Kultur 01.10.2022, 17:20 Uhr

Peter Beuth: Vater der Ingenieure

Christian Peter Wilhelm Beuth gilt als „Vater der Ingenieure“. Der Gründer der „Technischen Gewerbeschule“ starb vor rund 170 Jahren. Preußen verdankt ihm den Anschluss an die europäische Industrialisierung.

Industrialisierung

Peter Beuth war einer der Initiatoren der Industrialisierung Preußens und gilt zudem als Vater aller Ingenieure.

Foto: Panthermedia.net/lagereek

Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth (kurz Peter Beuth) war ein deutscher Ministerialbeamter und Gründer des Gewerbeinstituts Berlin. Dort sollten Fachkräfte für das produzierende Wirtschaftszweige ausgebildet werden. Heute würde man wahrscheinlich Ingenieure dazu sagen. Beuth schaffte unter anderem damit, dass Preußen den Übergang vom Manufakturwesen zur konkurenzfähigen industrieellen Fertigung schaffte.

Wilhelm von Humboldt und Peter Beuth im Gespräch vereint

Obwohl lange Zeit berühmt und verehrt für seinen geglückten Technik-Transfer von England nach Preußen, geriet Beuth fast in Vergessenheit. Wie zwei Geschäftspartner im Gespräch – so heute die zwei Bronzeskulpturen vor dem Eingang des Deutschen Instituts für Normung in der Berliner Burggrafenstraße: Wilhelm von Humboldt und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Betritt man das Foyer des Gebäudes, thront da noch ein zweiter Beuth bis unter die Decke, umgeben von einer kleinen Ausstellung. Es ist genau jene Skulptur, die neben der von Karl Friedrich Schinkel und Albrecht Daniel Thaer lange Zeit auf dem Platz vor der berühmten Bauakademie stand. Mit deren Verschwinden nach dem Abbruch der Ruine im Jahre 1960 verschwand auch die kriegsbeschädigte Skulptur Beuths.

Sie landete in dem Hof des Märkischen Museums, wo sie erst 1996 vom Deutschen Institut für Normung (DIN) wiederentdeckt und restauriert wurde. In diesem Jahr besinnen sich Freunde für Technikgeschichte des 145sten Todestag des Pioniers. Mit Christian Peter Wilhelm Beuth (geboren am 28. Dezember 1781, gestorben am 27. September 1853) verbindet heute lediglich der Eingeweihte noch jene Berühmtheit, die für die Industrialisierung Preußens so wichtig und entscheidend war.

Nicht von ungefähr war sein Name bis ins 20. Jahrhundert hinein ebenso populär wie der seines Freundes Schinkel oder wie der Humboldts. Als dann der Staat Preußen für immer verschwand, schienen gleich mit ihm auch die Namen so mancher seiner verdienstvollen Beamten aus dem öffentlichen Bewusstsein gestrichen worden zu sein. Dabei verdanken wir gerade Beuth, dass Preußen und letztlich Deutschland den Anschluss an die europäische Industrialisierung gefunden hat.

Preußen benötigte dringend englisches Know-how

Dazu war zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem die systematische Ausbildung von Technikern und Ingenieuren notwendig: „Wo die Wissenschaft nicht in die Gewerbe eingeführt wird, da gibt es kein sicher gegründetes Gewerbe, da gibt es kein Fortschreiten.“ Als Direktor der „Technischen Deputation“ gründete Beuth deshalb 1821 in der Klosterstraße die „Technische Gewerbeschule“, aus der dann 1866 die „Gewerbeakademie“ wurde, eine der Vorläuferin der späteren Technischen Universität.

Um jedoch an die technische Entwicklung vor allem in England anschließen zu können, bedurfte es mehr als nur der Gründung einer Schule. Das technisch noch rückständige Preußen benötigte zunächst dringend englisches Know-how, um damit eigene Entwicklungen vorantreiben zu können. In dieser schwierigen Umbruchszeit war es der Weitsicht und Cleverniss Beuths zu danken, dass in Berlin der Keim für die spätere Industrienation Deutschland gelegt wurde.

