Verträglichere Brustimplantate 30.01.2014, 07:00 Uhr

Spinnenseidenprotein reduziert Wachstum von körpereigenem Narbengewebe

Eine Beschichtung aus Spinnenseidenproteinen für Brustimplantate haben Forscher der Universität Bayreuth entwickelt. Der neue Überzug senkt das Risiko für Komplikationen nach einer Operation. Die extrem dünne Schicht schützt den Körper vor Abwehrreaktionen und Entzündungen. Vorklinische Tests bestätigten dies. 

Spinnennetz im Abendlicht

Bereits in der Antike waren die wundheilungsfördernden Eigenschaften der Spinnenseide bekannt.

Foto: panthermedia.net/Joker14

Das Team um Projektleiter Professor Dr. Thomas Scheibel konnte Brustimplantate mit einer dünnen Schicht aus biotechnologisch hergestellten Spinnenseidenproteinen überziehen. Die Beschichtung ist nur ein bis fünf Tausendstel Millimeter dünn. Dadurch behalten die Brustimplantate aus Silikon ihre Funktion und auch die chirurgische Handhabung wird in keinster Weise beeinträchtigt.

Professor Dr. Thomas Scheibel.

Professor Dr. Thomas Scheibel.

Quelle: Universität Bayreuth

Im Gegenteil: Mit Spinnenseide beschichtete Implantate werden vom Körper besser angenommen. Es kommt seltener zu Entzündungen und Komplikationen wie zur schmerzhaften Kapselfibrose, bei der um das Implantat herum ein körpereigenes Narbengewebe wächst, das sich stark verhärtet und dann zusammenzieht.

Weniger Abstoßreaktionen

Auch Abstoßreaktionen des Körpers zeigen sich mit der Beschichtung deutlich weniger. Denn die Seidenproteine senken die Neubildung von körpereigenem Binde- und Narbengewebe erheblich.

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„Spinnenseide mit ihren außergewöhnlichen mechanischen Eigenschaften fasziniert Forscher seit vielen Jahrzehnten“, erklärt Thomas Scheibel vom Lehrstuhl für Biomaterialien in Bayreuth. „Bereits in der Antike wurden positive wundheilungsfördernde Effekte beschrieben.“

Ist das Brustimplantat unbeschichtet, entwickelt sich um die Silikonoberfläche eine starke Kapsel aus Narbengewebe. Auf der dünnen Haut aus Spinnenseide bildet sich deutlich weniger Bindegewebe.

Ist das Brustimplantat unbeschichtet, entwickelt sich um die Silikonoberfläche eine starke Kapsel aus Narbengewebe. Auf der dünnen Haut aus Spinnenseide bildet sich deutlich weniger Bindegewebe.

Quelle: Universität Bayreuth

Das Biotech-Unternehmen AMSilk GmbH in Martinsried stellt Spinnenseidenproteine inzwischen in großem Stile für die Industrie her. AMSilk verwendet für die Herstellung die sogenannten eADF4(C16)-Moleküle. Das Unternehmen verwendet die entwickelte Technologie und nimmt die Beschichtung der Implantate vor.

Weitere medizintechnische Anwendungen im Visier

Die Methode zur Herstellung der Spinnenseidenproteine im Labor wurden von Professor Scheibel im Rahmen der Forschungsarbeiten „Von partikulären Nanosystemen zur Messtechnologie“ entwickelt.

Die vorklinischen Tests sind in der Zwischenzeit abgeschlossen. „Mit unserer neuen Studie ist es gelungen, das Potenzial biotechnologisch hergestellter Spinnenseidenproteine beispielhaft an einer Beschichtung für Silikonbrustimplantate zu zeigen,“ fasst Scheibel zusammen. „Die Ergebnisse ermutigen uns, weitere medizintechnische Anwendungen zu verfolgen.“

In der Chirurgie werden Brustimplantate seit langer Zeit schon eingesetzt, sei es aus ästhetischen Gründen oder aber als plastische Wiederherstellung nach einer Krebserkrankung. Nicht selten kommt es nach dem Einsatz jedoch zu Komplikationen. Ein Austausch des Implantats ist dann oftmals unerlässlich.

 

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