Crowdfunding-Erfolg 31.07.2017, 08:57 Uhr

Mit Amabrush wird Zähneputzen zum Zehn-Sekunden-Spaß

Es sieht ganz so aus, als könnte ein kleines österreichisch-amerikanisches Start-up eine Zahnputz-Revolution auslösen: Die Idee von Marvin Musialek, eine vollautomatische Zahnputzmaschine zu entwickeln, die in zehn Sekunden alle Zähne gleichzeitig putzt, ist auf Kickstarter durch die Decke gegangen. Für viele Zahnputzmuffel scheint ein Traum wahr zu werden.

Mit Amabrush wird Zähneputzen zum Zehn-Sekunden-Spaß

Mit der vollautomatischen Zahnputzmaschine Amabrush werden allen Zähne gleichzeitig geputzt. Zehn Sekunden reichen laut Hersteller für ein optimales Ergebnis aus. 

Foto: Amabrush

Mit Amabrush wird Zähneputzen zum Zehn-Sekunden-Spaß

Blick in den Spiegel mit Amabrush im Mund: Sieht zwar ziemlich gewöhnungsbedürftig aus, dafür dauert das Zähneputzen aber auch nur zehn Sekunden. 

Foto: Amabrush

Mit Amabrush wird Zähneputzen zum Zehn-Sekunden-Spaß

Das Amabrush-Mundstück. 

Foto: Amabrush

Mit Amabrush wird Zähneputzen zum Zehn-Sekunden-Spaß

In diesen Kapseln befindet sich die Zahncreme für die neue Zahnbürste.

Foto: Amabrush

Der Angriff auf unsere Zahnputzgewohnheiten kommt von unerwarteter Seite. Nicht die Zahnbürsten-Industrie hat sich Gedanken gemacht, wie wir dem ewigen Zahnputz-Trott entkommen könnten, sondern ein Jungunternehmer aus Österreich. Marvin Musialek hat Betriebswirtschaft in Wien studiert, am University College in London den Master gemacht und sich vor sechs Jahren vor dem Badezimmerspiegel die Frage gestellt, warum wir selbstfahrende Autos haben, aber immer noch von Hand unsere Zähne putzen müssen.

Die Borsten am Mundstück umschließen alle Zähne

Drei Jahre später, so erzählt Musialek dem Dental-Magazin Dental Buzz, habe er entschieden, selbst eine Art Zahn-Roboter zu entwickeln. Mit einem Team aus Zahnärzten, Biomedizin- und Elektroingenieuren und einem Psychologen begann die Entwicklung mehrerer Prototypen. Finanzielle Unterstützung kam von der österreichischen Regierung und der Europäischen Kommission. Der Name Amabrush, so Musialek, sei umgangssprachliches Englisch für „I’m a brush“, also die einfache Antwort auf die Frage nach der Funktion des neuartigen Gerätes.

Jetzt, drei Jahre später, steht Amabrush vor der Markteinführung, die zunächst nur online stattfinden soll. Der Gebrauch ist einfach. Das Mundstück besteht aus antibakteriellem Silikon und hat Ähnlichkeit mit einer Zahnspange. Wenn es in den Mund geschoben wird, umschließen die an beiden Seiten angebrachten kleinen Borsten, die in einem 45-Grad-Winkel zum Zahnfleischrand stehen, alle Zähne. Mit der Größe des Mundstückes habe man experimentiert und viele Kiefergrößen analysiert, sagt Musialek. Schlussendlich haben er und sein Team aber herausgefunden, dass sämtliche Größenunterschiede durch das flexible Material ausgeglichen werden.

Mit Amabrush wird jeder Zahn achtmal länger geputzt

Zum Putzen wird das Mundstück mit einem rundlichen Handstück, in dem die Technologie steckt, per Magnet verbunden. Vom Handstück gehen die Vibrationen aus, die die kleinen Bürsten in Schwingung versetzen. Ein Algorithmus berechnet unterschiedliche Arten von Vibrationen, damit die Borsten sich koordiniert miteinander bewegen und weder zu hart noch zu weich bürsten. Zwischen Mund- und Handstück befindet sich ein Reservoir für die Zahncreme. Die ist etwas flüssiger als herkömmliche Zahnpasta, damit sie durch winzige Kanäle im Mundstück mit einer Mikro-Pumpe an die richtigen Stellen befördert werden kann. Der Inhalt einer Kapsel soll für einen Monat reichen.

Der Einsatz der Zahnbürste dauert dann nur zehn Sekunden. Logisch, denn alle Zähne werden gleichzeitig geputzt. Aber, so rechnet das Amabrush-Team vor, der Einsatz ist nicht nur wesentlich kürzer, er ist auch gründlicher. Geht man davon aus, dass jemand alle 32 Zähne hat und diese 120 Sekunden lang putzt (manuell oder elektrisch), kommen auf jede der drei Zahnoberflächen 1,25 Sekunden. Beim zehnsekündigen Einsatz mit Amabrush hingegen kommt jede Zahnoberfläche achtmal länger dran.

Zahnbürste mit Bluetooth und App

Aufgeladen wird der elektrische Aufsatz über einen internen Akku und eine drahtlose Qi-Energieübertragung. Die Akkuladung soll für 28 Reinigungen ausreichen. Bei einem 14-tägigen Urlaub könnte man also das Ladegerät zu Hause lassen. Wollen mehrere Personen im Haushalt die Amabrush verwenden, benötigt jeder sein eigenes Mundstück, aber es ist nur ein elektrischer Aufsatz nötig (es sei denn, man will gleichzeitig putzen). Das Mundstück sollte, wie eine herkömmliche Zahnbürste auch, etwa alle drei bis sechs Monate ausgetauscht werden.

Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ist die Resonanz für Amabrush gewaltig. Das Finanzierungsziel lag bei 50.000 Euro und steht derzeit, wenige Tage vor Ende der Kampagne, bei mehr als 2,5 Millionen Euro. Deshalb haben die Amabrush-Hersteller noch einmal nachgelegt. Die Bürste wurde mit Bluetooth ausgestattet und es gibt jetzt eine App für iOS und Android. Damit kann man zum Beispiel verschiedene Arten von Vibrationen einstellen, die Bürste auf längere Putzzeiten programmieren oder Zahncreme nachbestellen.

Amabrush mit Standorten in Wien und San Francisco

Die ersten Auslieferungen sollen im Dezember 2017 erfolgen, im nächsten Jahr kann man die Amabrush voraussichtlich auch direkt im Geschäft kaufen. Musialek rechnet damit, dass die Bürste zu jeweils 50% im deutschsprachigen Europa und in den USA verkauft werden wird. Die Produktion hat er deshalb auch auf beide Gebiete verteilt und jeweils einen Standort in Wien und San Francisco eröffnet.

Wer schnell ist bei Kickstarter, kann sich die Bürste in der einfachen Version dort noch für 79 Euro reservieren. Der spätere Verkaufspreis wird voraussichtlich bei 199 Euro liegen. Das ist vielleicht immer noch günstig, wenn man die Zeitersparnis einrechnet, in der wir uns den relevanten Dingen des Lebens widmen können. Man könne bis zu 100 Tage Lebenszeit mit Amabrush sparen, sagen die Hersteller. Wenn das kein Argument ist!

 

Von Gudrun von Schoenebeck

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