Beständigkeit

So wichtig ist Dynamik im Lebenslauf

Wer ständig den Job wechselt, wird bei einer Bewerbung oft in der ersten Runde aussortiert. Doch eine lange Verweildauer in einem Unternehmen kann ebenso zum Nachteil werden. Bewerber gelten dann schnell als unflexibel. Für Ingenieure gelten darüber hinaus eigene Regeln.

Lebenslauf: Verweilzeiten inhaltlich plausibel machen.

Lebenslauf: Verweilzeiten inhaltlich plausibel machen.

Foto: panthermedia.net/photographee.eu

Warum kann eine lange Verweildauer problematisch sein?

Früher galt: Wer häufig den Job wechselt, hatte bei Bewerbungen weniger Chancen. Häufige Jobwechsel galten als negativ. Die Bewerber wurden als unstet und sprunghaft abgestempelt, Unternehmen befürchteten, dass die Kandidaten nach der Einarbeitungsphase gleich weiterziehen oder sich nicht durchsetzen könnten. Doch das Bild hat sich gewandelt. Zwar gilt grundsätzlich immer noch, dass zu häufige Jobwechsel einen negativen Touch haben – das hängt jedoch von der Verweildauer ab. Wer regelmäßig direkt nach der Probezeit die Stelle wechselt, muss sich nicht wundern, wenn er als Bewerber ständig aussortiert wird. Aber häufige Arbeitgeberwechsel sind heute keine Seltenheit mehr.

In manchen Branchen gehört es sogar dazu, öfter den Arbeitgeber zu wechseln. Dies wird dann von den Personalern als positiv empfunden. Auch schnelle Jobwechsel nach nur 1 Jahr werden nicht negativ gesehen, wenn sie nur ab und zu im Lebenslauf auftauchen – es kann schließlich immer mal vorkommen, dass es zwischen Arbeitgeber und Ingenieur einfach nicht passt. Hinzu kommt, dass viele Jobs heute projektorientiert angelegt sind und somit für viele Ingenieure und Informatiker kein Grund besteht, länger als 2 oder 3 Jahren im Unternehmen zu verweilen.

Diese veränderte Sichtweise führt jedoch auch dazu, dass eine lange Verweildauer im Unternehmen mitunter negativ angesehen werden kann. Das ganze Arbeitsleben im gleichen Unternehmen zu arbeiten – was für ältere Generation gang und gäbe war, wäre heute undenkbar. Das Ergebnis einer Umfrage, die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde, bestätigt das: Rund 60 % aller Europäer haben in ihrem Berufsleben bislang bis zu fünfmal den Job gewechselt. Umso verständlicher, dass Personaler im Bewerbungsgespräch eine lange Verweildauer beim vorherigen Arbeitgeber ansprechen. Verweilzeiten sind ohnehin ein beliebtes Thema bei Bewerbungen. Ob zu kurz oder zu lang – gern werden von den Unternehmen die wildesten Theorien dazu aufgestellt.

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Es ist aber normal, dass Personaler nachfragen. Sie wollen bei zu langen Verweilzeiten ergründen, ob es sich der Kandidat im alten Unternehmen „bequem“ gemacht hat. Sprich: Ob er über die Jahre einfach nicht in die Gänge gekommen ist, um einen Unternehmenswechsel früher einzuleiten. Das würde für eine mangelnde Flexibilität des Bewerbers sprechen. Die Unternehmen stellen sich zurecht die Frage, weshalb der Ingenieur oder Informatiker nach so vielen Jahren plötzlich den Job wechseln will. Unter Umständen befürchtet man, dass „der Neue“ mit dem neuen Aufgabenfeld und neuen Kollegen überfordert sein könnte. Dies trifft zwar in vielen Fällen nicht zu, aber die Messlatte für die Bewerber liegt entsprechend hoch. Um Spekulationen vorzubeugen, sollte man sehr lange Verweilzeiten im Lebenslauf gut begründen können.

Wie häufig sollten Ingenieure den Job wechseln?

