2015 gab es 549.784 Blitze 27.07.2016, 12:13 Uhr

Wo sich die Menschen am meisten vor Blitzen fürchten müssen

Manche Blitze machen bundesweit Schlagzeilen wie die Einschläge Anfang Juni bei Rock am Ring, als 71 Menschen durch Blitze verletzt und das Rockfestival abgebrochen wurde. Doch wo muss man sich in Deutschland am meisten vor Blitzen fürchten? Das verrät die Gewitterkarte 2015, die Siemens gerade veröffentlicht hat.

Blitze über Windrädern bei Algermissen im Landkreis Hildesheim: Im vergangenen Jahr schlugen 549.784 Blitze auf der Erde in Deutschland ein. Das hat jetzt Siemens mitgeteilt.

Blitze über Windrädern bei Algermissen im Landkreis Hildesheim: Im vergangenen Jahr schlugen 549.784 Blitze auf der Erde in Deutschland ein. Das hat jetzt Siemens mitgeteilt.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Schweinfurt hat Cottbus, Deutschlands Blitzhauptstadt 2014, abgelöst. Pro Quadratkilometer schlugen im vergangenen Jahr in der bayrischen Stadt 4,5 Blitze ein. Das waren weitaus weniger als die, die im Rekordjahr in Cottbus niedergingen. Mit 8,4 Einschlägen pro Quadratkilometer waren es fast doppelt so viele.

„Die diesjährige Blitzhauptstadt Schweinfurt ist eine Überraschung. Denn die Stadt gehört eigentlich nicht zu den besonders blitzreichen Regionen“, so Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens. Hinter Schweinfurt folgen der Erzgebirgskreis mit 4,3 und der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit 4,1 Blitzen pro Quadratkilometer.

Die meisten Blitze gab es im vergangenen Jahr in Schweinfurt, im Erzgebirge und in Garmisch-Partenkirchen.

Die meisten Blitze gab es im vergangenen Jahr in Schweinfurt, im Erzgebirge und in Garmisch-Partenkirchen.

Foto: Siemens

Gerade Garmisch-Partenkirchen im Schatten der Zugspitze zählt zu den Regionen, die am meisten von Gewittern und Blitzeinschlägen betroffen sind. „Im Langzeitvergleich von 1999 bis 2015 liegen der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit durchschnittlich 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer und der Landkreis Berchtesgadener Land mit 4 an der Spitze“, erklärt Stephan Thern. „Tendenziell gibt es in den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg besonders viele Blitzeinschläge, während in Schleswig-Holstein eher wenige zu verzeichnen sind.“

Die wenigsten Blitzeinschläge in Kiel

Und genau so war es auch im vergangenen Jahr. Die geringste Zahl von Blitzen zählten die Statistiker 2015 in Kiel. Dort schlugen pro Quadratkilometer gerade mal 0,18 Blitze ein. Entspannt geht es auch im Landkreis Plön in Schleswig-Holstein zu, der mit 0,23 Blitzen pro Quadratkilometer direkt hinter Kiel folgt.

Die wenigsten Blitze gab es 2015 in Kiel, in Plön und im Kreis Hohenlohe.

Die wenigsten Blitze gab es 2015 in Kiel, in Plön und im Kreis Hohenlohe.

Foto: Siemens

2007 gab es doppelt so viele Blitze wie heute

Bundesweit zählte das System namens BLIDS, das Siemens seit 1992 betreibt, deutlich weniger Blitze als üblich. „2015 gab es in Deutschland auffallend wenige Gewitter“, so Blitzexperte Thern. „Mit rund 550.000 Blitzeinschlägen haben wir nur halb so viele Blitzeinschläge registriert wie etwa im unwetterstarken 2007, in dem es rund 1,1 Millionen waren.“

Die Zahl der Blitze ist in den vergangenen zehn Jahren stark rückläufig. Den Höhepunkt gab es 2007.

Die Zahl der Blitze ist in den vergangenen zehn Jahren stark rückläufig. Den Höhepunkt gab es 2007.

Foto: Siemens

Zum Vergleich: In den USA, die natürlich deutlich größer sind, blitzt es rund 25 Millionen Mal im Jahr, oft mit verheerenden Folgen in trockenen Gebieten. Die dortigen Forscher rechnen damit, dass die Zahl der Blitze durch den Klimawandel noch zunimmt, während seit Jahren in Deutschland ein Rückgang zu beobachten ist.

Zahl der Blitze ging 2015 um 8 % zurück

Ganz genau gab es im vergangenen Jahr 549.784 Blitzeinschläge in Deutschland. Das waren rund acht Prozent weniger als im Vorjahr. Und wie bekommt Siemens das mit?

