Royole FlexiPai 08.11.2018, 12:01 Uhr

Start-up präsentiert erstes faltbares Smartphone

Klapphandys waren gestern. Oder steht eine Generation klappbarer Phablets in den Startlöchern, die als Smartphone und Tablet genutzt werden könnten?

Das FlexPai zusammengeklappt wie ein Smartphone und ausgeklappt wie ein Tablet

Das FlexPai ist eher ein Prototyp denn ein fertiges Produkt. Aber es zeigt, was schon bald möglich sein könnte.

Foto: Royole

Direkt zum Update: Samsung präsentiert Prototyp mit Infinity Flex Display

Das Klapphandy erscheint mittlerweile, als wäre es einer vollkommen anderen Epoche entsprungen, doch tatsächlich könnten Samsung, LG oder aktuell Royole das faltbare Handy zurückbringen. Allerdings würde es vollkommen anders aussehen als jedes andere Smartphone, Grund hierfür ist ein faltbares Display. Dadurch lässt sich das Smartphone nämlich wie ein Portemonnaie biegen und dient gleichzeitig als Tablet. Und das ist nicht einmal ferne Zukunftsmusik. Das Jungunternehmen Royole, das 2012 von Ingenieurabsolventen aus Stanford gegründet wurde und neben den USA in China beheimatet ist, präsentierte gerade das FlexPai. Doch hält das Smartphone-Tablet zum Knicken, was es verspricht?

Das Royole FlexPai – Features und der besondere Knick

Beim Royole FlexPai handelt es sich ausgeklappt um ein Tablet mit einem 7,8-Zoll-Display im 4:3 Format. Das entspricht in etwa einem iPad. Die Auflösung beträgt 1.920 x 1.440 Pixel. Mit an Bord sind außerdem zwei Kameras mit 20 und 16 Megapixel, ein Achtkern-Prozessor und je nach Modell sind 6 bzw. 8 Gigabyte Arbeitsspeicher verbaut. Mit einem internen Speicher von 128, 256 und 512 Gigabyte gibt es außerdem mehrere Speichervarianten.

Insgesamt ist die technische Ausstattung also sehr gut, aber nicht das eigentliche Verkaufsargument. Das findet sich nämlich in der Faltbarkeit des Displays. Geknickt teilt sich das Display in drei Teile auf, ein 16:9-Screen am oberen Ende, ein 18:9-Screen über dem unteren Bügel und eine schmale Kante. So gefaltet schrumpft das Tablet auf bequeme Smartphone-Größe zusammen. Das Gerät funktioniert dann beidseitig, Anrufe etwa können auf beiden Seiten entgegen genommen werden. Das Gerät muss auch nicht komplett gefaltet werden, sondern kann zwischen 0 und 180 Grad beliebig bewegt werden. Einen kleinen Wermutstropfen hat Royole gleich mit angekündigt: nach etwa 200.000 Faltungen kann es durchaus zu Verschleißerscheinungen kommen, allerdings dürfte das FlexPai bei regulärer Benutzung kaum so häufig gefaltet werden.

Ganz flach ist das Royole FlexPai allerdings nur ausgeklappt, zusammengefaltet ähnelt es eher einer übervollen Geldbörse. Wie diese passt es immerhin in eine handelsübliche Hosentasche. Mit einem Einstiegspreis von 1.100 Euro ist das faltbare Phablet aber auch kein Schnäppchen, in der Spitzenvariante müssen Käufer gar mehr als 1.600 Euro bezahlen. Für ein Smartphone eines vergleichbar unbekannten Herstellers, dürfte dies einige Käufer abschrecken. Zumal auch Samsung, Huawei und LG sich derzeit ein Wettrennen darum liefern, wer das erste Faltphone auf den Markt bringt.

OLED – die Technik hinter faltbaren Smartphones

Jede Form des knick- oder faltbaren Displays hat ihren Ursprung in der OLED-Technologie. Anders als klassische LED sind diese Screens nicht mehr auf das Licht aus Panels angewiesen, vielmehr ist jeder Pixel seine eigene Lichtquelle. Das macht sie nicht nur flexibler, sondern sorgt auch für größere Kontraste und satteres Schwarz. Gut zu tragen und besser anzuschauen sozusagen. Schon 2008 schickte Nokia ein erstes Telefon auf den Markt, das sich um das Handgelenk bog.

Ein Problem, dessen man in den letzten zehn Jahren zumindest teilweise Herr werden konnte, ist die Stabilität. Denn anders als starre Smartphones können flexible Tablets und Telefone nicht aus robustem Gorillaglas hergestellt werden. Entsprechend weiterentwickelt ist es durchaus denkbar, dass Displays in der Zukunft dünn wie Poster werden und sich vollends aufrollen lassen.
Für dieses und das nächste Jahr sind sanfte Faltungen aber zunächst einmal die Grenze der Technik. Zumal faltbare Tablets den Vorteil haben, dass sie zwei getrennte, starre Platinen einsetzen können und Leiterbahnen, Prozessor und Speicher deswegen wie bisher verbaut werden können.

