Schrumpfkurs in Zuffenhausen 10.09.2026, 08:04 Uhr

Porsche verkauft Rimac-Anteile für 1 Mrd. € – nächste Technikwette beendet

Porsche verkauft seine Anteile an Rimac und Bugatti Rimac für rund 1 Mrd. €. Damit endet eine Beteiligung, die einst Teil der Elektro-Offensive war.

Porsche Taycan Cross Turismo, Rimac Nevera und Bugatti Chiron

Drei Marken, eine frühere Partnerschaft: Porsche Taycan Cross Turismo, Rimac Nevera und Bugatti Chiron. Nach acht Jahren verkauft Porsche seine Anteile an Rimac und Bugatti Rimac.

Foto: Porsche AG

Porsche steigt nach acht Jahren vollständig bei Rimac aus. Einst investierten die Stuttgarter gezielt in das Batterie- und Elektroantriebs-Know-how des kroatischen Unternehmens. Jetzt bringt der Verkauf rund eine Milliarde Euro. Von der Elektromobilität verabschiedet sich Porsche damit allerdings nicht.

Nach der Genehmigung durch die Behörden hat Porsche am 9. September 2026 seine Beteiligungen an der Rimac Group und an Bugatti Rimac verkauft. Käufer ist ein internationales Investorenkonsortium unter Führung der New Yorker Investmentgesellschaft HOF Capital. Die Verträge waren bereits im April unterzeichnet worden.

Porsche gibt damit 20,6 % an der Rimac Group und 45 % an Bugatti Rimac ab. Die Rimac Group hält weiterhin 55 % an Bugatti Rimac und bleibt Mehrheitseigner des Gemeinschaftsunternehmens. Damit endet für Porsche eine Beteiligung, die 2018 mit gerade einmal 10 % begonnen hatte.

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Porsche bekommt rund eine Milliarde Euro

Für Porsche bringt der Ausstieg zunächst vor allem Geld. Rund 1 Mrd. € fließen dem Konzern aus der Transaktion zu. 250 Mio. € davon sollen für die weitere Finanzierung von Pensionsverpflichtungen verwendet werden.

Der Verkauf schlägt sich entsprechend deutlich im Cashflow nieder. Unter Berücksichtigung des Mittelzuflusses und der zusätzlichen Pensionsfinanzierung erwartet Porsche für 2026 nun eine Netto-Cashflow-Marge des Automobilgeschäfts von 5,5 bis 7,5 %. Zuvor hatte der Konzern mit 3 bis 5 % gerechnet.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich das operative Geschäft plötzlich entsprechend verbessert hätte. Die frühere Prognose enthielt nach Angaben von Porsche noch keine Effekte aus Desinvestitionen. Ein wesentlicher Teil des Sprungs entsteht also durch den einmaligen Mittelzufluss aus dem Rimac-Verkauf.

2018 ging es Porsche um Batterien und Elektroantriebe

Interessanter als der Verkaufspreis ist die Frage, warum Porsche überhaupt bei Rimac eingestiegen war.

2018 übernahm der Sportwagenhersteller zunächst 10 % an Rimac Automobili. Porsche begründete den Schritt damals ausdrücklich mit seiner Elektro-Offensive. Die Stuttgarter strebten eine Entwicklungspartnerschaft mit dem jungen kroatischen Unternehmen an. Rimac entwickelte bereits damals Komponenten für Elektrofahrzeuge und elektrische Supersportwagen.

2019 erhöhte Porsche seinen Anteil auf 15,5 %. Zu diesem Zeitpunkt wurde die technologische Stoßrichtung noch konkreter: Porsche wollte die Zusammenarbeit mit Rimac insbesondere bei der Batterietechnik ausbauen.

2021 folgte der nächste Schritt. Porsche investierte weitere 70 Mio. € und erhöhte seinen Anteil auf 24 %. Rimac entwickelte inzwischen Hochleistungs-Elektroantriebe und Batteriesysteme und lieferte Technik auch an andere Fahrzeughersteller. Porsche sprach von einer ausgeweiteten strategischen Partnerschaft.

Noch 2022 beteiligte sich Porsche mit einer zweistelligen Millionensumme an einer weiteren Finanzierungsrunde. Die Zusammenarbeit sollte sich nach damaliger Darstellung auf die „digitale und elektrifizierte Zukunft der Mobilität“ konzentrieren.

Die Entwicklung zeigt, wie stark sich die Prioritäten inzwischen verschoben haben: Was 2018 als strategisches Investment in einen Spezialisten für elektrische Hochleistungsantriebe begann, wird 2026 vollständig verkauft.

