SiBike entwickelt 23.03.2016, 09:42 Uhr

Grüne Welle für Radfahrer dank Siemens-App

Fahrradfahren in der Stadt kann ganz schön nervig sein. Enge, zugeparkte Radwege und vor allem rote Ampeln machen den Radlern das Leben schwer. Der Technologiekonzern Siemens hat nun sein Herz für die Geplagten entdeckt und eine App für das Smartphone entwickelt – die für eine Grüne Welle sorgt. 

Zwangspause: Radfahrer stehen mal wieder vor einer roten Ampel. Die Lichtanlagen in Innenstädten sind meist so geschaltet, dass Autos gut vorankommen. Radfahrer haben das Nachsehen. Siemens hat eine App fürs Smartphone entwickelt, die auch Radfahrern eine grüne Welle beschert.

Zwangspause: Radfahrer stehen mal wieder vor einer roten Ampel. Die Lichtanlagen in Innenstädten sind meist so geschaltet, dass Autos gut vorankommen. Radfahrer haben das Nachsehen. Siemens hat eine App fürs Smartphone entwickelt, die auch Radfahrern eine grüne Welle beschert.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Eigentlich ist sie ein ganz alter Hut, die sogenannte Grüne Welle: Die erste wurde schon vor 90 Jahren in Berlin an der Leipziger Straße eingeführt. Sorgfältig geplant, sorgt sie für einen guten Verkehrsfluss, reduziert unnötige Brems- und Beschleunigungsmanöver und trägt nachweislich dazu bei, dass weniger Feinstaubpartikel erzeugt und weniger Stickoxide ausgestoßen werden. Dafür müssen die aufeinander folgenden Ampelanlagen in ihren Grünphasen so eingestellt werden, dass sie ein Verkehrsteilnehmer bei einer bestimmten konstanten Fahrtgeschwindigkeit allesamt bei Grün erreicht. 

Busse nutzen die Technik schon  

Was für die Autofahrer inzwischen bei bundesweit etwa 75 % der innerstädtischen Ampeln funktioniert, benachteiligt den in der Regel langsameren Radfahrer, der meistens Rot sieht. Der Münchner Technologiekonzern Siemens will sich nun dieser Randgruppe annehmen und hat eine Smartphone-App namens SiBike entwickelt, die das Konzept der Grünen Welle für die Radfahrer erweitert. „Diese Technik wird schon von Bussen genutzt“, erklärt Projektleiter Michael Düsterwald.

„Das geht alles automatisch und in Blitzgeschwindigkeit“

Das mit SiBike bestückte Smartphone nimmt etwa 60 m vor der Ampel automatisch Kontakt mit der städtischen Verkehrsleitzentrale auf. Der Radfahrer muss allerdings die GPS-Ortung über sein Smartphone zulassen, damit die Grüne Welle auf ihn zurollen kann.

So funktioniert SiBike von Siemens.

So funktioniert SiBike von Siemens.

Foto: Siemens

Denn nur dann erkennt die Verkehrsleitzentrale seinen Standort und verlängert die Grünphase der Ampel um die nötigen Sekunden, bis der Radfahrer daran vorbeigefahren ist. „Das geht alles automatisch und in Blitzgeschwindigkeit“, sagt Düsterwald.

Radler dürfen nicht trödeln 

Allerdings darf der Radfahrer nicht trödeln, er muss schon mit 18 bis 20 km/h durch die Straßen rauschen. Klar ist auch, dass die Grüne Welle für die Radfahrer eine längere Wartezeit für Autofahrer bedeutet. Das sind aber nur wenige Sekunden, denn die Grünphase für den Radler wird nur einmal verlängert. „Die Fahrradfahrer profitieren mehr, als die Autofahrer an negativen Einflüssen erfahren“, ist sich Projektleiter Düsterwald sicher. 

Pilotprojekt in Bamberg

Jetzt wird „SiBike“ erst einmal gründlich getestet: In der Studentenstadt Bamberg wurde nun für ein Pilotprojekt eine wichtige Ost-West-Verbindung mit sieben Ampeln ausgewählt. Die 73.000-Einwohner-Stadt mit ihren mittelalterlichen Gassen ist gut geeignet für das Pilotprojekt.

Freut sich schon: Projektleiter Michael Düsterwald fährt selbst gern Fahrrad. In München. Und findet es unfair, dass es bislang mit Grünen Wellen bei diesem Verkehrsmittel mau aussieht. Das soll sich mit SiBike ändern.

Freut sich schon: Projektleiter Michael Düsterwald fährt selbst gern Fahrrad. In München. Und findet es unfair, dass es bislang mit Grünen Wellen bei diesem Verkehrsmittel mau aussieht. Das soll sich mit SiBike ändern.

Foto: Siemens

„Wir haben knapp 13.000 Studierende, da ist es klar, dass die in ganz hohem Maß mit dem Rad unterwegs sind“, sagt die Sprecherin der Stadt Ulrike Siebenhaar: „Man ist in der Innenstadt deutlich schneller als mit dem Auto.“

„Die Hälfte aller innerstädtisch zurückgelegten Wege sind unter fünf Kilometern“

Dem Rad gehört innerstädtisch die Zukunft: Der Fahrradanteil am Gesamtverkehrsaufkommen beträgt in der oberfränkischen Stadt schon 30 %, Bayern- und bundesweit sind es gerade einmal 10 %. In der Innenstadt von Berlin hat das Fahrrad das Auto überrundet. „Viele Großstädter schaffen die Autos oder zumindest die Zweitwagen ab und erledigen die Kurzstrecken mit dem Rad“, erklärt Stephanie Krone, die es wissen muss. Krone ist Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Das ist bei passablem Wetter auch völlig unproblematisch, denn die Hälfte aller innerstädtisch zurückgelegten Wege sind unter fünf Kilometern.“ Besonders angetan hat es der ADFC-Sprecherin ein Projekt aus den Niederlanden: „In Rotterdam wird es bald sogar Fahrradampeln mit Regensensor geben – sie gewähren dem Radverkehr bei schlechtem Wetter Vorrang.“

Und in der dänischen Stadt Aarhus wurde auch schon die Grüne Welle für Radfahrer getestet. Dort sind es RFID-Chips im Vorderrad, die mit neben Ampeln aufgestellten Detektoren über elektromagnetische Wellen kommunizieren. Die Folge: Sobald sich die Räder der Kreuzung nähern, springt die Ampel auf Grün – natürlich nur dann, wenn gerade kein Auto in Sicht ist. 

Der Radschnellweg Ruhr soll im Endausbau 101 km lang sein und einmal quer durch das Ruhrgebiet führen – kreuzungsfrei auf eigener Trasse. Wie eine Autobahn.

Der Radschnellweg Ruhr soll im Endausbau 101 km lang sein und einmal quer durch das Ruhrgebiet führen – kreuzungsfrei auf eigener Trasse. Wie eine Autobahn.

Foto: RVR

Noch toller aber sind die Pläne zu Deutschlands längstem Radschnellweg. Grüne Wellen braucht es da nicht, weil es erst gar keine Ampeln gibt. 101 Kilometer lang wird der Radschnellweg Ruhr RS1 nach seiner Fertigstellung sein. Auf eigener Trasse, ohne Kreuzungen und eben auch ohne Ampeln. Derzeit sind schon elf Kilometer in Betrieb. 

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