Samsung präsentiert ebenfalls Prototyp mit Infinity Flex Display

Auf seiner Entwicklungskonferenz am 7.11. stellte der Branchenprimus Samsung  ebenfalls den Prototypen eines faltbaren Smartphones vor. Es ist mit dem sogenannten Infinity Flex Display ausgestattet. Anders als das FlexPai steht das faltbare Display bei Samsung allerdings nicht direkt im Vordergrund: Das Gerät ist mit zwei verschiedenen Displays ausgestattet – eines an der Außenseite des Geräts, das als Smartphonedisplay dient und alle herkömmlichen Funktionen und Bedienungsarten aufweist. Ein weiteres liegt im Innern des Smartphones und wird erst sichtbar, wenn man das Gerät zum Tablet mit einer Displaydiagonalen von 7,3 Zoll aufgeklappt wird. Damit dürfte das faltbare Display die meiste Zeit der Gerätenutzung inaktiv und auch geschützt sein.

Sobald man das Gerät aufklappt, wechselt das Gerät automatisch die Screens. Die geöffnete Anwendung wird dann nicht mehr auf dem kleineren Smartphone-, sondern auch dem faltbaren Tabletdisplay angezeigt. Was das kleinere Display zu leisten imstande ist, ob es überhaupt angesteuert werden kann während das Gerät geöffnet ist, wie das Tablet als solches aussieht – all das war auf der Samsung Entwicklerkonferenz gestern nicht zu sehen. Samsung-Manager Justin Denison gab nur bekannt, dass man in einigen Monaten mit der Massenproduktion des Geräts starten könne. Bis dahin möchten die Südkoreaner also fertig sein mit der Entwicklung des Infinity Flex Displays.

Unser Fazit: Obwohl das faltbare Display von Samsung bereits erwartet worden war und wir auch schon darüber berichtet haben, wirkte die Präsentation gestern wie eine Reaktion auf die Veröffentlichung des FlexPai, mit dem das chinesische Unternehmen Royole dem Branchenriesen aus Südkorea zuvorkam.

Die Wettbewerber LG und ZTE schlafen nicht

Deutlich anders sieht übrigens ein Patent von LG aus, dort nämlich sind es drei annähernd gleich große Fragmente, mit denen sich das Tablet zum Smartphone zusammenfalten lässt. Vergleichbar ist das etwa mit einer Straßenkarte. Als Prototypen hatte LG sogar schon einen ausrollbaren Fernseher vorgestellt, auch eine denkbare Variante.

ZTEs aktuell präferiertes Design ähnelt dagegen dem FlexPai, das Axon M bietet bereits zwei Displays, verbunden sind sie aber nicht durchgängig. Das macht das Axon M sperrig und ausgeklappt stört der deutlich sichtbare Bügel den Videogenuss. Allerdings hat Huawei damit bereits ein funktionierendes Gerüst, das „nur“ noch durch ein faltbares OLED-Display ersetzt werden muss.

ZTE Axon M

Das ZTE Axon M ist ein klappbares Smartphone, das aus zwei getrennten Bildschirmen besteht.

Foto: ZTE Deutschland GmbH

ZTE Axon M aufgestellt

Dadurch kann das Axon M im Dual-Modus (die Bildschirme zeigen unterschiedliche Inhalte) und mit Spiegel-Funktion (gleiche Inhalte auf den beiden Bildschirmen) genutzt werden.

Foto: ZTE Deutschland GmbH

ZTE Axon M

Vorgestellt wurde das Axon M im Oktober 2017. Das singuläre Display für Klapphandys, wie es das Royole vorweist, dürfte das ZTE-Gerät schon heute alt aussehen lassen.

Foto: ZTE Deutschland GmbH

Der Weg zum Mehrzwecksmartphone

Das Smartphone hat bereits viele Technikprodukte ersetzt und Kameras sowie mp3-Player für den Alltagsgebrauch weitgehend abgelöst. Faltbare Displays machen Smartphones nun noch vielseitiger, bieten mehr Raum für Medien und eröffnen neue Nutzungsszenarien.

Dass die Technik da ist, zeigt Royole mit dem FlexPai, das vorerst nur für den asiatischen Markt zur Verfügung stehen wird. Allerdings dürfte es für die meisten User ohnehin noch zu früh sein, auf den Zug aufzuspringen. Spätestens wenn Samsung, Huawei, LG und Apple – das erste faltbare iPhone ist gerüchteweise für 2020 geplant – auf den Zug aufspringen, sollte ein gesunder Wettbewerb die Technik nach vorne bringen und die Preise nach unten treiben.

 

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