Strukturwandel in der Automobilindustrie 09.09.2026, 15:00 Uhr

Automotive-Ingenieure wechseln in die Rüstungsindustrie: Hensoldt sagt, welches Know-how gefragt ist

Hensoldt schafft 300 Jobs bei Stuttgart: Gesucht sind Auto-Experten für Software, Systeme und Elektrotechnik – Chancen im Strukturwandel nutzen.

Hensoldt Flaggen

Hensoldt plant in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart ein neues Entwicklungszentrum mit rund 300 Arbeitsplätzen. Gesucht werden vor allem Fachkräfte aus Softwareentwicklung, Systementwicklung und Elektrotechnik – auch aus der Automobilbranche.

Foto: picture alliance / AP Photo/Matthias Schrader | Matthias Schrader

Die Rüstungsindustrie wird zunehmend zum neuen Arbeitgeber für Ingenieurinnen und Ingenieure aus der Automobilbranche. Ein aktuelles Beispiel liefert Hensoldt: Der Rüstungselektronik-Konzern baut bei Stuttgart ein neues Entwicklungszentrum auf und schafft dort rund 300 Arbeitsplätze.

Doch welche Automotive-Kompetenzen sind für einen Rüstungskonzern tatsächlich gefragt? Wie viel müssen Ingenieurinnen und Ingenieure für den Branchenwechsel neu lernen? Und wie schnell kann ein solcher Wechsel gelingen? ingenieur.de hat bei Hensoldt nachgefragt.

banner Jobbörse

Softwareentwicklung, Elektrotechnik, Systemintegration und industrielle Produktionsprozesse: Viele Kompetenzen, die in der Automobilindustrie über Jahre aufgebaut wurden, sind auch für die moderne Verteidigungsindustrie interessant. Der geplante Hensoldt-Standort in Leinfelden-Echterdingen zeigt, wie dieser Wissenstransfer konkret aussehen kann.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
KRONOS TITAN GmbH-Firmenlogo
RCM Ingenieur - Schwerpunkt Elektrotechnik - (m/w/d) KRONOS TITAN GmbH
Leverkusen Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Fertigungstechnik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Mechanical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Umwelt und Landschaftsplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT-Firmenlogo
Commissioning Coordinator Platform 2GW (all genders) TenneT
Batam (Indonesien) Zum Job 
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Techn. Systemplaner:in / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) - Planer:in im Planungsteam Fernwärme (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
Technische Hochschule Bingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) Moderne Antriebstechnik und Maschinenelemente Technische Hochschule Bingen
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* Energieversorgung DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurwesen (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Krefeld, Euskirchen, Köln, Essen Zum Job 
Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter*in operatives Flottenmanagement - ECM3 Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH
Karlsruhe Zum Job 
Rhein-Sieg Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Netzentwicklung (m/w/d) Rhein-Sieg Netz GmbH
Siegburg Zum Job 
HNVG  Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Teamleiter Planung Anlagen (m/w/d) HNVG Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauleitung (m/w/d) KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG
Hannover Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Applikationsbetreuer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 

Hensoldt kooperiert dafür mit Bosch und mietet Flächen in einem leerstehenden Gebäude des Bosch-Standorts an. Die neuen Flächen sollen bis Ende 2026 bezogen werden. Bis Ende 2027 will Hensoldt die rund 300 Stellen besetzen.

Diese Automotive-Kompetenzen sucht Hensoldt

Hensoldt sucht Profile entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders gefragt sind Systemingenieure, Softwareentwickler, Elektrotechniker und Spezialisten aus der Produktion.

Dabei geht es nicht nur um einzelne technische Fähigkeiten. Auch die Entwicklungs- und Produktionsprozesse der Automobilindustrie sind für den Rüstungskonzern interessant. Ein Hensoldt-Sprecher erklärt gegenüber ingenieur.de, Prozesse aus der Automobilindustrie seien hocheffizient organisiert. Entsprechende Kompetenzen könnten Hensoldt beim Ausbau seiner Entwicklungs- und Produktionskapazitäten direkt unterstützen.

„Gesucht werden Profile in allen Bereichen der Wertschöpfungskette – mit Schwerpunkten auf Systemingenieure, Softwareentwickler, Elektrotechniker sowie Spezialisten aus der Produktion. Prozesse aus der Automobilindustrie sind hocheffizient organisiert. Kompetenzen, die Hensoldt im Ausbau seiner Entwicklungs- und Produktionskapazitäten direkt unterstützen.“

Die Überschneidungen zwischen Automotive und Defence sind größer, als es zunächst scheint. Viele Beschäftigte verfügen über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Industrialisierung komplexer elektronischer Systeme.

