Karrierestrategie 22.12.2014, 12:01 Uhr

Den Stellenwechsel gut vorbereiten

Die Arbeitsmarktsituation fordert eine geänderte Karrierehaltung. Angesagt sind das Herunterschrauben der Ansprüche an die berufliche Entwicklung und vorsichtiges Agieren beim Ausloten der internen und externen beruflichen Möglichkeiten oder beim Stellenwechsel. Forsches Vorgehen mit unangemessenen Forderungen gehört der Vergangenheit an und bedroht heute den Arbeitsplatz.

Beförderung: Lieber zuerst durch indirekte Fragen beiläufig auf den Zahn fühlen.

Beförderung: Lieber zuerst durch indirekte Fragen beiläufig auf den Zahn fühlen.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Es beginnt bei der Bescheidenheit. Eine Beförderung oder die außerordentliche Gehaltserhöhung werden für Führungs- und Fachkräfte zur Ausnahme, bei steigenden Anforderungen und erhöhtem Erfolgsdruck. Mit einem Stellenwechsel verbindet sich nicht automatisch eine wesentliche Gehaltserhöhung. Es gilt wieder das Prinzip: Erst leisten, dann fordern! In sehr viel begrenzterem Maße als in den vergangenen Jahren dürfte mit kostspieligen Statussymbolen umgegangen werden. Warum muss der Projektmanager eines Technologieunternehmens mit der Luxuskarosse fahren, die andernorts allenfalls dem Geschäftsführer zusteht? Neben materieller Bescheidung passen moderatere Karriereansprüche ins Bild der Zeit. Der Arbeitsplatz muss nicht alle zwei oder drei Jahre gewechselt werden.

Wer wissen möchte, woran er bei seinem Arbeitgeber ist und welche Karrierepotenziale der für ihn bereithält, sollte Gehaltsentwicklung, Beförderungen und Personalentwicklungsmaßnahmen dezent abklopfen, bevor er seine Forderungen offiziell anmeldet. Fragt eine Fach- oder Führungskraft in aller Offenheit seine Karrieremöglichkeiten ab, können Vorgesetzte das als generelle Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job auslegen. Die Lage spitzt sich zu, wenn sich jemand zu Höherem berufen fühlt, der Arbeitgeber aber keine Alternative anbieten kann. Nicht selten kühlt sich das Verhältnis zu den übergeordneten Hierarchieebenen dadurch ab und ein Stellenwechsel wird nötig.

Externen Stellenwechsel mit wenig Risiko einleiten

Geschickter ist es, die Meinung der Schlüsselfiguren zur eigenen Beförderung mit indirekten Fragen eher beiläufig zu erheben. Wie ein hoch dotierter Chemiker aus der Entwicklung eines Pharmazieunternehmens, der über kurz oder lang ins Management will und seine Chancen unverbindlich bei seinem Vorgesetzten auslotet: „Ich las am Wochenende ein interessantes Managementbuch. Herr Mustermann, Vorstandsvorsitzender der XYZ AG, vertrat darin die Meinung, dass Naturwissenschaftler die besseren Manager sind. Können Sie sich auch für unser Unternehmen vorstellen, dass Entwickler die Managementlaufbahn einschlagen?“ Findet der Vorgesetzte die Meinung gar nicht so abwegig, kann der Mitarbeiter wertfrei weiter fragen. Hält der Vorgesetzte nichts von der Idee, ist die Situation klar, ohne dass sich der Chemiker zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und er muss nicht gleich über einen Stellenwechsel nachdenken.

Wer bei seinem Arbeitgeber keine weiteren beruflichen Chancen sieht, sollte den externen Stellenwechsel mit möglichst wenig Risiko einleiten. Oberstes Gebot ist es, dem Arbeitgeber erst dann den Stellenwechsel anzukündigen, wenn er perfekt ist. Auch vertraute Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzte sollten im Vorfeld keinesfalls von den Wechselabsichten erfahren.

Beim Stellenwechsel den alten Arbeitgeber vorerst nicht nennen

Damit beim geplanten Stellenwechsel nichts zu früh an den Arbeitgeber durchsickert, sollte sein Name frühestens am Ende des ersten Vorstellungsgespräches genannt werden. Diskretion wird zwar von allen Personalberatern und Personalabteilungen versprochen, doch verlassen kann sich darauf niemand. Bei Bewerbungen von Geschäftsführungsmitgliedern können deren Arbeitgeber schnell über Nachschlagewerke in Erfahrung gebracht werden. Sie können für ihre Bewerbungen einen Mediator einsetzen. Der Mediator verschickt die Bewerbungen unter seinem Absender für einen Dritten und gibt das im Anschreiben bekannt. Der Name des Bewerbers wird zunächst nicht preisgegeben.

Ist der Stellenwechsel unter Dach und Fach, empfiehlt sich weiter nüchternes Vorgehen. Wer zum spätest möglichen Termin kündigt, setzt sich am wenigsten Energie raubenden offenen oder verdeckten Attacken beim alten Arbeitgeber aus. Wer allerdings mit seiner sofortigen Freistellung rechnet, sollte schnell agieren. Auf Kosten des Arbeitgebers kann er so noch eine Verschnaufpause einlegen, bevor er in den nächsten Job startet. Die Kündigung sollte schriftlich per Einschreiben erfolgen. So ist bei Streitigkeiten ein Nachweis vorhanden, dass die Kündigung wirklich beim Arbeitgeber eingegangen ist. Eine Begründung für die Kündigung muss nicht genannt werden.

Stellenwechsel im Geheimen planen

Bescheidenheit und Vorsicht sind Prinzipien, die Fach- und Führungskräfte wieder verstärkt in ihrem Karriereverhalten berücksichtigen sollten. Welche Chance für den Einzelnen beim eigenen Arbeitgeber bestehen, kann auf indirekte Weise vorab erhoben werden. Nur wer sich danach realistische Chancen ausrechnet, sollte Gehalts-, Weiterbildungs- und Beförderungswünsche offen auf den Tisch legen. Kann eine berufliche Verbesserung nur über einen Stellenwechsel vollzogen werden, ist auf rezessiven Arbeitsmärkten im Bewerbungsprozess mit äußerster Verschwiegenheit zu verfahren. Bekommt der eigene Arbeitgeber zu schnell Wind von den Abwanderungsabsichten, wird auch ein Kronprinz fallen gelassen wie die berühmte heiße Kartoffel. Und die hebt heute so schnell niemand mehr auf.

 

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