Elektromobilität 26.08.2019, 07:00 Uhr

E-Scooter an Cloud: Wartung erforderlich

Aus deutschen Städten sind E-Scooter nicht mehr wegzudenken. Anbieter haben vor allem Probleme mit dem hohen Wartungsaufwand. Eine Ausgründung des MIT stellt jetzt intelligente Systeme zur Fehlerdiagnose vor.

E-Scooter warten auf den Abtransport. So manche Reparatur wäre dank neuer Diagnosesysteme vor Ort möglich.
Foto: panthermedia.net/gorlovkv

E-Scooter warten auf den Abtransport. So manche Reparatur wäre dank neuer Diagnosesysteme vor Ort möglich.

Foto: panthermedia.net/gorlovkv

Startups, die Elektroroller zur Miete anbieten, scheinen das berühmte Motto von Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu befolgen: Schnell handeln und Dinge zerstören. Was zuerst Schaden nimmt, ist nicht die Konkurrenz – es sind ihre eigenen Scooter.

Deren Wartung und Reparatur führen schon jetzt zu enormen Verlusten, von mutwillig zerstörten Fahrzeugen ganz zu schweigen. Superpedestrian, eine Ausgründung des Massachusetts Institute of Technology (MIT), will zumindest manche dieser Probleme lösen – mit Technologien aus der Fahrradbranche.

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Das „Copenhagen Wheel“: mehr als ein Antriebssystem 

Für Elektrofahrräder haben die Ingenieure schon vor einigen Jahren ihr „Copenhagen Wheel“ entwickelt. Das Hightech-Modul wird am Hinterrad montiert. Es kann bei jedem Bremsen Energie speichern und diese dann wieder abgeben, um bei Steigungen zu unterstützen oder die eigene Geschwindigkeit im Straßenverkehr zu erhöhen. Sein Name soll an Trends zur Renaissance des Zweirads erinnern, die in Kopenhagen ihren Ursprung nahmen.

In der Nabe dieses neuen Tools stecken aber auch etliche Zusatzfunktionen. Dank einer Reihe von Sensoren und einer Bluetooth-Verbindung zum Smartphone des Benutzers, die am Lenker angebracht wird, kann das Rad die Geschwindigkeit, die Richtung und die zurückgelegte Strecke des Fahrrads überwachen. Daten zur Luftverschmutzung werden ebenfalls erfasst.

Intelligente Steuerung im Rad 

Diese etablierte Technologie übertrugen Ingenieure jetzt auf E-Scooter. Ihre umgestalteten Fahrzeuge sind etwas breiter und haben einen größeren Vorbau am Lenker als bekannte Roller. Das Unternehmen erklärt, dass die Reichweite ihrer Roller dank des „effizientesten Antriebsstrangs“ viel größer sei als bei vergleichbaren Zweirädern. Das ist aber nur ein Aspekt.

Superpedestrian entwickelte auch das „Vehicle Intelligence-System“, eine intelligente Steuerung für E-Scooter oder Elektrofahrräder. Eingebaute Mikroprozessoren überwachen viele mechanische, elektrische und thermische Aspekte des Fahrzeugs. Dazu gehören beispielsweise höhere Temperaturen in Batteriezellen oder geringfügige Änderungen des Motorstroms. Wenn solche Daten angezeigt werden, ergreift die Steuerung autonom und situationsabhängig Maßnahmen zum Schutz des Fahrers und des Fahrzeugs in Nanosekunden.

Gezielte Fehlerdiagnose hilft bei Reparaturen

Treten während der Fahrt technische Fehler auf, schaltet sich das System in Millisekunden selbst ab und sendet ein Fehlerprotokoll an den Betreiber oder – bei Privatbesitz – an den Fahrer. Das erleichtert Reparaturen enorm. Wenn beispielsweise ein Kondensator beschädigt wurde, erkennt das Vehicle Intelligence-System das Problem sofort und führt einen Systemcheck durch. Falls genügend Restkapazität vorhanden ist, um den sicheren Betrieb fortzusetzen, verringert sich einfach die Geschwindigkeit des Scooters. Gleichzeitig wird eine Serviceanforderung an die Cloud übertragen. Techniker erkennen, ob nur kleine Maßnahmen vor Ort erforderlich sind, die sich beim nächsten Laden ausführen lassen, oder ob der Roller in eine Werkstatt muss.

Besser reparieren als verschrotten 

Diese Einsatzmöglichkeiten kamen für Assaf Biderman, CEO und Gründer von Superpedestrian, überraschend. Im Jahr 2009 begann er mit dem Bau eines neuen Elektrofahrrads, und das „Copenhagen Wheel“ entstand. 2013 entschloss sich der Ingenieur, eine Diagnose- und Steuersoftware zu entwickeln, die Daten in Echtzeit an eine Cloud überträgt.

Als das Superpedestrian-Team damit begann, ihre Technologien zu vermarkten, schossen E-Scooter wie Pilze aus dem Boden. Die Roller entwickelten sich schnell zu einer beliebten – wenn auch umstrittenen – Art, sich fortzubewegen. „Ein häufiges Problem ist, dass verschiedene Komponenten wie Batterien, Motoren und Steuerungen von verschiedenen Herstellern produziert werden“, schreibt Biderman. „Der Mangel an Schutz- und Diagnosemöglichkeiten zusammen mit ihren elektronisch nicht verbundenen Komponenten macht Wartungs- und Reparaturarbeiten so zeitaufwendig, dass viele Anbieter beschädigte Fahrzeuge lieber verschrotten, anstatt sie zu reparieren.“ Schnell ist es mit dem vermeintlich ökologischen Benefit dahin. Genau diese Nachteile will der Firmengründer jetzt beheben.

Ein neuer Markt entsteht

Biderman ist der Ansicht, dass E-Scooter nur der Beginn einer technischen Revolution sind: „Wir werden Roller und E-Bikes und Mopeds sowie geschlossene Fahrzeuge und Mehrradfahrzeuge mit unserer Technologie ausstatten“, sagt der Firmengründer. „Es geht darum, die Anzahl der gefahrenen Kilometer zu minimieren und gleichzeitig den Zugang zur Mobilität für Menschen zu maximieren.“

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Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

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