Auch wenn eine kurze Verweildauer in Unternehmen heutzutage gang und gäbe ist, sollten Ingenieure und Informatiker einige Besonderheiten beachten. Natürlich dürfen auch sie den Job so oft wechseln, wie sie mögen – solange sie das im Lebenslauf gut begründen können. Allerdings hat sich gezeigt, dass die Bewertung der Verweildauer in jedem Beruf anders ausfällt. Während beispielsweise bei Unternehmensberatern häufige Wechsel und kurze Verweilzeiten als äußerst positiv wahrgenommen werden, ist es etwa im Handwerk umgekehrt: dort gilt die lange Verweildauer nach wie vor als Indiz für die Beständigkeit und Zuverlässigkeit eines Bewerbers. Bei Ingenieuren gilt so klar weder das eine noch das andere.

Ingenieursarbeit ist häufig projektbezogen. Deshalb lassen sich auch dabei häufige Wechsel gut erklären. Viele Jobwechsel werden vor allem zu Beginn der Karriere nicht negativ gewertet. Denn man geht davon aus, dass der Ingenieur oder Informatiker in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln wollte. Allerdings wird eine Verweildauer von unter 2 Jahren auch in frühen Karrierejahren nicht gern gesehen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass der Ingenieur zwar in der Probezeit überzeugte, danach aber nicht mehr. In einen solchen Kandidaten investiert kaum eine Firma. Eine derart kurze Verweildauer spricht für Übergangslösungen oder Fehlgriffe.

Für Ingenieure, die sich in einem neuen Unternehmen bewerben, macht es das nicht einfacher. Zu kurz darf die Verweildauer nicht sein, zu lang ebenfalls nicht. Als Faustregel gilt: Am Anfang der Karriere sind die kurzen Verweilzeiten in Ordnung, je länger jedoch der Berufsweg wird, desto stabiler sollte der Lebenslauf werden. Im Idealfall verlängern sich die Verweilzeiten zum Ende der Karriere hin. In der goldenen Mitte ist eine Verweildauer von 3 bis 5 Jahren ideal. In diesem Zeitraum kann sich ein Ingenieur als Leistungsträger im Unternehmen behauptet haben, es ist aber auch nachvollziehbar, wenn er nach 5 Jahren seiner Karriere neuen Schwung geben will.

Die Frage nach den Gründen für eine zu lange Verweildauer

Einen idealen Lebenslauf hat kaum jemand. Vor allem ältere Ingenieure können kaum Dynamik im Lebenslauf vorweisen. Sie stammen meist noch aus einer Generation, wo die lange Verweildauer von Anfang an üblich war. Das heißt, sie haben in den ersten Karrierejahren oft weniger Wechsel und auch später längere Verweilzeiten in den Unternehmen. Die Dynamik fehlt. Dies ist in Ordnung, solange das im Lebenslauf vernünftig begründet wird. Vor allem Ingenieure mit sehr seltenen Fachgebieten bleiben häufig lange im gleichen Unternehmen, da sie oftmals ohnehin keine große Auswahl haben. Bietet ihnen die Firma dann auch noch ein spannendes Umfeld und und immer wieder neue Herausforderungen, haben Fachspezialisten kaum Grund zum Wechseln.

Natürlich kann es auch persönliche Gründe für eine lange Verweildauer geben. Dies sollte nicht unbedingt im Lebenslauf stehen, muss aber auf Nachfrage verständlich begründbar sein. Ingenieure und Informatiker sollten bedenken: Die optimale Strategie von Bewerbungsgesprächen ist, aufzudecken, was gegen einen Bewerber spricht, noch bevor man ihn einstellt. Aus einer Runde gleichwertig qualifizierter Kandidaten geht der Bewerber als Gewinner hervor, über den sich am wenigsten Negatives sagen lässt. Engagement, Motivation, Loyalität und Flexibilität sind Eigenschaften, die für einen Arbeitgeber relevant sind. Und genau darüber geben die Bewerber mit ihrer Antwort auf die Frage zu einer langen Verweildauer Auskunft.

