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Totgesagte ticken länger: Die Zeitansage gibt es immer noch

29. Oktober 2018

Mann am Zeitmessplatz der PTB in Braunschweig
Am Zeitmessplatz der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig wird am 22.12.1973 die Schaltsekunde geprobt. Das linke Ziffernblatt zeigt die Mittelreuropäische Zeit (MEZ), das rechte die Atomzeit, die noch um eine Stunde und 12 Sekunden gegenüber der in Deutschland gebräuchlichen Zeit differiert. Foto: Wolfgang Weihs/dpa
Anlässlich der Zeitumstellung am vergangenen Wochenende, die wahrscheinlich zum letzten Mal die Winterzeit in der EU einläutete, läuft die Hotline der telefonischen Zeitansage wieder auf Hochtouren.
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Die Zeitansage ist ein Dienst, der seit 2005 von der Deutschen Telekom angeboten und vergleichsweise oft genutzt wird. Trotz technologischer Alternativen wie Smartphone und Computer, die täglich zur Verfügung stehen und sich meist automatisch in die aktuelle Zeitzone einwählen. Rund 1.000 Anrufer verzeichnet die Zeitansage laut Angaben des Telekommunikationsunternehmens noch immer – pro Tag. Bei wichtigen Ereignissen, wie in den entscheidenden Minuten vor Neujahr oder rund um die Zeitumstellung sogar deutlich mehr. Im digitalen Zeitalter, in dem ein Großteil der Uhren automatisch per Funksignal reguliert wird, ist das kaum noch vorstellbar.

Die Zeitansage: Beim nächsten Ton ist es…

Die telefonische Zeitansage hat ihren Anfang noch in der Zeit der manuellen Vermittlung. Damals waren Vermittlungsstellen unter anderem mit der Aufgabe betraut, den Teilnehmern die genaue Uhrzeit mitzuteilen. Dieser Service wurde in den Folgejahren immer exzessiver in Anspruch genommen, was zu einer notwendigen Automatisierung des gesamten Ablaufs führte. Wurden anfangs noch Lichttonträger wie in der Kinotechnik verwendet, wurden diese alsbald durch Magnetbänder oder Magnetplatten mit mehreren Tonarmen abgelöst. Der technische Fortschritt führte dazu, dass das anfängliche „Fräulein vom Amt“ ab dem Jahr 1935 durch die „Eiserne Jungfrau“ abgelöst wurde, die fortan bis in die späten 1990er-Jahre die automatische Zeitansage per Telefon übernahm.

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Anfang der Jahrhundertwende veränderte sich das gesamte Aussehen der telefonischen Zeitansage ein weiteres Mal. Durch das Aufkommen technischer Alltagsbegleiter, die die aktuelle Uhrzeit anzeigen, hat sich die Bundesnetzagentur Ende 2004 dafür entschieden, die Rufnummerngasse der derzeitigen Hotline für die automatische Zeitansage zu schließen. Bald darauf nahm jedoch die Deutsche Telekom diesen Dienst mit einer eigens dafür eingerichteten Hotline wieder auf. Diese ist auch heute noch unter der Rufnummer 01804-100100 durchgehend erreichbar. Dabei wird das altbekannte System der weiblichen Computerstimme fortgeführt. Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 20 Cent, während die Preise des Mobilfunktarifs bis zu 42 Cent pro Anruf betragen.

