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Workaholics müssen auf die Gesundheit achten

Wohl dem gefragten und ambitionierten Ingenieur, der nicht den materiellen Anreizsystemen der Unternehmen verfällt. Wie war es doch noch mit der Arbeitskultur in der neuen Wirtschaft? Sicherlich kam es gut an, wenn der 28-Jährige Telekommunikationsexperte mit seinem Dienstwagen BMW M5 zu Hause vorfuhr und in der Garage den privaten Porsche geparkt hatte. Doch was im ersten Moment imponiert, beeindruckt beim Blick hinter die Kulissen weitaus weniger. Gut dran ist, wer die anfänglich Karrierechancen nutzt, sich die Risiken eines Daseins unter Workaholics aber durchaus bewusst macht.

Workaholic: Die schmale Grenze zwischen tüchtigem Arbeiter und krankhaftem Arbeitswahn.

Workaholic: Die schmale Grenze zwischen tüchtigem Arbeiter und krankhaftem Arbeitswahn.

Foto: panthermedia.net/AndreyPopov

In der neuen Arbeitskultur fühlt sich jeder Betriebsangehörige für Unternehmensergebnis, Quartalszahlen und „Stockholder Value“ verantwortlich. Erhebliche variable Gehaltsbestandteile und Aktienoptionen machen den Mitarbeiter zum Mitunternehmer. Hierfür lohnt sich ein hohes Engagement. Home Office, mobile Telekommunikation und Netzzugänge überall gewährleisten die ständige Arbeitsbereitschaft der Workaholics.

Der geringe Einfluss von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern unterstützt Workaholics beim Arbeiten ohne zeitliche und räumliche Grenzen. Finanzieller Reichtum als ursprünglichste Form der Motivation setzt in jedem die maximale Arbeitsleistung frei. Daher will so mancher noch eine Schippe drauflegen. Und scheinen die Zielzahlen nicht erreichbar, wird das Unmögliche möglich gemacht. Da die Belegschaft knapp gehalten wird, warten unendlich viele Projekt auf Realisierung.

Workaholics müssen die Folgen des exessiven Arbeitens erkennen

Die Versuchung bei Workaholics ist groß, im Übereifer mehr Schaden als Nutzen für die eigene Person zu verursachen. Wer seine physische und psychische Schaffenskraft schnell ausbeutet, mag zwar schon in jungen Jahren finanzielle Reichtümer ansammeln. Das exzessive Arbeitsverhalten hinterlässt aber auch Spuren: Psyche, Gesundheit und soziales Umfeld sind betroffen. Betrachten wir den verheirateten Manager von Netzwerkprojekten, der ein Jahreseinkommen von 100 Tsd. Euro erzielt und sich mit den in Aussicht gestellten Prämien und hypothetischen Aktiengewinnen bereits im Kreis der Millionäre wähnt. Seine Arbeitszeit ist kaum quantifizierbar. Kommt er abends nach Hause, verschwindet er nach kurzem, meist wortlosem und hastigem Abendessen im Home Office.

In privaten Gesprächen solcher Workaholics dreht sich alles um Projekte und erzielbare Prämien. Auch wenn seine Freunde entschwinden oder die Verbliebenen und die Ehefrau nur noch aus Höflichkeit zuhören, registriert er das nicht. Geht es um die tägliche Kommunikation im privaten Umfeld, bedient er sich oberflächlichster Rhetorik. Zuhören ist für ihn ein Fremdwort, denn was gibt es wichtigeres als sein Geld, seine Projekte und ihn? Um letztlich Abstand von der Arbeit zu gewinnen, wird da schon mal mit dem einen oder anderen Glas Whisky nachgeholfen. Asthmaähnliche Anfälle, die nach der Kindheit erstmalig wieder auftreten, werden als vorübergehend ignoriert. Die Ehefrau wird durch Geschenke und Frustkäufe bei guter Laune gehalten. Und geht es mit seinem 250 PS starken Dienstwagen auf die Autobahn, so sind Drängeln, Lichthupe, Überholen auf der rechten Spur oder links auf der Grasnarbe nur selbstverständlich.

Selbstmanagement und Coaching helfen Workaholics

Nun mögen die gerade geschilderten Phänomene für Sie kein Thema sein. Dennoch, wer in der neuen Arbeitswelt tätig ist, sollte sich Gedanken machen, inwieweit er die endlosen Arbeitsmöglichkeiten nutzt. Sicherlich geht es häufig nicht ohne überdurchschnittliches Engagement. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn alles in normalen Bahnen abläuft. Ein geeignetes Stress-, Zeit- und Zielmanagement oder Coachings beugen hier den Gefahren vor. Die Grenzen sind allerdings überschritten, wenn der Arbeitswahn des Workaholics chronisch und das soziale Umfeld, die eigene Gesundheit und Psyche nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wo die Grenzen liegen, ist häufig nur schwer festzustellen. Da mancher unbewusst in die Gefahrenzone schliddert, hilft erst einmal eine kritische Reflektion zum eigenen Verhalten durch Freunde, Bekannte oder einen außenstehenden Dritten weiter. Eines muss jedem klar sein: Jeder verfügt über 100 Prozent Arbeitsvermögen. Diese können schnell oder langsam ausgeschöpft werden. Exzessives Arbeitsverhalten wie bei Workaholics macht allenfalls mit klarer zeitlicher Begrenzung und klar definierten Ziel Sinn. Als ständige Einrichtung jedoch erscheint es sinnlos und tödlich.

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Von von Karriere-Coach Bernd Andersch, andersch-consulting.de

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