Blade-Technologie bis Ende 2020 in Testproduktion 01.09.2020, 11:35 Uhr

Elektroautos: Chinas neuer Super-Akku wird sicherer und günstiger

Meldungen über reichweitenstarke Akkus häufen sich – doch über Entwicklungen von Batteriezellen in Deutschland sucht man eher vergebens. BYD Han aus China entwickelt nun die günstige Blade-Batterie mit hoher Sicherheit.

Frontansicht eines Sportwagens

BYD Han entwickelt die günstige Blade-Batterie mit hoher Sicherheit. (Symbolbild)

Foto: panthermedia.net/chesky_w

Elektroautos befördern uns in der Stadt schnell von A nach B, für den Alltag sind sie also schon durchaus geeignet. An der Reichweite hapert es jedoch oftmals. Das Berkley Lab hat erst kürzlich einen Durchbruch erlangt. Neuartige Batterieelektrolyten sollen die Reichweite von Elektroautos deutlich erhöhen.

Der größte Elektroautobauer Chinas, Build your Dreams (BYD), setzt nach. Hierzulande ist BYD durch die Kooperation mit Daimler bekannt. Gemeinsam entwickeln sie das Modell Denza. Der Konzern plant, die Limousine „Han“ nach Europa zu bringen. Verkaufsstart soll in Norwegen sein, da dort die staatliche Förderung besonders gut ankommt. Doch auch in Deutschland boomen die Verkaufszahlen.

BMW-Chef Oliver Zipse sprach von einem „regelrechten Push“, den sein Konzern im Juli bei der Nachfrage nach Elektromodellen erlebt habe. Dank der Kaufprämie der Bundesregierung ist die Anzahl neu zugelassener Plug-in-Hybride im Juli laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) um 485 % gestiegen. Bei reinen Elektroautos kletterten die Zulassungen im Vergleich zu 2019 um 182 % auf circa 17.000.

Limousine Han: Reichweite liegt bei 600 Kilometern

Laut BYD liegt die Reichweite der E-Limousine bei 600 Kilometern. Dafür sorgt eine 82 kWh großen Batterie. Der Preis für die fünf Meter lange Limousine soll zwischen 45.000 und 55.000 Euro liegen. Neben einem Modell mit Frontalantrieb und 163 kW (222 PS) soll es Han auch als 363 kW (494 PS) Allradler geben. 100 km/h soll der Wagen in unter vier Sekunden erreichen.

Han soll teilweise autonom fahren, wie der Tesla mit seinem „Autopilot“. Im chinesichen Modell nennt sich das Assistenzsystem „DiPilot“. Es verfügt über eine Selbstlern-Fähigkeit (also künstliche Intelligenz). Außerdem ist das Auto über 5G-Mobilfunk-Technologie vernetzt.

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Blade-Technologie: Sichere Akkus mit simplen Materialien

Doch wirklich aufhorchen lässt die Batterietechnik. Der chinesische Autobauer spricht selbst von der Blade-Technologie. Sie soll weniger brandgefährlich sein als Lithium-Ionen-Batterien (Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt, Li-NMC). Das E-Auto Han fährt nämlich mit einem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku. Dieser Typ verringert das Brandrisiko.

Aus diesem Grund finden sich Lithium-Eisenphosphat-Akkus auch als Stationärspeicher für Photovoltaik-Anlagen in Häusern. Die Energiedichte ist zwar überschaubar, doch Exemplare mit 11 kWh Kapazität versorgen Häuser gut und sicher.

Blade-Batterie soll bis Ende 2020 produziert werden

Ab Mitte Oktober 2020 soll mit der Montage der Fertigungslinie begonnen werden. Die erste Testproduktion der „Blade-Batterie“ von BYD ist für Mitte Dezember geplant.

Im April 2021 werde die erste Phase des Projekts mit vier „Blade-Batterie“-Produktionslinien in Betrieb genommen, wie auf elektroauto-news.net zu lesen ist.  Zudem haben sich aufgrund seiner optimierten Packstruktur die Raumnutzung im Vergleich zu herkömmlichen Lithiumeisenphosphat-Blockbatterien um über 50 % erhöht.

BYD plant einen strategischen Standort für Akkus für Fahrzeuge mit E-Antrieb. Dabei sollen hauptsächlich Akkus für eigene Stromer entwickelt und hergestellt werden.

„Deutsche Hersteller erstmal raus aus dem Rennen“

Wie ordnet sich die Batterie von BYD nun ein? Dazu äußert sich Maximilian Fichtner, Professor für Festkörperchemie und stellvertretender Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm:

„Die neue Batterie von BYD ist offenbar nur etwas mehr als halb so groß wie die bisherige, schafft 600 km und passt in ein Auto, das in China umgerechnet nur 33.000 Dollar kostet und 0 bis 100 km/h in 3,9 Sekunden schafft. Wir müssen befürchten, dass die deutschen Hersteller hier erstmal raus sind aus dem Rennen.“

Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien seien zudem viel weniger empfindlich gegen Beschädigungen, so Fichtner. „Wenn Sie da einen Nagel reinhauen, geht die Temperatur an der Stelle gerade mal auf 50 Grad hoch. Eine Li-NMC Batterie geht in so einem Fall thermisch durch und brennt ab.“

Zudem kann eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie mehr als 10.000 Mal be- und entladen werden und weise immer noch 80 % ihrer Ausgangskapazität auf. Eine Studie des BMWi belegt, dass diese Art der Batterie gegenüber NMC eine bis zu fünf Mal höhere Zyklenfestigkeit aufweist.

Lithium-Eisen-Phosphat gibt es schon lange im Automobilbereich

Lithium-Eisen-Phosphat ist keine Neuerung im Automobilbereich, denn schon Ende der 2000er-Jahre setzte die Formel 1 auf diesen Batterietyp. Weltmeister Lewis Hamilton fuhr nämlich mit einer Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie zum Titel – und zwar als 2008 das KERS in der Motorsportart eingeführt wurde. Kinetic Energy Recovery System (KERS) ist ein meist elektrisches System zur Bremsenergierückgewinnung, das in der Formel 1 von 2009 bis 2013 zum Einsatz kam. Die Chinesen haben nicht aufgehört, sich mit Eisen-Phosphat zu befassen. Nun ist es sogar gelungen die Batterien klein und kompakt zu bekommen. Die sogenannte Blade-Batterie, deutsch Klingen-Batterie, eigne sich durch die geringe Größe auch für mobile Anwendungen. Zudem ist Eisen noch leichter abzubauen als Mangan, Nickel oder Kobalt.

Über Build your Dreams (BYD)
Der BYD-Konzern wurde 1995 gegründet und produzierte zunächst nur Akkus. 2003 stiegen die Chinesen ins Automobil-Geschäft ein und präsentierten wiederholt Elektroautos wie den e6 auf europäischen Messen.

Der Han soll ein ebenbürtiger Konkurrent zum Tesla Model 3 werden. Das Auto weist wahlweise Front- oder Allradantrieb auf und schafft den Sprint auf 100 km/h in der Topversion in weniger als vier Sekunden.

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs.

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