Karriere im Alter 25.10.2022, 14:25 Uhr

Karriere mit 50 Plus: Darum gelingt der Jobwechsel auch in diesem Alter

Viele bezweifeln noch immer, dass man Karriere mit 50 Plus machen kann. Doch der Arbeitsmarkt hat sich verändert und bietet mehr Möglichkeiten für einen Jobwechsel – unabhängig vom Alter.

Arbeiten mit 50 Plus

Auch mit 50 Plus hat man gute Chancen, neue Stelle zu finden.

Foto: PantherMedia / YuriArcurs (YAYMicro)

Ein Jobwechsel ist immer mit Stress verbunden, denn es handelt sich schließlich um eine große Umstellung, ist aufwändig und nervenaufreibend. Nicht jeder hat die Energie immer wieder Bewerbungen abzusenden, auf Rückmeldungen zu warten und bei zahlreichen Vorstellungsgesprächen auf die meistens gleichen Fragen möglichst klug zu antworten. Es kostet viel Zeit, Nerven und ist stets mit Risiken verbunden.

Wenn man mit 50 Plus an einen Jobwechsel denkt, also einen Neuanfang anstrebt, ist dieses Unterfangen noch stressiger. Denn hinzu kommen altbekannte Vorurteile und nachvollziehbare Bedenken, von einem sicheren Arbeitsplatz in das Haifischbecken Arbeitsmarkt zu springen und danach gar arbeitslos zu werden.

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Ist es mit 50 Plus überhaupt möglich, Karriere zu machen?

Das ist eine Frage, die viele Menschen in diesem Alter beschäftigt, wenn sie eine neue Arbeitsstelle suchen oder mit Gedanken spielen, etwas Neues auszuprobieren.

Ja, man kann auch mit 50 Plus noch Karriere machen und ja, es lohnt sich immer, etwas Neues zuzulassen, selbst wenn man am Ende nur Erfahrungen gemacht hat. Viele kennen die Redewendung – „Lieber etwas riskieren, als ewig zu bereuen, sich nicht getraut zu haben“ und diese Redewendung ist genau der springende Punkt.

Einige zählen bereits ab 50 Jahren die ihnen bleibenden Jahre bis zur Rente ab, legen gleich ihre Träume auf Eis und verspielen gleichzeitig Chancen und Jobperspektiven. Die plakative Rechnung dazu ist: Wenn man danach mit 67 in die Rente geht, sind stolze 17 Jahre, einfach mal so abgezählt und abgeschrieben. 17 Jahre sind eine Zeitspanne von der Geburt bis zu einem Schulabschluss, also mehr als die gesamte Schulzeit von Klasse 1 bis Klasse 12. Ist das nicht eine Schande, die Entwicklungschancen und das eigene Leben für diesen Zeitraum auf „NULL“ zu stellen? Ist diese Zeit nicht zu schade, um jeden Tag unzufrieden zu beginnen, anstatt sie konstruktiv zu nutzen und Neues zuzulassen? Mit anderen Worten, mit 50 Jahren steht man noch mitten im Arbeitsleben und es ist definitiv zu früh, sich selbst vom Arbeitsmarkt abzuschreiben und auf ein Abstellgleis zu stellen.

Lohnt es sich mit 50 Plus noch, den Arbeitsplatz zu wechseln?

2022 gilt als ein Jahr, das von vielen Krisen geprägt ist: die andauernde Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg, immer steigende Energiepreise – all das trägt dazu bei, dass sich viele Beschäftigte Gedanken über ihre Zukunft machen. Ist ihr Job noch sicher? Soll man aktiv nach neuen Möglichkeiten suchen oder diese Entscheidung verschieben?

Bei diesen Überlegungen ist zu berücksichtigen, dass sich gerade auch der Arbeitsmarkt wandelt und der Fachkräftemangel sich weiter zuspitzt. Denn: man kann nicht einerseits vom Fachkräftemangel sprechen und andererseits gleichzeitig den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen über 50 keine Chance mehr geben. Jetzt kämpfen die Arbeitgeber um die Fachkräfte. Wer das als Arbeitgeber nicht begreift, verliert den Kampf um die Fachkräfte.

Was zeichnet ältere Mitarbeiter gegenüber Jüngeren aus?

Es gibt zahlreiche Jobbörsen und Jobportale, die darauf spezialisiert sind, Jobs für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen der Generation-50-Plus anzubieten. Das zeigt, dass es nicht stimmt, dass viele Unternehmen ausschließlich nur noch nach jungem Personal für „ein junges Team“ suchen. Es gibt viele Firmen, die gezielt erfahrenes Personal suchen, also nach Fachkräften, die sofort und ohne große Einarbeitung in die Arbeitsprozesse integriert werden können. Sie bringen nicht nur eine langjährige Erfahrung mit, sondern kennzeichnen sich durch Fähigkeiten wie Souveränität, Seniorität und nicht zuletzt die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Und genau danach wird gesucht.

