Legionellenausbruch in Warstein 05.09.2013, 12:30 Uhr

Rückkühlwerk als Quelle der Legionärskrankheit identifiziert

Die Erreger, die bei Patienten in Warstein die Legionärskrankheit ausgelöst haben, stammen aus dem Rückkühlwerk der Firma Esser. Das hat eine Laboranalyse nachgewiesen. Schon länger werden Verdunstungsrückkühlwerke mit der Verbreitung von Legionellen in Verbindung gebracht.

Legionellen:  Bei Temperaturen um die 36 Grad Celsius vermehren sich die Stäbchenbakterien rasant. Sie können schwere Lungenentzündungen oder grippeähnliche Symptome auslösen.

Legionellen:  Bei Temperaturen um die 36 Grad Celsius vermehren sich die Stäbchenbakterien rasant. Sie können schwere Lungenentzündungen oder grippeähnliche Symptome auslösen.

Foto: Wikimedia

Bei der Suche nach der Quelle für einen der größten Legionellen-Ausbrüche in Deutschland im sauerländischen Warstein sind die Experten offenbar fündig geworden. Wie der Kreis Soest mitteilte, hat das nationale Referenzlabor Legionellen der Technischen Universität Dresden eindeutig nachgewiesen, dass die Krankheitserreger von Erkrankten mit den Legionellen aus dem Rückkühlwerk der Firma Esser, einem Hersteller von Pumpen, identisch sind. Die Firma hat nach eigenen Angaben das betreffende Rückkühlsystem außer Betrieb genommen und lässt es nun von einer externen Spezialfirma reinigen.

Eventuell Kausalkette zur Kläranlage Warstein

Legionellen sind Stäbchenbakterien, die natürlicherweise im Trinkwasser vorkommen und sich bei Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad Celsius optimal vermehren. Bei über 60 Grad können die Erreger nicht überleben. Spätestens, wenn die Zahl der Bakterien von ungefährlichen 100 Legionellen pro Mililiter Wasser auf 100 000 Legionellen ansteigt, geht ein akutes Gesundheitsrisiko von ihnen aus. Die Bakterien lösen entweder eine schwere Lungenentzündung oder das sogenannte Pontiac-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen aus. In Warstein sind bisher 154 Menschen an der sogenannten Legionärskrankheit erkrankt, zwei Männer sind gestorben.

Aus knapp 70 größer dimensionierten Klimaanlagen, die einen nennenswerten Abluftstrom produzieren, waren in Warstein Proben entnommen worden. Das Verdunstungsrückkühlwerk der Firma Esser rückte dabei recht schnell in den Fokus der Ermittlungen. Die Laboranalyse in Dresden sei aber schwieriger gewesen als erwartet, teilte Landrätin Eva Irrgang mit. Es sei ein ganzer Cocktail aus 19 verschiedenen Stämmen von Legionellen in der Wasserprobe nachgewiesen worden. Nun aber liege der Beweis vor, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Rückkühlwerk und dem Ausbruch der Krankheit gebe.

Die Kühlanlage einer Firma in Warstein gilt als mögliche Quelle der Legionellen-Krankheit.

Die Kühlanlage einer Firma in Warstein gilt als mögliche Quelle der Legionellen-Krankheit.

Foto: dpa/Reinhold Großelohman

Jetzt müsse allerdings dringend geklärt werden, so die Landrätin, wie es zu der Belastung des Rückkühlwerkes kommen konnte. Eventuell gebe es eine Kausalkette zur Kläranlage Warstein. Dort war ebenfalls eine hohe Konzentration von Legionellen festgestellt worden.

Genau wie im Flusswasser der Wäster, das die Firma Esser für ihr Verdunstungsrückkühlwerk verwendet. Bisher sei zwar kein Fall bekannt, in dem ein kommunales Klärwerk die krankmachenden Legionellen verbreitet habe. Aber als Vorsichtsmaßnahme sei es vor allem wichtig, die Verbreitung von Aerosolen zu verhindern.

Schlecht gewartete Kühlanlagen sind Gefahr

Die Aerosole, ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen und einem Gas, führen die Bakterien mit sich und können die Erreger über viele Kilometer verbreiten.

Neben Warmwassersystemen gehören Rückkühlwerke zu den wichtigsten Infektionsquellen, insbesondere wenn die Luft durch Inversionswetterlagen nicht nach oben steigt sondern am Boden bleibt. Erst 2010 hatten die Ventilatoren einer industriellen Klimaanlage in Ulm die Erreger weiträumig über Aerosole verbreitet und eine Krankheitswelle ausgelöst.

Bei Verdunstungsrückkühlwerken wird das Kühlwasser im Kreislauf geführt und im Gegenstrom zu eingeblasener oder angesaugter Luft versprüht. Dabei werden im Luftstrom Wassertröpfchen mitgerissen und mit den Kühlschwaden nach außen befördert. Falls sich Legionellen im System angesiedelt haben, werden sie durch die wasserdampfgesättigte und warme Austrittsluft schnell verbreitet.

Insbesondere von schlecht oder gar nicht gewarteten Verdunstungskühlanlagen kann eine Legionellengefahr ausgehen. Es gibt zwar ein Regelwerk für den ordnungsgemäßen Betrieb und die Wartung solcher Rückkühlsysteme (VDI 3803 und VDI 6022) und auch der Fachverband Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, in dem zahlreiche Hersteller von Verdunstungskühlanlagen organisiert sind, hat ein Merkblatt herausgegeben.

Eine Studie, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2004 durchführte, hatte damals allerdings deutliche Wartungsmängel entdeckt. In 95 Prozent der 199 getesteten Verdunstungskühlanlagen waren Legionellen, meist in geringer Konzentration, gefunden worden. Aber nur ein Drittel der Betreiber führte laut Studie mikrobiologische Untersuchungen durch und nur ein Viertel ließ die Anlage regelmäßig reinigen. 

Von Gudrun von Schoenebeck

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