„Viele der beteiligten Beschäftigten verfügen über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Industrialisierung komplexer elektronischer Systeme. Dazu zählen unter anderem Kompetenzen in der Hardware- und Softwareentwicklung, Systemintegration, im Qualitätsmanagement sowie in strukturierten industriellen Entwicklungsprozessen.“

Für erfahrene Automotive-Ingenieurinnen und -Ingenieure bedeutet das: Ein Branchenwechsel kann auf vorhandenen Kompetenzen aufbauen, statt bei null zu beginnen.

Wie viel Re-Skilling brauchen Automotive-Ingenieure?

Ein kompletter beruflicher Neustart ist in vielen Fällen nicht notwendig. Die vorhandenen Fähigkeiten bilden demnach eine solide Grundlage. Welche zusätzlichen Qualifizierungen erforderlich sind, hängt vom konkreten Einsatzfeld und den jeweiligen Anforderungen ab.

Auch beim Re-Skilling setzt Hensoldt auf eine gezielte Weiterqualifizierung. Neue Beschäftigte durchlaufen einen strukturierten Onboarding-Prozess, bei dem sowohl fachliche als auch organisatorische Themen vermittelt werden.

„HENSOLDTs Ziel ist es, die neuen Kolleginnen und Kollegen möglichst schnell und reibungslos in das Unternehmen zu integrieren. Dazu gehört ein strukturierter Onboarding-Prozess, bei dem sowohl fachliche als auch organisatorische Themen vermittelt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf die wirksame Nutzung vorhandener Expertise, um die Lieferfähigkeit von HENSOLDT zu steigern.“

Wie lange die Qualifizierung dauert, lässt sich laut Hensoldt nicht pauschal sagen. In der Regel handle es sich um gezielte Weiterqualifizierungen und nicht um eine vollständige berufliche Neuorientierung. Je nach Einsatzfeld gehe es dabei typischerweise um wenige Monate.

Für erfahrene Automotive-Ingenieure sieht Hensoldt deshalb grundsätzlich gute Voraussetzungen für einen Wechsel.

„Die Fähigkeiten von erfahrenen Automotive-Ingenieuren bilden eine starke Grundlage für Tätigkeiten in angrenzenden industriellen Bereichen wie der Defence-Industrie.“

Software-Defined Defence: Automotive-Know-how wird wichtiger

Besonders deutlich wird die Verbindung zwischen beiden Branchen bei der Softwareentwicklung. Die Automobilindustrie hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Kompetenzen bei Softwarearchitekturen, Vernetzung und komplexen elektronischen Systemen aufgebaut.

Diese Fähigkeiten werden auch in der Verteidigungsindustrie wichtiger. Hensoldt arbeitet deshalb an Software-Defined Defence. Im Mittelpunkt stehen Software-Architekturen für vernetzte und updatefähige Verteidigungssysteme.

„Software-Defined Defence erfordert leistungsstarke Software- und Datenarchitekturen, die flexibel in komplexe und souveräne Verteidigungssysteme integriert werden können. Im Fokus stehen daher Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme sowie die Weiterentwicklung von Entwicklungsprozessen, wie sie in der Automobilentwicklung seit Jahren etabliert sind.“

Damit werden gerade Kompetenzen interessant, die in der Fahrzeugindustrie in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben: Softwarearchitektur, Vernetzung, Systemintegration und die Entwicklung komplexer elektronischer Systeme.

Auch bei der Produktion kann Defence von Automotive lernen

Die Parallelen beschränken sich allerdings nicht auf Software und Elektronik. Auch bei der Produktion kann Hensoldt vom Know-how der Automobilindustrie profitieren.

Die Nachfrage nach leistungsfähigen Sensorlösungen wächst weltweit. Hensoldt baut deshalb seine Produktionskapazitäten aus und wandelt seine Produktion nach eigenen Angaben bereits seit einigen Jahren von der Einzelfertigung zur Serienfertigung um.

Gerade in diesem Bereich sieht das Unternehmen wertvolles Know-how aus der Automobilindustrie. Gleichzeitig gibt es Anforderungen, in die sich wechselnde Fachkräfte zunächst einarbeiten müssen.