In der „Technischen Schule“ richtete Beuth eine einzigartige Maschinen- und Modellsammlung ein, die allen Schülern kostenlos zur „Nachahmung“ zur Verfügung stand. Wohl nur Beuth selbst kannte oftmals die verschlungenen Wege so mancher Maschinen und Apparate dorthin. Heute würden wir eine derartige Vorgehensweise als „Industriespionage“ verurteilen, damals war sie dringend nötig, um nicht hoffnungslos dem Fortschritt hinterherzulaufen.

Von einer Reise nach England berichtete Beuth in einem Brief an Schinkel: „Die Wunder neuerer Zeit, mein Freund, sind nur hier die Maschine und die Gebäude dafür, Faktoreien genannt…“
1826 reisten die beiden Freunde erstmals gemeinsam ins „Mutterland der Technik“. Während Schinkel Maschinenhallen und Eisenkonstruktionen zeichnete, knüpfte Beuth Verbindungen zu englischen Technikern und Unternehmern: Bis 1850 gehörte bei 25 % der Schüler der „Technischen Schule“ eine Auslandsreise zum Studium. Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden wurde auf 42 festgelegt. Der Unterricht war für alle Schüler kostenfrei. Sie erhielten sogar ein Stipendium.

Beuth wollte auch unbemittelten, aber talentierten Schülern eine Chance geben. Zu den erfolgreichsten gehörten die Eisenbahnfabrikanten Zoller und Pflug, die Maschinenbauer Hoppe und Schwartzkopff, der Erfinder des Puddelstahls, Lohage, sowie der spätere „Eisenbahnkönig“ August Borsig, der allerdings nach zwei Jahren die Schule 1825 abgebrochen hatte. Auf den Namen „Beuth“ getauft, war dessen berühmte erste Lokomotive die Sensation auf der Berliner Gewerbeausstellung 1844. Zuvor hatte er Borsig Einsicht in die Konstruktionsunterlagen der amerikanischen „Norris“-Dampflockomotiven verschafft.

Zeitweise Leiter der Akademie der Künste

Von den Absolventen bis 1850 wurden etwa 70 % technische oder gewerbliche Angestellte, und 30 % suchten die Selbständigkeit als Unternehmer, sofern sie es nicht bereits waren. Erwerb und Gründung von Maschinenbau- und Textilunternehmen waren oftmals ohne die Hilfe Beuths unmöglich. Bis 1850 absolvierten etwa eintausend Studenten das „Gewerbehaus“ in der Klosterstraße. Als Begründer der beruflichen Bildung und „Vater der Ingenieure“ hat Beuth damit den wichtigsten Beitrag zur Herausbildung einer technischen Elite geleistet.

Maschinen mit austauschbaren Teilen zu bauen, ist ebenso mit dem Namen Beuth verbunden, wie genormte Baumaterialien zu verwenden. Nicht von ungefähr war er deshalb auch zeitweise Leiter der Schinkelschen Bauakademie und ebenso der Akademie der Künste. Sonntags lud er Freunde, Künstler, Gelehrte und interessierte Studenten zum legendären „Beuth-Tisch“ in seine Wohnung zum Gedankenaustausch. Seine wertvolle Bibliothek und Sammlung von Kunstwerken wiesen ihn als Kunstfreund aus.

Neben der „Technischen Schule“ (ab 1827 „Königliches Gewerbeinstitut“), leitete Beuth den „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“, der ebenfalls seinen Sitz in der Klosterstraße hatte. Dessen Zweck bestand sowohl in der Selbsthilfe, als auch in der Vertretung der Gewerbe gegenüber den Behörden. Die vom Verein herausgegebene Zeitschrift gilt als erste technische Zeitschrift Deutschlands.

 

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