Was unsere Vorfahren bereits wussten 13.11.2024, 16:10 Uhr

48.000 Jahre alte Ockermine: Bereits in der Steinzeit gab es Bergbau

Neue Forschungen zeigen: Bereits vor 48.000 Jahren baute der Mensch gezielt Ocker ab. Ein Netz von Handelsbeziehungen verbreitete das Mineral über große Gebiete.

Lion Cavern

Blick auf die Lion Cavern, wo die bislang älteste Ockermine der Welt gefunden wurde.

Foto: Bader / Senckenberg

Archäologische Untersuchungen bestätigen, dass in Eswatini im südlichen Afrika bereits vor rund 48.000 Jahren gezielt Ocker abgebaut wurde. Damit gilt die „Lion Cavern“ als älteste bekannte Ockermine der Welt. Ocker, ein eisenhaltiges Pigment, wurde für rituelle Zeremonien und symbolische Kunst verwendet.

Ein internationales Forschungsteam, unter anderem von den Universitäten Tübingen und Köln, hat die Abbau- und Transportwege sowie die kulturelle Bedeutung des Minerals untersucht. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten auf ein generationenübergreifendes Wissen und ein Netzwerk von Handelsbeziehungen hin, das sich bereits in der Steinzeit entwickelte.

Die Bedeutung von Ocker in der Kulturgeschichte

Ocker, ein Erdmineral mit intensivem Rot-, Gelb- oder Violettton, gilt als eines der frühesten Pigmente, das von Menschen genutzt wurde. Seine Funde reichen von steinzeitlichen Höhlenmalereien bis hin zu rituellen Körperbemalungen indigener Völker. Heute wissen wir, dass die Menschheit dieses eisenhaltige Pigment bereits vor Jahrtausenden als Farbstoff verwendete und in symbolischer Kunst und kulturellen Zeremonien einsetzte.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
TUTOGEN Medical GmbH-Firmenlogo
Leitung Qualitätsmanagement international / Sachkundige Person (m/w/d) TUTOGEN Medical GmbH
Neunkirchen am Brand Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)-Firmenlogo
Professur für Business Analytics (m/w/d) Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Stuttgart Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)-Firmenlogo
Bauingenieur oder Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)
Dinslaken, Troisdorf, Hilden, Olpe, Bonn, Langenfeld Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien Schwerpunkt Kundenberatung und Planungskoordination GOLDBECK West GmbH
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Serielle Sanierung & GU-Projekte Allbau Managementgesellschaft mbH
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter Fertigungssteuerung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 

„Man kann sagen, dass Ocker das früheste bekannte Pigment ist, das von Menschen verwendet wurde, um unsere Welt abzubilden“, betont Dr. Gregor D. Bader vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen. „Unsere Spezies und andere Homininen verwenden das rote, gelbe oder auch violette Erdmineral seit mindestens 500.000 Jahren – wenn nicht sogar schon länger“, sagt Dr. Bader.

Lumineszenz-Datierung bringt Licht ins Dunkle

Wie bereits eingangs geschrieben, befindet sich in Estwani die „Lion Cavern“, die älteste bekannte Ockermine der Welt. Das Forschungsteam untersuchte diese prähistorische Mine und datierte sie auf rund 48.000 Jahre. Dabei bedienten sich die Forschenden der Optisch Stimulierten Lumineszenz-Datierung, um das Alter des Abbaus zu bestimmen. Die Methode erlaubt es, die Zeitspanne zu ermitteln, seitdem Mineralien wie Quarz oder Feldspat zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.

Dr. Svenja Riedesel vom Lumineszenzlabor der Universität zu Köln erklärt: „Mit Hilfe der Optisch Stimulierten Lumineszenz-Datierung konnten wir nachweisen, dass es sich um die ältesten bekannten Belege für intensiven Ockerabbau weltweit handelt.“

Zusätzlich nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geochemische Analysen, um den „Fingerabdruck“ des Ockers zu bestimmen und dessen Herkunft zurückzuverfolgen. In dieser Analyse kommen moderne Techniken wie die Neutronenbestrahlung zum Einsatz, bei der die Elemente im Ocker aktiviert werden. Die dabei entstehende Radioaktivität liefert Informationen über die Herkunft und den Abbauprozess.

Analyse von 173 Ockerproben aus 15 Fundstellen

Die Analyse von 173 Ockerproben aus 15 Fundstellen in der Region ermöglichte es den Forschenden, die Techniken und das Wissen der steinzeitlichen Jäger und Sammler nachzuvollziehen. Die Menschen der damaligen Zeit besaßen ein hohes Maß an technischem Wissen, um das wertvolle Pigment abzubauen und weiterzuverarbeiten. Lokale Abbaustrategien und die Beimischung von Bindemitteln wie Tierfett, Pflanzenharzen oder Blut machten den Ocker haltbarer und verarbeitungsfähiger.

Der Abbau von Ocker in der Steinzeit erforderte komplexe Werkzeuge und Techniken. Die Menschen gruben tief in die Erde, um an das begehrte Material zu gelangen. Der Bergbauprozess hinterließ Spuren, die bis heute erhalten sind. Diese Funde belegen, dass Menschen bereits vor Jahrtausenden das Erscheinungsbild ihrer Umwelt veränderten und eine komplexe Materialverarbeitung betrieben.

Netzwerk aus Handelsbeziehungen

Die Verbreitung von Ocker beschränkte sich nicht nur auf Eswatini. Der Rohstoff wurde über große Entfernungen hinweg transportiert, was auf ein weitreichendes Netzwerk von Handelsbeziehungen hindeutet. Die Steinzeit-Menschen reisten teils weite Strecken, um an hochwertiges Ockerpigment zu gelangen. Diese Mobilität ermöglichte einen kulturellen Austausch und die Weitergabe von Wissen über Generationen hinweg.

„Unsere Daten untermauern die Annahme, dass Jäger und Sammler in der Steinzeit in Eswatini sehr mobil waren und für den Transport von Ockerpigmenten teils auch weite Strecken zurücklegten“, erklärt Dr. Bader.

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass die Nutzung von Ocker eng mit sozialen Interaktionen, technologischem Lernen und kulturellen Traditionen verknüpft war. In Eswatini findet diese Praxis bis heute Anwendung: Heilerinnen und Heiler sammeln das Pigment für Heilzeremonien, und bei Hochzeitszeremonien wird Ocker als Symbol für den sozialen Status verwendet.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.