„Die Nachfrage nach leistungsfähigen Sensorlösungen wächst weltweit deutlich. Um unsere Kunden zuverlässig beliefern zu können, bauen wir unsere Produktionskapazitäten konsequent aus. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Produkten wandelt HENSOLDT bereits seit einigen Jahren seine Produktion von der Einzelfertigung zur Serienfertigung um. In diesem Feld hat die Automobilindustrie wertvolles Know-How. In Themenfelder wie Zulassungs- und Dokumentationsprozesse in der Industrie oder der Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen müssen sich Fachkräfte möglicherweise weiterbilden.“

Der Wechsel von Automotive zu Defence ist damit kein kompletter Neustart. Ingenieurinnen und Ingenieure müssen sich aber auf die Besonderheiten der Rüstungsindustrie einstellen – etwa bei Zulassungs- und Dokumentationsprozessen oder beim Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen.

Bosch und Hensoldt verbinden ihre Kompetenzen

Der neue Entwicklungsstandort in Leinfelden-Echterdingen soll genau diese beiden Welten zusammenbringen. Bosch verfügt über langjährige Erfahrung im Software Engineering, Hensoldt über spezifisches Know-how in der Verteidigungsindustrie.

Im neuen Entwicklungszentrum sollen Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme entstehen. Nach Angaben von Hensoldt sollen dort zudem softwarebasierte Multi-Domain-Fähigkeiten für die Software-Suite MDOcore entwickelt, integriert und industrialisiert werden.

Das Unternehmen verweist auf die Kombination aus Bosch-Softwarekompetenz und Hensoldt-Defence-Know-how:

„Bosch hat in den vergangenen Jahren herausragende Kompetenzen im Bereich Software Engineering aufgebaut. Diese Expertise möchten wir im Rahmen unserer Kooperation gezielt nutzen, um unseren neuen Entwicklungsstandort in Leinfelden erfolgreich aufzubauen. Im Fokus des neuen Standortes stehen Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme sowie die Weiterentwicklung von Entwicklungsprozessen, wie sie in der Automobilentwicklung seit Jahren etabliert sind. In Leinfelden sollen softwarebasierte Multi-Domain-Fähigkeiten für Hensoldts Software-Suite MDOcore entwickelt, integriert und industrialisiert werden“, erklärt Hensoldt -CEO Oliver Dörre.

Bosch steht unter Druck – Hensoldt sucht Fachkräfte

Für Bosch kommt die Kooperation in eine Phase des tiefgreifenden Strukturwandels. Der Konzern hat frühzeitig damit begonnen, diesen aktiv zu gestalten. Ziel sei es, wertvolle Kompetenzen in der Region zu halten und die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg zu sichern, teilte eine Bosch-Sprecherin mit.

Bei notwendigen Stellenanpassungen setzt Bosch auf verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören Qualifizierungsprogramme, interne und externe Vermittlungsinitiativen sowie Freiwilligenprogramme und Altersteilzeitregelungen.

Die Herausforderungen für den Konzern bleiben jedoch groß. Die schwierige Wirtschaftslage hat Bosch im vergangenen Jahr stark getroffen. Besonders der schleppende Wandel zur Elektromobilität belastet das Kerngeschäft. Auch andere Geschäftsbereiche stehen unter Druck. Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen inzwischen nicht mehr wettbewerbsfähig.

Um Kosten zu senken und Strukturen anzupassen, plant der Konzern einen deutlichen Personalabbau. Allein in der Zuliefersparte könnten in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen wegfallen.

Lesen Sie auch: Ingenieure aus der Automobilindustrie: Bitte umsteigen

Hensoldt baut Personal wegen wachsender Rüstungsnachfrage aus

Die steigende Nachfrage aus der Verteidigungsindustrie führt bei Hensoldt zu einem Ausbau der Produktions- und Entwicklungskapazitäten. Der Sensor- und Radarspezialist benötigt zusätzliche Fachkräfte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Nach Unternehmensangaben hat Hensoldt im Jahr 2025 rund 1200 Mitarbeitende eingestellt. Für 2026 plant der Konzern weitere 1600 Neueinstellungen, vor allem an deutschen Standorten.

Besonders stark wächst Hensoldt an den Standorten Ulm, Oberkochen/Aalen und Immenstaad am Bodensee. Dort werden vor allem technische Kompetenzen für die Entwicklung und Produktion von Verteidigungs- und Sensorsystemen benötigt.

Das Beispiel Hensoldt zeigt damit einen grundlegenden Wandel auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieurinnen und Ingenieure: Was in der Automobilindustrie unter Druck gerät, kann in der Defence-Industrie zum gesuchten Know-how werden. Softwareentwicklung, Elektrotechnik, Systemintegration und industrielle Produktionsprozesse sind dabei besonders gefragt.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.