Blinzeln und Scannen 18.04.2016, 07:50 Uhr

Samsung arbeitet an Kontaktlinsen mit integrierter Kamera

Science-Fiction- und Agentenfilme fallen einem sofort bei dem „Drehbuch“ von Samsung ein: Das Unternehmen will aus Kontaktlinsen  eine Art „eyePhone“ zaubern. Der Patentantrag dafür wurde klammheimlich gestellt.

Fotografierverbot: Das zu kontrollieren dürfte künftig schwierig sein, wenn es ersteinmal Kontaktlinsen mit integrierter Kamera auf dem Markt geben wird. 

Fotografierverbot: Das zu kontrollieren dürfte künftig schwierig sein, wenn es ersteinmal Kontaktlinsen mit integrierter Kamera auf dem Markt geben wird. 

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Wie jetzt erst bekannt wurde, hat Samsung das Patent in Südkorea schon vor zwei Jahren eingereicht. Ebenfalls 2014 hatte sich Google eine smarte Kontaktlinse patentieren lassen, die Diabetikern das Leben erleichtern soll, indem sie den Blutzucker misst.

Die smarte Kontaktlinse von Google ist mit einem Chip ausgestattet, der beispielsweise die Zuckerwerte der Tränenflüssigkeit überwachen kann. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis wollte sie weiterentwickeln und spätestens 2019 auf den Markt bringen.

Die smarte Kontaktlinse von Google ist mit einem Chip ausgestattet, der beispielsweise die Zuckerwerte der Tränenflüssigkeit überwachen kann. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis wollte sie weiterentwickeln und spätestens 2019 auf den Markt bringen.

Foto: Google

Jetzt arbeitet der Internetkonzern gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis an der Umsetzung.

Kamera und Bewegungssensor

Samsung dagegen hat es mit seiner Linse auf mehr Nutzer abgesehen, auf die Masse sozusagen. Denn die verschiedenen Augmented-Reality-Features sollen Beachtliches vollbringen, das man im Alltag einsetzen und fast schon „eyePhone“ nennen könnte. Wie Sammobile berichtet, ist die Linse mit einer Kamera und Sensoren ausgerüstet, die übers Blinzeln mit den Augen gesteuert werden. Das Display projiziert Bilder direkt vors Auge. Der Linsen-Nutzer soll damit zum Beispiel seine direkte Umgebung aufnehmen können, Informationen ins Sichtfeld einblenden und sogar Videos anschauen können, die zu den Linsen gestreamt werden. Auch ein Bewegungssensor wird in dem Patentantrag erwähnt.

Externes Gerät zur Verbindung nötig

Für den Träger ist diese Art der Augmented-Reality natürlich diskreter als eine Datenbrille auf der Nase. Denn kaum jemand bekommt mit, wenn man sie gerade drin hat: Die meisten der integrierten Schaltkreise sollen unsichtbar eingearbeitet werden. Am äußeren Sichtfeld werden dann die Komponenten angeordnet, die nicht unsichtbar sind.

Smarte Kontaktlinse: Skizzen zum Patentantrag von Samsung. 

Smarte Kontaktlinse: Skizzen zum Patentantrag von Samsung. 

Foto: Samsung

Dort stören sie auch nicht beim Sehen. Sie könnten höchstens verräterisch sein. Um die Daten zu verarbeiten, braucht das Linsen-System ein externes Gerät. Etwa ein Smartphone, das als Rechner fungiert. Darüber kann man das Menü bedienen und einzelne Einstellungen abwickeln. Ähnlich wie bei einer Smartwatch.

Wann kommen die Linsen auf den Markt?

Samsung sagt jedoch nichts darüber, wann dieses „eyePhone“ umgesetzt wird. Und erst recht nicht, wann es alltagstauglich sein könnte – wenn überhaupt. Denn ohne brauchbare Qualität ist alles zum Scheitern verurteilt. Gründlich schiefgelaufen ist etwa das Vorpreschen von Google mit seiner Datenbrille. Andererseits: Alles Neue braucht so seine Zeit bis zur Marktreife. Aber was wird aus der Privatsphäre, wenn jeder mit seinen Linsen die Umgebung scannt? 

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