Wann ist man zu alt für den Arbeitsmarkt?

Klar, auf diese Frage kann man keine eindeutige Antwort geben. Es hängt von dem Beruf, von den Fähigkeiten und nicht zuletzt von der persönlichen Einstellung und einer gewissen Entschlossenheit ab. Man muss sehr klare Vorstellungen haben, was man genau möchte und was man bei einem neuen Arbeitgeber erreichen möchte. Manchmal ist da eine mentale Barriere, die einem selbst den Weg versperrt, auf Karrierechancen zu verzichten. Denn: viele Menschen befinden sich gerade in diesem Alter auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten. Und mit einer langjährigen Berufserfahrung, guten Qualifikationen und Weiterbildungen in der Tasche, stehen einem viele Türe offen. Denn: Nicht nur der Arbeitsmarkt an sich verändert sich, sondern auch die Arbeitsmodelle, neue Alternativen und die Veränderungsfreude der Menschen.

Gründe für einen Jobwechsel

Es gibt viele Gründe, die Menschen dazu bewegen, ihre Arbeitsstelle zu wechseln, auch im Alter 50 Plus.

  • Reibungen innerhalb des Teams
  • Toxische Führung
  • Keine Entwicklung
  • Keine Förderung
  • Keine Gehaltserhöhung
  • Fehlende Work-Life-Balance
  • Burnout und Stress
  • Keine Fortbildungen
  • Drohende Entlassungen
  • Langeweile

Die Liste kann man weiter fortsetzen, denn die Beweggründe sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Zugrunde liegen immer einzelne Situationen und Schicksale.

Zum Umdenken hat viele Menschen wohl auch die Corona-Pandemie bewogen. Nicht wenige haben durch die Pandemie ihre Arbeit verloren, viele fühlen sich unsicher und können deswegen nichts mehr planen. Doch andere haben Chancen erkannt, sich selbst und ihre Zweifel überwunden und ihren Traumjob gefunden.

Doch bevor man auf die Suche geht und eine passende Arbeitsstelle findet, muss man altbekannte Vorurteile überwinden. Vor allem ältere Bewerber haben in der Arbeitswelt nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen.

Vorurteile seitens der Arbeitgeber

Es gibt immer noch Vorurteile, die einige Arbeitgeber gegenüber älteren Mitarbeitenden hegen. Zu nennen sind solche Kriterien wie, körperliche Belastbarkeit oder Lernbereitschaft. Man geht davon aus, dass Bewerber in diesem Alter häufiger krank werden, geistig nicht mehr fit sind und keine innovative Kraft mitbringen. Sie seien nicht kreativ und sitzen ihre Zeit bis zur Rente nur noch ab.

Dabei wird häufig vergessen, dass im Mittelpunkt immer ein einzelner Mensch steht und man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Denn: auch jüngere Bewerber können ähnliche Einstellungen und Nachteile haben, abgesehen davon, dass sie kaum Lebens- und Berufserfahrung nachweisen können. Die Älteren hingegen bringen eine gewisse Seniorität, aber auch Stabilität und Gelassenheit mit, und können mit verschiedenen Situationen oder Unsicherheiten viel besser umgehen. Schließlich haben sie in ihrem Berufsleben den einen oder anderen Fehler gemacht und daraus gelernt.

Mit anderen Worten: es ist alles individuell und man muss jeden Einzelnen einzeln sehen und beurteilen.

Vorurteile seitens der Arbeitnehmer

Aber auch die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen 50 Plus haben eigene Vorurteile, die ihnen selbst den Weg in die Zukunft verbauen. Klar, wer in diesem Alter arbeitslos wird, hat es besonders schwer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Aber auch in jüngeren Jahren kann man nicht sofort eine gewünschte Stelle bekommen, weil immer Fachkräfte „mit Berufserfahrung“ gesucht werden.
„Mit 50 plus landet die Bewerbung doch sowieso auf dem Absagestapel“, auch hier können jüngere Mitbewerber ohne Berufserfahrung im gleichen Absagestapel landen. Schließlich verliert man mehr, wenn man sich gar nicht bewirbt.

Altersdiversität gegen Fachkräftemangel

Steht man kurz vor dem Vertragsabschluss und hat trotzdem noch Zweifel, kann man die Bewertungsportale über den potenziellen Arbeitgeber lesen und gezielt nach Kriterien wie „Umgang mit älteren Kollegen“ bzw. „Gleichberechtigung“ suchen.

Schließlich gewinnt das Thema Diversität in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Und zu der Diversität gehört auch Altersdiversität. Erst wenn man auf Synergie aus Erfahrung und Talent setzt, kann man den Kampf um die besten Arbeitskräfte für sich entscheiden und das Alter spielt dabei keine Rolle mehr.

 

 

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Content-Managerin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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