Beruf und Familie 12.10.2018, 08:39 Uhr

Maßnahmen für die richtige Work-Life-Balance

Ständig erreichbar sein und kaum noch Freizeit haben – da hilft auch kein Tischkicker im Büro. So empfinden es auch viele Ingenieure. Ist die Work-Life-Balance nur ein Mythos? Nein, aber Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, ist zwar nicht immer einfach. Gewisse Maßnahmen helfen.

Frau mit Kind auf dem Arm und Laptop neben sich

Die Work-Life-Balance spielt eine immer größere Rolle - nicht nur für Frauen.

Foto: panthermedia.net/IgorTishenko

Inhalt des Artikels:

  1. Betriebliche Balance vs Work-Life-Blending
  2. 5 Wege zur Work-Life-Balance
  3. Stressoren erkennen
  4. Betriebliche Maßnahmen

Zunächst einmal gilt es, den Begriff Work-Life-Balance zu klären. Er stammt aus dem englischen und setzt sich zusammen aus „Work“ für Arbeit, „Life“ für Leben und „Balance“ für Gleichgewicht. Der Bedeutung nach gilt es also, Arbeit und Leben ins Gleichgewicht zu bringen. Das würde aber bedeuten, dass Arbeit und Leben unterschiedliche Dinge sind. Dabei gehört die Arbeit zum Leben. Nur wer Arbeit als integralen Teil seines Lebens begreift und zusammen mit anderen Bereichen im Blick hat, kann eine echte Balance erreichen und wahren.

Denn Jobstress kann auch auf die eigene, negative Einstellung zur Arbeit zurückgehen. Falls dem so ist, sollten Sie prüfen, ob Sie in Ihrem Beruf unter- oder überfordert sind. Beides führt dazu, dass man weniger Spaß an der Arbeit hat und sie eher als Last empfindet, denn als Lust und Teil des Lebens.

Im heutigen Sprachgebrauch wird die Work-Life-Balance eher so verstanden, dass die Karriere und das Privatleben so zu organisieren, dass beides erfolgreich verläuft. Für Familie und Beruf soll gleichermaßen Zeit bleiben. Beide Erklärungen werden den komplexen Anforderungen, die hinter einer ausgewogenen Work-Life-Balance stehen, kaum gerecht.

Betriebliche Work-Life-Balance vs. Work-Life-Blending

Das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (BMFSFJ) hat eine Analyse zum Thema Work-Life-Balance herausgegeben und definiert diese so: „Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt. Betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen zielen darauf ab, erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen.“

Es geht also darum, für die sich immer wieder ändernden Anforderungen im Leben Raum zu schaffen und zu erhalten. In den vergangenen Jahren hat das Thema Work-Life-Balance stetig an Bedeutung hinzugewonnen. Das ist vor allem auf die veränderte gesellschaftliche Entwicklung zurückzuführen: Die Zahl Alleinerziehender, aber auch die der erwerbstätigen Frauen und Doppelkarrierepaare (sogenannte DINKS – double income, no kids) ist gestiegen. Das führt zwangsläufig dazu, dass sich die Frage nach einer besseren Vereinbarkeit zwischen Karriere und Privatleben stellt.

Aber vor allem Menschen, die in verantwortungsvollen und/oder gehobenen Position arbeiten, haben Schwierigkeiten, Karriere und Privatleben in Einklang zu bringen. Denn die Verantwortung bringt es mit sich, dass sie regelmäßig erreichbar sein müssen. Das kennen auch viele Ingenieure und Informatiker. Statt Work-Life-Balance findet viel häufiger Work-Life-Blending statt, also eine Verschmelzung zwischen Beruf und Familie.

Das klingt zunächst verlockend, dabei ist es nur durch die strikte Trennung von Privatleben und Arbeit möglich, keinen der beiden dauerhaft zu vernachlässigen.

Welche Maßnahmen führen echter Work-Life-Balance?