Kurz nach der Einrichtung des Services der Deutschen Telekom zog die Stadt Hamburg, die neben Berlin und Nürnberg eine der Geburtsstädte der automatisierten Telefon-Zeitansage darstellt, mit einer kostenlosen Festnetzalternative nach. Die Ansagen jedoch folgen immer demselben Schema: Die aktuelle Uhrzeit wird nach Bekanntgabe und darauf folgendem akustischem Signal im 10-Sekunden-Takt wiederholt: „Beim nächsten Ton ist es 13:42“ – „ Piep.“

Moderne Methoden der Zeitmessung

Technische Geräte sind in der Lage, die Uhrzeit über verschiedene Dienste zu beziehen, zum Beispiel über die Physikalische-Technisch-Bundesanstalt in Deutschland. Das Institut hat sich auf die Messung und Erforschung der Zeit spezialisiert und gibt neben dem aktuellen Datum die Atomuhrzeit an. Immerhin: Bei der PTB laufen die genauesten Atomuhren Deutschlands. Sie erfassen die Uhrzeit, indem anstelle von Pendel und Unruh verschiedene elektromagnetische Zustände von Cäsium-Atomen unterschiedlicher Temperatur gemessen werden. Aus den Differenzen lässt sich ein Takt erkennen und damit ein Zeitverlauf mit kaum messbarer Abweichung – diese beträgt lediglich eine Sekunde in mehreren Millionen Jahren.

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Die Uhrzeit lässt sich natürlich nicht nur auf der Seite der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt ablesen. Weitere Alternativen sind www.uhrzeit.org oder die weltweit bekannteste Suchmaschine Google. Während sich das im Silicon Valley befindliche Weltunternehmen mehr auf die allgemeinen Zeitzonen bezieht und die Webseite der standortbezogenen Uhrzeit immer wieder aktualisiert werden muss, bieten eigens dafür bereitgestellte Internetseiten einen unkomplizierten Blick auf die aktuelle Zeitmessung in Relation zur Atomuhrzeit.

Vergangene Methoden zur Zeiterfassung

Ein Blick in die Vergangenheit verrät, dass es früher ebenfalls Methoden zur Zeiterfassung gab, die auch heute noch Bestand haben. Funkuhren sind ein Paradebeispiel dafür. Sie kehrten der telefonischen Zeitansage bereits anfangs der 1970er Jahre den Rücken zu. Eine weitere Alternative, die Uhrzeit zu bestimmen, war das Radio, das Signale über RDS (Radio Data System) und DAB+ (Digital Audio Broadcasting Plus) empfängt. Sogar der Fernseher war mit der Tagesschau und anderen zeitgenau ausgestrahlten Sendungen ein beliebtes Medium, die Zeit zu messen. Hierbei müssen allerdings minimale Abweichungen durch neuartige Sendemethoden wie DVB-T2 (Digital Video Broadcasting – Terrestrial, 2nd Generation) oder Internetanbieter in Kauf genommen werden: Aufgrund der Übertragungstechnik kann es hinsichtlich der Genauigkeit zu Verzögerungen von bis zu einigen Sekunden kommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist wohl die Fußballweltmeisterschaft: Oft jubeln die Nachbarn schon, bevor das Tor auf dem eigenen Bildschirm gefallen ist.

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Die Zeitansage und die Entwicklung im digitalen Zeitalter

Gleichbleibend des Trends, der sich über die letzten 10 Jahre in Deutschland abzeichnete, bleibt die Frage, ob die telefonische Zeitansage noch eine Daseinsberechtigung hat. Die Anruferzahlen der Hotlines haben im Vergleich zum Zeitraum 1960 bis 1980 rapide abgenommen. Damals verzeichnete die Deutsche Bundespost unter der Nummer 119 rund 600.000 Anrufe pro Tag. Die aktuelle Uhrzeit kann heute jedoch einfacher und kostengünstiger abgelesen werden.

Einzig die Ungewissheit im Zuge der Zeitumstellung oder besondere Anlässen scheinen noch heute die automatisierte Zeitansage mittels Telefon zu verlangen. Grundsätzlich überflutet die große Anzahl an Alternativen die freundliche Computerstimme des letzten Jahrhunderts jedoch. Bleibt abzuwarten, ob die telefonische Zeitansage mit der geplanten Abschaffung der Zeitumstellung in der EU weiterhin Nutzer erfreut oder ob sie endgültig zu einem Relikt der Vergangenheit wird.

 



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