Roboterintegration im Maschinenbau 10.06.2026, 14:00 Uhr

Roboter in der Druckerei: Wenn Fachkräfte fehlen, läuft die Maschine weiter

Gemeinsam mit dem Robotik-Start-up RobCo will der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer dem Fachkräftemangel bei seinen Kunden begegnen. Dafür passt der Konzern auch seine eigene Struktur an.

Ein modular zusammengesetzter Roboter mit zwei Armen

Roboter sollen künftig Abläufe rund um den Druck- und Verpackungsprozess durchgängig automatisieren. Der Maschinenbaukonzern Koenig & Bauer will dafür zusammen mit RobCo ein komplettes Ökosystem aufbauen.

Foto: Martin Ciupek

„Was nutzt mir eine teure Maschine, wenn ich sie wegen fehlender Fachkräfte nicht auslasten kann?“ Diese Frage stellen sich aktuell viele Industrieunternehmen. Auch Maschinenhersteller müssen darauf eine Antwort finden und setzen auf Automatisierung der Peripherie.

Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer will künftig stärker als Generalunternehmer für ganzheitliche Prozesse auftreten und dabei öfter Roboter und No-Code-Technologien einsetzen. Damit soll das Personal vor Ort zur selbstständigen Steuerung der Abläufe befähigt werden, ohne IT-Spezialwissen zu benötigen.

Roboterhersteller RobCo ist Partner beim Aufbau des neuen Automatisierungs-Ökosystems

Im Fokus steht vor allem der Postpress-Bereich. Übergänge von der Materialzuführung bis zur Palettierung, die bisher manuelle Eingriffe erfordern, sollen durch Automatisierung geschlossen werden. Dazu hat das Unternehmen nun eine Partnerschaft mit dem Münchener Roboterhersteller RobCo verkündet.

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Der Druckmaschinenhersteller bezeichnet die Partnerschaft als „Startschuss für ein neues Automatisierungs-Ökosystem“. Mit den modularen Robotersystemen von RobCo wolle man künftig die Zwischenschritte barrierefrei automatisieren. Bislang isolierte Arbeitsschritte sollen also durchgängig in digitale Arbeitsabläufe integriert werden.

Mit No-Code-Ansatz zur durchgängig integrierten Automatisierung

Eine wichtige Rolle dürfte dabei der Ansatz des jungen Roboterherstellers spielen. Der verzichtet auf klassische Programmierung und nutzt digitale Zwillinge für die Konfiguration der Lösungen. Denn laut Roman Hölzl, CEO von RobCo, sind bei Automatisierungsprojekten weniger die Roboter das Problem, sondern die Komplexität der Projekte. „Mit unserer No-Code-Plattform können Unternehmen Robotikanwendungen deutlich schneller und einfacher in ihre Produktionsprozesse integrieren und anpassen“, hebt er hervor.

Die Partnerschaft mit Koenig & Bauer soll laut Hölzl dazu beitragen, „die Robotik für deutlich mehr Unternehmen zugänglich zu machen“. Ziel seien produktivere, resilientere und zunehmend autonome Fertigungsprozesse. Die Partner sprechen vom gemeinsamen Ansatz der „Embedded Robotics“: Robotik und Automatisierungsfunktionen sollen direkt in Maschinen und Produktionsumgebungen integriert werden.

Stephen Kimmich, CEO von Koenig & Bauer, drückt das so aus: „Die Partnerschaft mit RobCo hat das Ziel, technologische Silos aufzubrechen und dem Markt zukünftig skalierbare Lösungen zur Verfügung zu stellen. Wer in der modernen Produktion wettbewerbsfähig bleiben will, braucht nahtlos ineinandergreifende Gesamtsysteme und Prozesse – vollständig orchestriert aus einer Hand.“

Die erste Kundeninstallation ist für das erste Quartal 2027 geplant. Perspektivisch wollen die beiden Partner eine dreistellige Anzahl an Lösungen im Markt platzieren.

Koenig & Bauer passt seine Strukturen für das neue Automatisierungskonzept an

Parallel zur Partnerschaft passt der Maschinenbaukonzern im Rahmen seines strategischen Leitfadens „Impact“ auch die Strukturen an. Damit will man den technologischen Ansatz über die verschiedenen Geschäftsbereiche hinweg umsetzen.

Christian Steinmaßl, Mitglied der Konzernleitung, dazu: „Wahre Disruption erfordert es, die Agilität eines Technologie-Start-ups mit der Skalierungskraft eines Weltkonzerns zu vereinen.“ Dafür habe Koenig & Bauer seine Einheit Factory & Machine Automation als konzernweites Automatisierungs-Hub etabliert.

Damit erhält die Einheit ein weitreichendes operatives Mandat und unternehmerische Handlungsfreiheit. Das Team orchestriert demnach künftig die offene Automatisierungsarchitektur des Maschinenbaukonzerns. „RobCo ist dabei der ideale Pionierpartner, um dieses neue Ökosystem von Beginn an in wirtschaftlichen Mehrwert für unsere Kunden in der Druckindustrie zu übersetzen“, unterstreicht Steinmaßl.

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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