Eine tatsächliche Work-Life-Balance zu finden ist schwierig. Schon allein zeitlich lassen sich Privatleben und Beruf nicht ins Gleichgewicht bringen, weil der Arbeitstag samt Hin- und Rückweg einen Großteil unserer werktäglichen Zeit aufbraucht. Die restlichen Stunden stehen ebenfalls nicht nur für Freunde und Freizeit zur Verfügung, sondern beinhalten auch Verpflichtungen, die in der verbleibenden Zeit erledigt werden müssen. Zum Beispiel die Hausarbeit, Arztbesuche, die Steuererklärung und ähnliches.

Maßnahmen für eine gute Work-Life-Balance sollten also dafür sorgen, den Alltag möglichst stressfrei zu gestalten. Es gilt, die eigene Zeit effektiv zu nutzen und sich sogenannte Zeitinseln zu schaffen, in denen man frei entscheidet, was man tut. Wer produktiver und ausgeglichener werden will, sollte nicht nach ständigem Ausgleich, sondern stattdessen nach seinem eigenen Rhythmus suchen. Folgende fünf Maßnahmen sind beim Finden der Work-Life-Balance hilfreich:

  1. Gesunder Schlaf: Ausgeruht sein ist die halbe Miete. Wer ausgeruht in den Tag startet, ist nachgewiesenermaßen resistenter gegen Stress. Die Rechnung ist einfach. Ist das Energiekonto durch Schlaf aufgefüllt, dauert es länger, bis es ins Minus rutscht. Achten Sie daher auf einen gesunden Schlafrhythmus, das heißt, gehen Sie regelmäßig zu gleichen Zeiten ins Bett und stehen Sie auch immer zu ähnlichen Zeiten auf. Ihr Körper wird sich an den Rhythmus gewöhnen und kann nachts genügend Energie tanken.
  2. Bewegung: Sport ist ein wichtiger Baustein der Work-Life-Balance. Bewegung ist ein Ausgleich zum mitunter stressigen Berufsleben, vor allem wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt. Regelmäßige Bewegung hat nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern stärkt auch die Psyche. Durch den Sport werden Hormone wie Endorphine und Serotonin produziert, die Stresshormone neutralisieren. Passiert dies nicht, unterdrücken die Stresshormone die Produktion anderer Hormone, die für das Wohlbefinden nötig sind. Suchen Sie sich einen Sport, den sie tatsächlich in Ihren Alltag integrieren können. Denn sonst wird der Termin zur unangenehmen Pflicht und Sie erreichen das Gegenteil von Work-Life-Balance.
  3. Zeitmanagement: Mindestens acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen – schon bleiben nur noch acht Stunden übrig. Zieht man Verpflichtungen, Essen und Fahrzeiten ab, bleibt kaum noch Zeit fürs Vergnügen und soziale Leben. Versuchen Sie daher, ihre Zeit effektiv zu nutzen. Zum Beispiel, indem Sie den Sport direkt in den Arbeitsweg integrieren und mit dem Rad zur Arbeit fahren. Oder Sie nutzen die Pause, um Freundschaften zu pflegen, etwa bei einem gemeinsamen Mittagessen.
  4. Gezielte Urlaubsplanung: Auch wenn es verlockend erscheint, der Arbeit vier Wochen am Stück den Rücken zu kehren und mit der Familie einen ausgedehnten Urlaub zu machen – teilen Sie Ihren Urlaub lieber gezielter ein. Auch ein langer Urlaub lädt nicht die Energiereserven für ein ganzes Jahr wieder auf. Planen Sie lieber zusätzlich ein oder zwei Kurztrips ein und verkürzen Sie den langen Sommer- oder Winterurlaub um eine Woche.
  5. Feste Verabredungen: Was zunächst kontraproduktiv klingt, weil es einen gewissen Termindruck schaffen könnte, ist zumindest für das soziale Leben positiv zu werten. Treffen Sie feste Verabredungen mit ihren Freunden. Planen Sie gemeinsame Unternehmungen mit der Familie. Denn wer nach Feierabend erst einmal auf dem Sofa liegt, rafft sich nur noch ungern für spontane Treffen auf.

 

Was gefährdet die Work-Life-Balance?

