Biergenuss in der Jungsteinzeit 10.12.2024, 11:05 Uhr

Spuren von 10.000 Jahre altem Reisbier entdeckt

Schon in der Jungsteinzeit wurde Bier gebraut – zumindest in Ostasien und aus Reis. Archäologen haben in China Hinweise auf die Herstellung von Reisbier entdeckt.

So stellten die Menschen in der Jungsteinzeit Reisbier und andere Produkte aus Reis her: (A) Pflanzenbeschaffung: Sammeln von Wildpflanzen und Ernten von Reis; (B) Pflanzenverarbeitung: für Lebensmittel und Töpferwaren; (C) Lebensmittelverarbeitung: Kochen von Lebensmitteln und Herstellung von Qu-Starter mit Schimmelpilzen, Hefe und Reis; (D) Lebensmittelkonsum: Essen und Trinken. Foto: IGG

So stellten die Menschen in der Jungsteinzeit Reisbier und andere Produkte aus Reis her: (A) Pflanzenbeschaffung: Sammeln von Wildpflanzen und Ernten von Reis; (B) Pflanzenverarbeitung: für Lebensmittel und Töpferwaren; (C) Lebensmittelverarbeitung: Kochen von Lebensmitteln und Herstellung von Qu-Starter mit Schimmelpilzen, Hefe und Reis; (D) Lebensmittelkonsum: Essen und Trinken.

Foto: IGG

In der Shangshan-Stätte in der chinesischen Provinz Zhejiang wurden Hinweise auf die Herstellung von Reisbier entdeckt, die rund 10.000 Jahre alt sind. Diese Entdeckung gilt als eines der frühesten Zeugnisse für die Herstellung alkoholischer Getränke in Ostasien und wirft neues Licht auf die Lebensweise und Kultur der Jungsteinzeit. Forschende verschiedener Institutionen, darunter die Stanford University und die Chinesische Akademie der Wissenschaften, arbeiteten zusammen, um diese Ergebnisse zu veröffentlichen.

Die Bedeutung von Reis in der Shangshan-Kultur

Die Shangshan-Stätte in der ostchinesischen Provinz Zhejiang ist bekannt für ihre Bedeutung bei der Domestizierung von Reis. Die Analyse von Tonscherben aus dieser Region deutet darauf hin, dass die Pflanze eine zentrale Rolle im Leben der damaligen Bevölkerung spielte. Phytolithen, mikroskopische Überreste von Pflanzen, sowie Stärkekörner aus den Rückständen der Keramik belegen, dass Reis nicht nur als Nahrung, sondern auch für andere Zwecke genutzt wurde.

Zusätzlich fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass Reishülsen und -blätter bei der Herstellung von Töpferwaren verwendet wurden. Diese Praxis zeigt, wie vielseitig Reis in der Shangshan-Kultur eingesetzt wurde. „Diese Beweise untermauern die wichtige Rolle des Reis für die Shangshan-Bevölkerung“, erklärte Prof. Zhang Jianping vom Institut für Geologie und Geophysik in China.

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Der Herstellungsprozess des Reisbieres

Die Untersuchung von 12 Tonscherben aus der Shangshan-Stätte konzentrierte sich auf verschiedene Gefäßtypen, die für die Fermentation, Lagerung, Verarbeitung und Zubereitung genutzt wurden. Kugelförmige Gefäße zeigten besonders hohe Konzentrationen von Fermentationsspuren. Die Forscher fanden mikroskopische Hinweise auf enzymatischen Abbau und Gelatinierung von Stärke, die für Gärungsprozesse charakteristisch sind.

Von besonderer Bedeutung war der Nachweis von Pilzen der Gattung Monascus und Hefezellen. Diese Mikroorganismen sind wichtige Bestandteile traditioneller Brauprozesse, wie sie heute noch in der Herstellung von Reiswein verwendet werden. Die Konzentration dieser Rückstände war in bestimmten Gefäßtypen besonders hoch, was darauf schließen lässt, dass diese Gefäße speziell für die Herstellung von alkoholischen Getränken entwickelt wurden. „Diese Gefäße wurden offenbar bewusst gestaltet, um die Reisfermentation zu erleichtern“, erklärte Prof. Jiang Leping vom Zhejiang Provincial Institute of Cultural Relics and Archaeology.

(A) Lage der Fundstätten Shangshan, Qiaotou und Xiaohuangshan sowie Verbreitung der Shangshan-Kultur. (B) Ausgewählte analysierte Keramikfragmente. (C) Entsprechende vollständige Gefäße. Foto: IGG

(A) Lage der Fundstätten Shangshan, Qiaotou und Xiaohuangshan sowie Verbreitung der Shangshan-Kultur. (B) Ausgewählte analysierte Keramikfragmente. (C) Entsprechende vollständige Gefäße.

Foto: IGG

Klima half bei der Fermentation

Die Forschung zeigt, dass die Entwicklung der Reisfermentation eng mit den klimatischen und landwirtschaftlichen Bedingungen des frühen Holozäns verbunden war. Das warme und feuchte Klima der Region schuf ideale Voraussetzungen für das Wachstum der für die Fermentation notwendigen Pilze. Domestizierter Reis bot eine stabile Grundlage für die Herstellung von alkoholischen Getränken. Diese Verbindung zwischen Technologie und Umwelt spielte eine wichtige Rolle bei der kulturellen und sozialen Entwicklung der Shangshan-Kultur.

Die Herstellung von alkoholischen Getränken hatte vermutlich auch eine rituelle und gesellschaftliche Bedeutung. Die Forscher vermuten, dass Reisbier bei festlichen und religiösen Zeremonien konsumiert wurde, was den sozialen Zusammenhalt stärkte. Solche Feste könnten auch die Intensivierung des Reisanbaus gefördert haben, da sie den Austausch von Wissen und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinschaften förderten. Prof. Liu Li von der Stanford University erklärt: „Diese alkoholischen Getränke spielten wahrscheinlich eine entscheidende Rolle bei zeremoniellen Festen, was ihre rituelle Bedeutung als potenzielle treibende Kraft für die intensivere Nutzung und den weit verbreiteten Anbau von Reis im neolithischen China unterstreicht.“

Bestätigung durch moderne Experimente

Die Forschungsergebnisse wurden durch moderne Experimente gestützt. Die Forscher reproduzierten die Fermentationsprozesse mit Reis, Monascus und Hefe und stellten fest, dass die modernen Rückstände den prähistorischen Rückständen aus den Tonscherben ähneln. Diese Experimente untermauerten die Schlussfolgerung, dass die Rückstände in den Gefäßen tatsächlich auf die Herstellung von Reisbier zurückzuführen sind.

Die Funde aus der Shangshan-Stätte gehören zu den frühesten Beweisen für die Herstellung alkoholischer Getränke in Ostasien. Sie bieten neue Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlicher Innovation, technologischer Entwicklung und sozialer Organisation in der Jungsteinzeit. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Reis nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch als Grundlage für kulturelle und soziale Aktivitäten.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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