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Porsche verkauft MHP an Tata und das könnte erst der Anfang sein

25. August 2026

Team von MHP auf seinem Stand wärend der Messe Logimat
Die Porsche-Tochter MHP ist inzwischen in vielen Bereichen beratend tätig. Dieses Team präsentierte beispielsweise auf der Messe Logimat Lösungen für die Logistik. Künftig soll MHP zur indischen Tata-Gruppe gehören. Foto: MHP Management- und IT-Beratung GmbH
Eigentlich ist es nur die Übernahme einer Beratungstochter eines Autoherstellers durch eine Tochter eines Industriekonzerns. Doch bei Tata und Porsche geht es um mehr.
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Porsche trennt sich von seiner Beratungstochter MHP. Künftig soll das auf Software, Digitalisierung und Fabrikplanung spezialisierte Unternehmen zum indischen Technologiekonzern Tata gehören. Dessen IT-Tochter Tata Consultancy Services (TCS) übernimmt MHP – vorbehaltlich der üblichen Genehmigungen.

Für Branchenkenner Stefan Bratzel kommt der Schritt nicht überraschend. Über einen Verkauf sei schon länger spekuliert worden, sagt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Porsche wolle sich stärker auf sein automobiles Kerngeschäft konzentrieren.

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Doch der MHP-Verkauf könnte Teil eines größeren Umbruchs sein. Porsche und der Volkswagen-Konzern stehen unter hohem Kostendruck. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz die Beratungs- und Engineering-Branche. Gerade standardisierbare IT- und Beratungsleistungen geraten unter Druck. Dass offenbar auch für die VW-nahe Engineering-Gesellschaft IAV ein Verkauf geprüft wird, passt in dieses Bild.

Inhaltsverzeichnis

Porsche und VW-Konzern wollen sich auf Kerngeschäft konzentrieren

Der Verkauf ist in einem größeren Kontext zu sehen. Die Beratungsbranche steht durch den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz aktuell stark unter Druck. Gleichzeitig ist die Automobilbranche in einem gravierenden Umbruch. Insbesondere der VW-Konzern und seine Tochter Porsche sind deshalb aktuell zu Sparmaßnahmen gezwungen.

Das gilt übrigens auch für die VW-Tochter IAV. Der Engineering-Spezialist für Fahrzeugtechnik soll nach Meldung der Automobilwoche an das Beratungsunternehmen Accenture verkauft werden. Mit MHP setzen Porsche und damit der VW-Konzern bereits ein deutliches Zeichen in diese Richtung.

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Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, formuliert es so: „Mit der Veräußerung von MHP an Tata Consultancy Services setzt Porsche einen weiteren wichtigen Schritt seiner Strategie um, sich konsequent auf sein Kerngeschäft zu fokussieren.“ Nach seiner Aussage gewinnt der Sportwagenhersteller mit TCS gleichzeitig einen strategischen Partner.

Leiters weiter: „Die Verbindung der Automobilexpertise von Porsche mit der Technologie- und KI-Expertise von TCS wird unsere Innovationskraft weiter stärken, Prozesse effizienter gestalten und unsere Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend daten- und softwaregetriebenen Mobilitätswelt nachhaltig ausbauen.“

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Tata sorgte einst mit Auto für unter 3000 € für Schlagzeilen: Wer ist TCS?

Das sind große Worte, bedenkt man, dass der Tata-Konzern in Europa 2009 mit seinem Billigauto Tata Nano Schlagzeilen machte und inzwischen eher mit dem Stahlgeschäft von Tata Steel für Nachrichten sorgt. Längst hat die indische Unternehmensgruppe aber auch zahlreiche Dienstleistungsbereiche aufgebaut. Dazu zählt die Tata Consultancy Services, kurz TCS. Die Beratung umfasst ein breites Angebot rund um IT-, IT-Infrastruktur-, Engineering- und Versicherungs-Services. Genau hier ist die Schnittmenge zu MHP. Hauptsitz von TCS ist Mumbai, Indien. Die Deutschlandzentrale ist in Frankfurt. Zudem gibt es ein „Delivery Center“ in Düsseldorf.

CAM-Direktor Bratzel zum MHP-Verkauf von Porsche an Tata Consultancy Services: „strategisch nachvollziehbar“

Für Stefan Bratzel ist die Übernahme keine Überraschung: „Über einen Verkauf war ja schon länger spekuliert worden, da Porsche sich auf das automobile Kerngeschäft konzentrieren möchte.“ Er ordnet ein: „Grundsätzlich erscheint die Transaktion strategisch nachvollziehbar: Durch KI geraten insbesondere standardisierbare Beratungs- und IT-Leistungen unter Druck, während Skalierung, Technologiekompetenz und Umsetzungsgeschwindigkeit wichtiger werden. Nach seiner Einschätzung bringt MHP tiefes Automotive-Know-how und vor allem Kundennähe ein. Von TCS kämen globale Engineering-, Software- und KI-Kompetenzen hinzu.

Für Bratzel gibt es dabei allerdings auch Risiken. Er sagt: „Das zentrale Risiko liegt weniger im Standort Indien als im Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Geschäftsmodelle und Kulturen.“ Der Ansatz einer hochpreisigen, kundennahen Premiumberatung treffe auf den eines stark skalierten globalen Delivery-Modells. „Wenn der Kostengedanke zu stark dominiert, könnten die Marke MHP, die Bindung hoch qualifizierter Mitarbeiter und die Akzeptanz bei europäischen Automobilkunden leiden“, mahnt der CAM-Direktor.

Anzeichen für generellen Umbruch bei Beratungsunternehmen in der Automobilbranche durch KI

Generell glaubt Bratzel, dass die Beratungs- und Engineering-Branche sich durch KI radikal verändern wird. Für MHP und TCS sieht er dabei durchaus Chancen: „Die Kombination besitzt das Potenzial, ein starkes europäisch-indisches Engineering-Ökosystem für softwaredefinierte Fahrzeuge und Fabriken aufzubauen.“ Der Branchenkenner schränkt allerdings ein: „Ein echter dritter Pol gegenüber den USA und China wird daraus aber erst dann, wenn Tata die vorhandenen Kompetenzen konsequent bündelt und neben Dienstleistungen auch eigene skalierbare Software-, KI- und Engineering-Plattformen etabliert.“

Erwartungsgemäß positiver klingt dazu die Aussage von Federico Magno, Group CEO, MHP. Er erklärt: „Die besondere Stärke von MHP liegt seit jeher dort, wo unternehmerisches Denken, tiefgreifende Branchenexpertise und Technologie zusammenkommen, um Transformation wirklich voranzutreiben. Mit TCS verbinden wir die umfassende Automotive- und Industriekompetenz von MHP mit globaler Skalierbarkeit sowie führender Expertise in KI, Engineering und Technologie.“ Dadurch entstehe eine noch stärkere Basis für das nächste Kapitel von MHP – mit einem erweiterten Leistungsportfolio sowie größerer Reichweite.

Damit ist nicht unbedingt zu erwarten, dass die Tata-Gruppe künftig zum Hersteller von Premiumsportwagen wird. Mit gebündelten Kompetenzen in der Digitalisierung setzt das Unternehmen aber auf einen Zukunftsmarkt. Es könnte damit Alternativen für die Fahrzeughersteller und Fabrikautomatisierer bieten, die sich weder komplett an digitale Ökysysteme aus den USA noch an China binden möchten.



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