Karrierestrategie 08.09.2015, 00:00 Uhr

Soft-Skills für Ingenieure: Was wirklich wichtig ist

Die Ingenieure von heute können sich nicht mehr auf ihre fachliche Exzellenz verlassen. Über Entwicklung und Konstruktion hinaus fordert der Arbeitsmarkt zusätzliche Kompetenzen. Die viel zitierten Soft-Skills gewinnen maßgeblich an Bedeutung. Das hat Gründe: Zum einen wird auch in klassischen Ingenieurtätigkeiten vernetzter, vielschichtiger sowie internationaler gedacht und gearbeitet. 

Wer als Ingenieur seine Soft-Skills weiterentwickelt, der gewinnt nicht nur neue Erfahrungen und Kompetenzen hinzu. 

Wer als Ingenieur seine Soft-Skills weiterentwickelt, der gewinnt nicht nur neue Erfahrungen und Kompetenzen hinzu. 

Foto: BananaStock / Thinkstock

Zum anderen ist mehr als ein Drittel der in der Industrie beschäftigten Ingenieure außerhalb eines typischen Ingenieurberufs tätig – als Berater, Gebietsleiter, Geschäftsführer oder Controller. Das erfordert zusätzliches Know-how, sowohl bei den Hard Facts als auch bei den Soft-Skills.

Ingenieure sollten sich also in puncto Soft-Skills weiterentwickeln. Hier sind kontinuierliches Lernen, ständige Veränderungsbereitschaft und flexibles Denken gefragt. Nicht jeder Ingenieur ist bereit, derart viel Einsatzwillen zu zeigen, zumal die Situation am Arbeitsmarkt günstig ist. Laut VDI-/IW-Ingenieurmonitor vom zweiten Quartal 2015 stehen jedem arbeitslos gemeldeten Bewerber im Bundesdurchschnitt mehr als zwei offene Stellen in einem Ingenieurberuf gegenüber. Anders ausgedrückt: Es herrscht Fachkräftemangel und nur wenige haben ein Problem, eine Stelle zu finden. Wenn Schwierigkeiten am Arbeitsplatz auftreten, wechselt man gegebenenfalls den Job anstatt sich im bestehenden Job zu bewähren.

Mangel an Soft-Skills verursacht hohe Kosten

Den Unternehmen entstehen hohe Kosten, wenn es ihren Ingenieuren an Soft-Skills mangelt und sie deswegen nicht kooperativ arbeiten oder es zwischenmenschlich knirscht. Verluste drohen nicht nur, wenn ein eingearbeiteter Experte kündigt und monatelang kein Ersatz zu finden ist. Ungelöste Konflikte am Arbeitsplatz senken außerdem die Produktivität und die Motivation und erhöhen den Krankenstand. Soft-Skills sind deswegen immer häufiger der Schlüssel zum Erfolg für Ingenieure, die Karriere machen möchten. Denn sie sparen dem Unternehmen im Umkehrschluss eine Menge Geld oder sind sogar gewinnbringend. 

Arbeitgeber: In Soft-Skills investieren

Viele Personaler erwarten trotz der Situation am Arbeitsmarkt den perfekten Kandidaten: zwei Sprachen fließend, betriebswirtschaftlich fit, sozial kompetent in jeder Hinsicht und natürlich mit exzellenter, fachlicher  Expertise ausgestattet. Da die Zahl solcher Bewerber dünn gesät ist, sind hier die Unternehmen in der Pflicht. Sie müssen Bewerber mit Potential erkennen und in diese investieren. Damit sind nicht nur Weiterbildungen gemeint, die dem aktuellen Bedarf des Unternehmens entsprechen, sondern auch solche, die bestimmte Soft-Skills stärken und dem Unternehmen vielleicht erst perspektivisch zu Gute kommen. Doch worauf kommt es eigentlich an? Das Gespräch mit dem Vorgesetzten liefert Hinweise auf die Bereiche, in denen Entwicklungsbedarf besteht. Unabhängig davon sollten sich Ingenieure auf diese Soft-Skills fokussieren und sich selbstkritisch fragen, wo Stärken und Schwächen liegen:

