Porsche will vier Antriebsarten in einem Modell vereinen
Reiner Elektroantrieb, reiner Verbrennerantrieb, Hybrid und E-Antrieb mit Range-Extender – wahlweise und das alles in einem Modell. Porsche hebt die Grenzen zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb auf.
Ein Porsche als reiner Verbrenner? Oder als Elektro-Sportwagen? Oder beides in einem Modell vereint als Hybrid oder als Range-Extender? Porsche hat sich genau das als Patent gesichert.
Foto: picture alliance / NurPhoto | Mateusz Wlodarczyk
Porsche hat ein neuartiges Antriebskonzept patentieren lassen, das die Grenzen zwischen Elektroauto, Hybrid und Verbrenner weitgehend aufhebt. Die bereits im Dezember 2024 beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldete Erfindung wurde nun mit der Offenlegungsschrift veröffentlicht und gibt Einblick in einen Antriebsstrang, der vier unterschiedliche Betriebsarten in einem System vereint.
Inhaltsverzeichnis
Vier Betriebsmodi in einem Antrieb
Das Konzept ermöglicht es, je nach Fahrsituation zwischen vier Antriebsmodi zu wechseln:
- Elektrobetrieb: Der Verbrennungsmotor ist mechanisch vom Antriebsstrang entkoppelt, das Fahrzeug wird ausschließlich von Batterie und Elektromotor angetrieben.
- Hybridbetrieb: Der Verbrennungsmotor treibt die Räder direkt an und wird von einer E-Maschine unterstützt.
- Range-Extender-Modus: Der Verbrennungsmotor erzeugt über einen Generator elektrische Energie für Batterie und Elektromotor. Eine mechanische Verbindung zu den Antriebsrädern besteht in diesem Betriebsmodus nicht.
- Verbrennerbetrieb: Der Antrieb erfolgt ausschließlich über den Verbrennungsmotor, die elektrische Antriebseinheit wird nicht für den Vortrieb genutzt.
Optimierung des Range-Extender-Betriebs
Technisch interessant ist der Range-Extender-Modus. Hier sieht das Patent vor, dass nur ein Teil der Zylinder des Verbrennungsmotors aktiv arbeitet. Die genutzten Zylinder verfügen über konstruktive Anpassungen wie reibungsoptimierte Beschichtungen oder spezielle Kolbengeometrien, um mechanische Verluste zu reduzieren und den Wirkungsgrad im Generatorbetrieb zu erhöhen.
Den Patentzeichnungen zufolge basiert das Konzept auf einem V8-Motor mit zwei Zylinderbänken zu jeweils vier Zylindern. Im Range-Extender-Betrieb könnte eine Zylinderbank deaktiviert werden, sodass der Motor mit nur vier Zylindern arbeitet. Im klassischen Verbrennerbetrieb stünde dagegen die volle Leistung des Achtzylinders zur Verfügung.
Patent lässt Umsetzung offen
Die Offenlegungsschrift beschreibt die grundsätzliche Erfindung, enthält jedoch keine Details zur konkreten technischen Umsetzung oder zu einem möglichen Serieneinsatz. Ob das Antriebssystem tatsächlich in einem Serienfahrzeug eingesetzt wird, ist daher offen. Dann würden wohl auch technische Details veröffentlich werden, z.B. ob der Porsche-Verbrennungsmotor tatsächlich alle gewohnten sportwagentypischen Attribute aufweist oder wie hoch die Batteriekapazität ist bzw welche Entfernung das Fahrzeug rein batterieelektrisch zurücklegen kann.
Alles in allem handelt es sich um ein hochkomplexes System, das sowohl E-Fahrzeug, als auch Verbrennungsfahrzeug sein soll. Interessant wäre zudem die Antwort auf die Frage, wie der Gesetzgeber und die Versicherungen ein solches Fahrzeug einstufen würden.
Lesen Sie auch: 150 Jahre Ferdinand Porsche: Wie ein Visionär Motoren und Herzen antreibt
Porsche hält sich alle Antriebsoptionen offen
Das Patent passt zur aktuellen Antriebsstrategie des Sportwagenherstellers. Aufgrund der zuletzt schwächeren Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hat Porsche seine Elektrifizierungsziele angepasst und setzt künftig auf einen technologieoffenen Ansatz. Vorstandschef Oliver Blume kündigte an, dass Kunden bis weit in die 2030er-Jahre hinein je nach Fahrzeugsegment zwischen Verbrenner-, Hybrid- und vollelektrischen Antrieben wählen können.
Das nun veröffentlichte Patent unterstreicht diese Strategie: Statt sich auf eine einzelne Antriebstechnologie festzulegen, arbeitet Porsche an einem flexiblen Gesamtsystem, das unterschiedliche Betriebsarten in einer Antriebseinheit vereint und je nach Einsatzszenario deren jeweilige Vorteile nutzen soll.
Lesen Sie auch: 91 % Gewinnverlust: Warum Porsche 3,9 Milliarden Euro abschreiben musste