Wachsmotte verdaut PE 26.04.2017, 07:29 Uhr

Diese Raupe frisst Plastik einfach auf

Eine kleine Raupe Nimmersatt, die auch vor Plastik nicht halt macht, hat eine Forscherin in Spanien per Zufall entdeckt. Die Wachsmotte hat großen Appetit auf Polyethylen und kann den Kunststoff sogar verdauen. Jetzt wollen die Wissenschaftler eine biotechnologische Lösung entwickeln, um Plastikmüll abzubauen. 

Eine Raupe, die Plastik fressen und verdauen kann: In Spanien wurde der bisher schnellste "Plastikfresser" entdeckt. Es ist diese Raupe, die im Kampf gegen das Plastikmüll-Problem neue Hoffnung weckt. Die Entdeckung gelang einer Wissenschaftlerin durch Zufall bei der Säuberung eines Bienenstocks.

Eine Raupe, die Plastik fressen und verdauen kann: In Spanien wurde der bisher schnellste "Plastikfresser" entdeckt. Es ist diese Raupe, die im Kampf gegen das Plastikmüll-Problem neue Hoffnung weckt. Die Entdeckung gelang einer Wissenschaftlerin durch Zufall bei der Säuberung eines Bienenstocks.

Foto: Federica Bertocchini/Paolo Bombe/Chris Howe/dpa

Galleria mellonella heißt die Wachsmotte, deren Larven den häufig verwendeten Kunststoff Polyethylen (PE) fressen, aus dem zum Beispiel Plastiktüten hergestellt werden. Das Problem: Er lässt sich biologisch kaum abbauen. Es dauert Jahrhunderte, bis er sich in der Natur zersetzt. Schneller geht es, wenn die Larven der Wachsmotte anrücken. Sie können den Kunststoff verdauen.

Molekül oder Enzym verantwortlich

„Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden“, sagt Federica Bertocchini, die die Raupe zufällig entdeckt hat. Bertocchini ist Hobby-Imkerin und entdeckte die Larven bei der Säuberung eines Bienenstocks im nordspanischen Santander. Dort arbeitet die Italienerin an der Universität Cantabria am Institut für Biomedizin und Biotechnologie.

Federica Bertocchini mit den plastikfressenden Raupen im Labor. 

Federica Bertocchini mit den plastikfressenden Raupen im Labor.

Quelle: César Hernández/ CSIC

Auf die Raupe der Wachsmotte sind Imker gar nicht gut zu sprechen. Wachsmotten legen ihre Eier in Bienenstöcke. Die Würmer schlüpfen, wachsen auf Bienenwachs und ernähren sich auch davon.

Bertocchini packte die Larven in eine Plastiktüte, musste aber kurze Zeit später feststellen, dass diesen die Flucht gelungen war. Sie hatten lauter Löcher in den Beutel gefressen und durch ihren Heißhunger auf Plastik das wissenschaftliche Interesse Bertocchinis geweckt: Galleria mellonella wurde zum Forschungsobjekt.

Der Appetit der Motte auf Kunststoff kommt nicht von ungefähr: „Bienenwachs ist ein Polymer, eine Art natürliches Plastik und hat eine chemische Struktur, die nicht unähnlich zu Polyethylen ist“, sagt Bertocchini.

2,2 Löcher pro Stunde

Wie viel Plastik schafft so eine Motte? Nach den Untersuchungen der spanischen Forscher fressen 100 Larven in zwölf Stunden etwa 92 mg einer normalen Einkaufstüte. Anders ausgedrückt: Ein Wachswurm schafft 2,2 Löcher pro Stunde.

„Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde“, so Bertocchini. Verglichen mit dem, was der Mensch so an Plastikmüll produziert, ist es aber trotzdem zu langsam: Das aus Erdöl hergestellte PE wird hauptsächlich zur Herstellung von weltweit rund einer Billion Tüten pro Jahr benutzt – das entspricht etwa rund 60 Millionen Tonnen Plastik.

Ein Wachswurm schafft 2,2 Löcher pro Stunde.

Ein Wachswurm schafft 2,2 Löcher pro Stunde.

Quelle: César Hernández/CSIC

Die Forscher zeigten, dass die Larven der Wachsmotte nicht nur den Kunststoff aufnahmen, sondern auch das Polyethylen chemisch in Ethylenglykol umwandelten. Das gelingt ihnen mithilfe von Enzymen. Und wenn man diese in großen Mengen produzieren kann, dann könnte es dem Plastikmüll tatsächlich schnell an den Kunststoffkragen gehen. Die Ergebnisse der Studie haben die Forscher jetzt im Fachmagazin Current Biology veröffentlicht.

Auch andere Forscher arbeiten an natürlichen Methoden, um Kunststoffe abzubauen. Mit Ideonella sakaiensis haben japanische Wissenschaftler 2016 ein Bakterium entdeckt, das den Kunststoff Polyethylenterephthalat, besser bekannt als PET, verdauen kann. Wie das geht, lesen Sie hier.

 

Ein Beitrag von:

  • Martina Kefer

    Diplom-Medienpädagogin und Ausbildung zur Journalistin beim Bonner General-Anzeiger

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

WOLFFKRAN GmbH-Firmenlogo
WOLFFKRAN GmbH Entwicklungsingenieur Elektrotechnik / Elektronik (m/w/d) Ilsfeld bei Heilbronn
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Development Engineer Mechatronic Design E-Motor (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
J. König GmbH & Co.-Firmenlogo
J. König GmbH & Co. Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) Karlsruhe
Plansee SE-Firmenlogo
Plansee SE Entwicklungsexperte Glas (m/w/d) Reutte (Österreich)
SPRiNTUS GmbH-Firmenlogo
SPRiNTUS GmbH Leiter Entwicklung (m/w/d) Welzheim bei Stuttgart
Collins Aerospace HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace HS Elektronik Systeme GmbH Entwicklungsingenieur TU/FH (m/w/d) Elektrotechnik/Elektronik Nördlingen
RATIONAL AG-Firmenlogo
RATIONAL AG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Senior Entwickler für Gerätetür Landsberg am Lech
Honda R&D Europe (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Honda R&D Europe (Deutschland) GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Human Machine Interface (HMI) Offenbach am Main
ZEISS-Firmenlogo
ZEISS Senior Lead Automation Architect (m/w/x) Oberkochen
WITRON Gruppe-Firmenlogo
WITRON Gruppe Konstrukteur (m/w/d) im Bereich Maschinenbau Parkstein

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.