Studie der Medizinischen Hochschule Hannover 04.04.2024, 08:15 Uhr

Was ist gesünder? Fahren mit dem E-Bike oder mit dem Fahrrad?

Über drei Jahre untersuchten Sportmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover 58 000 Fahrten mit E-Bikes und Fahrrädern ohne Elektroantrieb. Das Ergebnis: Kaum Unterschiede für das Herz-Kreislauf-System.

Familie auf dem Fahrrad

Hinsichtlich des Herz-Kreislaufsystems unterscheiden sich Fahrten mit dem E-Bike kaum von Fahrten mit reiner Muskelkraft. Aber E-Bikes senken bei vielen gehandicapten Personen die Hemmschwelle, sich aktiv zu bewegen.

Foto: PantherMedia / Arne Trautmann

Die einen sagen so, die anderen so: Unter Radfahrern wird heiß diskutiert, ob E-Bikes besser für die Gesundheit seien als herkömmliche Fahrräder, oder ob Räder mit reinem Muskelantrieb gesundheitsförderlicher sind. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover schafft nun Klarheit.

Echte Messdaten von Fahrradfahrern sorgt für wissenschaftliche Klarheit

Für ihre Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwischen 2017 und 2020 bundesweit die Daten von 1250 Pedelec-Fahrern und 629 Nutzern herkömmlicher Fahrräder ausgewertet. Dabei wurden die Fahrerinnen und Fahrer aber nicht nur befragt.

„In unserer Studie haben wir 58 833 Fahrten von E-Bikern und Radfahrern analysiert und jeweils die Herzfrequenzen und Geschwindigkeiten gemessen“, erläutert Uwe Tegtbur, Direktor der Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin. „Im Gegensatz zu anderen großen E-Bike Studien haben wir zum ersten Mal auch tatsächliche Messdaten prospektiv erhoben, nicht nur Fahrer befragt.“

E-Biker sind körperlich genau so gefordert wie Fahrradfahrer ohne E-Antrieb

Die Studie belegt, dass die Herzfrequenz der Pedelecfahrer während des Radelns, unter Berücksichtigung der Therapien mit ß-Blockern, nur fünf Schläge pro Minute unter der der Fahrradfahrer lag. „Entgegen vieler Vorurteile zeigen die Zahlen, dass Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem beim Pedelecfahren nahezu so gefordert werden wie beim herkömmlichen Radfahren“, erklärt Hedwig Theda Boeck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik und einer der Erstautorinnen der Studie. „Wir haben zudem herausgefunden, dass die Pedelecfahrer öfter das Auto durch ihr Pedelec ersetzen als es die anderen Radfahrer tun – ein klarer Mehrwert für ihre Gesundheit.“

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E-Bikes erleichtern die tägliche körperliche Aktivität

Die Motorunterstützung erleichtere den Einstieg in eine alltägliche körperliche Aktivität und sei auch für ältere, übergewichtige und weniger trainierte Menschen eine gute Möglichkeit, ihre Aktivitäten zu steigern. „Viele Pedelecnutzer waren vorher nicht unbedingt Radfahrer. Die Hemmschwelle ist deutlich niedriger, wenn auch in hügeligem Gelände oder bei starkem Gegenwind auf die Motorunterstützung zurückgegriffen werden kann“, ergänzt Boeck.

Über 35 % der teilnehmenden E-Bike Fahrer haben Vorerkrankungen wie zum Beispiel einen Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Gelenkverschleiß. Hier helfe das E-Bike, überhaupt wieder draußen in Bewegung zu bekommen.

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Jeder Schritt zu mehr Aktivität, jede Unterbrechung des Sitzens und jeder Aufstieg auf das Rad seien daher ein Beitrag für ein gesünderes und aktiveres Leben.

Lesetipp: Gesundheit: Entschleunigt arbeitet es sich besser

„Wir haben gezeigt, dass die E-Biker 135 min. pro Woche unterwegs waren, davon ein Großteil mit einer gesundheitlichen effektiven Belastung. Allein dadurch konnten sie zwei Drittel des WHO-Bewegungsziels von 150 min. moderater Aktivität pro Woche erreichen“, erklärt Tegtbur.

Aktivität auf dem Fahrrad senkt Herzinfarktrisiko

Neben der gemessenen Zweiradaktivität gaben die E-Biker an, insgesamt 54,8 MET (metabolische Äquivalent = Berechnung für Energieverbrauch, 1 Stunde moderates Radfahren entspricht 7,5 MET) Stunden pro Woche und die Radfahrenden 55,2 MET Stunden pro Woche aktiv zu sein.

Insgesamt reduzieren sie Ihr Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, um über 40 % Prozent. Auch das Risiko einer Krebs- oder Diabeteserkrankung sinkt mit zunehmender Aktivität. Die Gruppe der Pedelec Nutzer und Nutzerinnen war im Durchschnitt etwas älter als die Nutzer herkömmlicher Räder, hatte einen höheren Body-Mass-Index und litt auch häufiger an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Asthma, oder Herzerkrankungen.

Zum Studienprojekt

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert. Kooperationspartner sind außerdem die MHH-Institute für Biometrie und Verkehrsunfallforschung sowie die Institute für Versicherungsbetriebslehre und das Center for Health Economics Research (CHERH) der Leibniz Universität Hannover.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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