Floating Piers 20.06.2016, 15:05 Uhr

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Es ist so sinnlich. Mit nackten Füßen auf Stoff über das Wasser des Iseo-Sees schreiten. Eine halbe Million  Menschen wollte Verpackungskünstler Christo mit seinen schwimmenden Piers in der Nähe des Gardasees in den Bann ziehen. Es werden wohl viel mehr werden. Auch Ingenieure haben mitgewirkt an der Installation. 

In Norditalien können Menschen derzeit übers Wasser gehen. Noch bis zum 3. Juli ist am See Iseo die Installation "Floating Piers" des Verpackungskkünstlers Christo zu sehen.

In Norditalien können Menschen derzeit übers Wasser gehen. Noch bis zum 3. Juli ist am See Iseo die Installation "Floating Piers" des Verpackungskkünstlers Christo zu sehen.

Foto: Filippo Venezia/dpa

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Foto: Wolfgang Volz/Christo

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Foto: Wolfgang Volz/Christo

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Foto: Wolfgang Volz/Christo

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Foto: Wolfgang Volz/Christo

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Foto: Wolfgang Volz/Christo

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

In Norditalien können Menschen derzeit übers Wasser gehen. Noch bis zum 3. Juli ist am See Iseo die Installation "Floating Piers" des Verpackungskkünstlers Christo zu sehen.

Foto: Filippo Venezia/dpa

Ein Mann namens Christo lässt Menschen übers Wasser gehen – das weckt unwillkürlich Assoziationen an Jesus. Doch anders als bei diesem reicht Gottvertrauen nicht aus, um ans andere Ufer auf die Insel Monte Isola zu gelangen: 220.000 Kunststoffwürfel sind es, die den Christo-Fans den unvergesslichen Gang ermöglichen. Aus den Würfeln wurden 16 m breite Stege gebaut. Taucher befestigten sie mit 190 Ankern auf dem Grund des Iseo-Sees in Oberitalien. Kunstvoll wird die Installation durch das Verhüllen der Stege mit gelb und orange schimmerndem Polyamidgewebe. Der Stoff, aus dem die Christo-Träume sind, kommt aus Deutschland.

220.000 Kunststoffwürfel und Stoff aus Deutschland

Bereits 2015 begannen Näherinnen des Unternehmens „Geo – Die Luftwerker“ in Lübeck damit, 18.000 m Stoff mit einer Breite von 5 m in die richtige, vom Künstler gewünschte Form zu bringen. Zuvor waren Luftwerker-Ingenieure aktiv: Sie hatten Christos Idee konstruktiv umgesetzt – in zentimentergenaue Berechnungen.

Auch auf dem Land wurden einige Gehwege von Christo verhüllt.

Auch auf dem Land wurden einige Gehwege von Christo verhüllt.

Quelle: Wolfgang Volz/Christo

In den vergangenen Monaten haben Christo und sein Team die 220.000 Kunststoffwürfel zusammengeschraubt und dann mit dem schimmernden Polyamid-Gewebe überzogen, das in Lübeck vernäht worden ist.

Viereinhalb Kilometer lang ist Christos Installation. Auch Teile des Ufers sind verhüllt. Die Stege führen vom Örtchen Sulzano auf dem Festland zunächst zur Monte Isola, und von dort zu dem kleineren Eiland San Paolo, das der Waffenherstellerdynastie Beretta gehört.

Schuhe ausziehen für den vollen Kunstgenuss

„Das Projekt zu sehen, reicht nicht“, hat der 81 Jahre alte Künstler betont. Man müsse es spüren – und zwar am besten mit nackten Füßen. Die Pontons übertragen die seichten Wellenbewegungen auf die Füße. Vertrauen in die Kunst muss also doch sein – festen Boden unter den Füßen gibt es nicht. Wohl aber jemanden, der das 3 km lange Kunstobjekt kontrolliert: Luftwerker-Chef Robert Meyknecht jedenfalls ist mit seinem Team vor Ort und prüft, ob alle Nähte sitzen oder irgendwo Löcher gestopft werden müssen.

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Foto: Wolfgang Volz/Christo

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Foto: Wolfgang Volz/Christo

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Foto: Wolfgang Volz/Christo

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Foto: Wolfgang Volz/Christo

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Foto: Wolfgang Volz/Christo

Wie Christo-Anhänger übers Wasser gehen

Christo beim Verhüllen der Kunststoffwürfel. Der 81-jährige Künstler wird bis zum 3. Juli auch selbst vor Ort am Iseo-See sein. Danach werden die Floating Piers wieder entfernt.

Foto: Wolfgang Volz/Christo

„Das Projekt zu sehen, reicht nicht“, hat der 81 Jahre alte Künstler betont. Man müsse es spüren – und zwar am besten mit nackten Füßen. Die Pontons übertragen die seichten Wellenbewegungen zunächst auf diese und werden von dort durch den ganzen Körper geleitet. Vertrauen in die Kunst muss also doch sein – festen Boden unter den Füßen gibt es nicht. Wohl aber jemanden, der das 3 km lange Kunstobjekt kontrolliert: Luftwerker-Chef Robert Meyknecht jedenfalls ist mit seinem Team vor Ort und prüft, ob alle Nähte sitzen oder irgendwo Löcher gestopft werden müssen.

Außerdem sind die 90.000 m2-Nylon-Stoff mit denen die 16 m breiten Stege eingepackt wurden, nicht selbstreinigend. Täglich müssen die Wege im See von Algen und Entendreck gereinigt werden, damit die Floating Piers auch weiterhin schön anzusehen sind.

Floating Piers endet am 3. Juli

Denn das wollen sehr viele Menschen: Allein am Eröffnungstag am vergangenen Samstag lustwandelten 55.000 Besucher über den See. Zeitweise musste wegen Überfüllung das Betreten der Installation verboten werden – aus Sicherheitsgründen dürfen nicht mehr als 11.000 Menschen gleichzeitig auf die Schwimmwürfel. Bis zum 3. Juli kann das Christo-Objekt noch bestaunt und begangen werden. Dann lässt der Künstler die Pontons wieder abbauen. Und recyceln. Für ein zweites Leben.

Auch Taucher waren für die Floating Piers im Einsatz.

Auch Taucher waren für die Floating Piers im Einsatz.

Quelle: Wolfgang Volz/Christo

15 Millionen Euro hat Christo in die Floating Piers investiert. Wie bereits bei dem verhüllten Reichstag in Berlin (1995) oder anderen Großprojekten, die er mit seiner 2009 gestorbenen Frau und Muse Jean-Claude gemeinsam umgesetzt hat. Die vergänglichen Installationen finanziert der gebürtige Bulgare aus dem Verkauf von Skizzen und Bildern. Die Besucher kostet das Begehen der Floating Piers nichts. Sie sind rund um Uhr gratis begehbar.

Von Martina Kefer

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