Karrierestrategie 12.06.2018, 08:41 Uhr

In fünf Schritten gegen Stress

In der modernen Arbeitswelt ist Stress vorprogrammiert. Lernen Sie, sich vor Überanstrengung zu schützen.

Mit Stress umgehen sollte gelernt sein!

Mit Stress umgehen sollte gelernt sein!

Foto: panthermedia.net/.shock

Erkrankungen des Nervensystems und der Psyche sind in Deutschland die Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit. Bereits vor einigen Jahren haben sie den Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats den ersten Rang abgelaufen. Zeit, den eigenen Stresspegel zu beobachten und sich Strategien gegen dauerhafte Überforderung anzueignen.

Erstens: Stress erkennen

Anspannung in Form von Stress kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Die Psychologie kennt den vitalisierenden Stress, der motiviert und die Leistungsfähigkeit steigert, den belastenden Stress, der sich negativ auf Körper und Geist auswirkt sowie den Stress durch Unterforderung. Im Arbeitsleben tritt meist die negative Form auf, weshalb Sie sich darauf konzentrieren sollten, genau diesen zu verstehen, um ihn anschließend bekämpfen zu können.

Stellen Sie fest, wer oder was sie stresst. Als Stressoren kommen Kollegen und Vorgesetzte ebenso infrage wie Zeitdruck oder mangelndes Selbstbewusstsein. Die Angst zu versagen oder schlechter abzuschneiden als der Kollege, verunsichern viele Arbeitnehmer und erhöhen den Stresspegel. Es gibt aber auch sehr persönliche Faktoren wie die Farbe des Schreibtischlichts oder die Regelmäßigkeit der herabfahrenden Jalousie, die Anspannung auslösen kann. Jeder sollte sich daher die Zeit nehmen, seine individuellen Stressoren zu identifizieren.

Zweitens: Einstellungen reflektieren

Das einfachste Rezept gegen Stress ist, die Ursachen auszuschalten. Weder Vorgesetzte noch Abgabefristen lassen sich aber ohne längerfristigen Schaden umgehen. Also müssen die eigenen Einstellungen reflektiert und angepasst werden. Prüfen Sie, wie Sie in stressigen Situationen agieren und welche Erwartungen Sie an sich selbst richten. An diesen Stellschrauben lohnt es sich anzusetzen. Denn die spontane Reaktion auf neue Herausforderungen oder Arbeitsbelastungen ist meist negativ. Und die eigenen Erwartungen legen die Latte häufig zu hoch.

Drittens: Bewältigungsstrategien finden

Wer die eigenen Stressfaktoren kennt und weiß, wie er darauf reagiert, kann vor der völligen Überforderung einschreiten. In der akuten Situation können kleine Dinge wie Atemübungen helfen, die Ruhe zu bewahren. Außerdem kann das eigene Selbstbewusstsein durch ein Gespräch mit Freunden oder der bewussten Lenkung der eigenen Wahrnehmung gestärkt werden. Denken Sie nicht an die anderen 100 Aufgaben, die Sie parallel zu bewältigen haben, sondern führen Sie sich vor Augen, was Sie bisher erreicht haben. Das motiviert.

Vor allem aber sollte jeder über Bewältigungsstrategien verfügen, die den Stresspegel langfristig senken. Sie bewirken, dass der Einzelne mit Stress umzugehen lernt und ihn als Teil des Lebens akzeptiert. Wohlgemerkt, als Teil der Arbeitswelt und des Privatlebens, nicht als grundlegendes Element. Wie beim Sport auch, müssen zwischen den anstrengenden Phasen immer wieder Ruhephasen liegen.

Entscheidend für die Psyche ist, dass der Gestresste sich nicht als Opfer sieht. Weder der eigenen Erwartungen, noch der Anforderungen anderer Leute. Stress kann bei der richtigen Einstellung zu neuen Anforderungen Energien freisetzen. Daher hilft es, positiv zu denken: Die eigene Anerkennung des bereits Geleisteten sollte die Verzweiflung über ein weiteres Dokument auf dem meterhohen Aktenstapel ersetzen. Dann heißt es: Kompetenzen aufbauen, wo Unsicherheiten bestehen und Aufgaben abtreten, wo Teammitglieder zur Seite stehen. Setzen Sie sich außerdem realistische Ziele und achten Sie auf Ihr Zeitmanagement. Wenn eine To-do-Liste drei Orte und sieben Gesprächspartner an einem Tag auflistet, ist Frustration vorprogrammiert. Lernen Sie, Prioritäten zu setzen. Nur wer realistische Ziele formuliert, kann diese auch erreichen und sich abends zufrieden in den Feierabend verabschieden.

Viertens: Ausgleich schaffen

Zu Hause sollte der Ort der Ruhe und Entspannung sein. Stattdessen ist der private Terminkalender häufig ebenso voll mit Einkaufslisten und Sportverabredungen wie der Arbeitsplan. Wichtig ist, dass das persönliche Anti-Stress-Programm auch nach Feierabend fortgesetzt wird. Zum Essen, an die frische Luft gehen, Bücher lesen oder auch zum Nichtstun sollte sich jeder ausreichend Zeit nehmen. In der Freizeit dürfen zudem reihenweise Dinge im Kalender stehen, die Spaß machen – auch wenn sie nicht schlanker oder fitter machen. Diese Auszeiten müssen drin sein.

Fünftens: Selbstkontrolle

Wer seine ganz persönlichen Strategien zur Stressbewältigung gefunden hat, sollte seinen Stresspegel regelmäßig prüfen. Sind neue Stressoren hinzugekommen? Ist die eigene Reaktion in angespannten Situationen angemessen? Bietet sich eine alternative Methode an für die, die man eigentlich nur aus Pflichtbewusstsein nutzt? Die geeigneten Bewältigungsmethoden werden sich mit der Zeit herauskristallisieren und eine beruhigende Wirkung entfalten. Und dennoch ein letzter Tipp: Wer die ihm gestellten Hürden durch die richtigen Methoden im Griff hat, sollte trotzdem regelmäßig hürdenfreie Zonen aufsuchen und seinem Kopf eine Auszeit gönnen.

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