Gewitter über den Türmen von Mariendom (l.) und Severikirche (r.) in Erfurt: Besonders viele Blitze schlugen im vergangenen Jahr im Erzgebirge in Thüringen ein.

Gewitter über den Türmen von Mariendom (l.) und Severikirche (r.) in Erfurt: Besonders viele Blitze schlugen im vergangenen Jahr im Erzgebirge in Thüringen ein.

Foto: Martin Schutt/dpa

BLIDS verfügt über fast 160 Antennen, die europaweit installiert sind, und betreut das Messnetz in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Sie messen das elektromagnetische Feld, das jeder Blitzschlag erzeugt. Es verbreitet sich wie die Wellen in einem glatten See, in die jemand einen Stein geworfen hat.

Blitze werden auf 200 m genau geortet

Aus den Daten mehrerer Stationen lässt sich jeder Blitzeinschlag exakt lokalisieren, dazu noch die Stromstärke, die erreicht wird. „Aus den Daten der Messstationen können wir bis auf 200 m genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat“, erklärt Stephan Thern.

Nahezu in Echtzeit erscheint jeder Einschlag auf einer Karte, die Siemens angemeldeten Kunden online zur Verfügung stellt. Unternehmen und Veranstalter von Open-Air-Events können sich so über die Wahrscheinlichkeit informieren, dass eine Gewitterfront auf ihr Unternehmen beziehungsweise den Veranstaltungsort zusteuert.

Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens, vor einem Messempfänger: Auf 200 m genau können Gewitterblitze in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn geortet werden.

Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens, vor einem Messempfänger: Auf 200 m genau können Gewitterblitze in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn geortet werden.

Foto: Siemens

In Fabriken ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung extrem wichtig, weil Maschinen ausfallen und Daten verlorengehen können. Bei Veranstaltungen stehen Gesundheit und Leben der Teilnehmer auf dem Spiel. Das wurde besonders deutlich bei Rock am Ring Anfang Juni in Mendig. Dort wurden 71 Menschen durch eine Gewitterfront verletzt. Blitze schlugen direkt auf dem Festivalgelände ein, zwei Menschen mussten reanimiert werden und überleben schwerverletzt. Das Festival wurde abgebrochen.

Kunden werden rechtzeitig vorgewarnt

Natürlich kann niemand ständig auf die Gewitterkarte schauen. Deshalb bietet Siemens den Blitzalarm an. Nähert sich ein Gewitter dem Standort eines Kunden, wird dieser per SMS, Mail, Fax oder Telefon vorgewarnt, sodass er nach dem Blick auf die aktuelle Karte Vorkehrungen treffen kann.

Nur die Hälfte der Blitze erreichen die Erde

Blitzdaten werden in Deutschland, der Schweiz, in Belgien, den Niederlanden und in Luxemburg erfasst, neuerdings auch in Großbritannien. Auch nachträglich kann die Blitzkarte helfen, etwa bei der Untersuchung eines Brandes, dessen Ursache umstritten ist.

Der Blitzatlas 2015: Die meisten Blitze schlugen im vergangenen Jahr im Süden Bayerns, Teilen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens sowie in Teilen Sachsens und Sachsen-Anhalts ein.

Der Blitzatlas 2015: Die meisten Blitze schlugen im vergangenen Jahr im Süden Bayerns, Teilen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens sowie in Teilen Sachsens und Sachsen-Anhalts ein.

Foto: Siemens

Bei der Planung von Blitzschutzanlagen helfen BLIDS-Statistiken, aus denen die durchschnittliche Zahl und Intensität von Blitzen in der jeweiligen Region hervorgehen. Natürlich lassen sich nur die Blitze registrieren, die in die Erde einschlagen, manchmal mit fatalen Umwegen über Menschen oder Gebäude. Mindestens ebenso viele Blitze zischen zwischen den Wolken hin und her.

Sie wollen genauer wissen, was in einem Gewitter passiert und welche Spannungen vorkommen? Dann lesen Sie hier weiter.

Das aktuelle Blitzradar für Deutschland finden Sie hier.

Die meisten Blitze pro Quadratmeter trafen im vergangenen Jahr in Sachsen auf die Erde, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Die wenigsten Blitze gab es im Saarland.

Die meisten Blitze pro Quadratmeter trafen im vergangenen Jahr in Sachsen auf die Erde, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Die wenigsten Blitze gab es im Saarland.

Foto: Siemens

Von Wolfgang Kempkens & Axel Mörer-Funk Tags:

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