Maschinenbauer forschen immer häufiger im Ausland, besonders China profitiert
Deutsche Maschinenbauer verlagern Forschung zunehmend ins Ausland. Besonders China gewinnt – und setzt den Innovationsstandort Deutschland unter Druck.
Ein Ingenieur arbeitet an einer Maschine. Der deutsche Maschinenbau investiert weiterhin in Forschung, baut seine Entwicklungsaktivitäten zunehmend aber auch im Ausland aus.
Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Eine aktuelle Umfrage des VDMA zeigt: Forschung und Entwicklung (FuE) im Ausland gewinnen für den deutschen Maschinenbau zunehmend an Bedeutung. Viele Unternehmen wollen ihre Aktivitäten dort in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Damit stellt sich die Frage, ob Deutschland als Forschungsstandort langfristig an Bedeutung verlieren könnte.
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Große Maschinenbauer forschen längst international
Mehr als 40 % der befragten Unternehmen betreiben bereits Forschung außerhalb Deutschlands. Bei Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten sind es sogar neun von zehn. Internationale Forschung ist bei großen Maschinenbauern damit längst der Normalfall.
Und ihr Gewicht dürfte weiter zunehmen: 40 % der bereits international forschenden Unternehmen erwarten, dass ihr Auslandsanteil in den kommenden fünf Jahren um etwa zehn Prozentpunkte steigt. Weitere knapp 40 % rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs.
Zu den wichtigen Forschungsstandorten gehören China, Indien und die USA. Vor allem China dürfte nach Einschätzungen des VDMA weiter an Bedeutung gewinnen. Für Deutschland und andere europäische Standorte erwartet der Verband dagegen bestenfalls eine Stagnation.
„Das ist ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Nach Angaben des Verbands beschäftigt die Branche rund 190.000 Ingenieurinnen und Ingenieure.
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China wird zum wichtigsten Innovationskonkurrenten
Ein Hauptgrund für die schleichende Verlagerung von Forschung und Entwicklung: 71 % der Befragten sehen ihren innovationsstärksten Wettbewerb inzwischen in China, 65 % in Deutschland. Bis 2024 lag Deutschland bei dieser Einschätzung noch vorne.
„Wenn dieser Trend ungebremst anhält, gefährdet er schon bald den innovativen Kern unserer Industrie“, warnt Rauen.
Besonders deutlich wird dieser Rückstand bei Zukunftstechnologien: Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Innovationsprozess bewerten die Befragten sowohl China als auch die USA als deutlich leistungsfähiger und dynamischer als Deutschland. Rauen bringt die Sorge der Branche auf den Punkt: „Auch hier sehen wir, wie stark der Druck aus China mittlerweile ist.“
Doch Forschung und Innovation allein sichern die Wettbewerbsfähigkeit nicht. Ebenso entscheidend ist, ob genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Auf Ingenieur.de zeigen wir, wie Deutschland es schafft, beim Nachwuchs sein Fachkräftepotenzial nicht zu verschenken.
Sinkende Umsätze begrenzen den Spielraum
Ein weiterer Grund, warum Unternehmen weniger in Forschung in Deutschland investieren: Kontinuierliche Umsatzrückgänge und Standortkosten. Wenn weniger Geld hereinkommt, während der laufende Betrieb teuer bleibt, schrumpft der finanzielle Spielraum für neue Entwicklungen.
„Eine angespannte Ergebnissituation und strukturelle Standortnachteile begrenzen den finanziellen Spielraum auch für Zukunftsinvestitionen.“ So schätzt Rauen die aktuelle Situation ein.
Grundlagenforschung bleibt häufig am Heimatstandort
Bei aller Internationalisierung gibt es einen wichtigen Unterschied: An den ausländischen Standorten stehen vor allem markt- und produktionsnahe Entwicklungsaufgaben im Mittelpunkt. Grundlagenforschung findet dort dagegen nur selten statt.
Sensibles Wissen halten Unternehmen nach bewusst näher am Heimatstandort. Deutschland bleibt damit für einen wichtigen Teil der Forschung zentral.
VDMA fordert mehr Förderungen
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steht der Maschinenbau vor der Frage, wie viel er in seine Zukunft investieren kann. Trotz schwacher Konjunktur rechnen 39 % der befragten Unternehmen damit, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland 2026 zu erhöhen. Neue Produkte und Verfahren sollen also weiterhin auch am Heimatstandort entwickelt werden.
Ein Ansatzpunkt, um dies weiter zu fördern, ist laut VDMA die Forschungszulage. 48 % der befragten Unternehmen haben sie in den vergangenen drei Jahren genutzt. Damit ist sie laut Verband das meistgenutzte staatliche Förderinstrument für Forschung und Entwicklung im Maschinenbau. Von den Unternehmen mit steigenden Forschungsausgaben nennt jedes vierte Fördermöglichkeiten als einen Grund für die Ausweitung.
Der VDMA fordert einen kräftigen Ausbau solcher Instrumente, um nicht noch mehr FuE ins Ausland zu verlieren. Zugleich kritisiert Rauen die nach Verbandsangaben für den Bundeshaushalt 2027 geplante Kürzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung. Diese soll den Transfer zwischen Wissenschaft und Unternehmen unterstützen. Eine Kürzung würde aus seiner Sicht gerade jene Betriebe treffen, die weiterhin stark auf Forschung in Deutschland setzen.
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