkeiten (66 %) liegen auf Platz 1 und 2. 38 % der Befragten möchte in den kommenden 40 Tagen auf Fleisch verzichten. Das Fernsehen soll bei 33 % auf den Index kommen und 32 % wollen in der Fastenzeit auf das Rauchen verzichten. Platz 6 der Studie belegt die private Internet- und Computernutzung. Nur 21 % der Befragten können sich vorstellen, 40 Tage lang darauf zu verzichten. Einzig das Auto ist den Deutschen noch wichtiger als das digitale Gedaddel. 15 % gaben an, am ehesten auf das Auto verzichten zu wollen.

Interessant sind die Ergebnisse bei der Frage zum Verzicht auf Smartphone oder Internet in den verschiedenen Altersgruppen. Einen solchen Verzicht können sich in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen gerade einmal 12 % vorstellen. In der Gruppe der Menschen ab 45 Jahren sind das mit 25 % doppelt so viele. „Wir beobachten hier einen wahren Generationenunterschied“, sagt dazu DAK-Experte Ralf Kremer. „Die Generation 45plus hat anscheinend ein starkes Bedürfnis, auch mal abzuschalten.“

Plakat

Plakat „7 Wochen ohne“ in der Michaeliskirche in Leipzig: 40 Tage dauert die Fastenzeit, die am Ostersonntag zu Ende geht.

Foto: Peter Endig/dpa

59 % gaben als Grund für den Verzicht auf die digitalen Welt den Wunsch nach weniger Stress an. 56 % wollen die frei gewordene Zeit dafür nutzen, sich mit Freunden und Verwandten zu treffen. 55 % wollen diese frei gewordene Zeit mit niemanden als sich selbst teilen. 44 % sind eher genervt von dem ganzen Zirkus um Smartphone und Internet. Sie machten ihr Kreuz bei der Auswahlmöglichkeit: „Ich will ruhiger werden.“

Verzicht auf digitale Medien fällt besonders schwer

Die digitalen Medien sind in den Köpfen der Menschen als Alltagsgut verankert. Seit 2014 lässt die Krankenkasse die private Computer- und Internetnutzung in ihrer Fastenstudie abfragen. 2014 gaben 31 % der Befragen an, darauf am ehesten verzichten zu können, im Jahr danach waren das nur noch 27 %. Und nun können sich einen solchen Verzicht nur noch 21 % vorstellen.

Bei den sechs anderen abgefragten Genussmittel- oder Konsumgütern gibt es diesen Abwärtstrend nicht. Der Verzichtsklassiker Alkohol schwankt in den bisher durchgeführten fünf Befragungen zwischen 67 und 71 %. 

Dass die Deutschen auf das Smartphone kaum noch verzichten können, überrascht nicht. Bonner Forscher haben mit einer App untersucht, wie häufig das Gerät täglich benutzt wird. Demnach nutzen die Deutschen 53 Mal pro Tag ihr Handy, alle 18 Minuten unterbrechen sie dafür ihre eigentliche Tätigkeit. Vor allem bei jungen Leuten wird die Smartphone-Nutzung zur Sucht.

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