31.12.2014, 08:09 Uhr | 0 |

Gute Überlebenschancen Software simuliert Flucht von Alcatraz

Haben Frank Morris und die Brüder Anglin ihre berühmte Flucht aus dem Gefängnis Alcatraz tatsächlich überlebt? Dass sie gute Chancen hatten, dem eiskalten Meer zu entkommen, haben jetzt niederländische Wissenschaftler mit einer Simulationssoftware bewiesen. 

Die berühmte Gefängnisinsel Alcatraz
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1962 flohen drei Häftlinge mit einem improvisierten Boot von Alcatraz. Bis heute bleibt es ein Rätsel, ob sie den Ausflug in die eiskalten Fluten überlebt haben. 

Foto: U.S. National Park Service

In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1962 flüchtete Häftling Frank Morris gemeinsam mit den Brüdern Clarence und John Anglin von der Gefängnisinsel Alcatraz. Unbemerkt von den Wächtern stiegen die drei Kriminellen mit einem selbst zusammengeschusterten Floß aus Regenmänteln in das eiskalte Wasser in der Bucht von San Francisco. Doch ob sie dem Meer auch lebend entkamen, konnte nie geklärt werden. Die Drei tauchten nie wieder auf.

Dass sie ihre Flucht überlebt und das Festland erreicht haben könnten, hat jetzt ein Team von Wissenschaftlern der TU Delft bewiesen. Um das Überschwemmungsrisiko für große Industrieanlagen in der Bucht von San Francisco zu untersuchen, arbeitete der Wissenschaftler Oliver Hoes von der Technischen Universität (TU) Delft mit einer Simulationssoftware zur Ermittlung von Wasserstandszenarien und Strömungsverhältnissen. Sein Kollege Rolf Hut kam auf die Idee, das Modell mit den Daten aus jener Nacht zu füttern, um Licht in die bis heute ungeklärte Frage zu bringen, wohin das Meer Morris und die Anglin-Brüder getrieben hätte. „Zu meiner Überraschung war das nie zuvor gemacht worden“, erklärt Hut, „außer in einer berühmten Folge von Mythbusters“.

Zeitpunkt der Flucht ist entscheidend für möglichen Erfolg

Da man nicht weiß, wann und wo genau die Häftlinge ihr Floß in jener Nacht ins Wasser ließen, schickte das Team virtuell alle 30 Minuten 50 Boote von verschiedenen Punkten der Insel Alcatraz los und verfolgte, wohin die simulierten Strömungen die Boote trieben. Da man davon ausgehen kann, dass die Geflohenen paddelten, um sich dem Land zu nähern, fügten die Wissenschaftler der Simulation auch einen Paddel-Effekt hinzu.

Wie man anhand der Teilchenverfolgung im Strömungsmodell sehen kann, hätten die drei Geflohenen keine Chance gehabt, wenn sie die Insel vor 23 Uhr verlassen hätten. Die vorherrschenden Strömungen hätten sie auf das offene Meer hinaus gezogen. „Wenn sie (die Insel) jedoch zwischen 23 Uhr und Mitternacht verlassen hätten, gäbe es eine gute Chance, dass sie die Horseshoe Bay nördlich der Golden Gate Bridge erreicht hätten“, erklärt Wasserbauingenieur Fedor Baart aus dem Team der Wissenschaftler.

Anhand der Simulation lässt sich nachvollziehen, dass die Häftlinge wenige Stunden nach ihrer Flucht von Alcatraz das Festland erreicht hätten, wenn sie nach Norden gepaddelt wären. Wie die Wissenschaftler erläutern, zeige das Modell außerdem, dass danach irgendwelche Teile der Ausrüstung zurück getrieben worden wären, in Richtung Angel Island. Und zwar genau dorthin, wo das FBI tatsächlich ein Paddel und einige persönliche Dinge fand. Hätten die Häftlinge die Insel jedoch wie angenommen vor 22 Uhr verlassen, wäre das Paddel wahrscheinlich nicht dort angetrieben worden, widerlegt die Simulation obendrein bisherige Vermutungen.

Spektakuläre Flucht mit Clint Eastwood verfilmt

Die drei Kriminellen hatten sich in monatelanger heimlicher Kleinarbeit einen Weg aus ihren Zellen heraus gegraben – in die alten Gemäuer eines Lüftungsschachtes. Wie man rekonstruieren konnte, gelangten sie über den Zellenblock nach draußen. Da sie in den Betten in ihren Zellen Attrappen ihrer Köpfe und Körper zurück gelassen hatten, wurde ihre Flucht erst am nächsten Morgen entdeckt. Die Geschichte dieser aufsehenerregenden Flucht von Alcatraz wurde mit Clint Eastwood als Frank Morris verfilmt. Wie in der Realität bleibt im Film die Frage offen, ob die drei ihre Flucht durch die eisigen Fluten überlebten. 52 Jahre später beweist das interaktive Modell: Möglich wäre es. 

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Von Susanne Neumann
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