So bringen Ingenieure mehr Dynamik in den Lebenslauf

Wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, sollte sich auf jeden Fall auf Fragen nach Verweilzeiten einstellen und gut darauf vorbereitet sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass man nicht schon beim Schreiben des Lebenslaufs versucht, lange Verweilzeiten positiv darzustellen. Wer rechtzeitig herausstellt, dass die Aufgabengebiete im alten Job abwechslungsreich waren und das Unternehmen eine Menge geboten hat, verringert die Gefahr, als unflexibel und veränderungsscheu eingestuft zu werden. Für eine hohe Loyalität spricht eine lange Verweildauer ohnehin. Wichtig ist, im Lebenslauf darzustellen, inwieweit die Arbeit zur Karriereentwicklung beigetragen hat und welche Motivation es gab, weiter für das Unternehmen zu arbeiten.

Wer im Lebenslauf also nur schreibt „15 Jahre Projektarbeit für Unternehmen XY“darf sich auf jeden Fall auf kritische Nachfragen gefasst machen. Besser ist es, von vornherein mehr Dynamik in den Lebenslauf zu bringen. Dies geht relativ einfach, indem man die Stationen mit langer Verweildauer durch Unterpunkte gliedert. So wird vermieden, dass Personaler davon ausgehen, der Ingenieur oder Informatiker habe während der langen Zeit im Unternehmen keine beruflichen Fortschritte erzielt. Vor allem, wenn man während einer längeren Berufsphase mehrere Positionen in einer Firma innehatte, sollte man das unbedingt im Lebenslauf darstellen.

Deutlich mehr Dynamik bringt es, die einzelnen Positionen als Unterpunkte in den Lebenslauf einzufügen. Beispielsweise die ersten 2 Jahre als Projektassistent, dann die Beförderung zum Projektingenieur und danach die Projektleitung. Idealerweise gibt man stichpunktartig noch die Arbeitsschwerpunkte an. Diese sollten unbedingt den Aufstieg erkennen lassen, sie sollten also aufeinander aufbauen was Schwierigkeitsgrad und Anspruch angeht.

Auch die Veränderung fachlicher Zuständigkeiten muss im Lebenslauf Erwähnung finden. Denn in kaum einem Unternehmen gilt heute noch der Grundsatz der Beständigkeit. Es gibt regelmäßig Um- und Restrukturierungen. Der Arbeitsalltag unterliegt einem ständigen Wandel. Wer innerhalb der gleichen Position immer wieder neue Aufgaben übernommen hat, sollte diese auflisten. Das kann von der Übernahme von Personalverantwortung bis hin zur Budgetverantwortung (und dabei sogar noch über die Höhe des Budgets) gehen. Als Faustregel für mehr Dynamik im Lebenslauf gilt, dass alle 2 bis 3 Jahre eine neue Station oder ein beruflicher Aufstieg erkennbar sein sollte. Dann spielt es auch keine große Rolle mehr, ob die berufliche Laufbahn über mehrere Jahre in ein und demselben Unternehmen aufgebaut wurde. Manchmal kommt es jedoch vor, dass man eine größere Verantwortung übernimmt – etwa eine Projektleitung – ohne dazu offiziell berufen worden zu sein. Der Aufstieg erfolgte schleichend. Auch dann sollte man nicht zögern, die neu übernommenen Aufgaben im Lebenslauf zu erwähnen.

Ingenieure und Informatiker sollten außerdem bedenken, dass nicht nur der Lebenslauf einen guten Eindruck machen muss, auch das Anschreiben gehört zu einer Bewerbung dazu. Das kann man zu seinem Vorteil nutzen und bereits dort in einem kurzen Satz eine besonders lange Verweildauer sinnvoll und sachlich erklären. Rechtfertigen muss man sich allerdings nicht. Ehrlich währt immer am längsten. Man sollte zu seinem Lebenslauf stehen und eine lange Verweildauer möglichst positiv begründen (auch, wenn man tatsächlich einmal aus Bequemlichkeit zu lange in einem Unternehmen geblieben ist). Im Gespräch sollte man Fragen authentisch beantworten. Denn wenn sich die Angaben in Anschreiben, Lebenslauf und Bewerbungsgespräch decken und keine Fragen offen lassen, können Ingenieure und Informatiker auch kritische Personaler von sich überzeugen.

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