  • Kommunikationsfähigkeit: Erfolgreiche Ingenieure tauschen Ideen aus, machen die eigene Meinung verständlich und überzeugen Kollegen oder Mitarbeiter von ihrer Meinung. Die Kommunikation schließt vor allem die Fähigkeit ein, Konflikte zu lösen: Hier gilt es zielorientiert zu argumentieren, Kritik sachlich aufzunehmen und mögliche Missverständnisse frühzeitig zu entschärfen.
  • Teamarbeit: Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von effizienter und produktiver Teamarbeit ab. Ingenieure sollten daher gut kooperieren können, vor allem wenn die Teamarbeit verschiedene Abteilungen einbezieht. Teamfähigkeit ist daher eines der wichtigsten Soft-Skills überhaupt. Während die Team-Leistung maßgeblich von Gruppengröße und -zusammensetzung abhängig ist, sind für den Erfolg soziale Kompetenzen wie Zielorientierung, Kritikfähigkeit, Diskussionsbereitschaft, Flexibilität oder Motivation notwendig.
  • Durchsetzungsfähigkeit: Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft sind für Ingenieure sowohl bei der Arbeit in Projektteams notwendig, als auch im Einkauf, im Vertrieb oder im Management. Entscheidend ist hier vor allem die Ausstrahlung in Verhandlungen, Diskussionen oder Gesprächen. Auftreten, Kleidung, Rhetorik, Stimme und Körpersprache sind wichtige Faktoren, die das Gesamtbild prägen. Die inhaltliche Aussage hingegen macht nur wenig Wirkung aus.
  • Führungskompetenz: Gute Führungskräfte motivieren ihr Team und führen es über alle Herausforderungen hinweg zum Ziel. Um Führungskompetenzen frühzeitig zu entwickeln, setzen Unternehmen auch Berufseinsteiger in kleineren Projekten als Verantwortliche ein. Vor allem beratende Ingenieure aber auch Ingenieure im Management müssen führen und motivieren können. Wer sich gut selbst motivieren kann und sich schnell begeistern lässt, dessen Lust an der Arbeit überträgt sich auch auf das Team. Ein erster, wichtiger Schritt ist damit bereits getan.
  • Unternehmerisches Denken: Unternehmerisches Denken und Handeln ist vor allem in Firmen mit flachen Hierarchien gefordert, in denen Ingenieure bereits frühzeitig Budgetverantwortung tragen. Außerdem sollte jeder Mitarbeiter in seinem Arbeitsbereich an der Entwicklung des Unternehmens mitwirken. Nur so können insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen auf Dauer konkurrenzfähig bleiben. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.
  • Interkulturelle Kompetenz: Interkulturelle Kompetenz bedeutet mehr, als verschiedene Sprachen zu sprechen. Ingenieure arbeiten immer häufiger in internationalen Projektteams. Hier ist das Wissen über die jeweilige Kultur ebenso gefordert, wie die Fähigkeit, sich zu integrieren, sich anzupassen oder das Gespür für soziale Zusammenhänge.
  • Kreativität: Ohne Kreativität keine Innovation. Kreative Ingenieure sind einfallsreich und schaffen Neues. Doch Kreativität ist weit mehr als nur eine gute Idee. Wichtig: Eine Idee ist nur dann wirklich kreativ, wenn sie sich umsetzen lässt und am Markt potentiell erfolgreich sein kann. Kreativ ist auch, wer neue Problemlösungswege geht und sich offen und flexibel zeigt, wenn es etwa um die Ideen und Innovationen aus anderen Bereichen des Unternehmens geht.

Wer als Ingenieur seine Soft-Skills weiterentwickelt, der gewinnt nicht nur neue Erfahrungen und Kompetenzen hinzu. Er macht auch sich und seinen Kollegen sowie Mitarbeitern das Arbeitsleben leichter und selbstverständlicher. Produktivität und Leistungsfähigkeit schnellen ganz nebenbei nach oben. So werden die die Soft-Skills neben den Hard Facts zum eigentlichen Wachstumsfaktor für den Ingenieur und das Unternehmen.

Von Thomas Kresser

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