Auch Ingenieure und Informatiker kennen es: Gerät die Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht, leidet das Privatleben schneller darunter als die Karriere. Denn es werden eher Zugeständnisse zugunsten des Berufs gemacht als gegenüber der Familie. Schließlich könnte der Job auf dem Spiel stehen. Die eigenen Karriereziele über das Privatleben zu stellen, ist in Ordnung, solange der Zeitraum überschaubar bleibt. Schleicht sich auf Dauer ein Ungleichgewicht ein, sollte man gegensteuern. Die Gefahr des Ungleichgewichts kann sowohl von einem selbst ausgehen als auch vom Arbeitgeber. Je nach Ursache sollten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Work-Life-Balance wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Gefahren, die bei den Berufstätigen – Arbeitnehmern wie Selbstständigem – selbst liegen, beruhen vor allem auf dem eigenen Leistungsanspruch. Wer im Privatleben wie für die Karriere immer alles perfekt machen will, setzt sich unter Druck. Kommen ein schlechtes Zeit- und Selbstmanagement hinzu, kann auch das die Work-Life-Balance ins Wanken bringen.

Weitere Gefahren sind starkes Streben nach Erfolg sowie ein großes Verpflichtungs- und Verantwortungsgefühl gegenüber Familie und Kollegen. Wer glaubt, nicht entbehrlich zu sein und überall mitmischen zu müssen, neigt zur Selbstausbeutung, was eine gesunde Work-Life-Balance schlicht nicht mehr erlaubt. Bei all diesen Schwierigkeiten helfen die oben genannten Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance.

Geht der Druck vom Arbeitgeber aus, hat der Berufstätige keinen direkten Einfluss auf eine zügige Verbesserung der Situation. Unregelmäßige Arbeitszeiten, permanenter Termindruck, strittige Aufgabenverteilung oder Unklarheit über den Arbeitsumfang der kommenden Wochen führen dazu, dass sich Arbeitnehmer ihre Zeit nur schlecht einteilen können. Darunter leidet das Privatleben, auf Dauer aber auch die Arbeit.

Kann der Arbeitnehmer die Situation auch durch ein eigenes, verbessertes Zeitmanagement nicht verändern, und zeigt der Arbeitgeber kein Verständnis für die Situation oder bietet keine Unterstützung für die Work-Life-Balance des Mitarbeiters, sollte gegebenenfalls ein Jobwechsel in Betracht gezogen werden. Denn es gibt viele Unternehmen, denen es wichtig ist, ihren Angestellten ein attraktives berufliches Umfeld zu bieten.

Betriebliche Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance

Arbeitgeber haben heutzutage ein großes Interesse daran, mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter beizutragen. Ein angenehmes Betriebsklima und eine offene Unternehmenskultur machen es den Angestellten möglich, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig sorgen Maßnahmen für die Work-Life-Balance dafür, das Image des Unternehmens zu verbessern und wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn wer seinen Angestellten etwas bietet, wird für Bewerber interessant. Dabei kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Zum Beispiel:

  1. flexible Arbeitszeiten (Vertrauensarbeitszeit)
  2. flexible Arbeitsmodelle (Home Office)
  3. Aufgabenverteilung und Belastungswechsel (Belastungen lassen sich durch Aufgabenverteilung verringern)
  4. ständige Erreichbarkeit verringern und auf die Kernarbeitszeit beschränken
  5. Mitarbeiterqualifizierung (Kurse zum Selbst- und Stressmanagement sowie zum Zeitmanagement)
  6. Kinderbetreuung, zum Beispiel im Betriebskindergarten
  7. Gesundheitsmanagement
  8. gesunde Ernährung (Ernährungsberatung, Mitarbeiterküche, Kantine mit entsprechendem Angebot)
  9. Betriebssportangebote
  10. Freizeitmöglichkeiten in den Unternehmensräumen (Aufenthaltsraum, Tischtennisplatte, Kicker)

Arbeitgeber profitieren durch eine gute Work-Life-Balance von einer besseren Motivation ihrer Mitarbeiter sowie einer emotionalen Bindung der Belegschaft an das Unternehmen. Das wiederum fördert die Zufriedenheit bei der Arbeit und verbessert die Leistung.

 

Weiterführende Informationen:

Eine Karriereberaterin spricht über die Work-Life-Balance und empfiehlt, auf die kleinen Glücksmomente zu achten.

Stressbewältigung – welche Übungen kurzfristig helfen und wie sie nachhaltig gegensteuern
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