Bugatti Rimac war der Höhepunkt der Partnerschaft

2021 ging die Zusammenarbeit noch einen Schritt weiter. Porsche und die Rimac Group gründeten Bugatti Rimac. Die Rimac Group erhielt 55 %, Porsche 45 %.

Für Porsche war das damals nicht nur eine Finanzbeteiligung. Finanzvorstand Lutz Meschke bezeichnete das Gemeinschaftsunternehmen sogar als „vorläufigen Höhepunkt einer strategischen Investitionskette“. Rimac sollte sein Entwicklungs-Know-how einbringen und dabei helfen, Bugatti technisch in die Zukunft zu führen.

Diese Konstruktion bleibt nach Porsches Ausstieg bestehen. Die Rimac Group hält weiterhin die Mehrheit. Die bisherigen Porsche-Anteile gehen an das von HOF Capital geführte Konsortium, zu dem auch institutionelle Investoren aus den USA und Europa gehören.

Auch an der Spitze von Bugatti Rimac gibt es Veränderungen. Mate Rimac bleibt CEO von Bugatti Rimac und übernimmt zusätzlich das Amt des Präsidenten von Bugatti Automobiles. Christophe Piochon gibt seine bisherigen Führungsaufgaben ab. Marko Brkljačić, bislang bei Rimac Technology tätig, soll Chief Operating Officer von Bugatti Rimac werden.

Porsche streicht mehrere frühere Zukunftsprojekte zusammen

Der Rimac-Verkauf kommt nicht überraschend. Porsche überprüft derzeit Beteiligungen und Aktivitäten, die nicht mehr zur neuen Strategie passen. Besonders deutlich wird das bei der Batterietechnik. Porsche hatte mit Cellforce ursprünglich eine eigene Fertigung besonders leistungsfähiger Batteriezellen aufgebaut. Bereits 2025 wurde die geplante Zellproduktion gestoppt. Im Mai 2026 beschloss Porsche schließlich, Cellforce nicht weiterzuführen. Mehr dazu: Ende für Cellforce: Porsche zieht sich aus Batterieproduktion zurück.

Auch von seiner Management- und IT-Beratung MHP trennt sich Porsche. Im August vereinbarte der Sportwagenhersteller den Verkauf an Tata Consultancy Services. Die Hintergründe des Deals hat ingenieur.de hier ausführlich analysiert: Porsche verkauft MHP an Tata und das könnte erst der Anfang sein.

Dabei wäre es falsch, aus den Verkäufen einen vollständigen Rückzug Porsches aus Zukunftstechnologien abzuleiten. Gerade bei Batterien zeigt sich ein differenzierteres Bild. Porsche engagierte sich beispielsweise bei Varta, um sich leistungsfähige Rundzellen für eigene Fahrzeuge zu sichern. Porsche wird zum Varta-Retter. Porsche verlagert also eher die Grenzen dessen, was der Hersteller selbst entwickeln, produzieren oder über Unternehmensbeteiligungen kontrollieren will.

China bleibt ein großes Problem für Porsche

Der Umbau fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Porsche weltweit 122.306 Fahrzeuge aus. Das waren 16 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark fiel der Rückgang in China aus: Dort sanken die Auslieferungen um 32 % auf 14.501 Fahrzeuge.

Auch beim elektrischen Macan spricht Porsche selbst von einem verlangsamten Hochlauf der Elektromobilität. Die gesamte Modellreihe kam im ersten Halbjahr auf 35.315 Fahrzeuge und damit auf 22 % weniger als im Vorjahr. Davon waren 15.620 Exemplare elektrisch.

Gleichzeitig baut Porsche seine Kostenbasis um. Ein im Juli vereinbartes Zukunftspaket sieht unter anderem den Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 vor. Das soll vor allem über Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge geschehen.

Ist die Elektrostrategie von Porsche damit gescheitert?

Dafür liefert der Rimac-Verkauf keinen Beleg. Porsche baut weiterhin Elektrofahrzeuge und entwickelt neue elektrische Modelle. Gleichzeitig setzt das Unternehmen stärker als früher auf verschiedene Antriebsarten. Welche technischen Möglichkeiten Porsche dabei untersucht, zeigt beispielsweise dieses Konzept: Porsche will vier Antriebsarten in einem Modell vereinen.

Der Rimac-Verkauf sagt deshalb weniger über das Ende bestimmter Technologien aus als über die Frage, wie Porsche künftig an diese Technologien kommen will. 2018 wollte sich das Unternehmen über eine Beteiligung eng an einen jungen Spezialisten für Batterien und Hochleistungs-Elektroantriebe binden. Porsche stockte seine Beteiligung mehrfach auf, gründete gemeinsam mit Rimac Bugatti Rimac und investierte weitere Millionen.

Acht Jahre später beendet Porsche diese Beteiligungsstrategie vollständig.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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